Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2886 (11.3.1927)
- Date
- 1927-03-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Wien, ^rciti'Ki CZ.~-Tr—r~ ... —— —: ..---- Vom Satten in den Abgrund gestürzt. Sin vorbedachter Mordversuch. Wie berichtet, ist SiMtuMt; in der Nahe non Liegcirfeld bei Baden die 27'ührige Bahttbmmwnsgattin Marie Hollerer ans Wen vom sogenannten Schwarzen Berg nl'gestnrzt und erlitt eine schwere Gchirnerschntterung und bedeutende Fuß- und Gelenksbeschadignngen. Ihr Gatte Alois Hollerer, der sie auf dem Ausflug begleitet hatte, verständigte die Rettungsgesellsiiwft. welche die Schwerverletzte in das Badener Krankenhaus brachte. Bei ihrer Einlieferung in das Spital benahm sich Alois Hollerer nlwr derart, das; sofort der Verdacht auflam. er spiele nur Komödie. Die eingeleiteten Recherchen ergaben bald, daß ein vorbedachter Mordversuch Höllerers an seiner Gattin vorlag. Hollerer soll sich nämlich, bevor er mit seiner Frau den Ausflug unternahm, zu Nachbarn geäußert haben: „Wenn wir von diesem Ausflug nicht zurückkehren sollten, dann gehört die Wohnung und die Einrichtung den Venvandtcn.'' Weiters wurde in Erfahrung gebracht, daß Hollerer seit längerer Zeit mit einer Bureauiollegin ein intimes Verhältnis un.crhielr uuv im vorigen Sommer mit diesem Mädchen, dem ec wiederholt die Ehe versprach, eine Lustrcise nach Italien gemacht habe, llebcrt ieZ schien der llntstand sehr bedenklich, daß Hollerer seine Frau auf einen für seine Verhältnisse ziemlich hohen Betrag auf Ableben versichert hat. Diese Verdachts inonrenle veranlagten die Wiener Polizei, Hollerer aus seiner Wohnung zu einem Lokalaugenschein nach Baden abzuholen, loobc: Hollerer den Unglück sfall" folgender -näßen schilderte: Er wollte von einem Baum, der an der äußersten Kante eines SO Meter hohen, abschüssigen Felsens steht, einen Ast abreißen, seine Frau lief ihm dabei nach, um ihn daran zu hindern. Hiebei sei sie aus-gerutscht uni» in die Tiefe gestürzt. Er verwickelte sich jedoch bei seinen Angaben in solche Widersprüche, daß ihm Äe Gerichtskommission nahelegte, angesichts der e rdrückenden Verdachtsmomente ein Geständnis abzulegen. Als Hbllerer sah, daß ibm kein anderer Ausweg mehr blieb, gestand er, seine Gattin» die ihm schon längst lästig sei, durch einen Stotz in die T iefe gestürzt zu haben. Hollerer wurde sofort itt Haft behalten. Die Gattin, die noch immer in bewußtlosem Zustande im Badener Krankenhause liegr, konnte noch immer nicht einvernommen werden. (Hit mutmaßlicher Gattenmord in Favoriten. Die Tote i» der Badewanne. Äöe 50jährige Zirmnermannsgattin Marie Cozik wurde, wie bereits gemeldet, vorgestern mittags, den Kopf unter Wasser, in der Badewanne leblos aufgefunden. Dem Polizeiarzt fielen bei der Besichtigung der Leiche zwei Mutgerinsel auf und da man überdies in Erfahrung brachte, daß das Ehepaar Cozik in Unfrieden gelebt hat, wurde die gerichtliche Obduktion der Leiche angeordnet. Ihr Ergebnis lautete derart, daß die Staatsanwaltschaft die Verhaftung des Mannes der Toten anordnete, da sich gegen ihn der dringende Verdacht richtet, auf gewaltsame Weise den Tod seiner Frau herbeigesührt zu haben. Durch die gerichtlich-medizinische Obduktion wurde nämlich sestgestellt, daß der Tod der Unglücklichen zweifellos auf gewaltsame Art und Werse hevbeigesührt worden ist. Johann Cozik stellte bei der Einvernahme entschieden iroe Beteiligung au der ihm zur Last gelegten Tat in Abrede. Er behauptet, am kritischen Tage vormittags seiner verstorbenen Gattin noch beim Bereiten des Bades behilflich gewesen zu sein und sich dann in therapeutische Behandlung begeben zu haben. Bei seiner Rückkehr habe er nach Aufschließung der Wohnung )«! Gattin in der Wanne tot ausgefunden. Da nun eine fremde Person für die Verübung der Tat kaum in Betracht kommt and Cozik mit seiner Frau in größtem Unfrieden lebte, wurde;r unter dem dringenden Verdachte “beä Gattemnovdes in Haft '^halten. Seltsames verschwinde« einer Sßanffenrs. Seit Mittwoch nachts ist unter seltsamen ttmständ.