Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2885 (10.3.1927)
- Date
- 1927-03-10
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 288i> Wien, Donnerski st f M>»M M mm MMH MMM MMM Ijflim M wifiKi WivCO^Hjciiitiig 10. März 1927 Seile 7 JUDE ANS KREUZ! ROMAN VON KURT MÜNZER Copyright 1937‘fcy’RliSrwitforla«, Wien — Loipalg. Tic Wände sind purpurn, ztvischeu breiten .Spiegeln, Licht fällt aus unsichtbaren Quellen aus dein üppigen Stuck der weißen Decke. Vorhänge aus schwarzem Samt mit goldenen Arabesken führen geheimnisvoll die Nerigier in Nebenränme. Die Kellner snü> in tadellosen. Fracks. Es sind Grafen, Schriftsteller, Offiziere. Der Mann am Klavier »oar ein Freund des Zaren, Bergtverke in: Ural, Wälder bei Moskau hatten ihm gehört. Der Geschäftsführer ist ein Fliege rleutnant getvesen, zu Häufe liegen die eisern:: Kreuze, der pour le merite, Häusorden von Fürsten. Ein amerikanischer Bankier hat die Rote Hölle finanziert. Er wird zum zweitenmal reich an ihr. In ihr verwandelt sich Kot in Gold, Zoten werden, zu Perlen, die unftilchtbarc Unzucht gebärt Mtieu, die jungen. Abel entdeckt an einen: Tisch, heut, irr der ersten stacht des neuen Schreckenswinters, ein (Besicht, in dem seine Fugend blutig eingeschrieben ist. Karl Ehrsam sitzt da mit zwei Männern, alle drei in der furchtbaren Eleganz, die das Elend der Zeit ausspic. Seidengefiitterte Jacketts, Gardmie, goldenes Armband, Perle am Finger. Haare glänzend znrückgekärmnt in den ausgeschorenen Nacken, in dem das Fett der Poularden und Enten, die Butter der Cremes, die Sahne der Entremcts quillt. Große Füße in Seide :md Lack, brrllantbesetzto Reifen um die Knöchel, blitzend durch den farbigen Flor. Duft eingeschmuggelter Parfruns. Auf den: TW Erdbeeren, und Pfirsiche für den Sekt, dessen Flasche:: unten sich reihen. Gläser mit französischen Liköre:: über Eis. Platte»: werden hcrangerollt, Türn:e von Hors d'oeuvres, Kaviar, .Hinniner, Aale, Krebsschwänze auf Artischockeirböden, Gänscleber-, Häsenleberpasteten, Salate ans den Brüsten fetten Geflügels mit Mayonnaise, Fische ans Schwede»:, Lachs, Forelle»: in Gelee, saure Gänsebrüste, geräucherte Schenkel, cingebackeuen Schlicke»», Antipasti, Ragouts; andere Platten mit Trauben, Orange»:, Rosinen, Mandeln, Nüssen, Grape fruits, Ananas, Bananen, Birne»: ein Pfui:d schwer, Walderdbeeren ans Treibhäusern auf Steine double. Dort saß Karl Ehrsam aus Oskvetscha.ni, er, der den kleinen Fudenfungen ennnal mis Kreuz geheftet Halle... Ader war er derm daincüs nicht gekommen, zu bekennen? ... Nur dessen gedachte Mel. Er war gekommen und hatte geweint. — Beide erkannten sich. Mit Hellem Ruf raffte sich Ehrsam auf, um dein Geiger in der roten Jacke, brüderlich wie Sekt stimmt, um den Hals zu fallen —. da kamen die Tänzerinnen. Die allgenieine Orgie begann. Frack und Nacktheit vermählten sich. Die Kellner lehnten müde, blasiert an den Wäicken. Die Mufikanten spielten ohne Blick auf die schändlichen Gruppen. Am Biifett hantierten zivei Blondinen geräuschvoll und redeten miteinander, als geschähe nichts Scheußliches mitten im Saal. Auch das Furchtbare, in regeldiäßiger Wiederkehr, wird Alltag, Banalität, Sinnlosigkeit »nid Gefühlsleere. Franken, Psiuvdnoten, Gulden rollten und knisterten.. Ein schrecklicher Dunst von lüsternem Mensch erfüllte den Saal. Knaben zogen zitternd <m englischen Zigaretten, die entblößten Tänzerinnen schlürften Sekt, löffelten Kaviar mit der nie gestillten Gier ewiger Unbildung, Greife stachen schlotternd in Pasteten mit Trüffeln.und Hasenleber:». Karl Ehrsam hatte den Geiger sofort wieder vergessen. Er sah diese Szene zun: erstenmal, diese Hölle des besiegten, geldgierigen, hungernden, verzweifelten Volkes, das den Feind ansbentet, der es anSsaugen kommt; das das Geld, das er entführt, »nieder einheimst. Eine Tänzerin saß auf seinem Schoß, Dollarnoten in der linken Faust. Mel Adler spielte. Schon allein. Es tvar spät. Das Licht summte nrie ein Sommertag über Feldern, es war »vre Geruch von blühenden Büschen, von blühenden: Sumpf, stehendem Gewässer. War draußen schon Tag? Gab es noch eine "Sonne? 'NLenschjm -ohne' Wissen, mit Gewissen?.