Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2881 (6.3.1927)
- Date
- 1927-03-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 Polen* »5 groggy 1 Wien: Zmn Abholen mdet Expedition, II., Taborstr 14 oder in einerVerschleißstelle (Trafik) monatl.b Schilling Straßen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1., Wollseile 11 Mit Postversand fflr Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsehecho Slowakei* Mon. K 82 Jugoslawien: Mon. Din. 60 Polen: Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm.4. Frankreich, Belgien: Mon. Pres. 86 CUefes*hiiB(«t »et Preis* «rtiftbaflgaa ffbabaltat. »r. «881 Wiener J DDE ANS KREOZf Unser Roman: Seift 11 orgenzeilmig Men. Sonntao. 6. MS« 18*7 (2. Wradar 5687). | Preis LA g England: Mon. 4 Schilling Italien: Monatl. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Ls Bulgarien: Mon.100 Lewa S c hw e i 2 und das übrige Ausland monatlich Pres. 5 Redaktion, Administration. Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38. 48-3-19 Ah 6 Dhr abends Telephon Nr. 31-0-86 u. 31-209 Vll., Lerohentelderstraße 1 (Druckerei ,lnva*> Oesterreichisches Postspar kassenkonto Nr 150 603 9. Safwwnn Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes st gekennzeichnet. Sie Neuwahlen. Ae «Mett de» gmUMlaiMteti an nie Wiener Rcünsleminde. . Da nunmehr der Wahltag endgültig auf den 24. April festgelegt ist, hat Bundeskanzler Dr. Seipel dem Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien, der in einem Schreiben vom 22. Februar darauf aufmerksam gemacht hatte, daß gegen diesen Wahltag bei den religiös gerichteten Juden gewisse Bedenken obwalteten, ntt' folgendem Schreiben geantwortet: „Entsprechend meinem Schreiben vom 27. Februar an Sie, habe ich bei den Vorberatungen für diese Entscheidung auf die Bedenken aufmerksam gemacht, die Si. bei mir namens vieler Ihrer Glaubensgenossen vorgebracht haben. Bei der Abwägung der Gründe für bic Wahl des 24. April oder eines späteren Tages als Wahltermin konnten sich äber die Regierung und die MehrheitSparteien nicht anders als für den frühesten Termin entscheiden, da sie auf die Abkürzung der erfahrungsgemäß an Beunruhigungen reichen Wahlvorbereitungszeit und vor allem darauf Bedacht nahmen mußten, daß nicht auch noch der 1. Mai in diese Vorbereitungszeit einbezogen würde. - Ich glaube mit Bestimmtheit annehmen zu dürfen daß für diese Absicht gerade auch die österreichischen Staatsbürgn Ihres Glaubens v o l l e s V e r st ä n d n i s: Habei. wechen- Hus dßN Gründen, die ich schon in meinem Brief vom 27. Februar aNführte^..r&ßS&dtöfrt feine irgendwie beträchtliche Zähl jüdischer Staatsbürger durch hie . Vorschriften ihres Glaubens . an der Ausübung des Wahlrechtes behindert sein wird." Die Verwüsnng aüf den Brief vom 27. Februar bezieht sich darauf, daß sehr konservativ gerichtete jüdische Persönlichkeiten versichert hatten, daß ihnen nicht das Wählen an sich, auch nicht das Gehen zum Wahllokal, sondern nur das Schreiben und das Fahren an diesem Tage untersagt wäre und daß auch die Andächtsübungen in den Synagogen keineswegs den.ganzen Wahlsonntag in Anspruch nähmen. Ae Vorgänge im Arsenal. BereltsAstsdlenst ves republikanischen Schutzbundes. Auf verschiedene Gerüchte hin, die gestern aus tauchten-, wurde der republikanische Schutzbund am späten Nachmittag.in Bereitschaft gestellt. Starke Züge,von Ordnern sammelten sich in der Nähe des Arsenals, während die Zugänge und einjelne Objekte besetzt wurden. Im Arsenal nahmen etwa 500 Mann des Schutzbundes Aufstellung. Da sich jsdoch nichts ereignete, zogen die Ordner am Ab:nd wieder ab. Gin Zwischenfall hat sich nicht ereignet. Eine Stadt durch einen Wirbrlftutm retftSrt. ramatave auf Madagaskar vernichtet. London, 6. März. Nach einem bei Lloyde eingegangenen Funkspruch sind Hafen und Stadt Tamatave (Madagaskar) durch einen furchtbaren Wirbel« stürm gänzlich zerstört worden. Der Schade dürste hundert Millionen Franken betragen. Fünf Schi ffe sind untevgogangen. Nach einer , später.