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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-12 · Heft 2887 (12.3.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2887 (12.3.1927)
Date
1927-03-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Men, Gamstag Wi«Wer Morg<«ßOit««g iS. März 1687 Nr. 2887 o JUDE ANS KREUZ! ROMAN von KURT MUNZIR Ojpyrigfet 19J7 by B- Löwit Vertag, Wien — Letpsäg. ,^Ja, die gibt es. Und du — Nun ja, du bist ein Jube." „Das heißt — ,Lunge, lass' uns still sein. Das ist ohne Ende. Vom AHrn wollen wir sHveigen. Das ist das Unerschösf iche. Aber Jude, der Glück will — Ich lach:, sichst du. Zur Schwermut geboren, zur Unsicherheit und Heimatlosigkeit. — Nun gch, liebes Kind. Schick dich. Du bist Jude..." Ja, kaunl hatte er Deutschland betreten, so war er wieder Jude. — Ae Geige taugte nur noch fürs CaA Er spiele auf Stahlsaitcn, daß noch Leute auf der Straße stehen blieben, weil die süße Melodie Wand und Fenster durch'ch ütt und schinerzhaft ihr Herz traf. Die Kokotten liefen hin. wo d:r Zigeuner 2lbel spielte, sein Name leuchtete auf schvarzen Plakaten, hing" am Gitter des Vorgartens. Die Frauen der Kriegsgewinnler, die sich Zwölszimmerwohnnngen am Kurfürstendamm kauften, Villen in Mannsee und Grunewald, engagierten ihn für ihre Gesellschaften, wo nurn vont Porzellan aus Schössern atz. vom Ti ber alter Llde"sgeschechter, die nnr ihre Wachen hatten entfernen lassen, ehe die christlichen und jüdisch, u Ba'utenbe.i^ec käme t und ihre Schränke leerten und Papiermark zurückließen. Di: Weiber liefen dem Geiger nach, dessen Gesichi vom Wissen der Not Schimmer des Engels bekam. Mit einnndzrvauzig hatte der junge Abel den Rausch des Blutes hinter sich. Er war immun gegen die Verführung. Sern Gefühl und sein Gedanke waren erst in größerer Tiefe erreichbar. Er begann, an der Universität zu hören. Zlber die Vorlesungen über Volkslvirtschaft sagten ihm nichs vom Volk. Es tvaren philosophische Abstraktionen und BegriffsbiÄungen, nicht abgeleitet aus der Wirklichkeit, unanwendbar, eine geistreiche Spekulation. Er drang in die medizinischen Kliniken, Bekannte nahmen' ihn mit in Anatomie, Operationssäle, in die Wartestuben der Poliklinikm, in die Visiten der Krankensäle. Da stand er still, da sah er ins offene Menschenleü», in die Unheilbarkeit des Kummers, in die Ewigkeit des Schmerzes über Stillung von Hunger hinaus. Er plante neuen Schulbesuch, Ablegung des Examens, Beginn des Studiums. Arzt sein schien ihm einziger und nächster Weg zur Menschheit. Er begann zu arbeiten, ver- »»»»»»»»»»0»»»,»»»»»,»»»«»,,»»»«»»»»»^ ISoeben erschien:! » 'S Yd. Tortfetz»««.) kürzte den Schlaf wieder um zwei Stunden und erlag dem Uebermaß dieser Forderungen an sich Seine Wirtin hatte eine Schwester in der Wiese.rstraße, bei der ein Arzt wohnte. Sie holte ihn. Es war Boris Steinberg aus Zürich Ae Freunde fielen sich um den Hals. „Stell mich auf die Füße," flehte Abel Au allererst. Meine Stellungen werden mir fortgenommen. Wenn ich arm werde, verhungern