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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-02 · Heft 2877 (2.3.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2877 (2.3.1927)
Date
1927-03-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Wien, Mittwoch Wiener Morgenzettmrg S. März IM Skr. 3877 Seite 6 Mhne und Kunst. Reue Musik. Im Symphoniekonzert des „Wiener Konzertiere ins" gab cs letzthin zwei Novitäten. In symphonischen Impressionen — das Solo spielte der ausgezeichnete Wiener Pianist Paul Weingarten mit dem gleichen Feingefühl und Elan wie kurz vorher in seinem eigenen, überaus erfolgreichen Konzert Schumanns „Kreisleriana" — schildert Manuel da Fall«, der fünfzigjährig-.' Vorkämpfer für den Impressionismus in Spanien, „Nächte in Spaniens Gärten". Es sind Nächte, die manches den Pariser Boulevards und dem Montmartre abgelauscht haben. Die and-alusischen Volkstänze werden mit französischem Jfprit getanzt, und in den Gürten der Sierra von Cordoba herrschen die feinen musikalischen Umgangsformen des inlpressionistischen Pariser Salons. Die Freundschaft da Fallas für Debussy wirkt sich eben auch in seinem dreiteiligen Notturno ans. welches in zart hingetupften Farben vorüberhnscht. Bo:u nächtlichen Spanien ins nächtliche Rußland führte die siebente Symphonie von Nikolaus M j a s k o ws k y. Sie spricht zunächst weniger an als seine sechste Symphonie, die in Wien schon zweimal Erfolg hatte. Anscheinend ist sie das Werk eines Einsamen, mit Mühsal Beladenen. in welchem die russische Revolution noch nachzittert. Sie erzählt von finsteren Gewalten, ringt schwer mit der Form und wird von Tristanchroma niedergedrückt. Im übrigen spürt man ebensowohl das Vorbild Tschaikowskys, des Lehrmeisters der jungen Russen, wie auch Gustav Mahlers. Doch trotz aller Vorbilder und aller Mängel fühlt man die sehnsüchtige russische Seele einer eigenartigen Persönlichkeit, eines geborenen Symphonikers. Alfred A r b e r, der vorteilhaft bekannte österreichische Musiker, sollte sich mit kleineren Formen bescheiden. Seine von Rudolf Nilius uraufgeführte Symphonie bringt ja nette kleine Einfälle und hübsche Details, das symphonische Format in Anlage und Durchführung bleibt sie jedoch schuldig. Im kleinen Konzert führte Nilius die reizende Rhapsodie. espagnole" von Maurice Ravel auf, schulgerecht, aber schwerfällig und dickflüssig. Um die leichte, sprühende Wiedergabe französischer Konzertpieeen ist es in deutschen. Landen eben so schlecht bestellt wie um das Erfassen'des Brios der italienischen Oper. Leichtbeschwingtbeit ist dkm deutschen Orchestermusiker, Zungenfertigkeit iem deutschen Sänger eben versagt. flb. Zu Thomas Theodor Heines 80. Geburtstag. Er Müßte kongeniale Gratulanten finden, die ihm Mt einem solchen Angebinde aufwarten könnten, wie es seinerzeit Th. Th. Heine gemeinsam mit Ludwig Thoma dem Siebziger Wilhelm Busch ius Haus brachten. Es war eine Sondernummer des „Simplicissimus", eine bis heute unvergessene Fortsetzung von Busch' unsterblichem Hauptwerk „Max imb Moritz". Die beiden Lausejungen sind nämlich inzwischen herangewachsen, — . . . Max ist Maler, Moritz Dichter, aber beide Böse-- wichter" und die neuen Streiche, die sie nun