Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2891 (16.3.1927)
- Date
- 1927-03-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2891 Men, Mittwoch Wiener Msrgenzettnng m. März IE SeNe S Sin Lpfer der Horlhy-guftlz. Budapest, 1b. März. Die Wiener Erzieherin Ebsa Pfeiffer, die vor eitrigen Tagen vom Budapester Strafgericht wegen Schmähung der ungarischen Nation zu 20 Tagen Arrest und Landesverweisung verurteilt worden ist. hat heute früh im Deutschen Lehrerinnenheim Selbstmord verübt. Elsa Pfeiffer, die sich mit einer größeren Dosts Morphium vergiftot hat, wurde tn lebensgefährlichem Zustand in das Rochusspital überführt. Ebesteht keine Hoffnung, daß ste gerettet werden könnte. Elsa Pfeiffer, die im Hause des Ministerialrates Dr. Makra einige Monate lang beschäftigt war, wurde denunziert, daß sie in Korrespondenz mit den ln Men lebenden ungarischen Cmigrantensührern stehe. Sie wurde auf die Oberstadthauptmannschaft zitiert und ausgefordert, Ungarn schleunigst zu verlaßen. Elsa Pfeiffer soll nun einem Detektiv gegenüber geäußert haben, sie gehe ohnehin gern aus dem Dr...land Ungarn »veg. Auch diese Aeußerung wurde zur Anyeige gebracht und obwohl die Wiener Erzieherin bestritt, jemals die Bemerkung gemacht zu halben, wurde sie, nachdem sie mehrere Wochen in Untersuchungshaft verbracht hatte, zu A) Tagen A-rrest verurteilt und a u s g c w i e s e n. Wien, 10. März 1927. Mate und Bronte. Diese beiden. Worte werden sich alle KreuKworträtsellöser gut merken müssen. Brome ist ein für Europa neuer Crfrischungstrank. Er schmeckt angenehm, riecht balsamisch; am Morgen nüchtern genossen, wirkt er erregend. Man schätzt ihn als BerdauungS- und Erfrischungsmittel u.nd genießt ihn zu allen Tagesstunden, namentlich auch um borgen um Ermüdung zu verscheuchen und Strapazen leichter ertragen zu können. Den Südamerikanern .st dieses (»'elränk sei! Jahrhunderten unter dem Namen „Mate" bekannt. Cs ist dort zum uuenibehrlichen Volksgetränk geworden. Sein sektartiger Geschmack macht es zum anregendsten alkoholfreien Trunk. Aber auch mit Wein und Kognak vermengt bildet Bronte eine Gaumen- und Zungeniweide der Alkoholfraunde. Aus der Wiener Frühjahrsmesse wird das Wiener Publikum zum ersten Male Gelegenheit haben, sich durch Kostproben von seinem Wohlgeschmack zu überzeugen. Das Wetter. Der über Mitteleuropa hereingebrochene Luftdruck hat nach anfänglichen Niederschlägen die Wetterlage derartbec.nflußt, daß eine' empfindliche Kälte.eingesetzt hat. Bayern und im Böhmerwold ist sogar Schnee gefallen. Nach der Vorhersage dürste aber eine baldige Besserung bovovsteben, wenngleich die Temperatur sich nur längs «n bessern dürfte. 7-Uhr-Ladenspcrre während der Messe. Das Gremium der Wiener Kaufmannschaft teilt mit. daß der Wiener Magistrat durch eine Verordnung vom h'uttgen Tage vorläufig angeordnet hat, daß die La.enspecrc während der Messe um eine Stunde später erfolgen kann. betriebe welche keine Lebensmittel vevkn sen, haben demnach um 7 Uhr, Lebensmitwlhändler haben um 8 Uhr zu sparen. Tie Entscheidung über die weiteren Ausnahmetage uu Jahre 1927 wird spater erfolg-' , Tätliche Autounfälle. Geistern nachmittags wurde am Nenn weg die 59jährige Bedienerin Anna Sberak von einem Lastenauto derart unglücklich überfahren, daß sie wenige Minuten darauf starb Nach den polizeilichen Erhebungen war sie an dem Unfall selbst sch u ld t r ag e nd, da