Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2877 (2.3.1927)
- Date
- 1927-03-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3M Wien, Mittwoch Wiener Morgenzettung März 16S7 Delle 7 mos ANS KREUZ! ROMAN VON KURT MÜNZER Copyright 1997 bgr R- LStrlt Vertag, Wien — Ltipttg. Die Revolution verpuffte. Man stand schon vor dem Sturz; es gab nichts mehr zu stürzen. Die große Zeit war vorbei, die größere brach an. Me Deserteure und Refraktäre fluteten zurück. Halleluja! Russische Agenten fchlvebten über dem Wasser und sangen vonr Weltheil. Monarchisten krochen in Höhlen und wühlten unterm Grundstein der n.<ren V'er--i fassung. Der Krieg war verloren, weil der Jude feige geivesen war, tveil er hümlicheVerträ.;e mit demF'einde hatte, tveil er sein Reich anstrebte. Wir haben den Krieg verloren, tiant den Juden! tvir haben eine Republik, tötet den Inden! Tie Welt verachtet uns: rottet den Juden aus! Wer nicht blaicklütig ist ist bis zum dreißigsten Ahnen, auf den Schei- -'.-hailfen mit ibm! Verbrennt den Juden! Der deutsche Gott hauns den Sieg entzogen, > veil Her Jude in der Etappe -chielte. Tod, Gift, Pest den Juden! '• * Konstantin Nikolaitsch Pokorski wohnte unten im Hotel am Seeufer. Er hatte eine Flucht von Zimmern, in die die Abendsonne fiel. Dann wurden alle Fenster geöffnet, und er badete sich in dem Licht, das Duft von Wasser und Wald mitbrachte. Aber sonst, tagsüber,. ließ er Abend um sich sein. Die Fenster blieben verhüllt, und alle Leuchter brannten. Wenn Abel Adler mittags kam, um ihm, nach dem Lunch, eine Stunde vorzuspielen, geriet er aus dem blühen--, den Tag plötzlich in die üppige Nacht dieser Räume, die Konstantin Nikolaitsch mit . Hilfe von Bildern, Teppichen, Blumen, Chinoiserien und Skulpturen ihres Hotelcharakters entkleidet hatte. Der war immer allein, wenn nicht Boris Steinberg ihn besuchte und vielleicht Landsleute mitbrachte. Seine Frau, Marfa Wexejewna, war immer unterwegs; sie tauchte jeden zweiten, dritten Monat flüchtig auf, stieg in einem anderen Hotel ab und machte dem Gatten einen formellenBefnch, immer nrit herrlichen seltenen Blumen, die er verabscheute und noch vor ihren Augen fortbringen hieß. Sie war Jüdin, von großer Schönheit, verbarg ihre vierzig Jahre nicht und wirst e eben durchs ihre üppige Reife und den Hochdnft ihrer völligen Entfaltung. Llbel spielte eine. Stunde laug für ein Jahreshoiwrar. Tann, gelegentlich, rief Konstantin Nikolaitsch, der immer im Nebenzimmer liegend zuhörte, ihn zu sich und redete, wie cs seine Art war, ohne Antwort zu verlangen oder zu erwarten. Er schwieg sonst viel. Er hatte keinen Partner. Er war ein ungeduldiger, ^exzentrischer, eigenwilliger.Mensch. Er war seit seinem fünfundzwangzigsten Jahr gelähmt, durch einen Schuß. Damals Offizier in Petersburg, hatte er einem Soldaten das Mädchen fortgenommen. Zu den Zigeunern gesteckt als er genug gehabt. Eines .nachts schoß der Soldat hinter ihm. her. Tie Kugel ging .in den Rücken. Er liebte, vom Juden zu reden. „Sehen Sie, Abel Adler," sagte der -Fünfzigjährige, „es gibt doch keine Juden mehr. Die Alten verkrusten sich im fieberlieferten, und die Jungen retten sich ins neue. Nur im Osten gibt es Reste von Juden. Der westliche Jude ist ein abscheulicher Zwitter, ein nüt den Resten früherer Stadien in neu entwickeltes