aufführen, geben so ziemlich ein Gesamtbild von Th. Th. Heines gesellschaftskritischem, satirischem und künstlerischem Schaffen. Der Mut, der ihm gestattete, Kaiser Wilhelm als neuen Barbarossa abzukonterfeien — als einen, derunter dem Tisch sitzt und dem der berühmte stramme Kaiserschnurrbart aufwärts durch den Tisch wächst — war unerhört. Heine wurde eingesperrt. Er revanchierte sich mit einem Doppelbildnis: Links der Ahne Seiner Majestät, der, als er auf der Straße eine Karikatur seiner Person sah „Niedriger hängen!" befahl, rechts der Epigone in schimmernder. Wehr, der ,^>öher hängen!" anordnete. (Man sah auf dem- Bilde einen Galgen.) Das Spießertum hat er nur gegeißelt, — aber den sklavischen Untertanenverstand hat er mit Skorpionen gezüchtigt. Den Kastengeist des „Ostelbiertums" aller Völker traf er ins Herz. Gestalten, wie sie etwa in Hauptmanns „Biberpelz" oder in Ludwig Thomas dramatisierten Satiren auftreten, sind doch nur roso-crote Andeutungen, blasse Schemen neben den ingrimmigen, niederschmetternden Enthüllungen dieses Menschentums und seiner Jungmannflchaft, etwa der Spezie „Bonner Borusse" in den Zeichnungen fkchomas Theodor Heines. Ein großer Künstler, ein großer Charakter. Nicht viele der Zeitgenossen haben so den Mut der lieberzeugung wie er, nicht viele weisen auf ein so großes und erfolgreiches Werk der Aufklärung, der Erziehung hin. Und warum sollten wir es nicht stolz und freudig peststellen: Thomas Theodor Heine ist Jude. O. A. „Komm mit, Pupperl!" Viel Gesang, Tanz, Musik, Mangel an Stoff in Handlung und Kostümen, also eine Revue. Die den meisten Produkten dieses Genres gemeinsamen Bilhex sind hier nicht schlechter und nicht besser als anderswo. Zu den glatten Texten von Jda Sinek und Kurt Breuer hals der begabte und vielseitige Karl May flotte Melodien bei-gesteuert. Den fegenden Prunk der Ausstattung versuchte Jüdisches Künstler-Kabarett 2. Bezirk, Praterstraße 60 Leitet;: M. Streng Telephon 43-5-59 |T0¥| Meute Mi Mm«! LmBOMmJ Ehrenabend der Herren A. M e i s e 1 s (Autor der ersten „Jüd. Revue“) und M. R o s n e r. Zur Aufführung gelangt: KAPITÄN DREYFUSS Historisches Spiel ln 7 Bildern von A. M e i s e 1 s. Hauptdarsteller: Kapitän Dreyfuss - Bernhard Mittler — Lucie, seine Frau-Paula Dreiolatt — Oberst Pikara-Max Streng — Henri de Claus - Simon Fostel — Kriegsminister - Adolf Bel! — Emil Zola- A. Weissmann •—Major Esterhazy - B. Weissmann — u. v. A. jugendliche Begeisterung mtö bewährte Routine des Ensembles .mit Erfolg wettzumachen. Die Damen Forst, Welcher. Morelli, Franke vor allem sowie Cie Herren Haindorff, Aurich und der unverwüstliche Gustav Müller ernteten reichen Beifall, desgleichen die Tänzerin R-aggh P e r 11 n 3 und die übrigen „Pupperln". Die -Rolandbühne dürfte nach dem kurzen arischem Intermezzo irnmerhin auf längere Zeit ein* gedeckt sein. a. s. Aus den Theatern. Bürgtheater. Morgen, halb 8 Uhr, „Leonie". 2lta»emictheater. Morgen, halb 8 Uhr, „Mädel von Heu te". Opernt-Heatcr. Morgen, halb 8 Uhr, Erstaufführung von -Paul Hmde-mith's Oper ,,Ca r d 1 l l a c". Volksoper. Die Uraufführung der einak-.