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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-13 · Heft 2888 (13.3.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2888 (13.3.1927)
Date
1927-03-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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KD 7CT* Men, Ssnntag MWUAMDAMsM — wlfllCw W|P”0WI)fllRllg 11 MLr, IE 3efl» 6 Wie wir vernehmen, droht die deutsche Studentenschaft, die mit Körb er solidarisch ist, für Montag vormittags mit Krawallen als Repressalien. Dem Körber ist übrigens daS tz a u s v e r b o t zuqegangen, und er wird in Disziplinaruntersuchung gezogen. Die jüdische Studentenschaft, die bisher noch keinen Beschluß auf Jnskriptionsstreik gefaßt hat, wird am Mittwoch eine Protest Versammlung gegen die letzten Vorgänge auf den Wiener Hochschulen abhalten. Gegen den Führer der sozialistischen Studenten T s ch a d e k wurde von den Universitätsbehörden eine Disziplinaruntersuchung eingeleitet. An der Hochschule herrschte gestern Ruhe. Der Logitimatlonszwang wurde strenge gehandhabt. JBitn gehört den Misten." Im Favöridner Bezirksgericht hat sich gestern eine Szene abgespielt, aus der zu ersehen lst, wie weit der HakenkreuMist schon reicht. In einem Streit zwischen sozialdemokratischen Mietern und chvistlichsozialen Vertrauensleuten erregte sich der christlichsoziale Vertreter, der Rechtsanwalt Dr. Rodert Klimofch (1. Dez., Stephansplatz 4) derart, daß er eine Aeußerung des gegnerischen Anwaltes als eine jüdische Provokation bezeichnete. Der Angefallene ließ bw Aeußerung protokollieren und verlangte die Abtretung des Aktes an die An-waltkammer, wobei er einige im Saal anwesende Rechtsanwälte als Zeugen namhaft macht«. Darauf rief Klimofch: Sind noch eia paar Juden hier? Der Richter erteilte ihm eine Rüge, worauf Klimofch replizierte: „Wten gehört den Christen und nicht den Juden!" Die Verhandlung wurde abgebrochen. fons Wavra mit einem Motorrad mit einem ihm entgegenkommenden Lastauto zufarnmengchoßen. Wavra erlitt lebensgefährliche Verletzungen und mußte auf die Unfallstation gebrächt werdest. Wie di« Polizei fsststellte, ist Wavra, der bei einem Bäckermeister beschäftigt war, in schneNem Tempo stuf daS Auto direkt zugefahren. Das mit einem - Hilfsmotor ausgestattete Rad gchört weder ihm noch seinem Dienstgeber, sondern einem Mechaniker, doch hat der Bäckermeister den jungen Hilfsarbeiter mißbräuchlich öfter das Rad benützen lassen, um Gebäck abzuliefern. Die Polizei führt die diesbezüglichen Erhebungen weiter. Sl« Splnoia-Aieud. Der Vortrag Dr. Grvlwrvt. . Der jüdisch-akademische Philosophenverein begrüßte gestern in seiner Mitte den berühmten Spinozaforscher Dr. Karl Gebhardt, der die Einladung des Vereines zu einem Vortrag Über Spinoza anläßlich der 250. Siebet« kehr des Todestages des Philosophen angenommen hatte. Dr. Gebhardt würdigte in einer gedanklich ungemein vertieften Vorlesung die lebendige Wirksamkeit Spinozas und seine Bedeutung für die Gegenwart. Er suchte ihn zunächst Worisch aus dem Zwiespalt Mschen dem Marannentum und dem kristallisierten, in feste Formen gebannten Gesetzesglauben der Juden zu begreifen, schildert« aber zugleich die mannigfachen, zeitgeschichtlich bedingten Strömungen, die ihren Brennpunkt in dem Geiste der Philosophen gefunden haben. SpinoziSmuS fei die Philosophie der Barock, der Barock wieder ein dialek¬ SOS Martert«« oe, »naben Veirach. Wir fyabtH gt.pt.rn »rach b.m