Leben geratenes Geschöpf. Vogel gewordener Fisch, der die Kiemen behalten hat. Wie unglücklich müßt Ihr Euch fühlen! am falschen Platz! verkümmert! unzugehörig! — Sehen Sie, mein Lieber, .Eure Religion hat Euch dein Leben-entfremdet. Religion ist inrmer lebensfeindlich. Und nun HM Ihr sie aufgegeben. Was habt Ihr jetzt? Euren letzten Halt in der fremden Welt verloren.. Ihr iverdet Zionisten. Nun, das ist die letzte Zuflucht von. Euch innerlich Heimatlosen, Damit besiegelt Ihre Eure Verlorenheit unter den Völkern. Ihr könnt ja nie mehr Heimat haben, da Ihr Euch selbst aufgegebcn habt. Ihr habt Euren Schlverpunkt außer Euch verlegt. Nun seid Ihr im ewigen Fall. Ihr brechet nach Zion auf. Welche Verwirrung! Euer Volk besteht aus. lauter ckrnzelnen, jeder braucht einen Staat für sich. Erst müßt Ihr wieder Volk werden, das heißt, entgcistet, dumm, blind, träge! — Es gibt kein Judentum mehr, es gibt nur noch Juden! Jeder Christ, jeder Buddhist, der den Namen seines Gottes ausspricht, findet in diesem! Namen fein völliges Leben eingeschlossen. Aber wenn du, mein Lieber, Moses sagst — was hast du damit gesagt? KLUß RADIKALER ZIONISTEN - WIEN Heute Mittwoch» 2. März 1. J., um halb 9 Uhr abends, Caf6 Atlashof, I., Aspernplatz (Klubiokai) Versammlung Tagesordnung: Unsere Oegner bei den kommenden Wahlen. Referent: Hans Kandl. Freie Aussprache. , . _ Gäste willkommen. Zionistische Frauengruppe Landstraße. Heute Mittwoch, den 2. März 1927, l\9 Uhr abends, im Caf6 Lovrana, III., Löwengasse 36 Vorlrag Praii Prof. Dr. Martha Hofmann: „Der jüd. Salon In Berlin und Wien“. — 'Gäste willkommen. (25. Fortsetzung.) Voranzeige ISamstag, den 5. März 1927, 8 Uhr abends, Bunter Abend* mit Tanz. Judentum ist kein weseichaftes Leben mehr, sondern mir noch Sehnsucht. Aber was sich einmal so ins Soelenkosmische aufgelöst hat, läßt sich nicht mehr heran sdeftilliereu. Ihr seid längst wieder ans Gestaltung Stoff geworben, Element der Menschheit, nicht mehr Glied von ihr. Verstehst du, Väterchen? — Warum schreibt Ihr seit Jahr und Tag Hub disputiert und grübelt über das Wesen des Judentums? Ihr sucht nach dem Wesen von etwas, was schon Geist geivordeu ist! Ihr Geistesbeschwörer! Dunst machtJhrEnch vor und glaubt an Schatten, die Ihr selbst werfet." Mel Adler sah auf die verhüllten Fenster'. Sie erschienen ihrn wie Symbol. Draußen war der Tag. „Aber ich bin Jude! Was. in mir wirkt, ist das Jüdische. Tausende fühlen wie ich: w i e ich lebendig bin, das ist jüdisch." . „Ein Rätsel, mein Lieber, bleibt es dennoch. Ihr seid das Geheimnis unter den Völkern. Keiner rät Euch, und jeder hat recht. Denn "Ihr seid Schmarö^er und Heilige, Wucherer und Propheten, Schöpfer und Vernichter, Gelehrte und Wollüstlinge, Verfolgte und Unterdrücker, Mörder und Samariter. Das eine ist jüdisch und das andere ist jüdisch. Die Menschen hassen Euch, weil sie Euch nicht raten, weil Ihr jeder Lösung widersprecht. Der eine wird Antisemit, weil der Jude ihn ausgesogen hat; und der andere Philo-! scmit, Mil er nur beim Jndeu Wohltat fand. Und Mm Ihr selbst? Was wird aus einem Volk, das in diesen Gegensätzen taumelt? Wo findet es seinen ruhenden Punkt? Zwischen diesen Widersprüchen gibt es keine Vermählung. Anstatt Euch zu sammeln, werdet Ihr inrmer uferloser. Andere Völker sind ein Strom, Ihr