noch mehr." Fürs erste schloß Boris die Büch:r weg. Er verbot die Universität, das Lernen. Er ging mit dem Freunde stille weite Wege aus der Stadt ins traurige Land hinein. Die Meen, die aus Berlin in die Mark führten, hier im Norden, zogen durch eine Landschaft, die gleichsam entgöttert war. Der Wald war ohne Gottheit«.die Felder trugen dürre Frucht, die Obstbäume armselige saure Ernte. Der Dunst der Stadt machte weit hinaus die Sterne trübe un') ließ dm Mond ungeheuer in rotes Rund wachsen, als nähere sich Unheil der Erde, sie zu verschlingen. Der Sommer lastet stickig auf Dörfern ohne Vieh. An Sonntagen stank der Schweiß der Tänzer aus dm Wirtshäusern bis auf die Straße. Boris Steinberg wohnte in der Wiesenstraße, w>o sie an die Planke stößt, wo das Ufer des Flüßchens sich in Dunst, in Häuser hinein verliert. Da ist cs immer noch die große Stadt, aber Borstadt. So wie Boralpm das Ho Gebirge ahnen lassen. Es ist noch nicht das Richtige, aber es hat schon die Luft jenes anderen Reiches. Viele Seelen hat Berlin, und Kurfürstendamin und Reinickendorserstraße liegen auf verschiedenen Erdteilm. Wenn es im Westen blitzt, lächelt der Norden in Sonne, und er löst! sich in Regm auf, I indes Halensee in Glut schmachtet. Und die Menschm dieser Straße siNb wie von anderer Rasse. Bei derselben Frau hatte ein Lehrer eine Stube. Er schlief auf dem Sofa, seine junge Frau im Bett. Er lehrte in der Gemeindeschn^e der Pankstraße. Als dlbe' Boris St inberg besuchte, entdeckte er in demLehrer Sc.erin Gnrassa, sei en altm Freund. Severin hatte eine Jüdin geheiratet. Er war nach Berlin gekommen und fand sich im Kreise der Kollegen sch echt zurecht. Da »var eine Beschräukheit, größer als in kleinen Städtm, Voreingenommenheit, Scheelsucht, wie sie am innigsten Jugettderzieher haben dursten. Im Lehrerzimmer, in den Pausen, war eine Luft, der Geist u:id Seele so entzogm waren, daß er erstickte. Er hatte in die Welt gewollt, in die Atmosphäre der Großstadt, und entdeckte, daß diese. Mauem den Horizont enger schlossm. Hier, wo nirgends Natur unmittelbar in die Sladt einbrach, war das Leben unfruchtbar und dürr. Und die unend'ich: Arbeit Berlins förderte die Kultur, aber nicht den Menschm. Im Verhältnis zur künstliche Hochblüte dieser Kultur b leb der Musch zurück. Auf Kostm der Seele entwickelte sich Technik, und was die Industrie gewann, verlor das Herz. 1 Besonders die alten trockmen Mädchm im Lehrerkollegium tvaren Geschöpfe des Neides, des Hasses, der Kleinlichkeit und Herzensarmut. Einmal erzählte Frau ein Hogewaldt, nüe sie äbends nach denn Theater einu: Belästigung durch Männer auSgesetzt war. Niemand g'aubte ihr, die Kolloginnen lächeltm süffisant und verächtlich, die Männer schüttelten bedauernd die Köpfe. Aber da sagte die.Hegeivaldt, mit Blick ans Johanna Mendel, die einzige Jüdin auf der Schule, daß es natürlich Juden gewesen seien, die' sie beleidigt; Juden, die jeht Dmtsch'and regierten/ die den Krieg zu diesem schmäh^ichm Ausgang gebracht, Judm, deren Werk Versailles