-n ein Wiener Chauffeur spurlos verschwunden. Am Floridsdorfer Spitz fand man um diese Zeit das Taxameterauto A XII 37 herrenlos auf, als dessen Lenker der 36jährige Chauffeur Franz Mader eruiert wurde. Mader hatte nach den Ermittlungen der Polizei am Dienstag nachmittag seine Wohnung verlassen, um seinen Dienst als Nachtchauffeur anzutreten. Seine Frau schildert ihn als höchst nüchternen Menschen, der niemals Selbstmordabsichtelt geäußert habe, so daß ihr sein Verschwinden selbst sehr rätselhaft ist. Gestern nachts wurde rmn sein Chausfeurmcmtel auf dem Gehsteig der Nordbahnbrücke von Strekfewvächtern aufgefunden. In dem Pelze befanden sich mßer dem Führerschein des Verschwundenen auch die Wohnungsschlüssel und eine Geldbörse mit wenigen Machen. Wieso der Pelz auf die Brücke gelangt ist, ist loch nicht festgestellt, doch kann er dort noch nicht lange gelegen sein, da er bei dem wenige Stunden vorher rfolgterr Patrouillengaitg nicht gesehen worden ist. Die?achforschlmgen nach dem Vermissten sind eingeleitet. Wiener Moraenz4iturrg n. März 1927 Re. 2886 4 looesoiifet einer Lawine. S ch n t s lGraubünoen), 10. wcärz. Gestern mittags ging im Samnauner Tal eine große Lawine in einer Ausdehnung von 300 Metern nieder und riß fünf S k i f a h r e r mit sich, von denen vier verschüttet wurden. Es handelt sich um Sportgäste aus Cmnpatsch. Der dem Unglück entronnene Gefährte holte sofort Hilfe, und alsbald waren 30 Malm aus Compatsch zur Stelle, um die Rettungsarbeiten aufzunehmen. Bis jetzt konnte nur der Kaufmann Trimborn aus Essen als Leiche geborgen werden. Unter der Lawine befinden sich noch Konrad Grössing aus Salzburg, Konrad Uhl aus Nürnberg mrd Frl. Kästner aus Linz. Sie sind vermutlich getötet worden. Der reftamentsproreß des Liftboy. Bei beit amerikanischen Gerichten läuft ein Prozeß, den ein früherer Liftboy um das Testament eines Dollarmillionärs angestrengt hat. Es geht um die Kleinigkeit von 15 Millionen Dollar, die ein Sonderling, Edward Searles in Mcthuen (Massachusetts), hinterließ und auf die ein Angele Ellison Anspruch erhebt. Der Kläger behauptet, daß er vor zwölf Jahren die Bekanntschaft des Mr. Searles gemacht mrd daß er sechs Jahre lang den Eigenbrötler als dessen „Adoptivsohn" überall hin begleitet habe. Der Mann legte dem Gericht eine ganze Reihe von zärtlichen Briefen des Millionärs vor, die z. B. besagen: „Ich denke Tag und Nacht an dich; mein Leben ist ohne meinen Soldatenjungen nur ein halbes Leben"; unterzeichnet sind die Briefe „Dein liebender Pa". Als der Alte starb, war der goldige Liftboy erschlagen, als im Testament für ihn ganze 10.000 Dollar ausgesetzt waren. Nun will er alles haben und verdächtigt den Haupterben der Searles-Milliouen, der der letzte Privatsekrelär des Sonderlings war, daß er sich, unter Umschleichung des Liftboys, in das Vertrauen des Millionenonkels eingeschlichen habe. Irr Erfinder des Kreuzworlrfitsels. Ein Professor der Universität Cambridge, der Philologe Harward, behauptet, den Erfinder des Kreuzworträtsels entdeckt zu haben. Nach seiner Meinmw bat der englische