« Meldung ist die ganze Ostküste von Madagaskar vom Mrbelsturnr hoimgesucht worden. In Tamatape allein wurden 500 Tote gezählt, während die Zahl -der Todesopfer an -der ganzen Ostküste 100 betrügt. siniftiinn la Junis ans srinoiis. Paris, ö. März. Aus Tunis wird gemeldet,, daß der. g a n z e S ü d e n -des Landes von einem außerordentlich heftigen Sand sturm heimg-esucht worden ist, wie er ftit 30 Jahren nicht mehr zu verzeichnen war. Me Eisenbahnverbindungen-sind im ganzen Süden unterbrochen; die Städte Gabes, Toneur und Kmruan sind vom Verkehr mit Tunis vollständig abgeschult t e n. Der Sand liegt ans -den Linien streckenweist einen Meter hoch. Es sind Truppen auf-geboten worden, um die Linker, wieder freizumachen. Ganze Züge sind im Sand {iecfcn geblieben Auch in Tripolis h<n zwei Tage lang ein Sandstnrm gewütet, de', huicherte von Palmen n-iederlogte und zahlretlch« Beduinenlagex zerstörte, ohne jsdoch Menschenopfer zu sovd Najdas AnklSger verurteilt. Ser Prozeß der Führers der tschechischen Fasrilieo- Prag, 5. März. Heute wurde das Urteil in dem Ehrenbeleidlgungsprozeß -des gewesenen Generalst-abschest G a j d a gsgen den Major Kratochwil und -den ehemaligen Offiziersdi-e-ner S o low jew gefällt, welche als die direkten Urheber des Sturzes Gajdas vom Generalstabschef zum gemeinen Soldä-ten anzusehen sind. Das Gericht fällte ein sensationelles Urteil. Die Beleidiger Gajdas wurden wegen falscher Beschuldigungen zu 6 Wochen Arrest, zur Tragung der Prozeßkosten und zum Ersatz von 6000 Kranen für den Berlret»?r Gajdas verurteilt Das Urteil ist b-odingit mit oinjähriger Bewährungsfrist unter der Voraussetzung, daß die beiden Verurteilten die Erklärung abgeben, daß sie alle gegen Gaj-da erhobenen Beschuldigungen widerrufen und ihn um Verzeihung bitten. In der Uvteilsbogründung führte der Richter aus, das Gericht sei zur Neberz,. ugung -gekommen, daß es keinem der Angeklagten gelungen sei, auch nur den Wahrscheinlich keitsbe weis für die Richtigkeit seiner Behauptung zu'erbringen. Das Gericht hat die Ueberzeugung gewonnen, daß die Aussagen Kratochwils Lücken haben, nebulös und ungenau, seine Beschuldigungen vielfach -erdacht sind. Ebenso seien die Aussagen Solowjews unglaubwürdig, für dessen Charakter es bezeichnend sei, daß or, als fast der Familie des PvivatanM-gers angehörend, gleichzeitig von der Sowjetmission Spionagelohn bezogen hat. Im Verlaufe der heutigen Verhandlung kam es zu bewegten Szenen zwischen dem Major des Generalstabes Maro wetz und dem Obersten des Generalstäbes Z a k, die heftig aneinander gerieten und einander der Lüge beschuldigten. Zak nahm sich im warmen Worten Gajdas an. Das Urteil wurde in» Gerichtssaal mit ° Ovationen für Gajda ausgenommen. Es ist nicht zu zweifeln, daß die tschech oslowakische Fascistengeme ind e das Urteil für. ihre Zwecke ausnützen wird. Drr Bormarsch der Kantonesen. - Bor elrrem rieurn Generalstreik ln Schanghai. London, 5. März. British United Preß meldet, -daß mit der Einnahme der Stadt Su-Tschau, 80 Kilometer im Westen von Schanghai, jeden Augenblick zu rechnen sei. Die Vortruppen der Kantonesen haben bereits die Stad. W a - K i a n g, otwa 20 Kilometer von Su-Tschau besetzt. Ihr Hauptziel scheint die Stadt K u n s ch a n ander Eisenbahnlinie Schanghai—Nanking zu sein, durch deren Besetzung die H a u p t v e r b i n d -u n g s 11 tt i e der Nordtruppen abgeschnitten wäre. Teile der Nord-arme,? wurden g-e-gen Su-Tschau entsandt, um den Vormarsch der Kantonesen aufzuhalten. General L i - P a o - T s ch a n g, ein früherer Unterführer Sun-Dschuan-Fangs, hat bei Wusung, nördlich von Schanghai 50.000 Mann k o n z e n t r i e r t, -die zu den Kantonefen überzugehen drohen. General Sun-Tschuan-Fang hat sich nach N agasaki oi-rgeschisst. Man