sie in daö Auto geradezu hi»' einvannte. — Alts der Mariahilferstrahe wurde der 7öjäh-ngt Privakbeamte Anton Z e i ss e r von einem Privaiauto überfahren und drei Schritte weit geschleudert. Er wurde schwer verletzt in das Spital gebrach:, wo er kurze Zeit darauf starb. Nach Aussagen von Zeugen dürfte Zeisser den Unfall selbst verschuldet haben. Selbstmord eines Vierzehnjährigen. Aus Preßburg wird gemeldet: Der 14jähr:ge Sohn des in Ungvar wohnenden Hauptmanns M i r o s l a w schoß sich eine Kugel ins Herz und war sofort tot. Die Ursache des Selbstmordes war, daß sich der Haupnnann von seiner Frau scheiden ließ Mid noch einmal heiratete. Aus Sehnsucht nach seiner Mutter ging der Junge in ae? Tvd. E Versteigerung. Heute, präzise 3 Uhr, beginnt im Aukttonshaus für Altertümer, Glückselig, G. m. b. tz., Mühlgasse 28—39 die für 3 Tage anbennnnte Versteigerung von antikem Mobiliar, Silber, Teppiche, Tapisserien, sowie einer bedeutenden Gemälde- und Minia'U'.N'.sammttrng. Diese Versteigerung, welche nahezu bl« Numm: n umfaßt, verspricht, da für diese großes Interesses vorhanden, ein gutes BfafirTtat zu zeitigen. E Alles ist schon dagewesen, aber die wirkungsvolle Qualität von Löwen-Franzbranntwein mit Menthol ist von niemanden erreicht worden. Uebevall erhältlich! IC JÜDISCHE WEIT Ufa neues Verhör mit Schwarzkmrt. Die I. T. A. meldet aus Paris unter dem 14. März: Der Untersuchungsrichter Herr Peyre hat trotz des Abschlusses der Voruntersuchung abermals ein Verhör mit Schalom Schwarzbart angestellt.Schwarzbart wurde über die Dokumente befragt, die unrnilteLbar nach der Ermordung Pet'ljuras bei der in seiner Wohnuitg veranstalteten Haussuchung gesunden worden find. Sie »gndenfasel" an der ventsch-schwekrerische« Grenze. Die „Neue Aargauer Zeitung" schreibt: „Ende des 17. Jahrhunderts, zu einer Zeit, wo in der Schrveiz noch ein Verbot über israelitische Beerdigungen bestanden hat, tvurde auf einer Rheininsel bei Koblenz, genannt „Judenäule" oder im Volksmund „Judeninsel", ein jüdischer Friedhof angelegt. Im Verlause der vielen Jahre und nicht zuletzt durch die Hochwasser ist dieser Friedhof sozusagen fast gänzlich verschwunden. Es finden sich heute daselbst nur noch fünf Grabdenkmäler vor, die größtenteils verfarrdet sind. Da fl um die Insel mehr auf deutschem als auf Schwetzerboden liegt, befaßt man sich heute deutscherseits ernsthaft mit der Erhaltung des Friedhofes. Hierbei handelt es sich nicht nur um die Erhaltung der geschichtlich bemerkenswerten Grabsteine, von denen der Großteil leider bereits verschwunden ist, sondern um die Erhaltung der ganzen Anlage. Der Konservator der kirchlichen Denkmäler der Kunst und des Altertums in Freiburg (Baden) hat sich nun an das Ministerium des Kultus und Unterrichts in Karlsruhe gewendet und dahin gewirkt, daß die Anlage als Ganzes mit allen verfügbaren Mitteln einstweilen geschont, werde. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die noch vorhandenen Grabsteine später einem anderen israelitischen Friedhofs, vielleicht in Gallingen, einverleibt rverden. gloniftlsche Arbeit in Norwegen. In oer Zeit vom LI. Fcöruar vis 9. März weilto Herr Dr. Warner Bloch im Aufträge der Zionistischen Exekutive, des Direktoriums des Keren Hajessod und des Direktoriums des Keren. Kajemcth Lejisrael in Norwegen. Herr Dr. Bloch hatte Gelegenheit, an vier Wenden in Oslo und an zwei: Abenden in Troudhjem