Schriftsteller Lewis Corroll, der Verfasser von „Alice im Lande der Wunder", etwa um das Jahr 1800 die ersten Kreuzworträtsel verfaßt; einige davon sollen noch in einer seltenen Gesamtausgabe von Carrolls Werken zu finden sein. r 'n JKätctken dev Weltliteiatut Wie ss&sdfke aus dem Verlag Eugen Diederichs, Jena fiIr £rn>acft$evic und Mimdee C20 03«nde) zum Teil mit reichem Bildermaterial versehen, in entzückender Aus-*- stattung von Prof. Ehmke Jeder iOand & cA itt in & Vownc&tiit *ind: Französische Märchen, 2 Bände Finnisch-estnische Märchen Malaische Märchen Indianermärchen aus Südamerika Kaukasische Märchen Afrikanische Märchen Neugriechische Märchen Südseemärchen Nordische Volksmärchen, 2 Bände Plattdeutsche Volksmärchen Musäus, Volksmärchen der Deut* sehen, 2 Bände Chinesische Volksmärchen Buddhistische Märchen Deutsche Märchen seit Grimm Russische Volksmärchen Kinder- und Hausmärchen von Grimm, 2 Bände BUCHHANDLUNG K. £öwit, Wien, 1., ROTENTURMSTRASSE 22 J Wien. 11. Marz 1927. Das Wette». Die Verschlechterung der gegenwärtige« Wetterlage hat auch gestern angehalten. Es ist allgemein trüb» stellenweise gibt es leichte Niederschläge. Die Vorhersage lantetr Vorwiegend trüb, Neigung zu Niederschlägen, etwas kühler. Die Aufnahme in den Postdienft gesperrt. Die Postdirektion für Wien, Nicderösterreich und Bargenland macht daran! aufmerksam, daß in ihrem Bereiche Neuaufnahmen wegen der Ausnahmssperre nicht stattfinden, und daß auch Vormerkungen für vorübergehende Verwendung als VertragSangestellte (Ersatzkrüfte) während der Urlaubszeit mit Rücksicht aus den geringen Bedarf und die große Zahl der bereits vorgemerkten Boiverber bis auf weiteres nicht erfolgen können. Die Einbringung von Gepichen erscheint daher zwecklos. Bewerber, die bereits einmal in Verwendung gestanden sind, bleiben vorgemerkt. Der Sammeltag der Barmherzigen Brüder. Samsrag und Sonntag sind die diesjährigen Sammelläge der Barmherzigen Brüder. Um die Straßensammlung möglichst zu popularisieren, werden Musikuinzüge von verschiedenen Körperschaften an den beiden Sammeltagen veranstaltet. Selbstmord eines Elfjährigen. Seit dem 1. Dezember v. I. war der elfjährige Bürgerschüler Helmut Pin dar aus >rer elterlichen Wohnung vermißt. An diesem Tage hatte er eine bekannte Familie besucht und sie abends ohne Zeichen irgendeiner besonderen Erregung verlassen. Sei-.yer war er spurlos verschwunden. Nun wurde am 7. d. in Floridsdorf von der Donau die Leiche eines Knaben ans Land geschwemmt. Die Eltern erkannten in der Leiche ihren vermißten Sohn. Es ist sicher, daß der Junge Selbstmord begangen h'"' Die Lebensmüden. Mittivoch abends wurde der 37jnhriae Kaufmann Urael G. von seiner Gattin in der mit Leuchtgas erfüllten Wohnung tot aufgefunden. Er hatte den Gashahm geöffnet und den Schlauch in den Mund genommen. G. hatte schon seit mehreren Tagen Selbstmordabsichten geäußert, weil er in finanziellen Schwierigkeiten war. — Wie berichtet, bat sich vorgestern nachts ein M?.nn von der Floridsdorferbrücke auf des Gleis der Donauuferbahn gestürzt. Er erlitt einen Bruch des Schädelgrundes und starb nod) im Laufe der Nacht. Nach den Erhebungen ist der Tote der' 32jährige Landwirt Joses Lo^mer, der die Tat wegen eines Nervenleidens begangen hat. Betrügereien eines Deserteurs. Am 28. v. M. ist der Wehrmann der Minenwerfer-« üatterie in Enns, der 20jührsae E.nil Pils, von seiner Truppe tcJ.ertiert und hat seither sowohl in Enn), Steyr und in Wien vielfache Berriigerei^n au'geführt. Er fand siä, bei Kaufieuten, meist Rateuhändlern, ein, legitimierte