Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2878 (3.3.1927)
- Date
- 1927-03-03
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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(Seife* MM«« w Ors«rett»»s 8. MSrz KRk Skr. 2878 JUDE ANS KREUZ! ROMAN VON KURT MÜNZER Copyrtglrt 1W7'bj R- Lr&wit Vertag, Wi« — L«tp*JU. Jetzt glaubte er, den Sinn und somit das Glück seines Lebens gefunden zu haben. Intensiver als jede Hingabe seines Daseinsgefühls bisher empfand er dieses Tätigsein am Hilflosen. Watte um ein Bein zu legen, Kanülen zu reinigen, Unrat zu beseitigen, den schweren ohnmächtigen LeD zu betten, im Stuhl durch die Wege aur Meer zu fahren, gab ihm die Freude des Schöpfers. Ein Leben war ihm in die Hand gegeben, und die Mütterlichkeit, die jeder Mensch von'seiner "Mütter Her mitbekommt, ^achl aus ihm. Entbehrung des Schlafes erquickte ihn, Ungeduld des Kranken wärmte sein Herz, und die Liebe, mit der er waltete, tmv unwiderstehlich. Aber alles begleitete Konstantin Nikolaitsch mit seinen analysierenden Kommentaren. „Was du für ein wunderbares Exemplar Jude bist, mein Lieber," sagte er. „Ich bin sehr glücklich, <m dir meine Studien machen zu können. Wer bist du eigentlich? Was willst du? Du weißt nichts. — Du bist von jenen Juden, die sich im Gefühl verflüchtigen, die ihre Individualität in die falsche große Güte verströmen lassen. Dann gibt es jene andere,!, die starken, fest in sich begründeten Geister, die hohen Selbstsüchtigen, die königlich Herzlosen. Wieder dieser jüdische Gegensatz. — Ja, mein Lieber, um: dienst du.So tveit geht deine Mische Sentimentalität. Mit Gesang beseitigst du Meine Exkremente. Du dankst dem Schöpfer, wetln ich dich nachts wecke zum Umbetten, weil du damit deine Liebe betätigen kannst. Mer — Väterchen! — Du kannst ja nicht lieben. Und ich bin noch dazu ein Goj! Du Musterbeispiel des verdorbenen westlichen unjüdrschen Jick»en! — Ihr habt Eure Verbindung mit dem Osten zerrissen. Was habt Ihr jetzt? Gerade noch mit Müh und Not das mystische Bewußtsein, Jude zu sein. Aber nur noch Ahnung davon; es ist nicht mehr Erlebnis in Euch Daß du, mein Kind, heut in Cafös geigst, morgen Samariter bist, übermorgen mit einer Frau davonläufst, barschen Philosophie Iveltabgewandt treibst, Einsamkeit schlürfst wie ein Verschmachtender, anr nächsten Tag dich hungerndunter Menschen wirfst: Du bist der. entwurzelte Jude von Heut, der Jude im Westen, der nicht weiß, was er will und wer er ist. Du bist alles, du hast alles in dir, du Meer, in das alle Ströme geflossen siud. Dein Salz stammt aus deinen Tränen. Was bleibt dir übrig, -als über dich zu weinen!" Wel gewöhnte feinen Herrn an den Tag. Er war -selbst Heiter wie die Sonne der blauen Küste. Wenn man sein Lachen ertrug, war man auch dem. Licht zugänglich. Wenn Pokorski morgens erwachte,, ließ Abel ihn im Nebenzimmer einen Streifen blau flammenden Meereslichts schauen, der war wie Strahl wunderbarer Seligkeit und verhieß das höchste Entzücken. Noch das Tier wäre