Larschau.r , Hajn." üier die Martern berichtet, denen der 16jährr^e Knabe I ak B e irach in der -Sowjetfabrik zu Serada von seines russischen Arbeitskollegen unterworfen wurde. Wegen der Erregung, die dieser schändliche Vorfall h rvorgerufen hatte, sahen sich via Behörden veranlaßt, «inzuschreiten. Sechs Arbeiter wurden verhaftet und vor das Gericht gestellt. Der Kommunist Smirnoff wurde zu 18 Monaten, der Gewerkschaftsbeamte Boronin zu einem Jahr, der Kommunist Mein ik off zu drei Mona en, zwei Arbeiter zu je einem Monat Gefängnis verurteilt. Ein Angeklagter wurde frei* gesprochen Die „SnreS" erklärt, -was sich in Serada ereignet habe, zeige, daß der Antisemitismus in Sowjetrußland vom Kleinbürgertum und der intellektuellen Schicht schon in die Arbeiterschaft und Bauernscha.t hineinwächst. Ler versuchte vatteumorv im Heleueutal- Wie uns aus Wr.-Reustadt Md, wurde gestern der 38jährige Bahnbeamte Franz Höllerer dem dortigen Kreisgerichte eingeliefert. Als der kleine, schwächliche und unscheinbare Mann gefesselt vom Bahnhofe weggeführt wurde, riefen die zahlreichen Neugierigen: „Uj jeh, das Manderl wollte seine Frau Hinunterstoßen!" Bei seinem heutigen Verhör erzählte er, daß er mit seiner Frau in gutem Einvernehmen gelebt habe und die Zerwürfnisse nur darin ihren Grund hatten, daß eine Schwester seiner Frau, di« bei ihnen wohnte, ihm viel Geld kostete. An dem Tage der Tat war er mit seiner Frau in .guter Harmonie. Als sie an der Kante des Felsens standen, sei chm in momentaner Erregung der Einfall gekommen, die- Frau hinunterzustoßen, und ohne zu wissen, was er eigentlich damit bezroecken tvollte, habe er auch schon die Tat ausgeführt. Mit seiner Geliebten hatte er nie darüber gesprochen, daß er seine Frau auS dem Wege räumen wolle. Die Untersuchung gegen Höllerer wird bloß wegen versuchten Totschlages geführt, da ihm der Bor bedacht der Handlung nicht nachgewiesen werden kann. Seine schwerverletzte Frau ist nach einer Mitteilung der Aerzte so weit hergeflellt, daß sie morgen vom Untersuchungsrichter einvernommen werden wird. Sie weiß noch nichts davon, daß ihr Mann unter der Beschuldigung des GattemnordeS verhaftet ist. 61« schwerer verkehr,«ufutl am Neubau. Gestern vormittags ist an der Ecke d«r Kaiferstraße und der Westbahnftraße der 18jährige Hilfsarbeiter. Altischer Stil, der das Unendlichkeitsstreben mit der Fovmung harmonisch zu vereinigen suche. Spinozas große geschichtliche Tat sei die Loslösung des Glaubens von den Offenbarungsurkunden und seine Verlegung in die immer wirkende Offenbarung Gottes gewesen. In dieser Hinsicht ist der Spittozisnvus auch heute noch eine Philosophie, die in die Gegenwart hineinpasse und geeignet sei, ihrer Sehnsucht Erfüllung zu bringen. Spinoza' sei, durchaus dynamisch zu verstehen, er werde der schöpferischen Persönlichkeit, die als Problem dem Menschen aufgegeben ist, gerecht und daraus erkläre sich auch die wunderbare Einfühlung Goethes in daS fpinozistifche System. Zu dem Bortrag hatte sich eine ungemein große Schar von Zuhörern eingefunden. Vertreten waren u. a. die holländische Gesandtschaft und die Bundesregierung. Ae FkühlahrsÄeffe. Heute vormittag- Eröffnung. Heute vormittags wird die Wiener Frühjahrsmesse eröffnet. In den drei Messehäusern fMeffepalast, Hofburg und Rotunde) beginnt das Geschäft um V29 Uhr vormittags. Um S Uhr abends werden die Messehäuser geschloffen, nur die Weinkvsthalle bleibt bis 8 Uhr abenvS geöffnet. Da» Wetter. Wien, 