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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-02 · Heft 2877 (2.3.1927) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2877 (2.3.1927)
Date
1927-03-02
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Men. Mittwoch Wie«« Moegen-eißmsg 6. DKrz K87 Rr. ZM» TOlKSWIRISCHArT Sefteneich« MpMik. (*«* Lerrkjchrift der Kaschmmwschaft Kttzt« dir ZollerhShungen. Der Hauptverband der österreichischen Kaufmann« 'ch^st Hat zu der im Ratümalrate in Verhandlung stehende« ZoÜnovelle eine Denkschrift cmsgoarbeitet, in tvelcher die wichtigsten Argumente -gegen die beantragten Zoklerhohnngen zwsammentzefatzt firch. Zu den Lebensmittel sollen wird unter anderem ausgsDhrt, daß die für Weizen, Roggen» -Hafer und* Gerste vorgeschlagenen Zollerhöhurrgen eine Mehrbelastung de s Konsums von 22,500.000 Schilling pro Jahr ergaben. Hiebei ist nicht berücksichtigt: 1. die durch die ZollerhAhmiZ eintrrtende Erhöhung der Warenumsatzsteuer (die Warenmnsahsieuer wird auch vom Zoll eingehoben) mrd 2. die Tatsache, daß nicht nur das importierte Getreide durch den Zoll erhöht wird, sondern auch das im I w l a n de produzierte Getreide eine Preisste ige r u ng erfährt. Der Zoll für Mehl und andere Mahtproduikte soll von 1.70 Goldkronen auf 12 Goldkronen erhöht werden. In den ersten drei Quartalen des Jahres 1926 wurden an diesen Waren eingeführt 1,020.000 Meterzentner; dies bedeutet eine Einfrchr pro Jahr in der Gesamtmenge von 1,276.000 Meterzentner. Die Zollmehrbelaftung beträgt demnach (ohne die Warenumsatzsteuer) zirka 19,000.000 Schilling. Die Mühlenindustrie Oesterreichs, zu deren Schutz dieser Zoll angeblich eingeführt werden soll, beschäftigt zirka 500 bis 600 Arbeiter. Denn die kleinen Mühlen auf dem Lande such für den LokaDedars eingerichtet und bedüwfen des Zollschutzes nicht. Die drei großen Mühlen in Wie», die in einer Hand vereinigt sind, sollen daher V orteile erreichen und die ganze konsumierende BevMerung, insbesondere die städtische Bevölkerung, mit dieser ZÄlerhöhung. belastet werden.; Der Zoll für Schlachtvieh ebenso wie für Fleisch faß mehr als verdreifacht, der Zoll für Naturbutter um 60 Prozent erhöht werden. Hiezu ist zu bemerken, daß schon heute Oesterreich die teuerste Butter -r« ganz Europa hat. Auf Grund der neuen ZollerhHung würde die gesamte Zollbelastung s-ü-r frisches Fleisch zirka 1 Schilling per Kilogramm betragen, was vielfach dem halben Verkaufswerte des Fleisches gleichkonmrt. Bei billigeren Fleifchsorten, insbesondere aus Jugoslawien, rnmänischem Rindfleisch sowie polnischen Kälbern, die bisher zu einem Preise von 1.40 «Schilling bis 1.80 Schilling per Kilogramn verkauft wunden, würde die Zollerhohung edlem Einfuhrverbote glerchkommen. Ferner wird die empfindliche Verteuerung sehr wichtiger Jndustriezölle besprochen, wie die Hinaussetzung des Baumwollwattezolles von 16 Goldkronen auf 660 Goldkronen, des Zolles der für die Papiervenarbeitun-g benötigten Papiersorten, von Sitzen, Tüllen, Wachstuch,. Fahrradteilen, Automobilen», Motorrädern üsw. iffw. Besonders grotesk ist die beabsichtigte Zotterhöhun-g auf Photo graphische kLrockenplatten, da die Leiden in Oesterreich bestehenden Fabriken kaum 10 Arbeiter und Angestellte