feib Meer." i „In das alle Ströme münden, Konstantin NikvkallM" „Das ist ja das Unglück!" rief Pokorski. „Ihr seid nicht begrenzt, Ihr nehmt alles auf. Mle Einflüsse twi allen Seiten. Was ist Meer? Sammelbecken der Müsse! Also? Also, wo ist noch Euer Eigentümliches? Daß Ihr salzig seid, ungenießbar. Aus dein Süßwasser der Misse macht Ihr unbrauchbares! — Jüdisches Volk! Das ist heut Geschichte. Ihr habt Euch überlebt. Euer Leib ist begraben, und die Seele schweift ruhelos in der Welt. —- Du weißt, mein Lieber, meine Frau ist Jüdin. Also bin ich Euch ganz nahegekommen. "So nahe kam "uh 'ihr, daß wir lrftg trennen mußten. So, nun ist für heut genug, geredet.. Noch eins: ich reise, ich gehe an die Riviera. Wollen. Sie mitkommen, mein Lirber?" Im März des Jahres neunzehn verließ Abel Mer mit Pokorski die Schweiz. Er war Diener, Sekretär, Voxleleser irnd Dorspieler. Die gelähmten Beim, die sich leicht wund lagen, mußten sorgsam gepflegt werden. Abreibungen, mit Alkohol, ständiges Umbetten, Handreichungen aller Art mußten geinacht werden. Tie Organe funktionierten nicht. Mel übte mit den Händen der Frau das Amt des Samariters. PoMski begann zu lächeln, es war das erstemal, daß ein Mensch aus Liebe sich seiner annahm. Ter Pfleger tvnrdc fort geschickt, und Abel Adler wurde Krankenwärter Tag und Nacht. (Fortsetzung fokgtr) l Prob: Eint BfHitM voa 300 Binden II. Preis: Eint Gratisreise nach Palästina III, Preis : Fünf Dunam Land in Palästina and weiters 47 Preise 1 -Ausschneiden 2Vr. 18 BEZEICHNUNG BEB WORTE: Wagrecht: 1 Gemahlenes Getreide 4 Hafenstadt in Deutschld. 6 Weiblicher Vorname 7 Blume 8 Tier 9 Sturmwind an. der Adria IQ Hast 11 Englischer Erfinder 12 Jakobs Frau 13 Pflanze 14 Verneinung 16 Flächenmaß 17 Inselbewohner 18 Obern, Formel f. Natrium 21 Diemerische Bezeichnung für Quelle 24 Sumpfland 26 Gedichtsform 27 Gewässer 28 Haustier 29 Wassersäugetier 30 Blasinstrument 31 Deutscher Ausdruck für Kleidung, Weste 32 Stinktier 33 Gesangsstück 34 Schmuck 35 Europäische Hauptstadt : 9 : 10! i 11! 12 i 13; 16 j II 14 j - j 15 17 i;ÜB: 18 I 19 20 21! 22 ' 123 H 24 | j 26 j ■ ■M fll fl 27; 1 H 28 - :; Hi fli29! ■ 1 30 j i fl 31 : i i Hi ü 82! um m ■ 33 1 fl 34 i | i H ■ «tt: w.■ BEZEICHNUNG DER WORTE: Sen kr ec fat: 2 Esaus Nachkömmlinge 3 Kleine Liebe 4 Transportzug durch dier Wüste 5 Beiühmter jüd. Physiker 13 Verbrechen 15 Verrückter 19 Ochsenart 20 Fluß in Italien 22 Stadt in Schlesien 23 Bewohner eines nördl. Staates in Europa 24 Ungeziefer, das in. 1 wagrecht vorkommt 25 Verzierung Name: Adresse: — Ausschneiden Erklärung - Ab 13. Februar erscheint t ä g H c h in der „Wiener Morgenzeitung“ ein Kreuzworträtsel, Die Diagramme sind auszuschneiden und mit Tinte oder Tintenblei auszufüllen und zu sammeln. Am Schlüsse unserer Serie sind dann die gesammelten Lösungen samt den in jeder Nummer befindlichen Rätselkuponsan nie ^Rätselredaktion der Wiener Morgenzeitung« einzusenden. Jeder Einsender kann an der öffentlich stattfindenden Verlosung, deren genauer Zeitpunkt noch bekahntgegeben wird, tellnehmen. Blätter, in welchen unsere Rätsel ersch enen sind, können jederzeit gegen Einsendung des Betrages ln Briefmarken von unserer Administration nachbezogen werde« NB. Der Beischluß des auf Seite 2 befindlichen Kupons ist unbedingt erforderlich.