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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-17 · Heft 2892 (17.3.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2892 (17.3.1927)
Date
1927-03-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Zeit« 4 Wien, Donnerstag Wiener Morgerrzettrurg 17. Mär- 16^.. Nk. 2892 Ne Hochschule für «Mandel. Gestern vormittags herrschte an der Hochschule für oelthawdel vollständige Ruhe. Das G^ällde war gesperrt, mrd die Hörer, die zu Prüfungen oder zur Nachinskription woNten, nmrden nur einzeln eingelassen. Nm 10 Uhr erschien eine Mordnung der arbeitswilligen Studentenschaft in der Rektoratskanzlei, um mit Hofrat Dr. 3 runtzel zu verharrdeln, in welcher Form man den Arbeitsivilligcn Gelegeilheit geben könnte, trotz der Sperre ihre Studien fortzusetzen. Es ist geplant, für solche Studenten, die arbeiten wollen, Einlaßkarten ausKUi.2lleN. Doch muß das aus allen Parteien zusammengesetzte Komitee der arbeitswilligen Studentenschaft jeden einzelnen kennen und für ti)tt die Haftung übernehmen. Auf diese Weise ivird zunächst einer kleinen Anzahl von Hörem die Benützung der Bibliothek und der Institute ermöglicht, die dann den Kern des Selbstschutzes gegen hakenircuzlerische Uebergriffe bilden kann. Der Rektor hat die Kreisleitung VIII der deutschen Studentenschaft schriftlich von der Entziehung der Rälimlichkeiten verständigt. Die Studentenschaft hat durch eine Abordnung mittcilen lassm, daß sie bereit f-i, die Ausschreitungen zu mißbilligen, daß sie jedoch bezüglich Korbers keine Erklärung abgeben könne. Der Rektor bez üchnetc dies als ungellügend, «vorauf die B er- Handlungen abgebrochen ivurden. Die deutsche» Ltudenten erklärten, jede Verantwortung für die künftigen Geschehnisse ablehnen zu müssen. In einer gestern abgehaltenen Sitzung des Kuratoriums der Hochschule wurden sämtliche von: Rektor getrosfenen Verfügungen g e n e h m i g t und das Hausverbot gegen den Universitätshörer Kör-« Her bestätigt. Gestern vormittags erschien eine Delogation der bulgarischen Studentenschaft im> Rektorat und brachte dort die Mißbilligung der bulgarischen Hochschüler über das Verhakter: ihrer radikal eingestellten Landsleute zum Ausdruck. Im Anschluß an die vorgestrige Versaurmlung der arbeitswilligen Hörer hat sich ein fünfküpfiges Exekutivkomitee gebildet, das aus je einem Vertreter der dentschdemokratischeiß sozialdem'okratischen, jüdischnationalen und deutschnationalen Studentenschaft sowie des „Concordia"-Klubs besteht. In einer Vorsprache beim Rektor nah-m dieser das Anerbieten, einen Hilfsdienst zurEntlastunz der Pedelle zu bilden, an. Selbstschutz gegen antisemitische UebersSlle. Sine Protestversammlung der jüdischen Studentenschaft. Die jüdische Studentenschaft hielt gestern eine zahlreich Besuchte Versammlung ab, um zu den jüngsten Vorgängen <ot$ der Hochschule für Welthandel Stellung zu nehmen. Es sprach«: der Präsident der „Judäa" Chaim Gelber, sowie dis Studenten Dawibowitz und Hausknecht un'> ftnchreve andere Hochschüler, die gegen die Zustände an der Hochsschule für Welthandel in scharfer Weise protestierten. Heber Antrag Gelbers wurde beschossen, ein dreigliedriges Komitee mit der Aufstellung eines Selbstschutzes gegen antisemitische Uebergriffe zu betrauen. Schließ- Lch Moden folgende Resolutionen einstimmig angenommav Die jüdische Studentenschaft der Hochschule für Welthandel bedauert außerordentlich feststellen zu müssen, daß der Hochschule und ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit fernstehende Elemente unausgesetzt Unruhe Hervorrufen und as Ansehen und den Ruf der