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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-06 · Heft 2881 (6.3.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2881 (6.3.1927)
Date
1927-03-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 BLien, Sonntag Me«ee Morgenzettung 6. März 1927 Nr. «A Wßm KUPON ZU DEM KREUZWORTRAETSEL Nr. 22 DER „WIENER MORGBN2EITUHG Die 44. Genfer Session. —y, Wien, 0. März. Morgen beginnt in Genf die Session des Vöttcr- »nndratcs, die 44. in der Reihe. Die Umstünde, unter denen diese Tagung Zusammentritt, sind sehr kritisch, und der Rat des Völkerbundes wird wohl keine Abhilfe schaffen können. Er wird es nicht daraus ankonunen lassen, seine Autorität in den vielen Konflikten einznsetzen, die sich Äen jetzt in verwirrender Fülle zusammenballen und für deren Schlichtung der Bölkerbun nur ein sehr unvollständiges Forum darstellt. In alle Streitfragen ist Rußland verwickelt. Das Problem dicfts Staates und seiner Beziehungen zur Übrigen Welt tritt immer wieder auf die Tagesordnung, und so lange Rußland nicht der europäischen Gemeinschaft angeschlossen ist, bleibt die Sicherung des Friedens nur ein Traum und daran scheitert jede Bemühung jedweder interstaatlichen Organisation. Der Völkerbund ist unvollständig. Er ist aber auch durch seine innere Verfassung unzulänglich, durch die immer krasser heranstretende Unmöglichkeit, für seine Mitglieder in ihren gegenseitigen Relationen M? Kriegsgefahr auszuschließen. Das Genfer Protokoll, an dem Bencfch im vorigen Jahre mit so viel Optimismus arbeitete, ist in einer Schreibtischlade verschwunden, und wenn sich morgen die Ratsmitglieder Zusammensein, so wechcn sich die Vertreter Englands und Chinas in einem Saal befinden, und der Völkerbund wird von ihrem Konftict, der ja fast schon ein Krieg ist, kaum Notiz nehmen können. Nun besteht dieser Rat aus. den leitenden Ministern der Staaten. Nicht aller. Es ist eine Unterschüvnng zwischen ständigen und nichtständigen Mitgliedern. Dieser Unterschied hat ja, wie noch erinnerlich, im Vorjahre zu einer bösen Krise geführt, die rund um den Eintritt Deutschlands entstanden war. Aber mit diesem Rat hat es eine eigene Bewandtnis. Vermöge seiner Zusammensetzung ist er nie unbefangen. Dieselben Minister, die ihre Staaten in die Konflikte bringen — ob sie nun der Macht d« Dinge unterliegcil oder sie dirigieren, ist für diese Bo trachtung irrelevant — dieselben Minister filzen dann zur Schlichtung des Streites zusammen, sollen über gemeinsame Wege beraten, solle-- die Well^irlschaftskonie renz fördern, die Abrüstung durcch ähren od.-r doch we nigstens besprechen. Ist das nicht geraoczu eine Gro teske? Daheim national egoistisch und sogar autarNsch, in Genf altruistisch und von WeltjolidaritäL erfüllt. Wo ist die Wahrheit? Es sind alle in ihrem privaten Leben wohlwollende, honette Männer; aber wenn sie im Amte sind, dam: fühlen sie sich doch uusrci, Versler von Interessen, die immer von der Macht und von der Rück sicht auf ein einziges Volk, einen einzigen Staat, vielleicht auch eine einzige Klasse bedingt sind. SScan sie aber nach Genf kommen, als Träger von Hvssnungu.'