beschäftigen und naturgemäß mit der ganz bedeutenden deutschen Qualitätsware nicht konkurrieren können. Der Import von Qualitätsware wird unbedingt erforderlich sein. Es würden -daher von der Zollevhöhung lediglich die B erussp'hotograpihen, die Reprod urttiunsanft a l t e n, dann aber auch die Krankenhäuser ganz ülberflüssigerweise betroffen werden. In der Denkschrift wird schließlich zum Ausdruck gebracht, daß die vorliegende Zoütarrfnvvelle, ein iveiterer -Schritt auf dem Irrwege fei, der mit der Zollnovelle vom August 1966 betreten wurde. Der von der Regierung eingeschlagene Weg führte schon zur Kündigung -des Handelsvertrages mit der Tschechoslowakei und es ist sehr zu fürchten, daß bei Fortsetzung dieser Politik auch noch mit anderen Staaten Schwierigkeiten entstehen und damit weiter große Hindernisse für die Entwicklung unserer Volkswirtschaft. Ae «erteil«»» er, «apttalbefthr» in Snglavd. Der brüte Bericht der englis^u Enquete-Kommission, die int Jahre 1924 von der Regierung Macdonald eingesetzt wurde, weist beinerkenswerte Ziffern hinsichtlich der Verteilung des Kapitalbesitzes in England auf. Der Bericht untersucht im einzelnen die ZufcmmlensetzUNig und Verteilung der Anteile an dem Kapital von fünf Großbanken, 18 Großbetrieben der Industrie, des Handels, der Schiffahrt und des Versicherungswesens. Das Gesamtkapital dieser Mo-nzerm betrügt 213 Millionen Pfund Sterling und vertettt sich auf mehr als 770.000 Anteilseigner. Dabei kommen durchschnittlich auf den edHÄnen Kapitalbesitzer nur 272 Pfund Sterling. Ungefähr 86 Prozent des Kapikübesitzes an Herr 18 Großbetrieben komme»: auf Emzelbeteiligungeu von 500 Pfund Sterling unddarunter. In den vier große»: Eisenbahngefellschasien komuren 56 Prozent des Knpitalbesitzes auf Einzelbeteiligungen, die mk-ch t den Betrag von 500 Pfund Sterling übersteigen. Der Bericht bemerkt, daß sich bei ShMchm Untersuchungen über den Kwpitalbesitz öffentlicher Gefellfchastein!, komrmmaler produktiver Nntemehnümgen und genossenschaftlicher Organisationen ergeben würde, daß die Zahl der Einzelkapitalifien außerordentlich groß sei. $fe AvtwmüsvsMermm trr AntUMto, Das „Oesterr. Handelsmuseum" veranstaltete eine Verscmunlung zur Beratung der wiederholt, auch auf wirtschaftlichen und juristischen Tagungen, verlangten Internationalisiernng des Handelsrechts. Der Referent, Direktor Dr. Leop. Rauscher, wieS auf die Tragweite des Harwelsrechts für den Freihandel und namentlich die Export-Kreditversicherung hin; der Außenhandel wird durch die Rechtsverschiedenheit sehr erschwert. Der Kaufmann muß sich vor Folgen der „internationale:: Beziehungen" zu sichen: suchen. Der absolute Schutz — wie z. B. Vorausbezahlung, Delkredere u. dgl. — ist wegen des Konkurrenzkampfes unmöglich, der zu milderen Konditionen zwingt. Selbst Akzepte von Ausländern schützen doch nicht vor den frr»nden Prozeßspcsen, da wir noch keine internationale Wechselordnung haben. Der Referent behandelte dann die üblichen Schutzmittel, wie: Vereinbarung inländischer Schiedsgerichte, Vereinbarung über Usancen und das anzuwe»:dende Recht, die aber alle unzulänglich sind. Das Ideal Wäre das Welthandelsrecht, zu dem es aber ebenso weit ist wie zur Beseitigung der Zollschranken. Erreichbar dagegen ist die