Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2877 (2.3.1927)
- Date
- 1927-03-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 0877 S. ZMrz K87 Sette k; 'M, Mittwoch Wien. S. MSrg 1667. Las Wetter. Das milde Wetter hat auch gestern «»gehalten. Auch auf tten Bergen ist es sehr rvarm geworden, der Schnee schrnttyr, die Lawinengefahr wächst. Die Vorhersage lautet: Keine wesentliche Aendermrg im milden Wekrercharakter. Zeitweise stärkere Bewölkung, leichte Niederschläge nicht ausgeschlossen. Ein neuer Ordinarius für Physik. Der Bunde spräsident hat -den außerordentlichen Professor der theoretisch on Physik an der Universitä in Wien Dr. Hains Th ir ring zum ordentlichen Professor dieses Faches an der Wiener Universität ernannt. Die Verhandlungen mit den Aerzten. Amtlich wird mitgeieilt: Die Berhandlmiyen im Bundesmimsteri'um für soziale Verwaltung mit der: Vertretern der Aerzteschaft über ihre Forderungen betreffend den Schutz der Kassenärz'w vor den etwaigen schädlichen Auswirkungen der Reorganisation der Krankenversicherung gelangten -u einem vorläufigen Abschluß. Der Wortlaut der Vorschläge der Aerzteschaft wurde endgültig festgesteLlt. Das bezügliche Elaborat wird in kürzester Zeis den Vertretern der Krankenkassen zugestellt werden und soll die Grundlage für die nunine'hr mit dieser Seite einzuleitenden Verhandlungen bilden. Selbstmord eines Vierzehnjährigen. Aus Berlin wird gemeldet: In Heidelberg hat sich ein 14jähriger Schüler eine geringfügige mütterliche Zn« rech!wei.sung wegen Ungehorsams so zu Herzen genommen, daß er sich von einem Persouenzug uberfahren ließ. Er war auf der Stelle tot. Ein Selbstmord bej der „Eisernen Hand". Montag wurde in der Nähe der „Eifernen Hand" auf dorn Kahlenberg ein etwa 26jähriger Mann erschossen aufgefunden. Er hat sich aus einem sechsschlüssigen Trommelrevolver eine Kugel m den Kopf gejagt. Der Tote ist mittelgroß, hat ovales Gesicht, dunAes, langes Haar, braune Augen, keinen Bart, leicht gekrümmte Nase, att der linken StirnhWf>:e eine Narbe. Im Oberkiefer fehlen ihm drei, im Unterkiefer ein Zahn. Er hat Mit Unterkiefer drei und i-m Oberkiefer eine wldene Krone. Bekleidet war der Mann mit einem dun'kel- 'lanen Anzug, schwarzen Halbschuhen, lilafarbigem Hemd und schwarzem steifen Hut. Er trug einen goldenen Ehering. Feuer bei einem Tanzfest. ... Aus Stanislau wird uns berichtet: Im Saale des hiesigen Sokol brach in der Nacht von Samstag auf Sonntag, wahrend einer stark besuchten Tanzunterhaltung, aus mwekannter Ursa-cl-e plötzlich Feuer aus, das in wenigen Augenblicken den ganzen Saal erfaßte. Unter den Gästen entstand eine furchtbare Panik, die zum Glück kein Opfer wrderte. Das Feuer konnte erst Sonntag abends völlig gclösicht werden. Der Saal wurde gänzlich zerstört. Ter Schaden ist sehr groß. Eine Bombenrrplofion bei Nablus. Im Dorfe Bur i c h in der Nähe der Stadt Nablus (des biblischen Sckechem) fanden spielende Knaben eine Bombe, die wahrscheinlich aus der Kriegszeit stammt. Die Knaben gingen mit der Bombe so unvorsichtig um, daß sie explodierte, wodurch 4 Knaben getötet und 3 schwer verletzt wurden. « Alkoholismus durch Suggestion geheilt. ^s^ssor Bechterew von der Leningrader Akademie der Wissenschaft hat den neuartigen Versuch gemacht, den Alkoholismus durch Suggestion zu heilem Er hat in seinem Ambulatorium 50 Gewohnheitstrinker beider Geschlechter, verschiedenen Alters und verschiedener