13. März 1627. Di« Wetterlage hak sich gestern wieder etwa» verschlechtert, e» ist etwa» kälter gewoäen ui» stellenweise fielen auch Niederschlag«. Die Vorhersage spricht von einer weiteren Temperaturabnahme, leichte Niederschläge nicht ausgeschlossen. Todesfälle. Gestern sind hier Herr Kasiel Friedmann aus MoScifte und Rabbiner Mendel Weiger aus Ottynra verstorben. Geheimrat Kühlmann von einem Ante überfahre«. Aus Berlin wird gemeldet: Der gewesene Staatssekretär des Auswärtigen. Geheimrat Kühl mann, wurde heute Unier den Linden von einem. Auto überfahren. Er wurde mit schweren Verletzungen ln die Universitätsklinik gebracht, wo er besinnungslos darniederliegt. E Wenn infolge des Alterns Benommenheit, Kopfschmerzen, Herzbeklemmung austreten und Ihre Arbeitskraft abnimmt, jo entgiften Sie Ihr Blut, durch den Gebrauch von Radiokklertn, den seit langen Jahren ärztlich empfohlenen Tabletten, welche die Mulzirtuüation ln den Pulsadern fördern und die Kafiablagerung verhindern. Die Reinigung und Verdünnung des Blutes, die Erlangung der nötigen Elastizität der verkalkten Adern und die Erhaltung der Arbeitskraft find die Hauptwirkungen. Radiumgehalt amtlich überprüft. Depot: Apotheke Bayer, Men, 1. Wollzeiie 16. E Bei Erkältungen, Schnupfen, Halsentzürwung, Nervenschmerzen, Gliederreißen tut man gut, mit einem halben GlaS natürlichen „Fmnz-Josef"-BitterwasserS für tägliche Darmentleenmg zu sorgen. Nach Urteilen der Universitätskliniken zeichnet sich daS Frgnz-Josef-Wasser durch sichere Wirksamkeit bei angenehmen Gebrauch auS. E Unschädliche» Entfettungsmittel. Man kauf« sich in der nächsten Apotheke 4 Dekagramm Fuvabohneu, davon nimmt man 3 Wochen hindurch ^zweimal täglich je eine Bohne nach der Mahltest. hernach 3 Wochen dreimal täglich je 3 Bohnen nach der Mahlzeit, fodann wiederum zwei Wochen dreimal täglich 1 Bohne nach der Mahlzeit. Der Erfolg ist ein überrasch ender. E I» Marlahllf, am Neubau, in der Innere» Stadt, io ganz Men und well, auswärts sind der eleganten Damenwelt me herrlichen Pelzmäntel aus de»: Werkstätten des Kürschnermristers Karl Ne nadal, 7. Siebensterngasse 54, wM bekannt. Seim Modelle sind aus au-saewählten Qualität»* k Qas feile« modernst und geviegen gearbeitet. Nenadal ist ein tüchtiger Fachmann mit großer Praxis, die er in renommierten Pelzetablisiement» in leitsnden Stellungen erwarb. Er berechnet trotz hoher Qualitätsl-ieferung oLS reeller Wiener Geschäftsmann mäß'-^te Preise. Daher das allgemein« Vertrauen. Auch tente Herreiivel-e finden allgemeinen Anklang. *• ^ö*i #iuiuiirci.|«.ui(je v i2v(C}jjaTnTi/f ctti feinste Herrenga^derobe gegründet. E Die österreichische Tabakregie beteiligt sich an der 13. Internationalen Wiener Mesie und bringt in eigenen Pavillonaick dem Gelände der Rotunde und im Hofe des Messepalastes ihre sämMchen Tabakfabrikate zur Ausstellung und zum Teile auch in Meffepackungen zum Verkaufe. So ivevden die ägyptischen Zigaretten 3. Sorte und die Memphis-Agaretteu auch in eleganten Kappenschachtel-n zu 85 Stück abgegeben. Im Fabriürttonsvaume des Roturrdenpavillons wird die Verpackung der beiden genannten Zigarettenforten in Kartons zu 36 Stück am der von der Firma Hofherr-Schrank-Clayton« Shnttleworth Ä.