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Wiener Morgenzeitung · 1927-03-01 · Heft 2876 (1.3.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2876 (1.3.1927)
Date
1927-03-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3876 Men, Dienstag Wiener M-rget^ettmtg 1. Mäyz 1W7 <mw 6 JUDE ANS KREUZ! ROHAN VON KURT MÜNZER Copyright 1927 by B- L&wit Verlag, Wi«n — Laipoig. Vor ihnen rief Mexander Gottlos: „O, wir sind wie Amide, wir Juden! Wir lecken die Iand, die uns züchtigt. Wir werden niemals nach der $onb, die ims Fickten reicht, schnappen." Boris Steinberg lachte: „Wenn man uus Futter reicht, wird es vergiftet sein. Unser Mißtrauen sollte immer den Zärtlichen gelten. Tie Strengen — selbst die aus Hatz — wollen nicht, aber erreichen unser Bestes. Wären wir, imgehaßt, so stark geworden? Sind' wir nicht die Geistigen in der Welt geworden, weil sie uns die gemeine Erde nicht gönnten?" „Und wohin," fragte der schöne Trajau, seine Zigarette in den See werfend, „wohin werden sich die Juden steigern, wenn man sie leiblich ausrottet? Vielleicht bildet man nächstens jüdische Sturmtruppen und schiebt sie gegen den Feind voran. Zwei Treffer auf einen Schlag: der Jude tot und der Christ Sieger in der vom Juden gewönnen Schlacht." „Sie sotten den Juden nicht töten," sagte Mexander leise. „Er ist unsterblich. Sie töten den alten, und es wird der neue Jude kommen. Sie schneiden sich ins eigene Fleisch, wenn sie uns schlachten." > Bald nach diesem Abend ging Abel Adler nach Bern, um im Theater-Kaffee zu spielen. Er hatte nach Genf gewollt, aber diese französische, entzückend pariserisch verderbte Stadt nahm keinen Deutschen in ihre geweihten Mauern. Und es zog doch Atbel gerade in den Kreis, der ihm .feind war.. So kam er nur bis Bern. Auch dort ging die französische/ Seele um. Die Sprache des Feindes überall, in den Kinos Pariser Hetzfilme, in jeder Textzeile „boche", die Greuel des Krieges nur vom Deutschen in die Welt gesetzt. lieberall in Läden und Kiosken Listen deutscher Diebstähle, Grausamkeiten, Metzeleien, Samnielirerke deutscher Verbrechen, Bilder genotzüchtigter Frauen, gemordeter Kinder, niederge- Lrannter Schlösser und Kirchen, ausgeraubter. Schreine, und Schatzkammern. Selbst deutsche Schreiblinge schleuderten gedruckte „J'accuse" auf dem französischen Unrathaufen. Durch englisches Geld fanatisierte Deutschlinge schrien gegen sich selbst „boche! boche!" Fraum blieben stehen vor verwundeten deutsche Soldaten und spien ihnen ins entstellte, entblutete Gesicht den Unrat ihrer Seele im „boche!". In. dm Klosetts der Stadt dichteten Heldengemüter stinkende Reime auf „deutsches Schwein". Die Haßwelle von Frankreich schlug bis hinüber, in das Herz , der Schweiz. Die Feigen schlossen sich noch in dm Klosetts winziger Stationen auf Berghöhen ein und schimpftm an den Wänden der Kloaken auf den Fluch, das Laster, den Untergang der Welt: Deutschland. Die deutsche- Propaganda, Beispiel läppischen Ungeschicks, machte komisches Fiasko in der Schweiz. Jetzt, wo man sie ihnen bald .abnahnr, rasseltm die deutschen Propagandachefs und ihre Söldlinge noch mit Sporen und Säbel; während die klugen'Anderen,Gewalt nur noch anwandtm, nicht mehr im Munde führtm. Ms Abel Mer, zum erstenmal, Wort und Bild des Feindes erblickte, Deutschland im Spiegel der andern Seite, erst da-Zing ihm das wahre Gesicht des Landes auf. Er fühltet, was Verleumdung und Uebertreibung war. Er zog es ab, und es blieb so viel, wie der Feind hatte. Keiner war besser, keiner hatte einen