., dann kann man doch schwer glauben, daß sie die mittlere Lüste, den Ausgleich widerstreitender Ansprüche auch im Ernst anstreben, geschweige denn ihn finden. Die Mitglieder des Völkerbundrates sollten, so glauor man wenigstens, nur ihrem Gewissen, nur der Gesamt heit der Menschen verantwortlich sein. Aber in Wirkich keit sind sie ihren Parlamenten und in diesen d'r eben regierenden Majorität verantwortlich. Eine einzige Ab stimmung in London oder Paris, ein Parieienwechsel infolge von Neuwahlen kann das Bild ändern, lveitreichand- Beschlüsse Umstürzen. Gerade diese morgen beginnende Ratstagung steht vor einer unerquicklichen Situation. Gens soll die Folie bilden für verschiedene Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland, die der Entgiftung der Verhältnisse gelten sollen und bei denen die Spannung zwischen Deutschland und Polen gelöst werden soll. Aber die Regierung, der Stvesemann angehört, ist inzrvischen,, feit Locarno und Thoiry, stark nach rechts gewandert. Ist der Stresemann dort heute derselbe, der er im Vorjahre war? Sind die psychologischen Bedingungen dieselben wie im Vorjahre? Das offizielle Programm der Ratstagung umfaßt sehr bedeutsame Fragen, zumal es Menschlich-keits- und Menschheitsfragen sind. Da ist der Opiumhandel und das Gebiet der Rauschgifte, die Unterbringung der armenischen Flüchtlinge, Berichte der Hygienekommissionen und nicht als letzte der Bedeutung nach die Berichte der Mandatskommissionen. Aber wie sollen diese Angelegenheiten ernst und gedeihlich behandelt werden von einer Versammlung, deren einzelne Mitglieder sich nicht von dem Heimatsegoismus befreien können? Uns interessiert auf das stärkste die Mandatskommission, die doch über die Entwicklung Palästinas zum jüdischen Nationalheim zu referieren hat. Wie wird diese Frage behandelt? Zeigt sich nicht hier der unselige Dualismus des Rates? Die Kommission hat die Frage aufgeworfen, ob sie nur ein Gutachten abzugeben hat oder ob sie ein Urteil zu fäl- , len berechtigt ist. Sie ist aber zu dieser Anfrage nicht auS einer unbefangenen Würdigung ihrer Stellung gelangt, sondern nur aus chrer Unfreiheit, aus ihrer Konstruktion, aus dem Unvermögen, sich aus der Vormundschaft der Regierungen sich zu befreien. Und auf diese Weise geht der Sinn der Kommission und ihr hohes Amt verloren, wird es znm Spiel der dunkelsten Intrigen. Hier liegt auch der tiefere Grund, weshalb der Völkerbund es nicht ivagt, zum Schutze seiner Mission seine Autorität aufzubieten. Sie Palliftinarelse Des PrSfideule« Malawi. Ierusale m, 5. März. Ter Präsident der tschechoslowakischen Republik M a s a r y k wird am 5. April in Palästina eintreffen. Die Behörden sind verständigt worden, daß der Präsident seinen Besuch inkognito macht und daß er sich etwa fünf Tage in Palästina anfhalten will. mm m SCHKÄ C die Marke des eieganten Herrn VI!., Kaiserstraße 123 iX., Alser&traße h Wien und Berlin. Berglrtcheade ziffern zur Wische« Statistik beider Gemeinde«. Von Dr. Leo Gold Hamm er. * Im Berliner Verlag Scherbel & Co. haben die Herren 2r. Jacob I a c o b s o h n und Dr. Jacob S e g a l l ein „Iüdischeö, Iahrbuch für G r o tz - V e r l i n" für das Jahr 1926 herausgegeben, daö mehr als einen Wegweiser durch die jüdischen Einrichtungen und Organisationen Berlins — dies ist der Untertitel des Jahrbuches — darstellt. Nach einem kurzen, aber erschöpfenden ttcberblick über die Geschichte der Juden in Berlin folgt eine Bevölkerungsstatistik, die zu eitlem Vergleich mit den diesbezüglichen Verhältnissen der Juden Wiens reizt. Berlin weist nach einer ungefähren Schätzung für das Jahr 1925 eine jüdische Bevölkerung von 250.000 Seelen auf, gegenüber einer GcsamtbevLIkerung von 4,030.818, also 0.20o/o. Im Jahre 1910 betrug sie 142.289 und bildete 4.05% der Gcsamtoinwohnerschast Berlins; die Vermehrung gegenüber 1910 beträgt daher 75.6%. In Wien hatten wir im Jahre 1910 175.318 jüdische Seelen, tvas 6.63% der Gesamtbevölkerung auSrnachte; die Zahl der Juden wuchs im Jahre 1923 auf 201.613 an und belief sich daher aus 10.80% der Gesamteiinwohnerschuft. Von 1910 bis 1923 hat sich, daher die jüdische