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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-12 · Heft 2887 (12.3.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2887 (12.3.1927)
Date
1927-03-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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"Ne«, SEstag Wiener Morgenzeitnttg 12. März 1927 Nr. 8867 habe« -i« Mischen und sozialistischen, Studenten beschlossen, ht den I ns kriptions streik zu treten, rvonn nicht gegen Körber ein Disziplinarverfahren eingeleitet wird. des LegMmrMonszwansrs. Infolge der Wiederholung der Exzeffe an der Hochschule für Welhandel hat Rektor tzofrat Dr. G r u n tz e l den Vertretern der Studentenschaft mitgeteilt, daß, falls sich wieder irgendwelche Krawalle ereignen sollten, ab Montag strenger LegitimationsMang eingeführt tverden wird. Dadurch soll verhindert werden, daß hochschulsvemde Personen in der Aula Versammlungen beiwohnen und Reden halten. * Die hakc-nkreuzlerischen Studenten hatten angekündigt, daß sie den „C o n e o r d i a b a l I", der gestern beim „Grünen Tor" in der Lerchenfelderstraße stattfand, stören werden. Die Polizei hatte deshalb umfangreiche Sicherhottsvorkchrnngen getroffen, um Ruhestörungen zu verhindern. Tatsächlich sammelte sich gegen Abend eine größere Zahl von Hakenkreuzlern vor dem Ballokal an; sie mutzten aber wieder unverrichteter Dinge abziehen. Sie Oocfane in wie 1 SSilno, 10 März. (I. T. 21.) Als dir Mischen M°- dizin-Studenten des 1. Kurses laut Verordnung der Universitätsbehörden im Anatomicum erschienen, wurden sie von zahlreichen christlichen Kollegen mit Schimpfereien und Schlagen empfangen. Andere polnische Studenten standen abseits, ermutigten aber die „kämpfenden" Genoffen zu weiteren Ausschreitungen. Die Tumulte dauerten einige Stunden, die schwer inißhandclten jüdischen Studenten mußten abziehe,n. Die jüdischen Studenten des 2. Kurses, die bereits bei der Arbeit waren, haben zum Protest gegen das passive Verhalten der Leitung des Anatomieums das Institut verlassen. Die beiden Gattenmorde. Sa» Serbrechea l» Bade«. Der wegen iMordversuch an seiner Gattin verhaftete Bkchrcheamte Franz Höllerer hat gestern ein neuerliches Geständnis abgÄegi^ worin er den Mordversuch an seiner Gattin wiederholt. Es scheint aber, daß er in seinen Mtteilurrgen noch immer rückhältig ist, da er dabei beharrt, daß ihm erst am Tatort der Gedanke zur Tat gekommen sei. Die Aerzte, die die lebensgefährlich verlebe Frau Höllerer behandeln, erklären, daß die schlvemt Verletzungen am Hinterhaupt und an den beiden Schläfm wahrscheinlich durch Steinschläge hervorgerufen wwcken, so daß der Verdacht besteht, daß Höllerer, nachdem er seine Frau in den Abgrund gestoßen hatte, chr noch Steine uachgeworfen hat. Uttber Höllerer wurde gestern die ordentlich. Untersuchungshaft verhängt. Das Befinden der Frau Höllerer ist noch immer lebensgefährlich, und die Aerzte körmen noch kein Urteil darüber abgeben, ob es ihnen gelingen wird, die Frau zu retten. caf£ corso AM RING i. Kolowratrlng Nr. 6 Das neue Laks der Gesellschaft, Sehenswürdigkeit Wiens, einzig in seiner Art, nach den Plänen des Architekten Vogell in Berlin. Ausgef&hrt von der KunstmObelfabrik Otto Pacht A.