mystisch erregt diesem Glanz nachgegangen.. Jetzt fuhr Pokorski in seinem Stuhl schon durch die singenden Straßen Nizzas, er fand wieder ins Leben zurück, er kehrte heim zum Volk, zur Natur. „Ich Lin dir dankbar," sagte er zu seinem Samariter. „Tie Eule fliegt mit dem Adler aus. Ich erinnere mich: IBMHI Die neuen! unserer Bücherscliwemine Upton Sinclair: n es » m § Der Sumpf ■ Hundert Prozent S Jimmie higgins ■ Man nennt mich ■ Zimmermann ■ ■ Samuel, der Suchende ■ Der Liebe Pilgerfahrt S Der Industriebaron » König Kohle g Die Metropole ■ Die Wechsler ■ Nach der Sintflut g 5 Bände in Kassette ■ 8 20 —. Maxim Gorki: Foma Gordejew Drei Menschen Eine Beichte Verlorene Leute und andere Erzählungen Die Holzflößer und andere Erzählungen Märchen der Wirklichkeit Wie ein Mensch geboren ward Der Spitzel Broschiert 8 2—, geh. 8 3— pro Band. Einzelbände: ■ Der Industriebaron g König Kohle ■ ■ g In Pappe geh. je S 4.- s Die Metropole Die Wechsler Nach der Sintflut in Halbleder geh. je 8 5. | R. bfiWIT, WEH. 1 Rotenturmstraft« u m SS « «? Ki »• T («. Fortst-my.) das Leben war immer im Acht, beim wachen Menschen. In Moskau —." Mer hier verstummte er. Unvermittelt sprach er von Marfa Mexejewna. Sie hatte ihn, vor zwanzig Jahren, geheiratet, wie Abel jetzt zu ihm gekomnren war: aus liebendem Erbarnren, aus Trieb, sich hinzugeben, um zu helfen, sich zu erlösen im andern. „Ich will es dir sagen," flüsterte Pokorski und sah uugcklendet auf das Meer, das von : Afrika leuchtend herüberwellte, wallende Setze, atmender Atlas. „Es gehört zur Ehe — ach Gott, was für eine Ehe! Ich Krüppel! Marfa Alexejeivna war ein Engel, als sie aufhörte, Frau zu sein, um michliebenj zu können. — Wir haben uns geliebt. Noch heut vielleicht- — ich —. 'Nun, lassen wir das. Werden (vir nicht seutimental. In einer Ehe muß man sich mich streiten. In der besten Liebe sammelt sich eine Art Satz, cittc Substanz Unvereinbarkeit, Neid, Haß, Nachsucht, die man aüsscheiden muß. Dann gibt es eben einen Kampf. So einer fand statt. Ich haßte sie damals, weil ich es war, der ihr das Leben stahl. Ich übertrug es auf sie. Was konnte ich mir antun? In ihr traf ich mich ja am schmerzlichsten. Ich beschimpfte sie furchtbar, es zerriß mir das Herz. Als ich nichts mehr wußte, schtie ich — meine Seele wand sich —: Du Jüdin!... Damals verließ' sie mich. — Sic liebt mich noch immer. Ich weiß wohl. Aber niemals wieder wird sie bei mir bleiben. Ich hätte sie kränken dürfen, aber nicht ihr Volk... So seid Ihr, Ihr guten Juden! Wenn (vir Euch persönlich auch verwerfen und nur Euer Volt gelten lassen, liebt Ihr uns dafür. Und die Gitteren lasse.: pftn ihr Volk beschimpfen, wenn man nur sagt: Ja du, du bist eben kein Jude, dich mag ich, dich mir deine Brüder nicht. So steht wieder Gemeinheit neben Scelengröße. - Nun, Marfa Akexejewna ist fort, sie besucht mich als Fremde und fragt: geht es wohl besser, Konstantin Nikolaitsch? Ihr Gott möge Ihnen helfen! Sie legt Orchideen auf meinen Schoß, weil sie weiß, ich hasse