befürcht^ in Schanghai den Ausbruch eines neuen Generalstreiks, sobald die Kantonarma? in der Nähe der Stadt einge-troffen sein wird. Heute wurden 1200 a m e r i k a n i s ch e Marin esoldaten gelandet. Sngland im Sudan. Jerusalem, 4. März. Die Negierung des Sudan hat Vorbereitungen getroffen, um eine Anleihe von zwei Millionen Pfund Sterling unter Garantie der b r i t i s ch e n Nogierung auszunehmen. Die britische Regierung hat auch zügestimmt, während d'.r ersten drei Jahre zwei Fünftel des Zinsendienstes der neuen Anleihe selbst-zu übernehmen. Die Anleihe soll zum Ausbau des fn-danesischen Eisenbahnnetzes benutzt werden, wie auch z-um Bau einer neuen Eisenlahnbrücke über den Atbarafluß. Beide Arbeiten sollen noch vor der Regensaison 1928 fertiggestellt werden. Später soll diese Bahn, die ihren Ausgangspunkt!ni Kassala nimmt, bis nach M a k w a r ausgebaut werden. Ein Teil des Darlehens soll auch für den Auödau-des H afens v o n. PortSudan wie auch für den Ausbau des Gezirah-Bew.äs.serunksplanes verwendet werden. Diese Anleihe wie auch, -der ganze Plan des Aushaus der Kommunikationen im «Sudan wird sehr dazu beitragen, den Wert des Sudans für die Engländer zu vergrößern. in.FrankreichsPropaganda für seine Krönung macht, und der Emir Dschamil Tussun, der Mitglied des Kronrats des ägyptischen Königs ist. Ferner wird mitgcteilt, daß Namy Bei, das jetzige Haupt der syrischen Regierung, einen besonderen Vertrauten nach Paris geschickt haben soll, um für seine eigene Kandidatur Stimmung' zu machen. ' Faisal von Irak hat während seines Besuches in Paris seinen Bruder Ali als Kandidaten empfohlen. Ferner soll die Familie Lotfallah ihre Aspirationen knndgetan haben, indem Michael Lotfallahs Stiefbruder Habib dem französischen Oberkommissär von Syrien Ponsot seine Kandidatur vorschlug. Ein Mordanschlag gegen einen arabischen Führer in Fernsalem. I e r u s a l e m, 3. März. (I. T. A.) Unbekannte Täter überfielen in einer Straße Jerusalems den Redakteur des gemäßigten arabischen Blattes „Meraat-el-Sherk", Sarr n f, und versuchten, ihn zu erwürgen. Sarruf gelang es, sich ihrer solange zu erwehren, bis Leute herankamen, worauf die Täter entflohen. Sarruf gibt an, daß der Ueberfall von Parteigängern der arabischen Exekutive ausgeführt worden sei, da er aus Anlaß der Gemeindewahlen diese Partei bekämpfe. Außerdem habe er sich den Haß der Nationalisten zugezogen, weil er für eine neue ar abische Gesamtorganisation eintritt, die sich auf die Jugendverbände stützen soll. Sarruf besuchte nach d-em Ueberfall den Chefsekretär der Pav^ stinaregierung Syittes. Hitlers Hintermann «nd Geldgeber. Berlin, 5. März. Der deutsch-völkische Reichstags» ab-geordnete Jürgen von Ra min hat kürzlich, wie berichtet, erzählt, er wisse, daß Hitler, als er noch der „Trommler" war, von einem Berliner Politiker Geld und Instruktionen erhalten habe. Dieser Gönner ist, wie das „Berliner Tageblatt" m-itt-eilt, der Großindustrielle Herr von B o rsi-g. Der „Vorwärts" bemerkt dazu: „Herr v. Borsig, der Geldgeber des Herrn Hitler, des hochverräterischen Putschismus, des grobschlä chtigsten Anti femit4smus! Herr v. Borsig ist der Präsi-den-t der Bereinigung deutscher ArbeitgeberverbäN'de. Er führt das Wort „Bolksgemeir.schaft" ständig im Munde. Hier erscheint er als der Finanzier einer -das Volk zerreißen«den, auf de" Bürgerkrieg gerichteten Bewegung." Me yrischen Kronpriitenveate«. Jerusalem, 4. März. Die hiesige Presseteilt die Namen der ägyptischen Prinzen mit, die ihre Kandidatur als K ö n i g e p. o n S y r i e n angemeldet l-aben. Es sind der Exkhevive Ab bas Hilmi, der seit langem Mische Wühlerveksammlang. vormittag um halb 11 Uhr findet im Theater^ saal des Cafe Astvr (2. Bez., Praterstr. 60) sirre jüdische O^ählerversammlung statt; es werden Oberbaurät Stricker, Gemeinderat Dr. Plaschkes, Dr. Desider Fried mann und Direktor Breuer referieren.