-. Karl Ehrsam taumelte an sein Podium, setzte sich dort schwankend hin, schüttete ein Tasche voll Gulden auf den Boden vor Abels Füße. Er stammelte: „Da, ich zahl ab, Jüdchen. Bist nicht mehr 'böfe, was? Aber ich erkenn dich noch in der Nölle. Ich vergeff' nicht. Wie du da am Kreuz hingst... Nachher, o, ich meiß, bekam ich Angst, ich kan: (Mitten. Ja, die Juden. Ich liebe ßc. Ich mach mit ihnen Geschlifte. Ohne JiL»en —' wär Wyerrt nicht in der Hölle!" Er lachte laut über seiner Worte dumme»: Doppelsinn Mel spielte über ihn himveg, sah hinab auf seinen bfattbeu Feirck und sagte: „Nein, vu bist kein Jude!" <UnV mitten im Unrat der gottlosen Welt sicente sich sein HetF. » Dennoch gillg das Licht auf, auch über der entgötterten Welt. Es war grau »:nd trübe, neblig, feucht. Der Geiger, überiEchtig, schwankte ans die Straße. Autos sausten in die Stadt, nach den großen Hotels. Der Portier mußte die fetten Gäste heraus heben, die schlafenden, torkelnden m: den List tragen. Das Volk »vor schon bei der dlabeit. Die Arbeitslosen begannen schon »nieder zu betteln.'Tote wurden gefmchen, die tägliche»: zehir Selbstmörder, die täglicher: zwei Gemordeten. Verhungerte Kinder schleppten sich in die. Schule. Skelette von Pferden zogen Droschken, in denen der Ansschweifende einschlief. Aber er konnte noch nicht heim. Da waren die Häuser in der Polsdamerstraße, wo zivci Familien vom Gelde der Rote:: Hölle lebten. Wel Adler trug seine Dollars dorthin. Er stieg in Keller der Kurfürstenstraßc, des Winterfeldplatzes und legte Schlveizcr Franke»: aus den leeren TW. Sein Auge sah im Gang einer Dame, im! Blick eines alten Herrn den Hunger, m:d so liebevoll war sein Wort, feine Geste, daß die noch gestern reiche Hand heut ohne Scham nehmen durfte. Sein Gesicht strahlte Güte äus; die er nicht entdeckte, kamen ans ihn zu. Oft flössen nur Tränen über ein Gesicht. O gesegnete Hülle! Sic trocknete Träne»: und ließ zitternde Lippen lächeln. Er wohnte oben in der Prenzlauer Allee. Ep hatte nicht ertrage::, bei den Eltern zu leben. Im Hause der Hirtenstraßc, wo sic immer noch lebten, wimmelte es von Menschen. Jeden Tag zog ein neuer Vertriebener, Mlchitender in dieses heut noch sichere. Ghetto. Alle nahmen alle auf. Die Stuben platzten von Schläfern, in der .Küche ging der Herd nicht ans. Menschen- und Speisedünste erfüllten erstickend die Häuser. stammt aus äer Rotenturmstrsüe 23 Fabrik Haslinger Hollandstraße M Keine Pnrimleier ohne das Purimspiel tfamans Flucht von SAMMY GRONEMANN Preis S 1 — R LHWI1 VERLA®, WIEN I rielsdunarht 1 Rotentiursnslraße 22 ■■■■■BflMflKHMUMUMjnflBBBBflflBBBaBflBflBB' wichtige« Dokument ffOr Jeden Wähle« I DIE JUDEN WIENS Eine statistische Studie von Dr. teo Ooldhemmer Die gegenwärtige Situation der ludengemeinde Wien und Ihre Zukunft eröffnet diese wertvolle Broschüre, die für jüdischpolitische Kreise von großer Bedeutung ist. Preis S 4*50 R. IUWI VERLAG WIEN I. Pieischmarkt 1 Rotenturrnttraße 23 I I. Preis: klm BHiMek von 300 BMn!!. Preis: Eine GratMse nach Palästina IH. Preis: Fünf Danam Land in Palästina and weitere 47 Preise Kreuzworträtsel-Preisausschreiben i t i . i i ■■ e 'i: i Ausschneiden 17 i 18 i 19 24 2ö SVr. 26 BEZEICHNUNG DEB WORTE : Wagrecht: 1 Oper von Verdi, 3 Gewicht der Verpackung, 7 Sohn Noahs, 9 Getränk, 11 Franzos. Fürwort, 12 Himmelsrichtung, 14 Vorwort, 15 Ungekocht, 16 Elektr. Maßeinheit, 17 Aegypt. Sonnengott, 18 Selten, 20 Fürwort, 22 Gattung, 24 Niederlassung, 25 Baumart, 26 Heißes Getränk. Senkrecht: 1 Zahl, 2 Kirchengebäude, 4 Stimmlage, 5 Schlußwort im Gebet, 6 Tierleiche, 8 Staatskasse, 10 Wasserbehälter, 12 Teil d. Kopfes, 13 Türe, 17 Vogel, 19 Papageienart, 21 Kleine Brücke, 23 Bodensenkung, 24 Europ. Münze. i; Name:... Adresse: Ausschneiden Rfchtigstellllllg* In unserem gestrigen Rätsel Nr. 25 soll 24 wagrecht richtig Niederschlag bedeuten. Erklärung: Ab 13. Februar erscheint täglich in der „Wiener Morgenzeitung“ ein Kreuzworträtsel. V .Die Diagramme sind auszuschneiden und mit Tinte oder Tintenblei auszufüllen und zu sammeln. Am Schlüsse unserer Serie sind dann die gesammelten Lösungen samt den kr jeder Nummer befindlichen Rätselkupons an die „Rätselredaktion der Wiener Morgenzeitung“ einzusenden. Jeder Einsender kann an der öffentlich stattfindenden Verlosung, deren genauer Zeitpunkt noch bekanntgegeben wird, teilnehmen. Blätter, kt welchen unsere Rätsel erschienen sind, können jederzeit gegen Einsendung des Betrages in Briefmarken von unserer Administration nachbezogen werden NB. Der Beischlaf! des auf Seite 2befindlichen Kupons ist unbedingt erforderlich. BiiTitlMiyif ilii' mmäi iitMl