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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-10 · Heft 2885 (10.3.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2885 (10.3.1927)
Date
1927-03-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Ztztte 4 Wien, DMnerStag Wiener Morgenzettung ly. März ISS- Nr. 8886 ShopUar Sheouglück. '^iv haben wiederholt über die Eheaffäre des Film- Mnstters Warlie Chaplin berichtet, den das amerikanische Muckertum moralisch, künstlerisch und materiell rwrnichten wollte, weil er angeblich frivol, brutal und Habsüchtig seiner Frau gegenüber war. Nun wurde aber durch Zeugenaussagen und Feststellungen bei Bekannten und Verwandten die Geschichte der Ehaplinschen Ehe in allen Einzelheiten festgelegt. Dabei kam folgendes zutage: Die Mutter Lita GreYS hatte ihre siebzehnjährige Tochter wiederholt zu Chaplin ins Hans gelassen und die beiden damr allein gelassen. Sie drängte ihm die Tochter geradezu mit Gewalt auf und war unermüdlich im Erfinden und Ausklügeln von Situationen, die die beiden allein und ungestört sahen. Dabei erzählte sie ihm, wie sehr Lita ihn anbete, und daß er sich keine bessere Frau wünschen könne. Chaplin war auch nur ein Mensch, er verfloß sich weder der Schönheit der Tochter noch den. Argumenten der Schwiegermutter. Da? würdige Paar halte den schwerreichen Künstler bald dort, wo es ihn haben wollte: Chaplin mußte Lita heiraten. Die irmschwärmte Frau eines weltberühmten Mannes wohnte in einer wundervollen Billa, schenkte zwei Kindern das Leben, wühlte mit ihren kleinen Händen in: Schnmck — und konnte wahrlich zufrieden sein. Aber der Plan der beiden ging weiter. Sie wollten nichts Geringeres, als das Chaplinsche Vermögen an fick reißen und die Existenz des Mannes, der sie aus kleinen Verhältnissen emporgehoben hatte, vernichten. Sie hatten eines vergessen: es gibt in Amerikka nicht nur eine Prüderie der Frauen, sondern auch eine der Männer. Plötzlich sieht der amerikanische Ehemann, daß das Schicksal Chaplins sein eigenes ist, daß er mit Chaplins Recht sein eigenes Recht verteidigt. Und plötzlich erkennt der rechnende Amerikaner die materiellen Hintergründe des ganzen Prozesses, und der Künstler sieht sich mit einem Male von Bundesgenossen umgeben. Täglich beschließen Männervereinigungen, sich auf die Seite Ehapliks zu stellen. Einfache Favmer aus dem Westen drücken ihm telegraphisch Hre Sympathien aus. Und was das wichtigste ist: der Verband der ameribrnischen Kinobesitzer hat sich mit ihm solidarisch erklärt. Damit ist der gefährliche Boykott abgewaudt. Noch ein Mann stellt sich auf Chaplins Seite: der Vater Litas, Mister Greh, der von seiner famosen Gattin gettennt lebt und offen geäußett hat, seiner Tochter gebühre nichts anderes als eine gehörige Tracht Prügel. wirken vorbeugend und lindernci öle ärztlich erprobten und empfohlenen Sotii¥an a Knoblauchtropfen. I Vorzüglich bei Frauen in den Wechseljahren. Preis IS 3.50. Erhältlich in allen Apotheken. ist Erzeugung: Alte Feldapotheke, Wien. l. Stephansplatz. fürstendamm, die Roben GUbert mir ein paar o.i^cloeu originellen Musiknummern ausgestattet hat. Derlei Theater ist unerträglich^ wenn es sich nicht — wie hier — selbst verspottet. Mer Kurt Bois, im Stil von Buster Keaton, ist von Schauer und Zauber des Menschentums umflossen, er erschüttert (mit seinem demütigen Lächeln) noch tiefer, als er mit Gaste und Witz erheitert. Eine S'e!'e g hl da auf — mitten in Operette . . . Sonnabend läßt man alle vier Konzerte vergeblich locken und setzt sich in die Staatsoper, wo.ManueldeFallas „Meister Pedros Puppenspiel" Entzücken erregt. In Gesang und Pantomime vollendet gespielt, von Kleiber dirigiert, schließt es den Abend, der mit Kurt Weill beginnt. „Royal Palace" ist eine Oper, so heutig empfunden und ausgesührt, daß sie vielleicht morgen schon nicht mehr verstanden werden ivird. Oberkellner