-G. Wien. Normale Preise. den Inhalt der Anzeige in sehr wesentlichen Punkten bestätigten. Die Petrlik wurde deshalb wegen des Verbrechens der Verleumdung angeklagt, mit der Begründung, daß sie nüssentlich falsch die vorhin Genannten der Einschränkung der persönlichen Freiheit beschuldigt habe, Stephanie Breithofer und Pfarrer Jus ko wurden des Betruges, begangen durch falsch« ZeitgenaiuSsage, angeklagt, der Dienstgeber der Petrlik Stadtpfarver Johann Maria Sallaberger wegen Borschubleistung durch Berhchlung, weil er die Petrlik, als sie verhaftet werden sollte, heimlich im Kraftwagen über die Grenze nach Preßburg geschafft hat. In später Aberldstund« wurde das Urteil gefällt. Antonie Petrlik wurde rvegen des Verbrechens der falschen Zeugenaussage und wegen des Verbrechens der Verleumdung bedingt zu drei Monaten strengen Arrests verurteilt. Die übrigen Angeklagten wurden fr ei ge sprachen. Bei der Urteilsverkündung bekam die Petrlik einen Weinkrampf. Ler Verzögerungszuschlag wird herabgesetzt. Bon 25 auf 10 Prozent. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Wiener Landtages steht neben einer Vorlage über die Verlängerung der Geltungsdauer des Gesetzes über die Befreiung der Neu-, Zu-, Um- und Auftauten von der Wohnbausteuer, die Herabsetzung des Verzögerungszuschlages für städ tische Steuern von 25 auf 10 Prozent. Motiviert wird diese Herabsetzung damit, daß der hohe Berzögerungszuschlag auf die Inflationszeit zugeschMten war, und jetzt in der Zelt der Stabilisierung nicht m.hr zweckmäßig ist. Gemeinderat Dr. Plaschkes hat diese Forderung bereits mehrfach anläßlich der Budgetdebatten gestellt. Stadtrat Breitner aber hat dem immer ein starres „Nein" eingogcngesetzt. Jetzt vor den Wahlen lockert Breitner die Steuerschraube. Die Taktik ist zu durchsichtig. In der gleichen Sitzung wird der Wiener Landtag das Gesetz über die Auflösung des Wiener Gemeinderates beschließen, dessen Mandatsdauer .noch eineinhalb Jahre laufen würde. Hausdurchsuchung bei der Freundin Höllerers. Gestern wurde .in der Wohnung der Freundin des Höllerer eine Hausdurchsuchung vorgenommen, die aber keinerlei für das Mädchen belastendes Material ergab, und es wird als sicher angenommen, daß das Mädchen von dem Mordplan ihres Freurckes keine Kenntnis hatte. Der Mord sil der Badewanne. * Der unter r>ern Be^oau-.e, )tiue uhnun iu der Bade j wanne durch gewaltsames Untertauchen de^ | Kopf es getötet zu haben, verhaftete Zimmermann CozU wurde gestern im Sicherheitsbureau wiederholt einv-r nommen. Trotz der gewichtigen Verdachtsmomente gegen ihn blieb er bei seinem starren Leugnen. die an seinen Händen befindlichen Kratzwunden, die wahrscheinlich von dem Kampfe herrührvu, den er mu seiner unglücklichen Frau zu bestehen hatte, ehe er sie unter den Wasserspiegel drücken konnte, rann er keinerlei Erklärung geben. Bon diesem Kampf zeugt auchdaß m der Badewanne das falsche Gebiß der Frau, das ihr toohl während des Kampfes ans dem Mund gefallen ist, gestruden wurde. Die Polizei nimmt an, daß er die Tat schon vor seinem Weggehen von zu Hause begangen hat und er sich durch den Besuch der hydrotherapeutischen Anstalt nur -in Alibi schaffe.; wollte Re ßisenftödter Pjarrhaurkomödir. Bor einem tzocyöfsenjetm^ M Landgerichtes 2 wurde gestern nach mehrmaligen Vertagungen ein Berleumdungsprozeß zu Ende geführt, dessen Vorgeschichte' im Eismstädter Psarrhos spielt. Die Wirtschafterin urrd an gebliche Schwester des Pfarrers Antonte Petrlik hatk im Sommer des Jahres 19'5 eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft erstattet, daß eines Nachts der Polizetkommissär Dr. Breitender g, der Konzipient Dr. Kruse, der Stellvertreter des Bezirkshauptmannes Dr. Flats ch e r und der Kaplan Benz in ihr Zimmer gedrungen seien. Die Herren hätten sie aus dem Bette gezerrt, in das Zimmer des Kaplans geschleppt und ihr unter unflätigen Witzen Gewalt anzutu.n versucht. Bei Gericht leugneten die von der Petrlik Bezichtigten, während di."se, Pfarrer Jus ko und die Pfarrersköchin Breithoser , Ser Prozeß gegen die Mlslolrzer MöSchenhöudier. Mädchen unter 20 Jahren dürfen nicht zuhöron. Budapest, 11. März. Heute vormittag begann in Mi 2 kolez die Hauptverhandlung in dem großen Mücchenhändler