Gesellschastsschichten um sich versammelt und sie, nachdem er ihnen einen Vortrag über die bösen Wirkungen des Alkohols gehalten Hatto, eingeschläfert. Während sie dann in einem tiefen hypnotischen Schlaf lagen, hielt Professor Bechterew den ganzen Vortrag noch einmal, wobei er den Schläfern besonders einschärste» daß sie nach dem Erwachen sich nach seinen Worten richten sollten. Nachdem in dieser Weise alles gehörig vorbereitet war, wurden die schlafenden Trinker aufgeweckt. Ein paar Tage später unterwarf Professor Bechterew die 50 Versuchspersonen demselben Experiment, und er versichert, daß schon nach der ersten Sitzung 35 von den 60 gänzlich vom Moholismus befreit gewesen seien; nach der zweiten Sitzung erstreckte sich die Heilung auch aus die restlichen 15. Alle 50 sollen jetzt eine wahre Scheu vor dem Alkoholgenuß haben. (??) Die Frau vor 8000 Jahren. In Ur in Mesopotamien werden gegenwärtig Ausgrabungen vorgenommen, die interessante Aufschlüsse über die Kultur in dieser alten Chaldäerstadt vvr 5000 Jahren geben. Die neuesten Funde machen es möglich, ein Bild von dem Glanz und dem Luxus zu entwerft», der dort in jenen entfernten Zeiten herrschte, als die Einwohner von Ur noch ihren Gottesdienst in dem gigantischen Tempel — dem größten der Welt —, der der Mondgöttin Astarte geweiht war, abhielten. Schon damals trugen die Frauen kleine Handtaschen mit Taschenspiegeln, Taschenkämmen, Puder und Schminke. Die Modedame von Ur, die noch dnn Patriarchen Abraham und den König der Nebukadnezar kannte, war in solchen Sachen gerade so modern, wie ihre mondäne Schwester im Jahre 1027. Die Ausgrabungen werden gemeinschaftlich von dem Britischen Museum unb dem Museum der Universität von; Pennsilvanien vorgenommen und haben schon, jetzt eine , sehr reiche Sammlung äußerst interessanter und wichtiger Funde zutage gefördert. Zionistische Frauengruppe Josefstadt. Gleichwie in den Bezirken 6—7 wurde nunmehr auch in ^er Josefstadt eine neue zionistische Frauengrupp« innerhalb ■><sr Bezirkssektton ins Leben - gerufen, deren Gründung vor cllem der tatkräftigen Initiative von Frau Friederike Gros, ner zu danken ist. In der.'konstituierenden Ausschußsitzung ivuvde Frau GroSner zur Präsidentin und Frau Marianne R o t h o l z zur Vi-eprSsidenttn gewählt. Am 6. Februar veranstaltete die neue Gruppe unter überaus starker Beteiligung einen GründungStee im Vereinsheim am BennoPlatz, bei welchem Frau Dr. Nadja Stein eine Ansprache hielt. ES sind bereits ljämtttche Referats zur Verteilung gelangt. Die Leitung ruht barchivegs in den Händen von bewährten Zionistinnen. deren Person die sicher« Gewähr dafür bietet, daß das angestvebte Ziel, die organisatorische Zusammenfassung der Mischen Frauniwelt des Bezirkes rmd^ihre Heranziehung zur zionistischen Arbeit, in kurzer Zeit erreicht werden wird. Da- Jubiläum deS MiSrachi.' Heute abends um hach,8 Uhr findet im Festsaal des Bayrischen Hof" (2. Bez.. Taborstraße 307 «in Massenleetrna statt. Herr Oberrabbiner Dr. I. Hoffmann Fmutfurr a. M.) spricht über „Thvva, Volk und Land. Hebräische und jiddische Volkslieder wird Herr Oberkantor Gerson Margulie» zum' Bor trag bringen. IVDISCHE WEIT Uft- Sie Stzinoza-Fei« im Haag. Keine offizielle Mische Vertretung. — Die Gr-erckrede von Dr. Jakob Klatzkin. In den letzten Tagen weilte im Haag der Redakteur der jüdischen Enzyklopädie, Herr Dr. Jakob Klatzkin, der die Werke Spinozas ins Hebräische