tanzen, ein Auto rast durch die Welt, Flugzeug donnert, der Film ist entfesselt, die Bühne mit Drehscheibe und Rundhorizont, der Mensch selbstverstäMich auch. Eine Frau mit drei Männern. Es ist so viel zu sehen, daß man fast die Musik überhört. Und dabei — erstaunlich! — ist auch sie außerordentlich, , natürlich sozusagen Gelegenheitsmusik (zu der Dichtung Iwan Golls), aber als solche ausgezeichnet. Das Lyrische ist mager, aber die Begleitung der stürmischen Vorgänge packend, unerhört bravourös, rhythmisch hinreißend, meisterlich im Schlagzeug, alles von äußerster Prägnanz in Ausmalung der Ereignisse. — Und so schlummert man, den Alp der Woche auf der Brust, in den Sonntag hinein. Sonntag — Sie ahnen nicht! Mittags eröffnet Flechtheim die Ausstellung von Karl Hofer und Ernesto de Fiori, pikante Gegensätze, der Maler ist plastisch und der Plastiker malerisch Nachmittags dirigiert Jascha Horen st ein ein Arbeiterkonzert in der Philharmonie und zeigt, daß er diese Musiker in der Hand in der Faust hat. Er versenkt sich in Schönbergs „Verklärte Nacht" mit einer Inbrunst, die nachschöpferisch dieses musikalische Stück zu einem Erklingen bringt, in dem Tristansche Verkrampfungen und Erlösungen wunderbar bohren und strömen. Man kann es nicht schöner hören als hier von diesem jungen Horenstein, der nur Aufgaben brauchte, um sie zu erfüllen. — Und abends ' Aber das gehört aus das nächste Blatt . . . IjGiUOUiUiUOUlUiUlUlÜlUiÜiUOOÖ 8m Flugzeug gratis non Men nach Krakau uud retour, elue wertvolle Mltothek und zahlreiche andere PrMien sind bei dem Sport» Preisausschreiben der „Wiener Morgenzeitung" „Oesterreich —Tschechoslowakei" zu gewinnen. Der erste Kupon erscheint am Donnerstag, den 10. März. □Daaauiaiaaaamoaaana Hundertiehu Stockwerke. Der Mammut-Wolkenkratzer in Newyork. Me bereits kurz berichtet, wird schon in allerkürzester Zett mit den Fundamentierungsarbeiten für das höchste Bauwerk, das je von Menschen bewohnt und zur dauernden Arbeitsstätte bestimmt wurde, begonnen werden, der Mammut-Wolkenkratzer, so lautet sein offizieller Name, mit 110 Stockwerken ein selbst für amerikanische Berhältnifse gigantischer .Häuserbloch wird bis längstens zum Frühjahr 1929 vollkommen fertiggesteNt fein; an den Bauplänen haben sechs hervorragende Architekten, die von einem Stabe von 20 Ingenieuren unterstützt wurden, Wer ein halbes Jahr gearbeitet, die Kostenberechnungen wurden bis ins Detail durchgeführt und auch die Pläne für die Inneneinrichtung entworfen. Wie amerikanische Blätter Mitteilen, wird das Gebäude Bureauräume für insgesamt 30.000 Personen enthalten, von denen 3000 auch in einem besonderen für einen Hotelbetrieb projezierten Trakt Unterkunft und Verpflegung werden finden können. Acht Stockwerke tief unter dem Straßenniveau find die Räume für die Beleuchtungs-, Lüstungs- und Heizunzsanlagen vorgesehen, außerdem werden ein großes Restaurant, ein Warenhaus, eine Postanstalt, ein Kinothsater eine Waschanstalt, eine öffentliche Bibliothek und eine Telephonzentrale mit mehr als 6000 HauSanschlüffen in den unterirdischen Grundräumen den im Hause verkehrenden Personen zur Berfligung stehen. Die Bauleitung legt Wert daraus, festzustellen, daß das ganze Bauwerk bis zum höchsten Stock hinauf brauchbar und Uveckentsprechend eingerichtet wird im Gegensatz zu manchen Wolkenkratzern aus früheren Jahren, bei denen die obersten 10—16 Stockiverke bloß als Ausfichtswarten, Bodenräume und dergleichen verwendet wurden. Für die ersten zwanzig Stockwerke sind Räume bereits für einige Banken, Versicherungsgesellschaften und große Importfirmen reserviert, die dott ihre Bureaus und Sprechzimmer unterbringen werden. Bis zum 82. Stockwerk werden Räume an Einzclfirmen, AktiengeselFchaften. Recht annälte, Zahnärzte und kauf ännische Korporationen abgegeben werden, wobei ein Trakt des Wolkenkratzers zwischen dem 40. und 60. Stockwerk, wie bereits erwähnt