Einheitlichkeit der wichtigsten BestfinMungen. Für den Außenhandel wichtig ist diesbezüglich der Wiener Beschluß der International Law Association über eine internationale Regelung für Wechsel- —--—— JdärcAeii des Weltliteratur Die fetossistän aus dem Verlag Eugen Diederichs, Jena für £m>adfoseme und Minder €20 <&&inde> zum Teil mit reichem Bildermatetial versehen, in entzückender Ausstattung von Prof. Ehmke 3edler ÜSand & € ft M f f t n f& Ttemr&tHl sind: Französische Märchen, 2 Bände Finnisch-restnische Märchen Malaische Märchen Indianermärchen aus Südamerika Kaukasische Märchen Afrikanische Märchen Neugriechische Märchen Südseemärchen Nordische Volksmärchen, 2 Bände Plattdeutsche Volksmärchen Musäus, Volksmärchen der Deut« sehen, 2 Bände Chinesische Volksmärchen Buddhistische Märchen Deutsche Märchen seit Grimm Russische Volksmärchen Kindetr und Hausmärchen von Grimm, 2 Bände BUCHHANDLUNG K JEöwit, Wien, V rotenturmstrasse ff9 22 recht, den Kais mit Cif-Klausel, den unlauteren Wettbc we.rb, die Konkursvrdnung, die den Regierungen der ganzen Welt vorgelegt tvetden. Für solche International»- sieruttgen ist das .Handelsrecht besonders grergrret. Erleichtert lucroru die Emignngsa »beiten — bei allen nicht zu übrrstljend'.':» Schwierigldten — durch den Bestand der Zentralstelle für internationales Handelsrecht bet der Pariser Jnternatio nalen Handelskammer und die anSläirdischen Ha;:- delskaln-inern in Wien. Die ranftnämnschen Korporativneit müßte»; diese Arbeiter: durch Initiativanträge unterstützen Es muß eine vottstäridige Revision der Rechtslage des Außenhandels erfolgen. Die Arbeit ist d a nkb a r, weil sie nicht bloß den»! Außenhandel, sondern der gesamten Volkswirtschaft dient und die poa^ tischen Bedürfnisse des Verkehrs crsilllt. WirMastmaArWen a«r PMWa. Gtobt und Land. — Die Bautätigkeit. — Getreidepreis rmd Krise. Jaffa, Ende Februar. Der Beginn der lmrdwirtsch-aftlichen Saisor: läßt die krffmchafte Situation in den Städten noch stärker hervortreten als es bisher der Fall war. Da die Saisonarbeiten in den Kolonien bereits begonnen haben, herrscht dort gegenwärtig keine Arbeitslosigkeit, ja es gibt sogar Nachfrage nach Arbeitskräften. Diese kann jedoch durch Zuzug aus den Städten nicht befriedigt werden, .da die Löhne auf dem Lande zu gering sind, um den Arbeitskräften aus dar Stadt genügen zu können. I,n d e n S t ä dt e n ist die Arbeitslosigkeit gestiegen. In der z»veiten Hälfte Februar betrug die Zahl der Arbeitslosen zirka 7500 (gegen 6000 Ende Dezcinber), davon in Tel A w i w allein 3273, in Haifa 1387 und in I er u s a l e m 1344. Auch in P e t a ch T i k w a h, von »vo in den letzten Monaten etwa 200 Arbeiter fortgezogen sind, beträgt die Zahl der Arbeitslosen noch zirka 400. Die 5ffe>nt.lichen Arbeiten, durch die der wachsenden Arbeitslosigkeit einigermaßen Einhalt geboten werden könnte, haben infolge des andauernden Regens noch nicht begonnen. Neue Arbeiten sind auch sonst schon in Vorbereitung, aber aus de»n errvühnteu Grunde noch nicht in- Angriff genommen. So hat die Arbe-iterbaugerlossenschast „Solei Boneh" für eine»; jüdischen Bauherrn aus Kanada den Bau ei»:es zweistöckigen Betonhauses (Ba:^ kosten 6000 ägyptische Pfund) übernommen, der sofort nach, Eintritt günstiger