Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2888 (13.3.1927)
- Date
- 1927-03-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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* -• -----..-77- - -v .saar kcmmrt ja feilen etwas besseres nach. Leben auch ffötz 518 Sfnteit. M, der ©eriitge ttt Israel Abraham, Sohn des Josef." Mer <mch in -er hebräischen Sprache besaß Fischhof Kenntnitze, daß er sie nicht nur mit Verständnis fordern auch schreiben konnte. Im Jahre 1884 hatte Mkob Fischer eine Biographie Dr. Fisch Hofs ihrhebräischer SPrache verfaßt und sich an ihn mn elnitge Daten gsvendet. Dr. Fffchhof schrieb ihm unter dem 2v Mai 1884 siegendes: Emntersdorf, am 20. Mai 1884. Hochgeehrter Herr? «Re hoKm in Ihrem geschätzten Briefe vom 13. d. M. den mich chrenden Wunsch ausgesprochen, luerne Biographie in hebräischer Sprache zu veröffentlichen, und mich ttm Mitteilung von Daten ersucht. Meines Mssens sind die genauesten biographischen Notizen i» der Nummer 49 der „Neuen Illustrierten Zeitung" vom Jahre 1878 enthalten. Da ich diese Nummer nicht besaß, mußte ich sie aus Wien kommen lassen, und so verzögerte sich die Beantwortung Ihres Schreibens. In der beiliegenden Biographie habe ich einige unrichtige Daten korrigiert. Zur Vervollständigung könnten Sie hinzufügen, daß ich im Sommer des Jahres 1882 in Gemeinschaft mit dem Freiherr v. Walterskirchen und dem Grafen Wurmbrand die deutsche Bollspartei zu bilden bestrebt war, welche durch Beseitigung des Sprachenzwistes das Zustandekommen einer aus allen nationalen Elementen zusammengesetzten liberal-politischen Partei ermöglichen sollte. Doch kam die Bildung dieser Partei nicht zustande. Wollen Sie Werners auch bemerken, daß nächstens die Publikation einer Schrift über die Sprachenrechte in den national gemischten Staaten erfolgen werde. Die Darstellung dieser Rechte fand in einer Reihe von Artikeln in der „Wiener Allgemeinen Zeitung" statt, und zwar auf Grundlage der von mir gesammelten Daten und der von mir gemachten Andeutungen. Die Gesamtheit dieser Artikel wird von der RÄMktion deS besagten Blattes als Broschüre veröffenMchk. Da ich die Nummer der „Neuen Illustrierten Zeitung" der Gefälligkeit eines Freundes verdanke, büte ich Sie um freundliche Rücksendung derselben, sobald Sie ihrer nicht mehr bedürfen. Empfangen Sie, geehrter Herr, nebst dem Ausdrucke meines Dankes für Ihr schmeichelhaftes Anerbieten auch den meiner.-dorzügLchrm SvchrMutg Dr-Mchhos. Herrn Jakob Fischer in Wien. D«l-Umstand, daß über ihn in der hebräischen Sprache schrieben wurde, empfand Fischhof nicht bloß konventionell crbs besondere Auszeichnung; dies geht aus seinem ebenfalls au Fischer gerichteten Briefe vom 10. Februar 1885 hervor, dem er die weiter unter folgende faksimilierte hebräfiche Zuschrift anKgte. Emmersdorf, am 10. Ferbrmr1886. Hochgeehrter Herr! Q^toccmt st> gütig, mir den Schluß Ihrer vortrefflich geschriebene» biographischen Artikel und die Broschüre zuzusenden, welche dieselben zusammenfaßt. Ich fühle mich densrr Emzelempfinduu-gen zusammen. Namentlich das Auge ist irr stärLerem Maße beteiligt,als man gemeinhin amrimmt. Wer einmal beobachtet,. daß die meisten Menschen tut Dunkeln wie auch viele Blinde weniger gern rauchen, loird ohne Zweifel zugeben, daß. die Betrachtung der aufsieigenden Rcmchwö.Rchen ein beschauliches Gemüt leichter in den genießerischen Zustand der