-G. in Wien hergestellten Zigaretten-Verpackungsmaschine für ovale Zigaretten neuester Konstruktion in natura voraeführt, die ganz automatisch die Kartonbobine bedruckt, die Kartentelte ausstanzt, die Kartons formt, -die Zigaretten dachziegeterüg einlegt, jeden Karten mittels eines sehr empfindlichen KontrollapparateS auf den richtigen Inhal, prüft, den Karton versthließt und sodann die fertigen Kartons auf den Dffch der Abnehmerin ausstoßt. Me auf dtefer Maschine hergestellten Packungen sind äußerst gefällig und praktisch und werden voraussichtlich den Beifall der Raucher finden. Die zur Verpackung gelangenden Zigaretten werden oleichftrlls im dortigen FabvikationSraums auf einer Rekotti-Zigaretterr Maschine erzeugt. Im Ausstellungsräume gelangen dtesm,! Rob'obake, die die österreichische Dabakregie zur Herstellung Trinke Kathreiners Kneipp Malskaffee Er ist niemals offen erhältlich, sondern nur in verfchloffenen Orlainalpaketen mit Ditdnto Pfarrer Kneippr Wen» D« etwas anderes nimmst, ist .DaS Glück in der Kaffeeschale" bedroht. chftr Zigaretten und Zigarettentabake verwendet, zur Erpositton. Bilder, welche die Shrifut, die Ernte und die Behmrdkungder Dabake bis zmn fertigen Packen zeigen, ferner eine SpeMkarte der ovientalsschen Tabekbaugobtete ergänzen dich, Ausstellung. E Wie«, gib acht! DaS wegen seiner unerreichten Leistungsfähigkett alkgomeü bestbekannle Leopolbstädter Warenhaus Brüder Schiff man u, 2. Bez.. Taborftraße 4L, bringt in der kommvndei Woche .Sensationelle FrühlingSangebotein allen AStvÄungen Auswahl, Qualität und Preis können kaum unterboten wer be». r« Modekleider-Schotten m S. 2.90, la Schafstvollripf und Popeline, doppelt-breit, S. 3.9Ü, Seide, schwarz und weif Meter nur S. 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SBiettl r. berühmt und geschätzt als Zentrum abeu-d ländischer Kunst, geliebt und gefücht als der unerschöpflich Born alles Schönen und Anmutigen, geht nun endlich auch da ran, feinen Ruf als erste Mode-Metropole im Bewußtsein bei Auslandes fest zu vemnkern. Me am 1b. d. M. um 5 Uhr nach Eags im Festsaal« der Hofbuvg — in kaum geahnter Prach und Füllte — stattfindende Modellschau wird in großzügigftei Sv* Weife die Mate Foinfühligteitde, Wiener Modekunst für die Erfordernisse des modernen Frauen Kndes, die unvergleichliche Sichechoit des Wiener Ge ,cks einen internationalen Publikum intuitiv und restloi beweisen. Bor den Augen der zahlreichen Besucher aus alle, Herren Lander, die ,hr Erscheinen bereits zugesagt haben, de, v'elen täglich auS Frankreich, England, Amettka und den Suk^ zeffionSstaaten sich anmeldeirden großen Reisegesellschaften süi deren Gesamtzahl der verfügbare Raum allerdings zu errgi .i®**^«* die glänzenden Schöpfungen eine, zu höchster Meisterschaft gediegenen Modekunst Revue pasiteren! einer Kunst, der daS Forum der Sachkundigen längst schon dit Gleichwerngkeit mit ihrer berühmten Pariser Rivalin, ja ofi auch die Ueberlegenheit ihr gegenüber, zuerkannt bat. — Dü Leitung dieser bedeutsamen Amon liegt in den ck'wahrten Händen der beiden Ehest des Hanfes Knipnik, daß das große Verdienst zie Gewußter und aufopferndster Führerschaft der Wiener Mode Kr sich in Anspruch nehmen darf. Frühtiogs-Rruhrite« in ollen Abteilungen. In Anbetracht der Messe-Woche haben wir in allen Abteilungen besondere Okkasionen vorgeseherz. wobei wir Sie besonders auf das sensattonelle Angebot unse rer Lederwarenabteilung aufmerksam machen. Auf vielseitiges Verlangen von auswärts haben wir uns entschlossen, die sehenswerte Innendekoration der „Weißen Woche^' »och übci die Messe-Woche zu belassen. A. Gerngroß, Aktiengesellschaft.

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