Hochschule schädigen. Sie protestiert energis ch gegen die aus politichen Motiven hervorgerufene Hetze, welcher \ 'in Mittel schlecht genug ist, um aufdemRückender die Sphinx das verkörperte Rätsel ist, ist sie das elvige Symbol weiblicher Schönheit. Offene Gesichter sind niemals vollendet schön, so klassisch sie auch fein mögen. Die Frau wird um so anziehender wirken, je mehr sie verbirgt und verhüllt. Die schöne Aegypterin gibt uns mit ihren Augen, dem Schnitt des Mundest mit der leichten Beweglichkeit der Nasenflügel immer Rätsel auf. Es ist eine kapriziöse Schönheit, deren Launenhaftigkeit oft bis zur Bizarrerie geht. Auch Salome mag ausgesehen haben wie Kleopatra. Diese Schönheiten sind auch verhüllt, wenn sie ohne Schleier erscheinen. Wenn Salome den siebenten Schleier fallen ließ, war sie trotz ihrer Nacktheit immer noch einachüllt in ihre Rätselhaftigkeit. In Memphis saß am Fuße einer Palme eine Fellachin und sah mich an mU dunklen, schwerbewimperten Augen und leicht geöffnetem, rotem Mund. Wahrscheinlich lag bloße Neugierde in ihrem Blick, vielleicht nicht einmal das. Vielleicht blickte sie nur -:ach mir, ohne mich zu sehen. Aber ich konnte das Auge - icht abwenden von diesem kleinen, rätselhaften Frauen- ^esicht. Und je länger ich sie ansah, desto Iefcertfciger traten mir in der Phantasie ihre Schwestern entgegen: Kleopatra und Salome, Judith und Dalila, die offenbar alle das Katzenhafte und Sphinxhaste im launischen Gesichte hatten. Im.Museum von Kairo liegt in einer Vitrine ein bemalter Mumtendeckel. Es ist ein Frauenkopf. Sicherlich der süßeste, reizvollste, unwiderstehlichste Frauenkopf, den die Kunst je verewigt hat. Ich weiß, daß ich bis an mein Lebensende diesen Kopf nicht vergessen werde. Weil er mir unlösbare Rätsel aufgibt. Weil ich nicht weiß,?s hinter dieser Stirne je vorging, was diese Augen v?rbargm, was diese Lippen verschwiege». Hinter dem Schleier, den der Jüngling von Sais zurttckriß, lag eine Sphinx, lag das Rätsel einer Frau. Stärker als die Gewalt der Pyramide ist das steinerne Lächeln davor.!! Treffpunkt der Nessebesucher ii "TCD Sie speisen vorzOg'ich und billig in den Wiener Grand-Restaurants .., H, TataretraBe Nr. 18 „ZltaW, VII.. HarlaMllmlr. 88a ErstKlassIge Wiener und orientalische KOche Speisen Natur, am Rost und Spieß — Beste Getränke Juden ihre politischen Ziele zu erreichen. Die jüdische StuElen.chast verwahrt sich da'.egen, daß von radaulustiwn Elementen versucht wirb, ihre nationale und persönliche Ehre auf Schritt und Tritt zu verlern und wird diese würdig zu verteidigen wissen. Die zweite Resolution drückt dem Rektor der Hvch.'chu.e für Welthandel Hofrat Gruntzel für sein rnuli es Eingreifen für die Rechte der jüdischen Studentenschaft den Dank in folgenden Worten aus: „Die jüdische Studentenschaft der Hochschule für Welthandel dankt Seiner Magnifizenz Hofrat Dr. Grunzet für se'ne unbeirrbar unparteiische Stellungnahme, die er angesichts der Vorfälle an der Hochschule eingenommen hat. Sie fühlt sich um so mehr zu». Danke verpflichtet, als Seine Magnisizenz als deutscher Rektor das Unrecht, welches insbesondere der jüdischen Studentenschaft geschieht, einzuschä.en rveiß -und Maßnahmen zu dessen Vorbeugung trifft. Die jüdische Studentenschaft ist gewillt, Seine Magnisizenz in seinem Bestreben, Ruhe und Ordnung an der Hochschu t zu halten, kräftig zu unterstützen." Politische Ignoranz oder Brnnnenvergistnng? In dem Pariser „Populaire", dem sozialistischen Organ Leon Blums, finden wir in der Nummer vom 8. Mürz eine politische Betrachtung eines Wiener Spezialkorrespondenten, namens Paul Renes, über „Bürger- Rock gegen Sozialisten". In dem Aussatz heißt es u. a.: „Wir sehen also in Oesterreich, zum erstenmal in Europa, die ganze Bourgeoisie, die Großfinang und die Agrarier, die Großunternehmer und die Gastwirte, die Rassenschützler und die Pazifisten, die Zionisten und Antisemiten, die Hausherren und die Mieter, Republikaner und Monarchisten, Extremra-dikale und Reaktionäre, Freidenker und Klerikale — in einer einzigen Front gegen die Sozialisten gruppiert." Es wäre interessant zu erfahren, aus welcher Quelle Herr ReneS geschöpft hat.i CS ist nicht einmal eine besondere Kenntnis der Verhältnisse in Oesterreich notwendig, um zu wissen, daß Zionisten mit Antisemiten niemals in einer Front vereinigt sein können. Eine solche Annahme wäre geradezu absurd. Aber wir haben ihr in den letzten Tagen bereits in einer beiläufigen Bemerkung des „Abend" begegnet, eines sozialistischen Blattes also, daS immerhin mehr von Oesterreich wissen müßte. Es ist zu vermuten, daß hier Brunnenvergiftung versucht wird und daß die österreichischen Zionisten vor dem Ausland als Mitläufer der Reaktion vernadert werden sollen. Wir weisen diese Unterstellung, als ob wir uns mit Antisemiten jemals zu irgendeinem Zweck in einer Front befinden könnten, auf das schärfste zurück. Denecln kräftigsten Organismus — schütz! vor Sie Mafien aus dem Arsenal beschlagnahmt. Bon der interalliierten Mtlitärkoiirm'issio». Die Waffen und das sonstige Material, das anfangs März vom Arsenal nach Kaiser-EberSdorf gebracht wurden, sind von der Entente-Kommission beschlagnahmt n Wie der Korrespondenz tzerwei mitgeteilt wird, erschien vor einigen Tagen eine Kommission der Ententemächte in Kaiser-Ebersdorf und wieS ein beglaubigtes Schreiben vor, auf Grund dessen sie die dort lagernden Waffen und sonstige- Material, die vom Arsenal in die Lagerräume in Kaiser-Ebersdorf gebracht wllrden, beschlagnahmte. Die Kommission brachte an den Wänden der Lagerräume Zeichen an, die besagen, baß von der Menge per aufgestapelten Waffen nichts mehr weggetragen werden darf. Weitere Verfügungen wiä> die Kommission erst in den nächsten Tagen treffen. Die Maßregel der Kommission entspricht dem Artikel 169 de- Friedensvertrages von Saint-Germain, der die in Wim amtierenden Organe verpflichtet, alles in Oesterreich aufgefundene Kriegsmaterial in Verwahrung zu nehmen. Entsprechend diesem Vertrags- Paragraphen wurden auch seinerzeit die nach Kaiser-Ebersdors gebrachtel: Wassenbestandtelle besichtigt und zur Verfügung der Entente-Kommission gestellt. WaS mit dem Waffenmaterial weiter geschehen wird, ist tufcfy nicht bekannt. Die in dem Artikel enthaltenen Vorschriften besagen weiterhin, daß das von der Kommission beschlagnahmte Material in den Besitz der Ententemächte übergeht. ftrmSßlgnng der Luftbarkettsabgabe für kl lue Ainos. Morgen wird dem Wiener Landtag eine Gesetzesvorlage zugehen, durch die die gegenwärtig in Geltung stehenden Bestimmungen betreffend die Leistung einer LustbarkeitSabgabe durch Kinounternehmungen abgeändert werden. Bisher war der höchste Satz der LnstHarkeltSabgabe für Kinos 28.5 Prozent; dieser Satz konnte bis auf 20 Prozent ermäßigt werden. Rach dem neuen Gesetz wird eine Ermäßigung bis auf 10 Prozent ermöglicht werden, und zwar wird eine solche Ermäßigung nur den Kinos der dritten Gruppe gewährt tverden, das ist den kleinsten Kinos an der Peripherie der Stadt, die mir auf sehr bescheidene Einnahmen rechnen können. Zu dieser Gruppe gehören etwa 60 Kinos. Eine Zusage, auch die mittleren Betriebe dieser Steuerbegünstigung teilhastig werden zu lassen, lehn'.' Stadtrat Bred ner ab. Modeschau