Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2880 (5.3.1927)
- Date
- 1927-03-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite - Wien, Samstag Wiener Morgenzeimng S. März 1S27 Nr. 2880 JUDE ANS KREUZ! ROMAN von KURT MÜNZER Cofyägkt tnf bf K* Uwi* TnU«, Wita - Ldpatg. ,Lch reife morgen abends," sagte sie. §,Sie müßten bis sichen Uhr bei mir sein. Möchten Sie lieber.nach Sizilien?" „ES ist gleich," flüsterte er, schüchtern, wirklich ein Sechzehnjähriger.; Sie ging ohne Gruß, ohne sich umzuwenden... MS er wieder ins Zimmer trat, sagte Konstantin Nikolaitsch: ,Du mußt sofort gehen, mir einen guten Pfleger zu.besorgen. Und telegraphiere nach Genf an Rene Clemencmr, er soll wiederkommen. Wenn du fort hist, brauche ich — ür dich — mehr als zwei andere." „Wenn ich fort bin —> „Wann reiset Ihr?" fragte Pokorski. „Sie ist noch schöner geworden. Ws sie dich sah, ging ihr letztes.Wunder auf. Sie ist wie eine Gottheit. — Weißt du, warum fte dich kiebt?" fragte der Gelähmte in beseligendem Wahn. „Vier Monate um mich, hast du von mir Gebärde angenomntnt. In deinen Händen begegnet sie ,mir. Vielleicht will sie auf dem Umweg über dich endlich — endlich! doch noch u mir kommen!" («. FortsetzU«-.) Lichen, die Ehrfurcht in feinem Racken, wenn er zu ihnen emporsah. Dienender Prinz, hatte Marfa Alexejenma gedacht, als sie ihn sah, Tiger, der Lämmer säugt. „Abel!" rief Pokorski leise. „Mich dürstet. Es wird schon hell, nicht wahr? Drei Uhr? Licher, die letzte Nacht. Weißt du, ich dachte nach. Ueber dich, über euch. Daß du nicht Zionist bist! Nun, du lvirst es noch werden. Du mußt sehr alt werden, um alles, was du willst, hinter dich zu bringen. Ich fürchte, ihr jungen Juden, ihr bringt alle Erlebnisse nur hinter euch, statt in euch hinein. Da gründen sie Palästina neu. Künstlich — verfehlte Sache. Was hat das noch mit Judentum zu tun? Zuflucht für Juden, gut! Mer niemals jüdischer Staat. Gibt es Staat ohne Religion? Religion ist der Anfang. Und die Zionisten schaffen sie ab. Judentum läßt sich nicht von außen erringen. Und wenn sie auch hebräisch reden und jiddisches Theater und hebräische Zeitungen haben: sie kommen nicht von innen her. Die Quelle muß innen liegen, und die jüdische Quelle ist längst ausgeschöpft. Jetzt tragen sie von allen Seiten Wasser ins leere Becken. Und das versickert, rvird schmutzig, es strömt nichts nach, es reinigt sich nicht selbst. Nrer Judentum ist entblutet; Seele ist noch da, unleiblicher' Geist. Das genügt nicht. Ihr seid dabei, ganz euch aufzulösen Eure Schönheit jetzt ist eure letzte Berklänmg." Eine Stunde später — schon drang der rosige Morgen mit OleanLerduft ins Zimmer, und Meer und Himmel war«, atemlos dr Erwartung des Lichtes: ,Hhr seid die Güte selbst; aber Mte oft ohne Kraft, sie vemichtet euch selbst. Ihr ruft dem Hilfeflehenden $U' Fort! Fort! Du zerreißt mir das Herz! und iveint, daß er verhungert . . . Nein, Abel, du nicht, du läßt iwch dein Herz vom Hungernden verspeisen. Leichtsinnig bist du mit deinem Herzen. Nur ein Jude kann so unbesonnen freigebig sein. Es zieht dich zum Volk, mein Lieber. Weil du das Volk in dir hast. Du bist noch ein Mensch mit Quelle. Aber du wirst in ihr ertrinken. Denk an mich. Armer, moderner Jude, einmal warst du einer vom ewigen Volke, jetzt seid ihr alle zeitliche Änzelwesen geworden. Und als solche werdet ihr aufgesogen von den Völkern. Ter Jude wird aufhören, aber die Menschheit wird verjudet sein. Größeren Sinn hatte noch kein Volk. Ihr müßt untergehen, um die Welt zum zweiten Male zu erlösen. — Ein poetisches Volk seid ihr. Noch das Geld bekommt bei euch furchtbare Poesie. Am Sabbat gibt es feilt Geld für euch. Mle sechs Tage habt ihr einen Tag, wo ihr mehr als Menschen seid. Gott wußte schon, warum er euch auserwählte. — Einsamer Jude. Nicht einmal eine Brücke zum jiidischen Bruder hast du mehr." Eine Stunde später ivar Tag. „Leb wohl, Abel, mein Seelchen, Väterchen. Hab' Dank. Tu verstehst so wundervoll zu schweigen. Verlier dich nicht, mein Lieber. Sage mir, daß du — nein, nichts. 