ein voli'tändiges Hotel enthalten wird. 60 Aufzüge werden den Verkehr „nach oben" vermitteln, wobei zehn Rapid- Auszüge bloß in jedem- 20. Stockwerk haltma Herr werden. Vom 83. bis 105. Stockwerk sind große E r h o l n n g s h a l l e n mit neuartigen LüstungZanlagen vorgesehen, von denen man sicl) namentlich für die heiße Jahreszeit, wenn, die quälenden Hitzwellen des Hochsommers in Erscheinung treten, eine angenehme Erfrischung verspricht, da die vorgekühlte Luft durch mächtige Ventilatoren über ein Parkett von Blumen und Koniferen ge tri eben wird, die man in dieser Höhe in großen Erdbehältern stet? frisch halten will. Im übrigen wird von 10 zu 10 Stockwerken je eine Anlage für künstliche Eiserzeugung in Betrieb gesetzt werden, die selbst an den. glühendsten Sommertagcn eine angenehme Temperatur gewährleisten soll. Die ganz obersten fünf Stockiverke werden an eine große Reklamegesellschast abgegeben, die mit den neuartigsten Projek- . tionsapparaten selbst in Amerika nach nie dagoivesene Wirkungen zu erzielen hofft. Eine ungeheure Riesenuhr auf dem Dache wird auf Meilen hin sichtbar sein. Das Bauareal befindet sich an einem der Brennpunfte des Newhorker Verkehrs. in der 42. Straße zwischen der 6. und 9. Avenue und wird durch Niederlegung eines großen Häuserblockes in dieser Gegend gewonnen. Die reinen Baukosten sind mit 20 Millionen Dollar prälimtniert, wozu noch 5 Millionen Dollar für die Innenausstattung kommen. Die Bauunternehmung hofft einen jährlichen Zinsertrag von drei Millionen Dollar zu erzielen. Vom kommenden Frühjahr an sollen bereits die detaillierten Pläne öffentlich ausgelegt und Vormerkungen auf Mieträume entgegengenommen werden. Ein großer Teil des Komplexes ist allerdings schon heute in festen Händen, da sich einige an dem Bauunternehmen interessierte Konzerne ein Optionsrecht auf bestimmte Trakide Vorbehalten haben. Unsere Kreuzloorttötselkonlurrenz! Auf verschiedene Anfragen hin teilen wir mit, daß unsere jetzt laufende Rätselkonkurrenz fünfzig Rätsel umfassen wird. An der öffentlich stattfindenden' Verlosung der Preise werden alle jene Löser teilnehmen können, die mindestens vierzig richtige Auflösungen einsenden. V Das in unserer Sonntagsnummer veröffentlichte R ä t s e l N r. 22 wurde irrtümlicherweise in die Konkurrenz ausgenommen und wird ausgeschieden und durch ein anderes, in den nächsten Tagen zur Veröffentlichung gelangendes Rätsel ersetzt «erden. Kee Stoa» «oft da« Hatto. Es ist schon lange bekannt, daß die Stärke drahtloser Signale, die aus große Entfernungen gegeben werden, schwankt, auch lvenn sich am Sender nichts verändert und die Aufgabeuttb Empfangsbedingungen genau dieselben bleiben. So kommt es vor, daß ein Empfang wochenlang durchaus befriedigend ist rmd plötzlich ohne erkennbare Ursache, und ohne daß sich bei der absendenden oder empfangenden Stelle irgend etwas verändert hätte, sehr schlecht hörbar oder ganz unhörbar wivd. Diese Erscheinung dauert manchmal mehrere Tage und verschwindet dann wieder ebenso plötzlich, wie sie gekommen war. Sie hat nichts zu tun mit der wohlbekannten Verstärkung aller drahtlosen Zeichen während der Nacht, die man durch das fvgenainnte Heavistdesche Radivdach erklärt. Ein englischer Amateur, Derek S h a m m o n, hatte bemerkt, daß die Radloempfänge von amerikanischen und anderen sehr entfernten Stationen bei Hellen Mondnächten erheblich deutlicher wurden. Er begann daher, wie die Frankfurter Zeitung berichtet, eine Statistik der Nächte mit schlechterem Empfang aufzustellem und fand dabei zu seiner Ueberraschung, daß die besten Empfänge immer mit dem Vollmond zusammenfielen, und zwar ebensowohl dann, wenn dbeser zu sehen, als wenn er von Wolken bedeckt war. Von diesem Zeitpunkt bis zum Neumond nahm die Empfangsstärke dauernd ab, um dann ebenso allmählich wieder anzusteigen. Dabei hatte Shammon alle Vorsichtsmaßregeln, deren Beschreibung