Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2886 (11.3.1927)
- Date
- 1927-03-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nk. 2886 Wien, Freitag Wiener Mvrgenzettnng 11. MSrz 19L «- .‘«a1'.v. .zz .... Ein neues großstädtisches Safe. Für heut« ist di« Neueröffnurrg d-es „Cafe Torso am Dumf, l. Bez., Kolowratring 6, angeMndigt. Tin schoneS Unternehmen, dessen Galans mii vornehmem Geschmack ausstattet und eingerichtet sind. Besonders erwähnenswert sind die aus Venedig bezogenen Luster, di« modernste Ventilation«, anloge mir voppetten Decken, die für di« gleichmäßige angenehme Temperierung sorgt, die elektrische Deheizungsanlage und seBstverständlich der Küchenbetrieb. In der Küche und der eigenen Konditorei sind nicht weniger als acht M-otoren eingebaut, die zur Bereitung der Ge'rränke und Erfrischungen wie für die Konditoreierzeugniste dienen. Bet gemz normalen Cafehauspreisen erhält 0er Gast die exquisitesten Produkte dieses großzügigen Betriebes. Besonderer Beliebtheit wird sich sehr baid der elegante Damensalon erfreuen, der mtt aller Bequemlichkeit und Behaglichkeit eingerichtet ist. Maxime undHelene L u r i 0 n sind die Begründer des „Cafe Corsa am Ring" und haben mit ihrer Schöpfung ein grosMgigcs Unternehmen geschaffen, welches bald über die Grenzen Wiens und Oesterreichs hinaus Weltruf erlangen wird, zumal sich auch Herr Lurion auS der Z«it ferner Europa^Radniersterfchaft eines ausgebrcircten Freundeskreises erfreut. E Wer siegen will bei Futzball, Rudern und Turnen uf-w. benutzt ständig den echten Löwen-Aranzörannttoein mit Menthol. Ue'berall erhältlich! E Der gute Lederhandschuh stammt aus der Fabrik .Haslinger» 1. Bez., Rotenturmstr. 23, 2. Bez>, Hollandstr. 11. E Gelt ungefähr 2 Jahren ist ein neues, nach Erprobung und außerordentlich günstigen Befunden hervorragender Aerzt« eingeführtes Heilmittel» VaS Scktivan, in Verkehr, das von besonders vorzüglicher Wirkung gegen Mtersverän'derungen verschiedener Ar: im menschlichen Körper ist. Auch auf die in den Wechseljahren der Frauen eintretenden Beschwerden, die zum Teil durch ähnliche Veränderungen veranlaßt finr;, wirkt es mildernd und beseitigend ein. EL genügen 40 Tropfen int Tage, entweder auf einmal oder geteilt auf zweimal genommen, um den Heileffekt zu erzielen. Am vorteilhaftesten wird es schon vor dem Frühstück genommen. Das Satrvan ist bereits in allen Apotheken erhältlich! JÜDISCHE WEH A Wie Jeutkchlnnd die ruffischen Jude« «ach Amerika vertreiben wollte. Im Leipziger „Allgemeinen jüdischen Familicnblalt" schreibt Paul Nathan über die im Kriege ansgetauchten Pläne zur Evakuierung der jüdischen Bevölkerung irr den russischen Nandstaaten der genannten Zeitung folgendes: ' „Ms die Lebensmittel in Deutschen') knapp zu werden begannen, tauchte natitrlich die Frage auf, ob es möglich sei, die Zahl der Verbraucher zu verringern. In Verfolg dieses Gedankenganges fand am 21. Februar 1916 in Kowno eine Konferenz hoher Militärs, Vertreter des Auswärtigen Amtes in Berlin, der deutschen Schiffahrtsgesellschaften und unter anderem auch des Unterzeichneten als Vertreters des „Hilfsvcreines der Deutschen Juden" statt. In dieser Konferenz stand die Frage zur Erörterung, ob nicht die Zahl der zu versorgenden Verbraucher dadurch vermindert werdien könnte, daß die jüdische Bevölkerung der eroberten .Teile Rußlands über See nach Amerika abgeschoben würde. Der Unterzeichnete widersprach sofort di> sem Plan. Er wies darauf hin, daß die feindlichen Floaten, die die See beherrschten, solche Auswanderertransporte, durch die in der Ernährung Deutschlands eine Erleichterung