sich als Wehrmann und bezog gegen "kleine Anzahlungen Waren nur ungleich höhere Beträge, so Grammophons, Koffer, Kleider usw. und veräußerte sie sofort. Zu übernachten pflegte er in Kasernen bei Kameraden, die von seiner Desertion nichts wußten. Er wurde auch heute in der Renmveger Kaserne verhaftet und gestand seine Gaunereien ein. Der bi°her festgestettte Schaden betrügt über 1000 Schilling. Er wurde dem Landesgerichte eingeliefert. Tin schlechter Tausch. Gestern nachts um etroa yalb 1 Uhr, wurde der Fran Thais Dolnicka im Cafe Eiles in ver Josefstüdterstraße 2, ein Bifampelzmantel im Werte von 3000 bis 4000 Schilling, gestohlen. Die Diebin ließ statt des gestohlenen kostbaren Pelzes einen abgetragenen schwarzen Damenmantel mit schwarzem Jmitationspetzkragcn zurück. Feuer in einem Schnhgeschäft. In rem Schuhgeschäft Hugo Kerbel u. Grünblatt >n der Spengergasse 3 entstand gestern nachmittags ein Feuer. 200 Paar Schuhe wurden fast ganz vernichtet. Das Feuer, >daS ba-lid getuscht werden konme, ist infolge allzu großer Wärme eines Ofens entstaitden. Vom Nebenlnchker ln die Eierkiste gestoßen. Ein Ende mit Schrecken nahm ein Stelldichein, das ein junges Mädchen einem Verehrer in der Liäntstraße in Eharlottenburg gegeben hatte. Während die beiden jungeir Leilte sich eifrig unterhielten, erschien plötzlich -der Bräutigam der jungen Dame, der seinen Nebenbuhler an der Busenkrause faßte und mit voller Gewalt gegen die Schaufensterscheibe einer Butterhandlung warf. Die Scheibe konnte den Anprall nicht aushalten und zerbrach. Nur der Umstand, daß der durchs Fenster Geworfene in eine Kiste mit Eiern fiel, hatte er es zcc danken, daß er mit geringen Verletzungen durch Glassplitter davongekommen ist. Vom Keren Knjemeth. Das PLÜsidiu.m des Keren Kajemeth teilt uns mit: In der letzten Zeit wiw versucht, bei jüdischen Familien Holz- Sammelbüchsen umerzubringen, unter der falschen Vorspiegelung, daß es sich um das Z e n tr al - Pal äst i naa m t. für welches die Spenden bestimmt sind, handle. Ferner wird von manchen jüdischen Gruppen versucht, bei jüdischen Familien Büchsen au'^zuistellen, öle äußerlich den Eindruck erwecken, als ob es die blau-weiße Büchse des Keren Kajemeth wäre. Wir machen darauf aufmerksa-m, datz die Büchsen des Keren Kajemeth nur von Mitarbeitern ausgestellt werden, die mit unseren L eg i«r: ma t io n e n und Drucksorten versehen sind; die echte Büchse ttägt einen Magen David; Oberhalb des Schildes sind auf weißem Felde die Buch, staben ,JNF" angebracht und unten aus weißem Felde die hebräische Aufschrift .gieren Kajemeth Le-jisrael". Getband ostjüdifchor Oyganifationen in Wien. Dienstag, den 16. März, 8 Uhr abends, findet im Bereinshetm „Nord-Ost", 2. Bez., Taborstraße 21, eine ostjüdische Massenversammlung statt. Tagesordnung: Reaktivierung des Verbandes. Wahl der Exekutive. Eventualia. Referenten: Dr. Schmerler und Dr. Israel Taubes. Die ostjüdischen Organisationen werden ersucht, bestimnlt zu erscheinen. Der nützlichste Bürger seiner Stadt. Die amerikanische Stadt NewovleanS verleiht alljährlich dein um die Stadt verdienflivollstelt Bürger -den Ehrentitel „Der tchtzlichste Bürger seiner Stadt". Der AuSgezeichnei« wiw auch für die Dauer seines Ehrenjahres der Beisitzer eines Ehrenpokals. Im ckbgelaufenen Jahve wurde diese höchste Ehre dem Rabbiner an der „Toner-Synagoge" in Ne«vorleans Enu'l W. Leipziger in Anerkennung seiner Verdienste auf allgemeinem sozia'en Gebiete verliehen. Die Inden in i'.'ew« orleans bilden bloß zwei Prozent der Gesamtdewohn-er der Stadt.