Übersetzt hat. ,Hero Dr. Klatzkin wurde vom Spinoza-Gedenkkomitee brieflich, dann telegraphisch eingeladen, eine der Gedenkreden zu halten. Herr Dr. Klatzkin, der eben aus dem Haag zurückgekehrt ist, sprach sich gegenüber dem Jta-Bertreter über seine Eindrücke bei der Spinoza-Feier aus. „Ich war enttäuscht," sagte er, „im Haag keinerlei Vertreter jüdischer wissenschaftlicher Körperschaften zu finden. Während eine große Zahl der Mademien aller Länder und beinahe alle Universitäten vertreten waren, erschien kein spezieller Vertreter der Jerusalemer Universität, die sich damit begnügt hat, eine Adresse zu schicken^ die auch verlesen worden ist. Ich habe in Namen der En- ’ zyklvpädie des Judentums gesprochen. Ich sprach vom „Cherem", der sich Laufe der Zeit von selbst! aufgehoben hat und nicht erst — tvie seitens eines! Teils der Orthodoxie in Amerika angeregt worden ist — offiziell aufgehoben zu werden braucht. Ich sprach auch von den gleichsam illegalen, unsichtbaren Beziehungen, die das Judentum auch nach dem Bannspruch zu Spinoza unterhalten hatte, und sprach insbesondere von dem modernen Judentum, das seit dem Tode Spinozas im Werden begriffen ist, von den: säkularisierten, verweltlichten Judentum, das außerhalb der religiösen Bindung und außerhalb der Bindung an einen bestehenden Lehrinhalt überhaupt eine Daseinsberechtigung beansprucht und somit frei geworden ist für alle menschlichen Kulturwerte, gleichviel ob sie dem traditionellen Judentum entsprechen oder widersprechen." , Interessant ist, daß der Bürgermeister vom Haag, der die gelehrten Festgäste im Bürgersaal begrüßte, von „Spinoza, dem portugiesischen Juden und Adoptivsohn Hollands" sprach. t Aus dem Brief des französischen Philosophen.Henry Bergson, der während der Festversammlung verlesen wurde, ist die folgende Bemerkung interessant: Jeder Philosoph hat zwei Philosophien^ erstens eine eigene mb zweitens die Spinozas. Dr. Klatzkin erzählte weiter interessante Einzelheiten betreffend das Grab und das frühere Wohnhaus Spinozas. Aüf 'dem Grabe befand sich bis jetzt kein Denkmal. Als nun Vvr der jetzigen Denkmalsetzung an dem Spinoza- Grab Ausgrabungen vorgenomnien wurden, da fand nmii Knochen verschiedener Menschen. Es wurde deshalb beschlossen, auf den Grabstein die Worte zu setzen: Hier ruhen Gebeine von Spinoza (nicht wie ursprünglich geplant, die Gebeine Spinozas). Das Haus, in welchen: Spinoza gelebt und seine unsterblichen Werke geschrieben hat und das jetzt in ein Spinozamuseum umgewandelt wurde, diente bis vor wenigen Wochen als ein Freudenhaus. Spinoza-Feier der Wiener jüdischen Studentenschaft. Am Samstag, den 12. Mürz, veranstaltet der jüdischakademische Philosophenverein (Fachsektion des Gesamtverbandes Judäa) eine Spinoza-Gedenkfeier. Die Festrede hält Professor Dr. Karl Gebhardt aus Frankfurt a. Ml, ein hervorragender Spinoza-Forscher, der auch bei den Felim Haag und in Paris gesprochen hat. . '' Tie Feier findet im kleinen Festsaal der Universität statt. GSste in Erez Israel. Aus Tel Awiw wird uns geschrieben: Die Touristsnsaison hat bereits begonnen. Es kommen allmählich angesehene Gäste ins Land, die mit warmem Interesse die Entwicklung des Landes studieren und sich von dem Aufstieg seit ihrem letzten Besuch in Palästina überzeugen wollen. Aus England kam Sir Daniel Stewenson. Mit ihm kamen auch Tr. Harris und Frau. Stewenson war langjähriger Lordmajor der englischen