1:1; weiß. Wen ' -vröcu werde, lasse ich dich rufen." (Fortsetzung folgt.) „Ich werde nicht sortgehen — Pokorski lächelte. „Du bist schon lange fort. Du lieber jüdischer Mensch, tut weißt gar nicht, wie wunderbar deine Seele ist. Mancher Jude verbohrt sich in ein einziges Tun für sein ganzes Leben. Alber der andere, du, hält nirgends.stand. Er kennt nicht Dauer. Seine Leidenschaft, gestillt, wird Asche; seine Begeisterung, entflammt, wird erlöschender Funke. Du stürzest dich mit so viel Inbrunst in jedes Neue, daß du sofort damit fertig sein mußt. Du wirst nirgends bleiben, ihr seid schweifende Geister. Man muß sich hüten, euch den Wunsch zu erfüllen: Erfüllung ist auch das Ende. Wie du dich mir hrngabst, mein Seelchen, ach, du mußtest dich in kurzem erschöpfen. Ihr seid nicht weise, Ihr verpraßt Euer Gefühl. Aber — Ihr habt Recht: Es wächst ja immer nach. Wir leben für eine einzige Empfindung, Und Ihr erlebt hundert." Er lachte, aber es fiel ihm schwer. In dieser Nacht weckte er Abel viele Male. Der neue Pfleger war schon da, rührte sich beim leisesten Laut, aber Pokorfli wollte Abel Habens Mel hatte ihm ohne Entgelt gedient. Jetzt sagte der Kranke: „Du sollst nicht arm zu ihr kommen. Du weißt nicht: sie ist geizig. Morgen fahr' mich zum Credit. Und noch etwas, mein Lieber. Ich liebe es, so was zu sagen. Du bist in meinem Testament bedacht. Ich habe dir noch nie Danke gesagt. Ich bin manchmal schüchtern. Aber dort habe ich was geschrieben, dann wirst du sehen, daß du mir sehr teuer geworden bist. Dieses Haus, in dem du gut zu mir gewesen bist — ein Jude kann so gut sein wie kein andrer Mensch — aber auch gemeiner als irgendeiner sonst —. Dieses Haus wird dir gehören und noch anderes. Winke nicht ab, Abel Mller, mein kleines Väterchen. Es schnitt mir ins Herz, wenn ich erwachte und sah dich aus. dem Fenster blicken.. Du sehntest dich — aber du hast es tapfer verborgen. So, jetzt leg dich und schlaf." Er schlief nicht. Sein Blut trieb ihn fort, fort. — Er war wie aus einem Zauberbann erlöst. Aber sein Herz blutete. Er war geboren zum Dienen . . . Noch der arckeven Rasse, den Fremden . . . Es beseligte, sich verleugnen zu können zum Heil' der andern, noch zu leiden für die Freude andrer. Alle spürten das.' Die Geringen verführte der Diensttrieb des Juden, ihn zu treten, zu knechten. Man mußte groß sein, um ihn nicht anszubeuten. Und das auch bezauberte die Frauen an ihm, sie ahnten seine Demut im Für Purim - Aufführungen empfehlen wir HAMANS iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiMiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiKiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii FLUCHT UlNlllllillllilinilllfllllllllllllilHIIIIIIIllllltllllllllllllUIIIIIIIUIIIIilllllllllilll von SAMMY GRONEMANN Ein entzückender, kleiner Purimscherz In 5 Szenen Ein Märchenspiel, voll launiger Einfälle, lustiger Verse und wirbelnder Situationen PREIS 1 SCHILLING Buchhandlung R. LÖWIT WIEN, I.. 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Vorname, 31 Hauptstadt der engl. Senkrecht: 1 Im Kriminalprozeß „anderswo“, 2 Grafschaft Isle, 32 Abk. für „notabene". 34 Ohr (engl.). Flächenmaß, 3 Und (fremdspr.), 4 Für (fremdspr.), 5 Teil - Erklär Uno: Ab 13. Februar erscheint täglich in der „Wiener Morgenzeitung“ ein Kreuzworträtsel. Oie Diagramme sind auszuschneiden und mit Tinte oder Tintenblei auszufttlien und zn sammeln. Am Schlüsse unserer Serie sind dann die gesammelten Lösungen samt den in Jeder Nummer befindlichen Rätselkupons an die „Rätselredaktion der Wiener Morgenzeitung“ einzusenden. Jeder Einsender kann an der öffentlich stattflndenden Verlosung, deren genauer Zeitpunkt noch bekanhtgegeben wird, teilnehmen. Blätter, in welchen unsere Rätsel erschienen sind» können Jeder« zeit gegen Einsendung des Betrages in Briefmarken von unserer Administration nachbezogen werde» .*• Na Der Beischluß des auf Seite 2 befindlichen Kupons ist unbedingt erforderlich