Gedankenlosigkeit zu bringen vermag. Man braucht sich nur . an das Bild des vornehmen Türken zu erinnern, der fast bewegungslos mit untevgeschlagenen Beinen auf seinem Polster sitzt, oder an die Buddhafigur eines rauchenden Chinesen, die, umgeben von blauen 'Rauchwölkchen, die Rühe der irdischen Ueberwindung atmet, um hier besonders deutlich den Zusammenhang mit der L.'e b e.n sph i.l o s op hi e zu erkennen.. Das „Dolce far niente", „Kef" oder „Nirwana" der Südländer ist von den Europäern vielfach sehr zu Unrecht als Indolenz bezeichnet worden. Es ist dies im. Gegenteil ein ungeheuer komplizierter Zustand, der nicht aus Jnteressenlosigkeit, sondern ans der Reife des Alleserlebthäbcns herrührt und besonders Völkern sehr alter Kulturen eigen ist, eine tiefe skeptische Weltbetrachtmig und Sehnsucht nach Erlösung. (SS geht mm, freilich zu weit, wenn Stephan Dirk diese Sehnsucht nach Erlösung als die philosophische Grundstimmung des 20. Jahrhundert hinstellt. Immerhin läßt sich nicht leugnen,'daß auch in Europa die Kenntnis der Relativität aller Dinge heute viel größer ist, ebenso wie der Genuß der Zigarettedie allmählich die Zigarre zu verdrängen beginnt, ohne Zweifel in den letzten Jahren bei uns außerordentlich Mrcchm. Wie wert dies vom medizinischen - oder sozialen Standupnkt aus zu bedauern ist, bleibe dahingestellt. Jede Zeit schafft sich die Narkotika, die sie braucht, um hier sollten nur einmal ohne persönliche Parteinahme die' psychologischen rnd krvlturellen Zusammenhänge angedeutet werden, die zwischen den Menschen unserer Zeit und dem Genuß des Tabaksbestehen. Inwieweit im Tabak und besonders iü der Zigarette nün wirklich die „Philosophie unserer Zeit" bekundet liegt, werden spätere Epochen klarer erkennen als' vir. Jedenfalls ist es erstaunlich und vielleicht auch ein Einvand .gegen die' hier gewiesene ' Entwicklung, wie wenige >on der großen Zahl der Zigacettenrauchec bei aller leiden- 'chaftlichen Liebe zum Tabak bis heute etwas von der verfeinerten Geschmackskuiltur und Vertiefung dieses GennßnittÄs verstehen. „Sie haben keine Weltanschauung." Ä.-8808 li Treffpunkt der Hessehesucher 11 Sie 8p«ls^ vorzüglich und bittlg to den Wientt Grartd^estturants ^3 „Rational“, II.. Taborstraße Rr. 18 JÜHabofVII.. MariaMlierstr. 88a Erstklassige wiener und orientalische Küche Speisen Natur, am Rost und Spieß — Beste Getränke so gechrt dadurch, daß Sie in der ehrwürdigen Sprache des Psalmisten, in deren Behandlung Me Meister sind, mein bescheidenes Wirken so hervorhoben, daß ich nur schwach das Gefühl der Dankbarkeit auSzudrücken vermag, das mich erfüllt. Ich räume Ihrer Schrift einen der vordersten Plätze in meiner Bibliochek und Ihnen, hochgeehrter Herr, eine dauernde Chrenstätte in meiner Erinnerung ein. Gedenken auch Sie stets in Freundlichkeit des Ihnen hochachtungsvoll ergebenen Dr. Fischhof. P. S. Damit Sie sehen, daß meine Kenntnis des Hebräischen noch nicht völlig verduftet ist, und daß ich die stilistischen Schönheiten Ihrer Schrift noch zu empfinden vermag, gestatte ich mir, die folgenden, Ihrer Nachsicht beanspruchenden hebräischen Worte an Sie zu richten: f .