Industriestadt Glasgow. Dr. Harris ist Mitglied der Zionistischen Exekutive in Amerika, während seine Frau dem Berwaltungsrat der großen Hadassah-Gesellschaft in Amerika angehört. Große Bedeutung wird der Ankunft des Bostoner Multimillionärs Max Schulmann beigemessen. Er bringt Vollmachten einer großen amerikanischen Kapitalistengruppe mit, um die Gründung einer ganzen Reihe von industriellen Unternehmungen in die Wege zu leiten. Aus England kam «auch Miß A r v i l als Delegierte des allweltlichen Verbandes zionWscher Frauen, der bekanntlich unter dem Protektorat der Gattin des ersten jüdischen Oberkommissärs, Lady Samuel, steht. Miß Arvil hat die doppelte Mission, für eine geplante gvoße Hilfsaktion zu arbeiten und andererseits die Grünung einer palästinensischen Bereinigung des zionistischen Frauenverbandes durchzuführen, um auf diese Weise für den kommenden Jns jüdische Haus das jüdische tötatt MIRiMIIIHIIIIUIIMIIIBllllRIIBlVIfi Zionistenkongreß ein Fraueuinandat nns P-al«- st i n a zu sichern. Vor eiligen Tage»: weilte Baron Henry de Rothschild «ms Paris, der mit seiner Tochter irrü> Schwägerin und einer größeren französischen Reisegesellschaft auf feiner Jacht in Haifa ankam, im Lande. Bäron Rothschild machte hier in verschiedenen Etablissements große Einkäufe, so auch in der Seidenfabrtk Delfin er, >vo er u. a. für seinen Sohn einen TalliS mit Atara kaufte. Henry de Rothschild, der sich sonst wenig für die Kolonisativnspolitik des Landes interessiert, soll diesmal eingehend die von der Pica in der Saron-Ebene zwichen Chedera und Benjamin jüngst gegründete neue Kolonie besichtigt haben nnd dürfte sich auch Werktätig an dieser Aktion beteiligen. Baron Rothschild We dann seine Reise nach Beirut fort. . Abgeblitzte FudenuMionSre. Aus Warschau wird uns berichtet: Die von englischen und amerikanischen Missionsgesellschasten erhaltenen Judenmissionäre, die jetzt in den polnischen Provinzstädten ihr Unwesen treiben, hatten vor einigen Tagen in veM jüdischeil! Städtchen Otwock ein Abenteuer, das sie vielleicht für längere Zeit davon abhalten wird, die jüdischen Viertel in den polnischen Städten zu behelligen. Für den 20. Februar beri,efen diese Missionäre durch eine Flut von Flugzetteln und Plakaten die Juden der Stadt in die Wohnung eines deutschen Milchhändlers zu einem Vortrag über die Bibel ein. Da die Juden von Otwock bereits vorher über den wahren Zweck dieser „Bibelvortväge" informiert waren, versmntmelten sie sich vor der angesetzten ' Vortragsstunde im Beth Hamidrasch, zogen dann zu Hunderten geschlossen vor das Haus des deutschen Milchhändlers und blockierten den improvisierten Vortragssaal der Missionär«. Als der Gastgeber die unliebsame Belagerung sah, flehte er die Missionäre an, sein Haus zu verlassen, da er sein Geschäft nicht ruinieren wolle. Aber die Seelensänger zeigten wenig Mut, das schützende Dach zu verlassen rriü> draußen ihr Gewerbe zu versuchen. Schließlich gelang es, einige Milizleute herbeizuschaffen, welche dac heldenhaften Miffionäre zur Bahnstation brachten, begleitet von den Hunderten von Juden, die den Auszug der Miffionäre aus Otwock auf dem langen Wege zum Bahnhof mit einer würdigen Katzenmusik begleiteten. Richter Moses Hermann gestorben. In N'ewwo-nk ist dieser Tage der Richter am Strafgenchtshof Moses § ermann im Alter von 69 Jahren gestorben. Der erblichene wurde in Newyork geboren, wo. er auch die Mittel- und