sei, Judm, mit dmm zu lebm Schinach und Ohmnacht des deutschen Menschen bedeute. . Da sprang Severin Gnrassa auf und sagte leise, fest, hart: ,>Wmn Sie ein Mann wären, besamen Sie von ' mir die Antwort, die allein auf diese schmählich: und niedrige Rü« paßte: einen Streich ins G-sicht. Schmach des deutschen Volkes sch.int mir eher, daß Fraum Ihrer Art unsere Kinder für die Zukunft erziehen dürfm!" (Fortsetzung folgt.) I. Preis: Eins Bibliothek von 300 Bänden II. Preis: Eins Gratlsrsise nach Palästina lll. Preis: FQnf Ounam Land in Palästina und weitere 47 Preise > Ii Ganzleinen gebunden 8 22*50 i Das erste große ] deutsch-! hebräische Ausschneiden | Sfyr . 28 8. M. Laser und H. Torczyner 8 Umfang 734 Seiten ■ In Ganzleinen gebunden 8 22 50 : ■ Der unter mannigfachen Schwierigkeiten durchgeführte ■ ■ Druck dieses Werkes hat sich durch mehr als fünf 5 2 Jahre hingezogen. Gleichviel glauben die Verfasser £ ■ in diesem Werk, dem Ergebnis langjähriger Arbeit, ■ ■ das Hebräische in seiner Entwicklung zur modernen S * Vollsprache nicht unwesentlich gefördert und all A ■ denen, die am Wiederaufbau der hebräischen Sprache ■ 5 interessiert sind, ein brauchbares Hilfsbuch an die ■ S Hand gegeben zu habgn, dessen Fehlen seit langem 8 ■ schmerzlich empfunden wurde. Jj ■ ■ 8 Buchhandlung ■ j R. LÖWIT, WIEN, I. 1 | Rotcnturmstraße 22. ■ ‘liiMiuaiiiiiiiiniiiiiuiiiiiiiiiiiif i Adresse . . -..—- .-.Ausschneiden —.....— BEZEICHNUNG PER WORTH; Wag recht; 3 Farbe, 5 Gewässer, 8 Gattung, 9 Senk i echt: 1 Bibi. Person, 2 Körperteil, 4 Oetränk, Depesche, 11 Sprengstoff, 12 Stimmlage, 13 Italien. Musik’ 5 Frauenabteil im türkischen Haus, 6 Gleich, 7 Zahlwort, oote, 15 ital. Musiknote, 16 Fürwort. 18 Vorwort, 20 Bau- 8 Behörde, 10 Faultier. 13 Großer Lärm, 14 Einsiedler, fläche, 22 Wiese, 24 Blutgefäß.-, 26 Bibi. Judenfeind, 27 Vor- 15 Feiner Staub, 17 Milchprodukt, 18 Baumaterial, 19 wort mit Artikel, 28 Zeitbestimmung, 31 Fürwort, 32 Zu- Schlechte Eigenschaft, 21 Fürwort, 23 Französ. Füiwört, sammenbruch, 34 Raubvogel, 35 Lat. Vorwort, 36 Boden- 25 Orlech. Buchstabe, 29 Doppelselbstlaut, 30 Rinderart, Senkung, 37 Foim von sein. 33 Chem. Formel für Natrium, 35 Spielkarte. Erkläruntf I Ab 13. Februar erscheint täglich in der „Wiener/targenzeltung“ ein Kreuzworträtsel. ftHMarwugi oie Diagramme sind auszuschnelden und mit Tinte oder Tintenblei auszufüllen und zu sammeln. Am Schlüsse unserer Serie sind daun die g e s a m m e 1t e n l< ösu «gen samt den I# Jeder Nummer befindlichen Rät sei kupo ns an nie Äätselredaktlon der Wiener Morgenzeitung» einzusenden, jeder Einsender kann an der öffentlieh.stattfindehden Verlosung, deren genauer Zeitpunkt noch bekanntgegeben wird, teilnehmen. Blätter, ln welchen unsere Rätsel erschienen sind, können jederzeit gegen Einsendung des Betrages in Briefmarken von unserer Administration nachbezogen werden NB. Der BeischluB des auf Seite 2 befindlichen Kupons ist unbedingt erforderlich. '■&Me-.,; . I

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