Bevölkerung Wiens bloß um 14.94% vermehrt. Die Geburtenzahl der jüdischen Bevölkerung nimmt in Berlin ebenso wie in Wien von Jahr zu Jahr ab. Sie ist aber interessanterweise absolut genommenen Wien noch immer bedeutend höher als in Berlin. Im nachfolgenden seien diese Daten angeführt: 1921: Berlin 2182, Wien 8080; 1922: Berlin 1973, Wien 2951; 1023: Berlin 2019, Wien 2704; 1924: Berlin 1047, Wien 2546. Eine geringere Geburtenzahl deutet in der Regel aus eine bessere wirtschaftliche und soziale Stellung hin, und das dürste auch die Ursache für diese Erscheinung sein. In bezug aus die Totgeburten sind die Verhältnisse in beiden Städten fast gleich. Sie betrugen in Berlin in den Jahrcu 1921—1925 2.5%. in Wien in den Jahren 1915—1920 2.4%, aller Geburten bei den Juden. Viel erschreckender und devrimiercudrr fällt eihi Vergleich zwischen den Sterbefättcn der Judeuschast Berlins und Wiens für die letztere Stadt aus, obwohl in beiden Städten eine wenn auch geringfügige Abnahme in der Zahl der Todesfälle zu konstatieren ist. Es starben im Jahre 1921 in Berlin 2258, in Dien 2868; 1922: Berlin 2642. Wien 2914; 1923: Berlin 2493, Wien 2565; 1924: Berlin 2450, Wien 2604. Bemerkenswert ist, daß in Berlin 21.16% der Todesfälle die Tuberkulose zur Ursache haben, während in Wien lediglich 3.31% auf diese Todesursache zurückgusührcii sind. Dieser Umstand ist zweifellos damit zu erklären, daß die Anlage Wiens mit seinen großen Grünflächen für die Gesundheitsverhältnisse der Bevölkerung, gerade tvas die Prophylaxe gegen Erkrankungen der Atmungsorgane anlangt, günstiger ist.. In beiden Städten kann somit, ioenn man die Bevölkerungsvilanz zieht, sestgestellt werden, daß mit geringfügigen Ausnahmen in jedem Jahre die Zahl der Todesfälle die der Geburten übersteigt, d. h. mit anderen Worten, daß ein Geburtenüberschuß, bzw. natürlicher Zutvachs überhaupt nicht mehr Vorhände,» und daß die trotzdem zu beobachtende Bevölkerungsvermehrung in beiden Städten auf die Zuwanderung zurückzuführen ist. Die Zahl der Eheschließungen ist in Wien, eine bedeutend, höhere als in Berlin, wobei in beiden Städten eine stetige Abnahme zu verzeichnen ist; diese ist in Berlin bedeutend stärker als bei uns. Es wurden von Juden Ehen geschlossen im Jahve 1021: Berlin 1891, Wien 2408; 1922: Berlin 1422. Wien 2492; 1923: Berlin 1846, Wien 1947; 1924: Berlin 1040. Wien 1628; 1926: Berlin 668. Wien 1368. Auch aus. dieser Tatsache läßt sich der Schluß ziehen, daß -die jüdische Bevölkerung Berlins wirtschaftlich und sozial bedeutend besser gestellt ist als die jüdische Einwohnerschaft Wiens. Dazu kommt noch in Wien das Vorhandensein einer stärkeren Schichte von traditionstreuen Juden als in Berlin. Was die Mischehen anbelangt, so ist ln Wien zu konstatieren, daß ein Viertel aller von Juden überhaupt geschlossenen Ehen Mischehen sind, während in Berlin ein Drittel aller eheschließenden jüdischen Männer sine Mischehe eingehen und ein Sechstel aller eheschließenden jüdischen Frauen. In der Austritts-, bzw. Taufbowegung überfl' Berlin bei lveitem. CS traten aus dem Judentum n n Jahre 1021: Berlin 245, Wien 1011; 1022: Berlin 176. Wien 867;- 1928: Berlin 676, Wien 1168. Die Ursache dürste in der österreichischen Ehegesetzgebung liegen, welche die Ehe zwischen Personen verschiedener Konfession fast unmöglich macht. Das Jahrbuch gibt sodann eine Darstellung der Organisationen der jüdischen Gemeinde Berlin und der dortigen Synagogengemeinde „Adaß Israel". Interessant ist dabei die Bemerkung in bezug auf das Frau-enwahlrecht: „Der Einführung des FrauemvahlrechteS standen religiöse traditionelle Bedenken entgegen. Mer man