Hochschulen absolvierte. Er war abwechselnd Mitglied der Legislative des Staates Newyork, Mzvstaatsawvatt und zuletzt während mehrerer Wahlperioden Richter am Strafgerichtshof. Er nahm an verschiedenen jüdischen öffentlichen Aktionen teil. Siebzigjähriges Jubiläum des Marmarosz-Szigeter- HandwerkerveroineS. Aus MarmaroS , Sziget wird uns geschrieben: Var einigen Tagen fand hier Ä» Fvi«bir des siebzigjährigen Jubiläums des Mischen Handwerkerver«ues statt. Der Verein wurde gleichzeitig mit der osMiellen lKowstttuiernug der hiesigen orthodoxen Kultusgemeinde begründet. Vierzig Jahre später schuf er eine eigene Krcmbenkasss mrd einen Pensionsfonds für die jMschen Handwerker. Der Verein gchört zu den am besten fundierten jüdischen sozialen Einrichtungen der Marmaros. Gleichzeitig mit den Jubiläumsfeierlichkeitcn wurde auch eine Neuwahl der Funktionäre tdiwchgjoführt und eS wurden gewählt: zu Ehrenpräsidenten die Hervsy Isidor Keßner, Emmerich Krausz. Michael Szmuk und Saul Farkas, zum Präsidenten Isidor Weiß, zum Bizopräsidenten Emmerich Schöngut und zum Kassier Leowold Burger. Am Abend des Festes fand ein Bankett zu siebenhundert Gedecken statt, bei welchem mehrere Reden jgehattvn! wurden und über Anregung des Dr. Benjamin K atz beMoAen wurde, an die Schassimg eines -kWUen jüdischen Handwerker- Heimes zu schreiten. Verfolgung jüdischer Religionslehrer in Rußland. Ans Moskau wird uns berichtet: Zwei Wische Lehrer, der 76 Jahre alte Kasatschinski und der 71jährige Gurewitsch, wurden vor Gericht gestellt, weil sie in augeblick» geheimen Cheradim minderjährige Kinder im Beten und in Neligionsgesetzeu unterrichteton. Laut der Anklage konnten sic!) die beiden dem Verbot des Religionsunterrichtes bisher dadurch entziehen, daß der eine die Kinder in der Frauenableilung der Synagoge und der andere sogar n» einem Keller unterrichtet, um den Spionon der Jewselne zu entgehen. Der Berbqnd Jüdischer Studentenvereine Deutschlands hielt am 36. Februar d. I. in Leipzig die 6. Daguna ab. Es waren 30 Delegierte aus vevschiedonen Univevsttäts-stadte« Deutschlands und Vertreter der Wischen komrnuna-len Behörden Leipzigs anwesend. Für die Exekutive begrüßte Herr F. Rabinowitsch die Erschienenen. Dr. Rubin besprach die Gründe, di« *>ie jüdische akademische Jugend aus ihren HeimaLsländcrn nach Drulschlanv gebracht haben, um hier ihre geistige Ausbildung svrtzusetzen. Die Welle des kMmrellen Antisemitismus, dw in der Hauptsache in den nach Kriegsausbruch neu entstandenen Staaten Osteuropas ausbrach, hat viele Hungerte von jungen Akademikern gezwungen. ihre Heimstät'den zu verlassen und ein Asyl m den Nachbarstaaten Mittel- und Westeuropas zu suchen. Er erhob den schärfsten Protest gegen die Verfolgungen und Schikanen, denen die Wischen Studenten in v i e l e n ö st l i ch e n S t a at e n.ausgesetzt sind. Die bru>:alen MeLho>^en, derep sich unsere Feinde bedienen, erschöpfen sich nicht in der Einführung eines offenen oder versteckien Numerus clausus, sondern gehen weit darüber hinaus und haben, bereits zu offenen Kämpfen und Zufammenstößen geführt. Um so peinlicher mutz es berühren, daß die Urheber L'>ser dem e.omentarsten Gebot jeglicher Kul>:ur Hohns,prechenden Bc.'vccruna nicht nur mder mchtjüdischeu Studentenschaft, sondern auch in den Kreisen n i ch t j ü d i s ch e r Dozenten zu suchen sind, ^re sich die Anmaßung gestatten, die Begeichnuag vor« Trägern der Kul-tur zu jühren.