kn der Hofburg. Anläßlich der Messe lud die Firma Julius Krupnik zu einer Modeschau in den Neuen Saal der Hofburg, die überaus stark besucht war. Man gewann einen vollen Ueberblick über die kommende Frühjahrs- und Sommermode. Für jede Gelegenheit und für jeden Geschmack wurden die auserlesensten Modelle vorgeführt. Schöne Frauen, Nenee, Martha Fervar, Gerzhofer und viele reizende Mannequins führten die Modelle des Hauses vor. Um die Neugierde der Damen zu befriedigen, die nicht dabei sein konnten, wollen wir in großen Umrissen die Grundlinien und die vorherrschenden Modefarben schildern. Die große Mode ist das Komplet: meist in dunkelblauem Crepe Georgette, mit weißer Stickerei, oder in Beige mit Säumchen in allen Breiten, oft mit Fransen geputzt. Man sieht Seide, immer wieder nur Seide; vereinzelt (für Sportzivecke) beige Kasha. Modefarben sind: Dunkelblau, Beige, etwas Rosa. Eine neue Zeit scheint für Lingerie und Jabots angebrochen zu sein. Die Kleider sind kurz, dafür oben ziemlich hoch geschlossen, beim Halsausschnitt steht man flatternde Schals, auch zu einer Schleife gebunden, doppelte Kragen, die Röcke sind in Plissee, in Hohl- oder Quetschfalten. Für den Sommer sah man reizende Strandkleidchen, alles natürlich in Weiß, mit verschiedenfarbigem Aufputz, dazu ärmellose Jäckchen in der Farbe des Aufputzes/ Biel gezeigt wurden Kleider in gemustertem und goblu-mtem Crepe de Chine und Crepe Georgette, meist mit glattem Material kombiniert Nicht zu vergessen einige reizende Modelle in Spitze. ES verdient hervovxehoben zu werden, daß trotz der vielen Säume und PlisseeS die schlanke Ante auch weiterhin gewahrt bleibt, da der Rücken meist glatt gehalten ist. Die blusige Mode ist scheinbar wieder im Abklingen begriffen. Für Feste in den Kurorten sah man Stilkleider in Taft oder Crepe Georgette, mit Silberspitze oder Blumen geschmückt. Da — wie der Conferencier behauptete — Krupnik für alle sorgt, wurden auch ganz entzückende Kinderkleidchen gezeigt, meist in Hellen Farben gehalten und mit Volants und Schleifen geputzt. Die exquisiten Schuhe, die zu den Modellen getragen wurden, stammten aus der Modellwerkstätte Leopold Jellinek. Di« Vorführungen sandMIarken Beifall, einzelne, besonders gelungene Stücke wurden spontan mit Applaus bedacht. Zun Schluß gab es Blumen, Kränze und Ovationen, für die Chesis des Hauses. gnternatienale Ringkamvskonknrrenz »m Sirfns Adelst. Im' Zirkus Adolfi begann gestern die große internationale Professlonal-Ringkampfkonkurrenz um die Weltmeisterschaft für daS Jahr 1927. Es stellten sich 24 Ringer. Folgende Kämpfe gelangten zur Austragung: Doberl (Steiermark) siegt gegen Martini (Italien) in 7 Minuten. Walcher (Wien) wirft Chevalier (Frankreich) in 2,8 Minuten. Motika (Tschecholowakei) siegt gegen Proksch (Wien) in 4 D'stnuten. Wondraschek (Tschechoslowakei) gewinnt gegen Brenner (Men) in 14 Minuten. Borotonoff (Rußland wirst Michaelowitsch (Jugoslawien). -er geheimnisvolle Lote ln der Me. Au Mord? Am 10. d. M., früh, hat ein Steuermann des Bayerischen Lloyd, der mit einem Motorschiff von tzainburg nach Wien stromaufwärts fuhr, bei Orth a. d. Donau eine Zille stromabwärts .eiben gesehen. Er bemühte sich vergeblich, die Zille auszu'ingen; im Vorbeisahren sah aber der Steuermann, daß auf beut Vcden der Zille ein junger Mann lag. offenbar t o t. Der Steuermann ries die Aufmerksamkeit zweier Männer am User wach, Re dann die Zille bargen. Bei dem Toten fand man einen Heimatschein aus den Namen Franz Kügerl, geboren am 9. September 190b zu St. Johann bei Hohen- 7

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