(( r»r 3 *** , «A .f.f ft*c &-»*< ,tt . jik j'ic * . t, tc. Die Nebersetzung dieser hÄraffchen Brisfnachfchriest karttet: „Deine Stimme habe ich vernommen, denn die Stimme ist die Stimme Jakobs und die Hände sind Künstlerhande, die in Liebe über meinen Lebenslauf schreiben, meine Taten mit Wohlwollen rühmen, und. meinen Namen überaus ehren. Möchten doch alle Söhne Jakobs so, sprechen wie Jakob, und dys-ganze Voll so sein wie er. Der Unbedeuterche in. Israel Abraham ben Joseph." Der 2vd-ressat der beiden Briefe, Jakob Fischer, war Redakteur der hebräischen Zeitschrift ,Hajehudi", die damals in Wien erschien. Die hebräische Biographie Fisch- Hofs, die Fischer veröffentlichte, erschien als Broschüre im Selbstverlag des Verfassers in Wien im Jahre 1885, gedruckt von der Offizin Wilhelm Knopfelmacher, und enthalt u. a. Fischhofs Porträt und faksimilierte Unterschrift. Die in dem oben zitierten zweiten Schreiben angeführten Bestrebungen Fischhoss zur Bildung einer alle liberal denkenden Politiker umfassenden Partei sind an dem Widerstand der Verfassungspartei im österreichischen Parlament gescheitert. In der in diesem Schreiben erwähnten, damals in Ausarbeitung befindlichen Broschüre über den Sprachenstreit, die später erschienen ist, hat Fischhof in groben Umrissen bereits alles gesagt, was in späteren Jahren von den Vertretern dös Prinzipes der nationalen Autonomie ausgebant. wurde. . Die wenigen hier gebrachten Briefe Dr. Adolf Fisch- Hofs .beweisen, daß nur der Jude, welcher den Zusammenhang mit der jüdischen Tradition zu wahren und zu erhaltenweiß, auch in der allgemeinen Politik, jene Stellung ernzimehmen vermag, die dem Fortschritt dient, ohne daß ihr Träger sich in bezug auf den Jüdenpunkt auch nur das geringste vergeben muß. Des Rew Borker Schachturnier. Großer Vorsprung Capablancas. Aus Rewyork wird berichtet: Nach einer eintägigen Spielpause wurden zunächstdie Hängepartien erledigt. Cap abl an ca, der im! Endspiel der abgebrochenen Partie gegen Mar-s!hall aus der 12, Runde einen Bauern mÄhr hatte, konnte, da ungleiche Läufer auf dem B«tt. standen, seinen Mehrbesitz nicht zum Gewinn verdichten und gab das Spiel remis. Niemzowitschder in seinem Spiel gegen Marsh all aus der 13. Runde nicht besonders günstig stand, vermochte nach hartnäckigem Kampfe ein remis.zu erzielen; seine hoffnungslose Partie gegen Aljechin konnte er jedoch nicht mehr hatten und gab nach wenigen Zügen auf. Damit hat imch vollständiger Erledigung von dreizehn Runden Capablanca vor Nienv- 'zowitsch einen Vorsprung vo » zwei Zählern und ist noch invmer rrnbesiegt. , Stand: Capablanca M/z, Niemzowitsch 7^, Aljechin 7, Bidmvr 5i/a, Marshall 5, Spielmann 4i/s. ItafeB im Lemberger »ahuhos. Warschau, 12. März. In einen: gestern früh tar Lemberger Bahnhof einfahrenden Personenzug fuhr von' rückwärts eine Verschiebelokomotive mit solcher Gvvalt hinein, daß die letzten Wagg ons zur Entgleisung gebracht wurden. 14 Re isende erlitten leichte Verletzungen. Aus der Wahlbewegnng. Am Dienstag wewcn in allen Gcnneinden die Wähle r listen zur öffentlichen Einsichtnahme aufgelegt. Innerhalb der darauffolgenden vierzehn Tage können Reklamationen wegen Streichung von nicht Wahlberechtigten mid lvegen Aufnahnrc Wahlberechtigter cingebracht werden. Für die Ueberreichung der Wahlvorschlage der Parteien ist die Frist, die am 2. April abläust, schon recht knapp geworden. Mit der K an dida t c nn o m in i cnt n g lassen sich alle Parteien Zeit, da die BerhaMuttgen über die sogenannte antimarxistifchc Einheitsfront noch iinmer nicht abgeschlossen werden konnten, und die Reihung der Wahlwerber, denm man sichere Mandate geben will, große