eintreten würde, ganz gewiß nicht passieren lassm würden. Man würde diese- Auswan ererschisfe zur Umkehr zwin» 'gen oder vielleicht auch torpedieren, und die Folge würde fein, daß «tau nach Mißlingen der ersten Versuche, die Juden der besetzten Gebiete nicht einmal mit Gewalt zum Ueberseetrcmsport auf die Schiffe würde bringen können. Die einzige Wirkung würde also die sein, daß überall in der zivilisierten Welt, die Antipathien gegen Deutschland wachsen wiirden, ohne daß ein realer Vorteil für Deutschland herauskommen könnte. Gerade General Lndendorff erkannte die Berechtigung dieses Standpunktes in jener Sitzung in Koivno unmittelbar an, und dcmrit wurde der ^an sofort fallen qe- '■'cTt, Aus den Spuren der Biber. Sieben verschiedene Nationen snrd gegenwärtig durch ihre Archäologen daran, den Spuren der Bibel „uaclMgraben" — erklärte der Ehrensekretär des „Palestim Exploration Foimd" Dr. Masterman in einem Interview, das er vor kurzcm tem Londoner „Dni.y Chrom le" geivührte. Noch nienlals zuvor rourde so vielseitige und intensive archäologische Arbeit in Palästina geeistet wie jetzt. Der Palestine Exploration Fonnd hat soeben zwei erfolgreiche Grabungen in Absalom und Jeru a'em abgeschossen, über Nielche seinerzeit berichtet wurde. Unabhängig davon arbeitet die britische Schule für Archäologie und selbständig leitet Ansgrabungsarbeiten auch Professor Sir F'iners P etrie, der im äußersten Süden von Palästina arbeitet. Die ausgedehntesten utib bcstsundierten archäologischen Forschungen werden jetzt von den Amerikanern ansgeführt. Sie verfügen über Ge^d und Mutschen und sind für derlei Forschungsarbeiten ganz hervorragend ausgerüstet. Augenblicklich sind vier amerikanische Expeditionen tätig. Der Direktor der amerikanischen Schule für Archäologie in Jernsalein Dr. W. F. Albright arbeitet südlich voll Hebron und lvählte besollders einen der großer: Hügel in der Nähe von D a h a r i h e h, wo er bereits nmnche interessant«, wertvolle Entdeckung »rächte. So konnte er u. a. festftellen, daß die Stadt, von welcher angenommen wird, daß sie mit der im Buche Josuah erwähnten Stadt Kirjath Sepher identisch ist, vierrnal durch Feuer zerstört wurde, einmal über Befehl Nebndlcknezars. Eine ändere Expedition steht unter der Leitung des Mr. Fisher. Diese Expedition wird von der Chicagoer Universität und einigen Millionären fillanziert. Es wird behauptet, daß die Fisher- Expedition für fünf Jahre mit eitlem Jahresbudget vor: 10.000 Pfurid Sterling gesichert ist. Dieser Expedition gelangen gleich zu Beginn ihrer Arbeit einige lvertvolle Funke, so eine Tablette mit Hiroglyphen des in der Bibel erwähnteu ägyptischen König Sisak. Auch die viel besprochene kleine Bronzefigur eines hettitischen Kriegers hat Mr. Fisher attfgesundett. Eine interessante ainerilauische Expedition, die im Aitftrage der Peilnsylvania Universität von Mr. A. Rowe ge- I leitet lvird, arbeitet bei B e i s a n, wo fast jeder Stein irgend- 1 eine Bezichmrg zur Zeit der Bibel hat. In» vorigen Jrchr ' wurden hier zwei in den Chronikbüchern der Bibel erwähnte Tempel ausgegraben. Auch sonst wurden hier viele bereits ausführlich besprochnte Entdeckllngen gemacht. Die Pacific School of Religion, die mit der Universität von Kalifornien in Verbindung steht, finanziert die unter der Leitung des Dr. W. F. Bade durchgesührt.n Forschungsarbeiten in Tell-en-Nesbeh. Dr. Bade vertritt die Ansicht, daß dieser nördlich von Jerusalem gelegene Hügel mit dem in der Bibel genannten Mizpah identisch ist. Unter den vielen, von Dr. Bade gemachten Entdeck'.mgen, befindet sich auch ein 4000 Jahre