Bortrüge zu halten. Die jüdischen Jugendvcreine in Oslo und Trondhjem gaben Herrn Dr. Bloch bereitwilligst Gelegenheit, vor der jüdischen Jugend über deren Aufgaben zu sprechen. Die Keren Hajessod-Acheit wurde voü den Komitees in Oslo und Trondhjem gut vorbereitet, so daß die Möglichkeit gegeben war, auf Zirkelverarist altn iigen ausführliche instruktive Palästina-Referate zu halten. Das Ergebnis der Keren Hajessod-Aüion für 1927 in Norwegen beziffert sich auf norw. Kr. 10.000, wobei zu berücksichtigen ist, daß Norwegen unter einer schweren Wirtschaftskrise leidet. i Es ist ferner gelungen, die Arbeit des Keren Kajemeth Lejisrael zu syst>emisieren. Ermordung eine^ jüdischen Notadeln in Kairo. Die Ernlvrdung des Herrn Salomon Ci eure! in Kairo, eines angesehenen Mitgliedes der jüdischen Gemeinde dieser Slndt, hat Anlaß zu Beileidskundgebungen von allen Seiten gegeben. Die Zionistische PalMina-Exekutive hat an die Zionistische Orga.7i ation 'n Kairo 'folgende Botschaft gerichtet: „Die ZioniAsche Palästina-Exekutive ist tjef erschüttert durch die blutige Tat, durch welche die Familie C i c u x e l, welche der jüdischen Sache so viel Dienstx erwiesen hat, ihres geliebten Sohnes beraubt wurde. Wollen Sie der Familie des Verblichenen unsere Sympathien und unser Beileid übermitteln." Die jüdisch« Auswanderung nach Südafrika. In dem soeben erschienenen Heft 14 der von „Hia'-E.nigdirekt" herausgegebenen Zeitschrift „Die jüdische Emigration" gibt Dr. I. Coralnir eine Uebersicht über die jüdische Einwanderung in Südafrika. In den Jahren vor dem Kriege war dort die jüdische Einwanderung wenig beträchtlich; der Auswandererstrom der zu Beginn De* Jahrhunderts hauptsächlich aus Litauen nach Südafrika etnsetzte, versiegte zu Beginn des Weltkrieges fast ganz. In den letzten paar Jahren wunderten fast ausschließlich Verwandte der dort Ansässigen ein. 1926 kamen natch Südafrika 1953, 1926 schon 1500 jüdische Einwanderer. Die Rückwanderung von Juden aus Südafrika ist sehr minimal, während unter den Nichtjuden die Rückwanderung die Einwanderung übersteigt. Juden wanderten nach Südafrika hauptsächlich aus Litauen, Rußland, Lettland und Polen ein. Eine jüdische MiMaichenstiftuna. Aus B u d ä p e st wird uns berichtet: Die vor einigen Tagen verstorbene Witwe des langjährigen angesehenen öffentlichen Notars. Doktor Philipp Weinmann bestimmte in ihrem Testament ihr gesamtes, etwa drei Milliarden betragendes Vermögen für eine Stiftung zur Versorgung von verarmten kinderlosen Witwen und Witwern, die einst bessere Tage gesehen haben. Bezeichnend für die durch die Taufseuche, die auch ln den besten ungarisch-jüdischen Familien arge Verheerungen angerichtet hat, ist die Verfügung der Stisterin, daß nur Juden/ oie zumindest seit fünf Jahren in Budapest ansässig sind, in den Genuß der Stiftung treten können. Ausgenommen von dieser Bedingung sind nur die Verwandten der Stisterin und chres verstorbenen Mannes, die auch dann auf die Stistungserträgnisse Anspruch haben, ,-wenn ste einer anderen Konfession angehören und nicht in Budapest ansässig sind..." Jüdische Schwestern in Palästina. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Nach der Statistik in der neuesten Nummer von „Briuth Hamn" einer Zeitschrift für öffentliches Gesundheitswesen, die vom «Gesundheitsrat der Zionistischen Exekutive herausgegeben wird, sind 402 Schwestern in den Hospitälern von Palästina tätig. Davon sind 209 oder über 60 Prozent jüdische Schwestern, von denen 79 in der Medizinischen Hadassah-Organisation tätig sind, 14 in der Kupath Eholim (Arbeiter-Krankenkasse) und 16 arbeiten im Irrenhaus, das von der Ezrath NaFchim verwaltet wird. Vereine. Bortröge und Bersnmmlnngen. Klub radikaler Zionisten. Heute, Uhr abends, 'm East Atlashof Klubversammlung. Vortrag Wer ,K>as Programm der Zionisten-Ravbsionisten." Referent Dr. Norbert Hofmann. — Jüdische Tischgesellschaft Landstraße. Heute Vortrag Oberbaurat Ing. R. Stricker im Cafe Lovranä, 3. B., Äöwengasse 36 (Souterrain), über „Aktuelle zionistische Fragen." Gäste willkommen! Diskussion. — Zionistische Jngendgruppe Leopoldstadt, 3. Bez., Zirkusgasse 88. Heute, 8 Uhr atbends, Vortragszyklus Dr. Samel Beer über »Hygiene des Alltags." Morgen, 8 Uhr abends, Sichah. — Zionistische Jugendorganisation Prater, 2. Bez., Jungsirahe 8. Heute, 8 Uhr, Vortrag Dr. Chaim Tartakower über Achad Ha am. — Wiener Beth--Hamidrasch, 2, Bez., Tempelgasse 3. Heute, 6 Uhr, Lektor Dr. S. Gelbhaus: Liturgie; 7 Uhr Lektor Dr. S. Rubin: Die Philosophie Maimonides; Die Offenbarung. — Volkshochschule Leopoldstabt (Woltsheim), 2. Bez., Zirkusgasse 48. 7 Uhr: Dr. Fried jung: Geschichte Oesterreichs; Ing. A l t m a n n: Elektrische Bahnen; Dr. M o n tz ka: Vau und Leistungen des menschlichen Körpers; 8 Uhr: Ing. K r o m a r: Probleme des Schiffsbaues. * Eine unglückliche jüdische Frau aus besserem Haus, Witwe eines Staatsanwalts, die schwer krank mit ihrem arbeitslos gewordenen Sohn sich erhalten muß, ruft die Hilfe >des jüdischen Publikums an. Mutter und Sohn hungern, haben keine Kleider und Schuhe und sind von «der Delogierung bedrrcht. Der Sohn ist akademisch gebildeter Musiker und würde gerne Stunden geben. Die Administration ist bereit, Spenden entgegenzunehmen. Bitte an edle Menschenfreunde. Ein alter unheilbar kranker Mann, dem beide Füße amputiert wurden, bittet einen edlen Menschenfreund, ihm einen alten Rollwagen zu leihen oder zu schenken, womöglich einen, >den er selbst mit den Händen lenken kann. Seine greise Gattin hat in unserer Redaktion vorgesprochen und die völlige Mittellosigkeit ^bezeugt. Die Adresse ist ln unserer Redaktton zu erfahren. Ein Jubiläum des internationalen biographischen Archivs. Dieses treffliche Archiv für publizlsüsche Arbeit hat am 9. März d. I. bereits seine hundertste Lieferung versendet. Dieses Archiv bringt in seinen viermal monatlich erscheinenden Lieferungen die biographischen Daten der im öffentlichen Leben stehenden Persönlichkeiten aller Länder, von Politikern und Diplomaten, Gelehrten, Künstlern und Schriftstellern. Durch die ständige Erneuerung der Personaldaten veraltet daS Werk nicht, im Gegensatz zu Behelfen, d'ie in Buchform erscheinen. Das internationale biographische Archiv hat sich eine große Zahl von Freunden erworben und ist ein trefflicher, verläßlicher Behelf. Jüdisches Künstlerkabarett Heute m 1 1 11 _ Mittwoch, den 16. Mälz ZU sUkbU praxi»« des Herrn 8 Uhr w Bernhard ferner aus der JUd, Revue die Sxenenbilder s „Sehnsucht nach Hon“ und die Kolporteurszene „Wiener HorgenzeHung Restliche Karten an der Aber’dkassa nthrum Unschuldig *H5Xr verurteilt! zum 1. Haie Helodram» von Bnnet. nenbearbeitet von BERNHARD WITTLBR 999999999999999999999999999254 53534830535353483048532348235323534848024823530100484853 0270682361