jSchwierigkeiterr berettet. In Dr. Seipels Einheitsfiont suchen nunmehr auch die bürgerlichen Arbeitsparte il er irgendwie Anschluß zu finden. Sie verlangen., wie es heißt, ein Nationalratsmandat und auch einige Gemeindcratsrnandate. Dr. Seipel lväre vielleicht nicht abgeneigt, diesem Wunsche näherzutreten, doch zeigen sich die Großdeutschm widerborstig, weil sie befürchten, daß in diesem Fall die diversen Völkischen und.Hakenkre.uzle r Unter Berufung auf die Verquickung der Einheitsfiont mit den/so- . genanntm ,^udenliberalen" allüberall eigene Kandidaten stellen und der Einheitsfiont dcwurch Wähler und Mandate wvgsischen. Auf dm Vorschlag der Kommunisten hat der sozialdemokratische Parteivorstand mitgetM, daß er nicht in dev Lag eisei, znm Zweck von Wahlvereinbarnngen mit anderen Parteim über das. Programm der Sazmldcnrokratie in Verhandlungen emzutreterr. Er sprach aber die Erwartung aps, daß auch die kommunistischen Arbeiter sozialdemokratisch wählen sollen, well sie andernfalls nur hie antimarxistische Einheitsfiont stärken würden. Unter dem HatMtW-Tenor. Ae BirgSuge m her Hochschule für Wclthan»el. — Weber in AsMInimmrersuchnng. Die von den Völkischen eingeleitete Aktion gegen, die innere Ruhe hat zu einem sehr bösarttgen Skandal geführt. Der Rektor der Hochschule für Welthandel, Hofrat Gruntzel, hat die Flucht in die Oeffentlichkeit ergreifen müssen, um die notwendige Aufklärung zu schaffen. Es ist wirklich schon sehr traurig um einen Staat bestellt, wenn ein akademischer Funktionär sich gegen einen 25jährigen Schreier corampublico zur Wehr setzen muß. Die Autorität seiner Würde wird nicht anerkannt; von wenr? Von einer Truppe junger Leute, die doch nur Ausführungsorgane jener politisch-nattonalistischen Richtung sind, die nach der Autorität schreit. Merkwürdig ist, was Hofrat Gruntzel über die ihm feindliche Organisation mitteilt. Es ist eine Garde da, die sich Ehrenlegion nennt und die aus einem der Gemeinde Wien gehörigen Platze militärische Uebnngen abhält. Diese Legionäre gehören verschiedenen Hochschulen an, und sie setzen alles unter Terror. Sie haben die letzten Krawalle an der Universität und an der Technik provoziert und'die beiden letzten Ueberfälle auf die Hochschule für Welthandel gehen auf ihre Schuldliste. Größer freilich ist die Schuld der Behörden. Wie kann die Stadt Wien, die sozialdemokratische'Rathausmehrheit, den Pogrombrüdern einen Exerzierplatz liefern? Wie kann der Chef der Polizei, der sozialdemokratische Bürgermeister es verantworten, daß in einer Hochschule gerauft und geprügelt wird? Wie kann der Minister des Innern und' der Handelsminister, dem diese Anstalt untersteht, es dulden, daß unter antisemitischem Geheul zu W ahl zw ecken Unfrieden gestiftet wird, der sich zu einem Unglück auswachsen kann? Der Rektor erMrt, er fordere die Eliminierung dieses. Körber aus der Vertretung der Deutschen Studentenschaft und er werde ihr, falls er seinen Willen nicht durchsetzt, ihr Lokal entziehen. Die Hakenkreuzgesellschast besitzt nämlich aus der Zeit des verstorben-on Rektors Heid er ich den gesamten vierten Stock des Instituts, das doch aus allgemeinen, auch jüdischen Geldern erhalten wird. Dort ist eines der famosen Aemter für Ralsenpflege errichtet worden. wirken vorbeugend und lindernd die ärztlich erprobten und empfohlenen Snllvan ■ Knoblauchtropfen. Erzeugung: Alte Feldapotheke, Wien, I. Stephansplatz.