altes Grab mit sehr wichtigen Tongeräten, einer Wasserzisterne, Götze:.statuen usw. Der Berliner Prof. Sellin arbeitet in der Nähe von Nablus, auf den: Tel-Balata genannten Hügel, den Sellin für den Platz hält, auf welchem ienst Sichem st'nd. Die Italiener sind durch die Schule für Archäologische Forschrmg der Franziskaner vertreten und arbeiten bei Cape rna um. Die bei Schila arbeitenden däni'chm Forscher graben im Aufträge des Nationalmuseums in Kopenhagen. Die Franzosen haben Syrieu zu ihrem Forschungsgebiet erwählt und so kann man jetzt a.ti allen historisch-halbwogs wichtigen Städten neben der Forschungsarbeit der palästinensischen Regierung und der zionistischen -archäologischen Gesellschaft Gelehrte mit großen Mitteln intensiv? Forschungsarbeit leisten sehen, deren Ergebnisse für die Kenntnis der Kulturgeschichte der alten Welt und somit der gesamten Menschheit von heute noch ungeahnter Bedeutung sein werden. Der Oberkommrssar sür Palästiüa, Lock P l u m e r, hat verfügt, daß wissenschaftliche Mitglieder archäologischer Expeditionen, die durch ein Zeugnis des Direktors des Antiguitäten-Departemcnts bei der palästinensischen Regierung anerkannt sind, von der Zahlung der vorgeschriebenen Einwanderungsgebühren befreit sind. Dr. Heinrich ArnHolV, bayrischer Konsul für Sachse«. Zum bayerischen Konsul in Dresden wurde Dr. Heinrich Arnhold, Mitinhaber des Bankhauses Gebrüder Arnhold, Dresden-Berlin, ernannt. (I. T. A.). Crösfnurrg eines jüdischen Leh.lingShieimes in Szatmar. Aus Szatmar wird uns berichtet: In Anwesenheit der Vertreter der Behörden fand hier vor einigen Tagen die Eröffnung des vom Jüdischen Waisenfürsorgeverband in Siebenbürgen ins Leben gerufenen Lehrlingshümes statt. In der Anstalt befinden sich zurzeit achtzehn jüdische Lehrlinge, die in Eisenfabriken in Lehre sind. wichtiges Dokument Vttr Jeden Wählerl DIE JUDEN WIENS Eine statistische Studie von Dr. Leo doldhammer Die gegenwärtige Situation der Jiidangemelnde Wien und Ihre Zukunft eröffnet diese' wertvolle Broschüre, die für jüdischpolitische Kreise von großer Bedeutung ist. Preis S 4*50 *. LUWI VERLAS WIEN I. Fleischmerkt 1 Rotenturmstraäe 22 Jüdisches Künstler-Kabarett II. Bez., Praterstraße 60 Leitefi M, Strang_ _ Telephon UW» llAfAlifßlflttl HMfwoth, den II. Hin 1127 w PiailiPlSiC l SsfiitnrortfeHeng zu Ehren des Herrn 0«mhard Wliitei». Zar Aufführung gelangt: in»»ii Unschuldig vcrurtelltl iih».ii Melodrama fn 3 Akten von ßuzet. Neu bearbeitet von B. Wtftler. Ferner: Aus der Revue „Von Seehystow bis Amerika'1 die Szenenbftder „SceBnmsuclntf nacla Sion" und die Kofporteuruene „WIENER MORGENZEITUNG" Beginn pr&slse 0 Uhr Bühne und Kunst. „Karnfsell" bei Rächt. Gastspiel OrSka in den Kammerspielen. Das Abend- und das Rachtprogramm der Kammeripiei, werden jetzt von Maria Orska bestritten. Von 10 bis 18 ist sie das Miswiccherl Charlotte ln Berneuils lustigem „Karussell", darin der Liebhaber, der die Rechnungen bezahlt und dafür die Vordertreppe benützt, zum Liebhaber für die Hintertreppe wird und umgekehrt. Man kennt dieses Kokottchen der Orska bereits; es ist in den paar Jahren, da sie es zum ersten Male spielte, schwerloser, französischer geworden, mit feinerer Erotik begabt (nur dann und wann tritt noch die schreckliche Berliner erotische Note zutage und beschwert das Gemüt des Zuhörers). Entzückend, doppelgefühlig der Liebesausbruch, den Frau Orska als eine Art Nutosiuggestion mit allen Kennzeichen der Echtheit ltnd jähem Abürechen des „Traneezustandes" macht. Ueberdies lügt sie entzückend, treibt allerhand luftigen Unfug mit dem Telephon und Pallenbergt