Prozeß. Vor dem Strafgericht sind 6 Angeklagte erschienen, darunter der seines Amtes enthobene Leiter der staatlichen Avboitsvermittlungs- 'telle in Miskolcz, Franz Szi kszah. Die Anklage laute'; auf Mädchenhandel und im Ivlle Szktszay auf Mißbrauch der Amtsgewalt. Die Verhandlung dürfte -vcgen der groß.n Zahl cer einzuvernchmenden Zeugen 5 Tage dauern. In der heutigen Verhandlung wurden alle Angeklagten, bis auf Sgilszoy, einvermomen. Zu der Verhandlung hatten sich im Zuhörerraum zahlreiche junge Mädchen eingefunden. Der Vorsitzende verfügte deshalb eine strenge Sichirung des Publikums, wobei alle jungen Mädchen unter zwanzig Jahren aus dem Saal gewiesen wurden. .klnrr von Horlhyr beken fllfblmtr' SiMtty vor titeifcot, Budapest, 11. März. In der gestrigen Gerichtsvechandlung des Stuhüvetßenburger HonvodgerichteS gegen Karl Kmetty, der sich vor acht Jahren während der gegenrevolutionären Regierung AuSschreit üngen ünd Mißbräuche zuschulden kommcn ließ, wurde der Postkontrollor Pongracz als Zeuge einvernommen, der von Kmetty aus seiner Wohnung gelockt und in eine Kaserne gebracht wurde, tzoo er in furchtbarster Weise mißhandelt wurde. Erst nach mehrtägiger Hast sei er entlassen worden. Spuren der Mißhandlung seien noch heute an seinem Kärpw zu sehen. Der Mtlttäranwalt unterbreitete hierauf den Brief eines gewissen Armin Blau, worin dieser die Strafanzeige gegen Kmetty erstattet, daß dieser am 8. Jänner 1920 mit mehreren seiner Genossen seine siebzigjährige Mutter in das Hotel Britannia gebracht, dort ermordet und ausge r aubt habe. Der BerhandlungSleiter erklärte, daß er Armin Blau mit der Weisung vorlade, mit seinem Beweismaterial mch mit Zeugen au erscheinen. Dieser Blau, mit dessen Anzeige das Honvedgericht sich als unparteiisch hinstellen wollte, ist aber, wie später nritaeteilt wuchs, unauffindbar. Auch die Anzeige einer Frau Doktor, daß ihr Mann von Kmetty ausgeraubt und ermordet vwrden sei, erwies sich als Mystifikation. Das Ganze soll natürlich eine Entlastungsoffensive für Kmetty, dem bisher schon genügend viel Untaten nachgewiesen Wochen sind, darstellen. Wiener Schuir und Mav»ro!h. Die JeMirrörver in Deutschland. Berlin, 11. März. (Wolfs.) Bor einem« beförderen Schwurgerichte des Landesgerichtes 9 begann heute vormittags der Prozeß wegen der im Jahre 1923 erfolgten Ermordung des Feldwebels Walter Wllms aus Neumünster. Die Anllage richtet sich wieder gegen Oberleutnant a. D. Paul Schulz, der wegen Ansttftng angeklagt ist, ferner wegen Mordes, beziehungsweise Beihilfe zumv Mord gegen den Oberleutnant a. D. Fritz Fuhrmann und die Feldwebels Peter Umhofer und Erich Klapproth, ferner gegen den Oberleutnanta. D. S ta ntien, den kaufmännischen Angestellten Adolf Budzinsky, gegen den Leutnant a. D. Henning von Poser und gegen die Feldwebel Büsching und Fahlbusch, die flüchtig sind und schon im Landsberger Prozeß als unauffindbar galten. Die Leiche Bilms wurde am 24. Juli 1923, mit einer zweiteiligen Schraubenmutter von ettva 80- Pfund beschwert, in der Havel gefunden. Die Sektion der Leiche ergab als Todesursache eine Schädelverletzung. Zu Beginn der Verhandlung beantragte Rechtsanwalt Dr. Puppe, die Verhandlung an das ordentliche Schwurgericht zu verweisen. Nachdem das Gericht den Alttrag ab ge lehnt hatte, beantragte der Verteidiger, drei Richter als befangen abzulehnen. Arbeitslose stürmen ein Rathaus. W a r 1 ch a u, 11. März. In dem muveit von Warschau gelegenen Städtchen Pruszkow drangen gestern 350 Erwerbslose nach viertelstürchiger Belagerung in das von der Polizei verteidigte Rathaus ein, wo sie ihre bis Montag zu erfüllenden wirtschaftlichen Forderungen überreichten. Hierauf entfernten sie sich. Die Polizei, die alsbald aus