hier zu weit führen würde, getroffen, um eine Täuschung seinerseits auszuschließen. Die von ihm gefundene Jntensitätskurve weist nur unbedeutende Schwankungen auf, wie sie bei derartigen Versuchen unvermeidlich sind. Shammon hat daher die Ueberzeugung gewonnen, daß diese Veränderungen in der Stärke des Radioempfanges irgendwie mit der Drehung der Erde und des Mondes im Zusammenhang stehen. Es ist interessant, mit diesen Ergebnissen die Beobachtungen zu vergleichen, über die kürzlich Vincent in Brüssel berichtet hat. Dieser hat nämlich Diagramme veröffentlicht, die für einen längerem Zeitraum genau die Stärkeschwankungen verzeichnen, die die von der Station Lafayette gegebenen Signale in Meudon hervorbrachten. Alle Maxima fallen dort kurz nach Neumond, kurz nach dem ersten Mondviertel, kurz nach Vollmond und kurz nach -dem zweiten Mondviertel, keines aber aus die diesen Phasen kurz vorhergehenden Tage. Vincent, dem diese Merkwürdigkeit nicht entgangen ist, stellt keinerlei Hypothese darüber auf, hält es aber für dringend erwünscht, weitere Beobachtungen zu machen, um diese auffallende Koinzidenz auszuklären. Die valllftrnenMe Postvcrwaltung. Aus Je r-usälem wird uns geschrieben: 'In einer Pressekonferenz gab dieser' Tage der Chef der Postverwaltung in Palästina wichtige Aufklärungen Über die Gegenwart und die künftige Ausgestaltung des Postwesens im Palästimn. In Palästina gibt es 33 Postämter, die auch Telegramme befördern, und drei einfache Postämter. Die meisten jüdischen Kolonien und größeren Dörfer haben Postagenturen. Ueberdies besteht ein Wan-de rp o sta m t, das sich außerordentlich bewährt. Dieses Postamt ist den Eisen bahnzügen zwischen Haifa rmd Kantara angekoppolt. Die Am-tsführimg geschieht ganz nach modernen europäischen Melhöden. Die A u s l a n d S p o st aus Palästina wird regelmäßig zweimail in -der Woche über Aegypten mit den Dampfern des Lloyd Triestino und „Peninfular-Orientail" besördert. Aber auch an anderen Tagen wird Post nach Aegypten abgefertigt, vom wo sie dann mittels anderer Schiffsverbindungen am ihr Ziel weilergeleitet wird, so daß sich praktisch ein täglicher A-uslandspostdlenst ans Palästina ergibt. Die Pa-lästina-Regievung ist Mitglied des internationalen Postverbandes in Bern. Interessant ist, daß in den pallästirwnsischeu Postämtern eine auffallend große Zahl vom Briefpost und Drucksachen liegen bleiben müssen, weil die Adressen nicht klar umd genau geschrieben sind. Im letzten Jahre betrug die Zahl dieser unbestellbaren Post 131.000 Stück, wovon eim Drittel ln Palästina selbst ausgegeben wurde. Die Telegramme ins Ausland werden Über Syrien oder Aegypten geleitet. In Syrien werden sie drahtlos weitergegeben, während von Aegypten aus «im Mefseekabel ins Ausland führt. Die drahtlosen Telegramme -haben sich deshalb nicht eimbürgern können, well sie keine ausreichende Sicherheit bieten umd wei-l das TelsgrammgeHeimniS nicht garantiert werden könne. ES ist sehr wahrscheinlich, daß binnen kurzem ein direktes Kabel von Port Said nach Palästina — nach Haifa oder Jaffa — gelegt werden wird, wodurch die Beförderung von Telegrammen nach Europa, die jetzt in Aegypten oft auifgehalten werden, sich rascher wivd abwickeln können. Für die nächste Zeit steht auch di« Errichtung eines großen ZentralpostgebäudeS für Palästina in Jerusalem bevor. Auch im Jaffa wird demnächst ein geeignetes großes Postamt errichtet werden. Las antiiiitiffte Regime in Litauen. Kow no, 9. März. Die Regierung Wolde maraS nimmt jede Gelegenheit wahr, ihre anttjüdische Politik zu bekunden. So hat das Ministerium des Innern nahezu sämtliche Budgetposten der Stadtverwaltung Kowno, welche die Subventionierung vom jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen betreffen, entweder ganz gestrichen oder auf ein lächerliches Minimum reduziert. M K.---Tr»r;

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