Witterungsverhältnisse beginnen soll. „Solei Boneh" führt auch den Bau der Gebärche der landwirtschaftlichen Versuchsstation in D j e b a t ta Lei Nahalal durch, deren Baukosten der Keren Hajessod trägt. Die Arbeiten beim Bau des Gebä»:-des der Haifaer Filiale -der Anglo Palestine Company haben bereits. begonnen; der Ban des H n n d e l s z e n t r u n; s in Haifa, den ebenfalls „Sole! Boneh" durchführt (6 Betonblocks) geht sei»:em Ende entgegen. Von anderen größeren Bauarbeiten, die jetzt durchgeführt »verden, sind z»ve: Fabriksbautenin Haifa, der Neubau der Z i garettenfabrik Dick, Karaman u. Salty (Aaukosten 13.000 Pfund) rmd der Z i g a r e t t e n s a b r i k M a t 0 ss i a n (Baukosten 6000 Pfund) zu erwähnen. Trotz der lebhafteren Bautätigkeit in Haifa fhtb dort die wirtschaftlichen Verhältnisse im allgemeinen noch sehr schwierig. Besonders der Man gel an flüssigem Kapital und die Krediteinschränkungen durch die Banken machen sich schwer fühlbar. Etwas lebhafter ist der G e t r e i d e e x p 0 r t, der jedoch die Getreide- Preise erhöht, also die Wirtschaftslage noch schwieriger »nacht. Die Nachfrage auswärtiger Plätze ist imsbesondere nach palästinensischer Gerste stark. In der letzten Zeit wurden 12.000 Säcke Gerste nach Marseille exportiert. Die Getreidepreise zeigen ebenso wie die für Hülsenfrüchte weiter steigerche Tendenz; sie haben sich in de:: letzten Woche», um durchschnittlich 8 Prozent erböbi. Nachtrag zur Mearingorduung. Die Oesterrvichische Na« tionalbank ändert mit Wirksamkertsbeginn vom 1. März 1927 die Clearingordmnig dahin ab, daß die in der Kundmachung vom 4. Februar 1927, als Schlußeinheiten festgesetzten Beträge in Hinkunft im Clearing sowohl bei Geschäften in Auszahlungen als auch in Noten als Mindestbeträge, und zwar sowohl für die eh^eliteir Geschäfte als auch für den Saldo der von jo dem CleäringteUnehmer in einer Währung abgeschlossenen Geschäfte gelten. Nuverändprte Devisenkurse. Bei geringem Geschäft ,vielen die Kurse auf den gestrigen DevtsemnärVten Leine nennenswerte Beweguirg auf. Einzig der Leu hat seine feste Tendenz in einer Steigerung von 3.10 auf 3.14 zum AuSdr»;ck gebracht. Zloty, Lim, Leu und die übrigen Geldwerte lagen im wesentlichen unverändert. BerlSnsttUng der Frist für die Einbringung der Steuerbekennlnlff« für bas Stknerjahr 1928. Die Kammer für Handel, GeweM imb Industrie hat beim BundeSminviterirm: für Fümrrzen beantragt, daß für alle jene Zensiten, frei denen die Stsuerbemeffu-ng pro 19LL nicht bis längst«»^ 26. Februar l. I. in RechOkraft erwachsen ist, eine Verlängerung der Vekenntnisfvrst dergestalt erfolge, daß diese Zensiten berechtigt sein sollen» auch nach dem 8t. März IM, jedoch innechM von 30 Tagen nach Rechtskraft der Dei»:essung pw 1805, ihre Steuerbekermtnisse für daS Sreuerjahr 1026 einzubringen. Ei« westeuropäisches Roheisenknrtell. In Brüssel werden zurzeit Berhandlimgen gepflogen toegen der Umänderung der jetzigen westeuropäischen Noheiserwereinigung in ein westeuropäisches Roheisenkartell. Man eriyartet von den der-eikigen UvtsrhaMlutigen einen Erfolg. ' *" Diskont russischer Wechsel in Polen. Alis Warschau wird uns berichtet: Nach dem Beispiel der österreichischen NätlMl-

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