wirksam allerlei grotesken Einfall. Für die beiden Liebhaber, welche die Treppen wechseln, hatte die Künstlerin dicsnwl taugliche Partner. Hans L a ck n e r verfügt über echte Komik (schon seine Hornbrille im letzten Akt, da er auf die Vordertreppe avanciert ist, bezwingt) und Hans I a r a Y ist so ziemlich der einzige begabte jugendliche Liebhaber, der heute in Men auf der Bühne steht. DaS diesmal etwas schütter besetzte Haus unterhielt sich glänzend. S. S. Aar de» Theatern. Burgtheater. Morgen, halb 8 Uhr: „Der tator". Akadernietheater. Morgen, halb 8 Uhr: „Sttesmama". Operntheater. Morgen, 6 Uhr: „Parsisal". Deutsches Volkstheater. Als nächste Novität das Drama „Thronkampf" (DerPatriot) von Robert!emnann in Szene. — Aida Stukering vom Schauspielhause in Frankfurt wurde nach dem Debüt als „.Hedda Gabler" engagiert. Kammer spiele. Ueber Wunsch Maria Ovskas wurden für Freitag, Samstag und Sonntag Reprisen von „Amoreuse" angesetzt. — Die Premiere des Molnar-Abends „Das Veilchen" und „Stikleben" mit Maria Orska wurde auf Montag verschoben. Heute findet keine Nachtvorstellung statt. ' ' Die Opermrwiche. In der kommenden Woche werden in der Staatsoper folgende Werke ausgeführt: Sonntag, den 13. März: „Parsisal"; Montag: „Die Boheme"; Dienstag: „Der Rosenkava li er"; Mittwock^: „Aida^; Donnerstag: „Der Gaukler unserer liehen Frau", „Die Jahreszeiten derLieve"; Freitag: „Turandot"; Samstag: „Andre Chenier". Anfführungsjubikäum in der Renaissancebühne. Nach langer Zeit hat Frau Niese wieder Gelegenheit, sich in einem Volksstück zu zeigen, in einem echten und dabei aktuellen, das alle dieser GatUmg sonst anhaftenden Sentimentalitäten vermeidet. Und nirgends ist sie selbst echter als dort, wo sie zeigt, daß sie das Herz am rechten Fleck hat. Die von ihr weit über die Theaterschablone hinarrs geschaffene Figur der Mutter stand im Mittelpunkt der Feuersteinschen Komödie „Ein süßes Geheimnis", die das Jubiläum ihrer 26. Aufführung feiern komrte. Michael Lantho gewann durch Hansi Nieses leöenssprühe'ndc' Spiel Tempo und Haltung. Das ausverkaufte Haus feiert? seinen Lieoling, den Autor und das ganze Ensemble. Jüdischer Knnstabend. Unter künstlerischer Leitung von Bernhard Scharrer findet am Sonntag, den 20 März, im Festsaale des Vereinsheimes, 8. Bezirk, Bennoplatz 1a, ein' Jüdischer Kunstabend statt. ($. ivirken unter anderen mit: Maria Gutrnann (Deutsthe. Volkstheater), Sckiriftsteller Dr. Siegfried S ch m i tz, Hanna Schwarz (Volksoper) und der Cellovirtnose Joack"' ■ Stutsch ewskh. Berelae, Vortrllge and Bersammlnagen. Moabon iwri (2. Bez., Zirkusgass« 93). Samstag, den 13. d., iK8 Uhr, Vortrag Schlomoh Auerbach: „shinbolik und Nomantik in Bialiks Werken." — Zionistische Jugendorgattifation Prater, 2. Bez., Jungstraße 8. Heute, 8 Uhr. Seminar für „Palästinakünde". Referent Weintrau b. ^ugcuvliche Gäste tmllkommenl — Lffe- und Redehalle jüdischer Hochschüler, 6. Bez., Dürk«nstraße 9. Morgen, 6 Uhr abends, Tranerkonvent für A. H. Dr. David Halpern. — Ocsterreichischer Ingenieur- und Architekten-Berein. Am 15. Msirz, halb 7 Uhr abends, Bollversainmlung und «Vortrag von Seitionschef Ing. Paul Dittes: „Fortschritte der elektrischen Zugförderung m Oesterreich mD seinen Nachbarländern." Angora—Konftantinopel. Ringende Gewalt« n. Dr. Ing. K. Klinghardt, Kenner und Schiiderer d«r modernen Türkei wird am Dienstag, den 15. März, um havb 8 Uhr abends, im kleinen Saal, der Wiener Urania in einem hochinteressanten Licht>bibdevvvrtrage ein natllrivahreö BiD von oer erwachenden Türkei, von den großen Gegensätzen in dom gärenden Staate Keinals entwecherr.