ging über diese Bedenken hinweg, mdem man einer Entwicklung Rechnung trug, die die Frau mitten in das Erwerbsleben hineinstellt, sie kulturell und politisch emanzipiert hatte. Der Erlaß des Berliner Polizeipräsidenten vom 19. September 1926, der diese Neuerungen genehmigte, tat seine Wirkung über den Bezirk-der Berliner Gemeinde hinaus; er schlug Bresche in die veralteten Zustände anderer Gemeinden und brachte zum Beispiel mich in unserer Nachbargelneiude Frankfurt a. O. den Frauen wenigstens das altive Wahlrecht. . . . Frauen wählten mit Eifer und wurden gewählt." Will die Wiener Kultusgemeinde daraus nicht lernen? Eine Besprechung der Steuern und des Etats brülgt eine Menge von Daten, die in mancher Hinsicht nachahmenswert ünd. 1924 gingen in Berlin 3,287.822 R.-M. an Steirern ein und für das Jahr 1926 ist ain Steuercingcmg von 4,676.890.60 R.-M. im Voranschlag vorgesehen. Es rvaren also für das Jahr 1924 54% und für das Jahr 1926 68.5% der Ausgaben durch Steuern anfzubringen. Der Voranschlag für das letztere Jahr schließt nämlich mit einer Gesamtsumme von 8,323.018.60 R.-M. ab'. Sehr wirkungsvoll ist die Umrechnung auf Verwendung einer jeden verausgabten Mark. Cs entfielen nämlich 7 Pf. auf allgemeine jüdische Angelegenheiten, 6 Pf. auf Vermögen Verwaltung, 0 Pf. auf allgemeine Vcrivaltung, 22 Pf. auf Kultus- und Ritualangelegenheiten, 18 Pf. auf Schulen, Unterricht und Bibliothek und 36 Pf. aus das WohlfahrtSwesen. Die folgenden Kapitel, die Kultus- und Ritualwesen, Wohlfahrtspflege, das goistige und kulturelle Leben, die jüdische Jugendbewegung, die jüdischen Parteien und Organisationen behandeln, bilden eine wertvolle Quelle für jeden, der aktiv am jüdischen Gemeindeleben teilnimmt. Nach sehr wirkungsvollen Nachrufen nach August von Wassermann, Hugo Preuß, James Israel und Mathilde Nathenau folgt rät Verzeichnis der jüdischen Vereine Berlitts sowie ein kurzer Führer durch alle Institutionen. Dieses noch außerdem mit 12 Illustrationen geschmückte, sehr gut mlsgcstattete, zirka 476 Seiten umfassende Jahrbuch erweckt unseren Neid. Wir glauben, daß es an der Zeit wäre, auch für Wien ein derartiges Werk zu schaffen, zumal wir hier auch auf eine Reihe von Leistungen hinzuweisen haben, die hinter .denen der jüdischen Gemeinde Berlins nicht zurücksteh er Mn arabischer WalSzersrörer. Jerusalem, 2. März. (I. T. A.) Eine Abordnung der Palestiue Jewish (Kolonisation AAssoziation (Pica) erschien bei der Palästinaregierung und erstattete Bericht über die A u § x 0 b tt it q des von der Pica bei Caesarea auf Grund ihrer von der Regierung erhaltenen Aufforst ungs-Kouzession gepflanzten Eukalyptus- Waldes durch den arabischen .Hetzer Badi Bustani und seine Helfershelfer. Der Abordnung wurde namens der Regierung versichert, daß das Konzessivnsgebict in einen Zustand verstärkten Schutzes versetzt werden wird. Die Pica möge die Eukalyptuspflanzuugen fortsetzen. Die Jüdische Gemeinde der Stadt Haifa sandte an den Oberkommlssar Lord Plum er ein Telegramm mit der Aufforderung, den Waldfrevler Bustani und seine Helfershelfer 51t bestrafen. Bustani hat inzwischen den zerstörten Wald besetzt und mit seinen Genossen mit der Anlegung von Wcin.-- pflanzungen begonnen. Professor Dr.Formanek über Sklerolsyrup „Dia bisherigen Erfahrungen sind sei. stlge. Immer stellte sich ein Herabsirik Blutdruckes und der Arterienspannung e . der Puls verlangsamte sich und das subjektive Befinden des Patienten besserte sich bedeu- . tend in wertigen Tagen . . ln allen Apotheken erhältlich. Huapt'Depot: Apotheker C. Brady,Wien, 1., Rotenturrastr. 1A

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