diese kiinstlichen Blumen, und geht wieder. Mit blutendem Herzen. Lieber verblutet sie, als daß sie mir verzeiht. Sie zwingt sich, n i ch t zu vergessen." Auf der Promenade in Mzza war es auch, wo eines Tages Abel von einer älteren, fetten Jüdin angesprocheuj wurde, ait deren Seite ein schönes, junges Mädchen mit kurzem blonden Pagen haar ihn anlächelte. Er erkannte sie nicht. Ach. es waren Menschen aus Oskretscham. Rickel Lublrner mit ihrer Tochter Priska. „Geh beiseite, Priska," sagte die Mutter, „ich Hab mi Herrn Mler zu reden." Langsam schleuderte Prisia weiter. Sie war gevnchst' wie die Palme, unter der sie stehen blieb. (Fortsetzung folgt.) ■ter gute ft«€terliun*lscS*uli stammt aus der Rotentumistraße 23 Fabrik Haslinger Hollandstraße 11 L Preis: Eine Bibliothek von 300 Banden II. Preis: Eine Gratisreise nach Palästina Ul. Preis: Fünf Dunaai Land in Palästina und weiten 47 Preise I ■ Ausschneiden Zhlr.19 Name:_... Adresse: .Ausschneiden .1 mm BEZEICHNUNG Wagrecht: 1 Eine arabische Stadt, 6 Verstorbener Zionistenführer, 12 Anfänglich, in erster Reihe, 14 Männl. Vorname, 19 Artikel, 20 Schiffsladung, 23 Sohn (hebr.), 25 Vorwort. 27 Krankheit, 29 Umstandswort, .30 Miisikal. Note, 31 Männl. Vorname, 32 Mündlich (lat.), 33 Zustand des Wassers, 34 Italien. Note, 36 Schlafmittel, 36a Französ. Fürwort. 38 rranzös. Artikel, 39 Temperaturgrad, 40 Synon. für „in Bedrängnis“, 41 Jud. Priester, 46 Stadt in Pommern, 49 Falscher Schwur, 52 Erfinder der Photographie, 63 Modernes Kartenspiel. Senkrecht: 1 Italien. Musiknote, 2 Stadt in Deutschland, 3 Ortsbestimmung. 4 Ja (engl.), 5 Abk. für Nummer, DER WORTE: 7 Gold (französ.), 8 Fluß (span.), 9 Abk. für Dezimalmaß, 10 Vorfahren, 11 Abk. für „unter anderem*, 13 König (fremdsprachig), 15 Japan. Wegmaß, 16 Bekannte Wiener Pilmschauspielerin, 17 Ackerbaufachmann, 18 Stadt in Palästina, 20 Aelteste Fastnachtspiele in Rom 21 Ital. Musiknote, 22 Stamm d. Mongolen, 24 Bibi. Landschaft, 26 Weib!. Vorname (Abk.), 27 Tot (persisch), 28 Fisch, 29 Fluß in Spanien, 35 Kosename für eine Geliebte, 37 Schall, 42 Ital. Musiknote, 43 Ratschlag, 44 Form des Hilfszeitwortes, 45 Nahrungsmittel, 47 In (französ.), 48 Französ. Artikel, 49 Abk. für „Mister", 50 Abk. für „in Dienst", 51 Doppelselbstlaut. Frlrlnmna. Ab 13. Februar erscheint täglich ln der „Wiener Morgenzeitung“ ein Kreuzworträtsel. Die Diagramme sind auszuschneiden und mit Tinte oder Tintenblei auszufüllen und zu sammeln. Am Schlüsse unserer Serie sind dann die gesammelten Lösungen samt den in jeder Nummer befindlichen Rät sei Kupons an die. „Rätselredaktion der Wiener Morgenzeitung“ einzusenden. Jeder Einsender kann an der öffentlich stattfindenden Verlosung, deren genauer Zeitpunkt noch bekanntgegeben wird, teilnehmen. Blätter, in welchen unsere Rätsel erschienen sind, können jederzeit gegen Einsendung des Betrages in Briefmarken von unserer Administration nachbezogeii werden NB. Der BeischluB des auf Seite 2 befindlichen Kupons ist unbedingt erforderlich« 93