^lgen Oper „Die Blinde", von MufWirektor Max Ast findet gemeinsam mit PucciniZ „Gianni Sch ich!" Samstag, -den 12. d., statt. Deutsches V o-lk sdhca ter. Gegenwärtig totob Ibsens Schauspiel „H edda Gabler" neu ein studiert. In 'der Titelrolle debütiert Aida Stuke ring. K a m m e r s p i e l e. Heute, 8 Uhr, geht „M eine Cousine aus W a r s ch a u" von Louis Verneuil, deutsch von Robert Mu-m, mit Maria. Orska als. Gast in Sgene. Neue Wiener Bühne. Das 'letzte Werk Hermann Heinz Ortners »Fsiäp.stin Johanna Amgelica" dramatische Historie in 16 Bildern tourte -als nächste Novität für Mitte Marz angefetzt. . Direktor Hubert MarisHka reist dieser Tage in Begleitung seiner Gattin und' seines Rechtsanwaltes Doktor Otto Mahler nach- Amerika, um die Operetten des K a r z c a g v e r l a g eH zu placieren und geschäftliche Differenzen auszutragen. Direktor Marischka plant auch die Filmzentrale Hollywood zu besuchen und gedenkt in vier bis sechs Wochen nach Wien zurückzukehren. Jüdisches Künstlerkabarctt. Heute, Mittwoch, gelangt im Saale des Jüdischen Künstlerkaüaretts, 2. Bez., Praterstraßo 60, im Rahnen einer Sondervorstellung das historische Spiel „Kapitän Dreyfus" von A. Meise ls, dem Verfasser der erfolgreichen Revue „Von Sechcstow bis Amerika" zur einmaligen Aufführung. Vereine, Vorträge und Versammlungen. Wiener Bet-Hamidrasch, 2. Bez., Tempe'bgasse 3. Heute, 6 Uhr, Lekwr Dr Gelbhaus: „Li.nrgie") 7 Uhr, Lektor Dr. Rubin: Die Philosophie des Maunoni'des, Cie Offenbarung. — Zionistische Jugendgvuppe Leopoldstadt» 2. Bez^ Zirkusgasse 36. Heute, hcvLb 7 Uhr abends, Hebräisch für Anfänger; 8 Uhr abends Vortrag Dr. Danel Beck über „Hygiene des Alltags". — Jüdischer Hochschulausschuß. Heute, 7 Uhr abends, Vortragsäbend im Vereinsheim Cer zionistischen Sektion, 8. Bez., Bennoplatz 1. Es sprechen Hans Kandl über „Me Geschichte der Judäa" und Dr. Samuel Schmerler über „Die Jewish Agency". — Maimonides-Jnstitut, 3. Bez., Hetzgasse 40. 6—7 Uhr, Dr. Ä. K a m i n k a: „Die Reden des Propheten Micha nach dem Urtext und Cer Septuaginta": 7—8 Uhr, Rabbiner M. Ho ro Witz, „Midrasch räbba. — Jüdische Toynbeehalle, 20. Bezirk, Denisgasse 33 7 Uhr abends Dr. Hugo Knöpfmacher: 1. Volkstümliche Rechtskunde, 2. Das Verfahren vor dem Zivilgericht. — Zionistische Frauengruppe Landstraße. Heute, halb 9 Uhr abends, im Cafe üovrana, 3. Beg., Löwengasse 36, Bor.-rag Frau Prof. Dr. Martha Hofmann über „Der jütische Salon in Berlin und Wien". — Jüdischer Frauenbund. Am 8. März, halb 7 Uhr abends, Generalversammlung. Tagesordnung: Vortrag „Unsere Schützlinge" (Skizzen nach dem Leben), Esther Mieses; Rechenschafts- und Tätigkeitsbericht; Wahlen; Eventuelles. Anschließend Bibelbortrag: „Wochenabschnikr" und „Die Sprüche". — Volkshochschule Lkotzoldstadt (Vvlksheim), 2. Bez., Zirkusgasse 46. 7 Uhr: Paula Fried jung: Geschichte Oesterreichs; Ing. Alt-mann: Elektrische Bahnen; 8 Uhr: Dr. Deutsch: Allgemeine Biologie. — Women's International zkonist Organisation (-Abteilung Wien, Sektion Wien-Margareten). Heute, halb 8 Uhr abends, im Klubsaal des Terraflencafes, 6. Bez., Margaretenplatz. Vortrag Erna Patak: „Die Pflichten der jüdischen Fvau i>m heutigen Leiben.