Warschau Verstärkungen erhielh, nahm dann unter den Rädelsführern, die den Angriff auf das Rathaus angestiftet hatten, Verhaftungen vor. Bei den Zwischenfällen ist niemand verletzt worden. Ser Lodzer Streik. Warschau, 11. März. Die in den Lodzer Textilfabriken beschäftigten Metallarbeiter haben sich bereit erklärt, für den Fall einer weiteren Ausdehnung des Textilarbeiter-Streiks ebenfalls, in den Streik zu treten. Auch die in den lebenswichtigen städtischen Betrieben beschäftigten Arbeiter haben Lohnforderungen gestellt und drohen für den Fall ihrer Nichterfüllung mitdcmStroik. Das Wetter. Wien, 18. März, Die Umbildung der allgemeinen Wetterlage hat üch gestern in einer allgemeinen Abkühlung ausgcwirkt. Nach der Vorhersage wird die Bewölkung Nachlassen, so daß dis Temperatur wieder steigen wird. Erlagscheine mit Kronenaufdruck weiterhin gültig. Wie das Gremium der Wiener Kanfmannschast mitteilt, hat das Poftsparkasftnaml aus vielfache Vorstellungen der interessierten Kreise verfügt, daß die Erlagscheine der Postsparkaffe mit Kronenausdvuck bis aus weiteres, jedenfalls aber bls End« des Jahres 1927, ihre Gültigkeit behalten. Aufforderung an türkifche Staatsangehörige. Das türkische Konsulat teilt mit: Die im Jahre 1604 geborenen, in Oesterreich sich aushallenden türkischen Staatsbürger werden hievmit aus«.sordert, sich unverzüglich im türkischen Konsulate, Wien, 4. Bezirk, Prinz Eugen-Straß« 40, zu melden. Leuchtgasvergkftung. Der ssjährige Agent Markus Reiß, Obere Donaustraße Nr. .53, wurde gestern von seiner heimkehrenden Tochter in der Mit Leuchtgas erfüllten Wohnung bei geöffnetem Hahn des Gaskochers benommen ausgefunden. Die Rettungsgesellschaft leistete ihm erste Hilfe. Ob es sich um einen Unfall handelt, ist noch n'cht sestgestellt. Ein Wohuungsbowerber mit wertlosen Lireuoteu. Seit einigen Wochen treibt sich in Wien «iit, Betrüger herum, der als Reflektant auf zu vergebende Zimmer auftritt. Er mietet meistens auch per sofort das Zimmer oder die ganz« Wohnung und spricht die Absicht aus, sofort einziehen m wollen. Dann teilt er mit, daß er bei der italienischen Gejandtschaft ein« höhere Stellung bekleide, und ersucht, ob man ihm Lire, da die Banken bereits gesperrt seien, gegen österreichisches Geld eintauschen kann, da er momentan kein« Schilling« habe. Sodann gibt er Noten zu 10 un>d 20 Lire her. die sich nachträglich als vollständig wertlos Herausstellen. Auf diele Weise hat er zwei Damen am Neubau, denen er sich als itattenischer Konsul, bzw. als Beamter der Handelskammer vorstellte, ferner zwei Vermieterinnen im 8. Bezirk und eine im 19. Bezirk betrogen. Der Schwindler wird beschrieben als mittelgroß, mit vvaunem Haar, englisch gestutztem Schnurrbart, bekleidet Mit hellbraunem Winterrock und ebensolchem Hut. Ein neues Branchen-Telephon- und Adreßbuch. Die österreichische Wirtschastswelt hat es als Mangel empfMden, daß bei uns kein umfaffendes Branchen-Aüreßbuch der Telephon-Abonnenten besteht, wie solche anderwärts vielfach ausliegen. Diesem Bedürfnis hat nun Regierungsrat Alfred Leraetporer (Verlag Wleu, 8. Bezirk, Praterstvaße 1b) achgeholfen, indem er unter Mitwirkung der Wiener Kaufmannschaft, der einzelnen Verbände und Vereine das „B ran che n- Telephon- und Adreßbuch 1627 für Wien" herausgab. Als besonderer Vorteil des Buches muß hervorgsho-beri werden, daß im redakttonellen Teile jede Jnserierung oder Bevorzugung vermieden wurde und alle Firmen in gleicher Schriftgröße iwb Reihung erscheinen. Der am Rande der Buchblätter etngekerbte alphabetische Index ermöglicht die denkbar rascheste Erfassung der gesuchten Branche. Der Ladenpreis des gut ausgestatteten Buches beträgt S. ö.—>

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