* Mazzothbezug für Arme. Die israelitische KultuSgemeinde wird -an nachweisbar rituell lebende Juden, die nicht in der Lage sön-d, sich Mazzoth zum normalen Verkaufspreise zu beschaffen, solche zu ermäßigten Preisen abgeben. Ansuchen unter Vorlage von Dokumenten und Erlag von 10 Groschen für Porti und Man-ipulationsgebühren werden an den in'den Gemeinde- und Vereinsrempeln mittelst Kundmachung näher bezeichneren Stellen in der Zeit vom 28. Februar bis inklusive 6. März 1927, entgegengenornmen. Predigten in den israelitischen Gemfflndetempeln. Freitag finden bei dem um %6 Uhr beginnenden AbendMteSöienste Predigten statt, und zwar: 1. Deg., Seitenstekongasse 4 (O'Lerräbbmer Dr. H. P. Chajes); 2. Bez., Tempelgasse 5 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); 16. Bez., Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. I. M. Vach); fevner SamStag, den 5. Marz 1927, beim Morgengot.esdienfte: 18. Dez., Schvpenhauevstras;e 89 (Beginn halb 9 Uhr), exegetischer Vortrag Rabbiners Doktor D. Fenchtwang; 21. Bez., Ho-lzmeistergasie 12 (\\ 10 Uhr), exegetischer Vortrag des Rabbiners Dr. M. Rosen manu. — Am Samstag um 3 Uhr mich mittags findet der Ingen dg v t t e s d i e n ft für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirlssynagogen statt. Der Jugendführerknrs des Zionistischen Kulturamtes. Die Anstrengungen des Zionistischen Kuttu-Mmtes-, einen \ )-noführerkurs einzurich.eu, der :-m Laufe der Zeit durch c!i.,pvechende Ausgestaltung e?üne lilcibende Institution unserer Jldgen'verbände werden soll, haben zu einrim guten- Erfolg geführt. Dreimal wöchentlich werden int HZ in des -Blau-.Wc'is;, 9. Bezirk, Währingenstrasje 16, Seminare über jüdische Geschichte, hebräische Li-terarur, Geschichte und Wc-fen des Zionismus. Paläftina--Kuntze, jüdifchauionome JnftitutiEn sowie zwei Hcbräi-sch!n.rse abgehal-terr. In der nächsten Zeit wird außerdem »roch ein Kurs über erste Hilfe eröfsnel. An den Kursen nehmen bisher 36 Jugenrliche teil. Wci'ere AnmeldimgenMd noch zu erwarten-. Den Kursen haben sich die ersten Kräfte unserer Orga,nis-a>ti,on zur Verfügung gestellt. Im nachfolgenden geben wir den Stundenplan bekannt: Montag, halb 7 bis halb 9 Uhr .Hebräischkurs, halb 9 bis halb 10 Palästi'nu-Kunve; Dienstag, 7 bis 8 Uhr L-i:eratuir, 8 bis 9 Uhr Zionistisches Seminar, 9 bis 10 Uhr Geschichte; DonnerStaz, halb 7 bis halb 9 Uhr Häbräischkurs, halb 9 bis halb 10 Zion ist,i'schcs Semi-nar. Weitere An-meldun^on toeote» täglich von 10 'Ms 12 Uhr im Kulturaant, 1. Bez-irh Kärn-inerstraße 28, 'en-bgegengenommen. Gerichtssaal. »sihrenunfallversicherungrgesellschast.-' Aus der Aristokratie. , Bor dem Lmwesgerichtsrat Dr. K ra mm er, Strafbezirksgericht I, fand gestern die SHlußverhmrdlung über die Ehrenbelcidigungsklagc statt, welche (Altgrast Erich S a l m - Reifferscheidt gegen (Prinz) Johannes Liechtenstein erhoben hatte. In der Klage wurde der Inhalt einer Korrespondenzkarte ütkriminiert, die mit der Unterschrift „Prinz Liechtonsteinsch:s Wohnungssekretariat" mr das „Altgräfliche Salmsch: Haussekretariat" eingelangt lvar. In der Karte chieß es, daß sich in verschiedenen Lokalen ent IM-, vidunm herumtreibe, welches sich als Altgraf Erich Salm und als Nachkomme Karls des Großen ausgibt; derselbe durfte identisch sein mit einem gewissen „Ta 11 r" und sicht aus wie ein P in k elj u b und ist al5 ^as widerlichste Keppelweib von Wien zu bezeichnen. Als Ber- * treter Salms intervenierte Dr. Max Bernhardt und als Verteidiger Liechtensteins Dr. Hans Gürtler. Die Verhandlung brachte abermals heftige Zusammenstöße, die denen ähnlich waren, die man vor kurzenr im SH.mirgerichissaal anläßlich des Ehrenbele'digungsprozesses Sternberg-Liechtenstein zu hören bekam. Dr. Gürtler brachte zur Sprache, daß Salni und Sternberg eine Art „Ehre,mnfaltversichettmgsgesellschaft" abgeschwsseu hätten, wonach sich Sternberg verpflichtet habe, die Prozeßkosten für den nichtzahlungsfähigen Salm zu bestreiten. Der Richter lehnte sämtliche Anträge, auf Ladung derselben Zeugen wie im Schwurgerichtsprozeß ab und sprach den Beschjuldigten Liechtenstein zur Gänze frei mit der Begründung, daß eine gerichtlich zu ahndende Ehrenbeleidigung nicht vorliege, weil dem Beschuldigten eine PuLlikationstendenz bezüglich der inkrimierten Karte nicht nachgewiesen wurde. Auch fehle zu einer Ehreubelerdigung in Forn, einer Beschimpfung oder Verspottung das Moment der Oeffentlichkeit. Ter Kläger meldete gegen den Freispruc^ die Berufung und Nichtigkeitsbeschwerde cur. Eine Ohrfeige — die gvötzie Erniedrigung und De» mütigung. Der Bankbeamte F. trat gestern beinl Strafvezirksaerichte 1 als Privatkläger gegen den 19jährigen Hachsthüler K. B. auf. Nach Inhalt der Klage, war der Beschuldigte, der in letzterer Zeit wegen einer Dame mit dem Kläger Differenzen hätte, am 26. Jänner in: Vestibüle der Bank, bei webher F. angestellt ist, erschienen und hatte den Kläger durch einen Diener zu einer dringenden Unterredung aus seinem Bureau rufen lassen. Kaum war Herr F. ln Vestibül erschienen, als ihnr B. ohne ein Wort zu reden eine schallende Ohrfei/ge versetzte und dann schleunigst das Weite suchte. Der Beschuldigte gab zu, dem Kläger eine Ohrfeige versetzt zu haben, doch sei er durch das Benehmen des Klägers dazu schon lange Zeit vorher gereizt worden. Insbesondere sei er empört gewesen über einen mit Maschinenschrift gesclirievenen, offenbar vom Kläger hsrrührenden Zettel, oen er kurz vor der Ohrfeigenszene an seiner WohnungStüre plakatiert Vvraefunoen habe. In diesem Zettel lvaren heftige Angriffe nrcht nur gegen seine Person, sondern aiid) gegen seine Braut enthalten. Insbesondere wurde ihm zum Vorwurf gemacht, daß er vorher im Gyrnnasialstil Briefe geschrieben habe, die sehr anmaßend waren. Der Richter LGR. Dr. Arie verurteilte den Beschuldigten wegen der Ohrfeige unbedingt zu drei Tagen Arrest. In der UrteilsvegrÜnoung führte der Richter aus, daß ein Schlag oder eine Ohrfeige wenn sie, wie im vorliegenden Falle, jemandem ohne Grund und ohne dabei ein Wott zu reden versetzr wurde, als.die grüßte Erniedrigung und Demütigung desjenigen anzusehen sei, vem sie verabreickit wurde und daß derjenige, der auf diese Weise jemanden demütigt, in den Arrest geschickt werden Esse. B. meldete gegen Schuld und Strafe die Berufung an. Misrachi - Wien Heute, halb 8 Uhr abends, im Saale „Bayrischer Hof“ (IL.Taborstraße 39) MASSEN' MEETING Redner: Oberrabbiner Dr. I. Hoffmaim, Frankfurt a. M. Volkslieder: Oberkantor Qerson Margulies. «Ist« willkommen!

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