Gott. O Himmel, der du Gewehre weihen und segnen sollst! O Gott, der in die Schlacht mitzuziehen gebeten wird! O Schwert, das du Geliebte sein sollst! Du Feind noch dessen, der dich abdrückt! Der junge Jude spürte dm Pulsschlag des 5 isses; er lvar unter chm aufgewachsm. Er. spürte ihn in der Atmosphäre. Wie Deutschland die Judm haßte, haßte Frankreich Deutschland, Deutsch'and England. Wie grüßten 'sie sich? „Gott strafe England!" O, die Christen, sie riefen den Gott des Alten Bundes an. Wmn sie sie brau chm ivürdeu, loürden sie die Juden Brüder nennm, hatten sie auch so genannt, als der Krieg jedes Männerbein brauchte. Aber die erledigten bespie man schon wieder. Und er hatte sich gewundert? Unentwickelte brauchen den Haß. Wenn Kultur die Zivilisierung überholt hat, bricht das ryh Gebliebme doppelt widerwärtig aus. Hat man nichts außerm Land zu hassm, haßt man im Land. Wozu sind die Judm da? Gut zum Abreagieren der schnutzigen Affekte. Man verlegt die eigenen Konflikte in sie und haut drauf los. ALev in dm Lastem der andern trifft man nur die eigenen. Diese Propaganda, die der Jude erlebte ,war die der Autifmlitm. Bis aufs Wort gmau. Nur: statt Jude „boche"! Er verstarb plötzlich. Aber Verständnis hemmt Verzeihen. Ekel sttmmt nicht milde. Mel Mer ging nach Luzern, in die still gewordene, weiudunstende Stadt, und spielte in einem Kabarett. Spanierinen tanzten, Franzosen parodierten, Deutsche jonglierten, Russen sangm Wolgalieder, wirbelten im Kosak. Illusionisten warm in drei Sprachm charmant. Jnrprovisatoren reimten blaspheinisch. In den Logen soupiertm die Schieber der Der iiuie Lederhandschuh stammt aus der Rotenturmstraße 23 Fabrik Haslinger Hollandstraße 11 (». Fortsetzung.) Welt mit Fraum, die nur noch Kokotten warm. Der Krieg war ein Stachel des Lebens, der Blutdunst appetitfördern-i des Parfüm, die internierten Wundgeschossmen, Geisteskrankm das Skelett der römischen Feste: Carpe dien! Dennoch 1 es war ein Rausch. Eine Verbrüderung in der Unzucht. Das Gewissm war beim Schöpfer, die Kreatur war frei. Städte, in dmm bisher Umarinung durch Ehe oder Liebe geheiligt war, ließen öffentliche Häuser zu, öffmtliche Märkte, Schaustellung des Lasters. Was in dm anderen Ländern dann in Ausartung erstand, wurde hier geboren. Das gewohnte Leben reichte nicht für das Geld, es mußte» Gmüsse erfunden werden. Indem es was kostete, wmde das Wertlose begchrt. Frauen, deren Reizarmut nie eine Hand verführt hatte, locktm, indem sie sich unerschwinglich machtm. Man berauschte sich nicht am Leib, sondern an der Stunde, die tausend Francs kostete. Ms ein Gramm.Kokain in der Bcchnhvfstraße von Zürich auf hundert Francs gestiegen war, begann noch der Aermste und Nüchternste zu schimpfen. Himmel der Schneeberge, der blauen Seien, der Arven- Wälder lächelte über Sodom. Die Luft schmeckte nach Mut und Laster. Unwiderstehliches Mixtum. An diesmr Cvctail berauschte sich die Welt. Gott, wmn er ivar, verdämmerte tatmlos in diesem Gift. Ms die Sensationen erschöpft waren, brannte der Kaiser seinem Volk durch. Feigheit ist romantischer als Mut, wie die Dunkelheit wunderreicher ist als Licht — für diese verdorbene Welt. Der Kaiser tat ihr dm Gefallen. Er floh in Heimlichkeit. War die Ehre nicht mchr zu rettm — sollte man nicht wenigstms den Kopf rettm? Andere, Törichte, hätten dm Kopf hingegebm, um nicht dm Fall der Ehre zu sehen. Klugheit ist auch eine Gvttesgabe für Könige. Wer auf dem Thron sitzt, hat Mau^ Eingießung hehren Geistes. (Fortsetzung fvWH' IlttserstenncBl in Wtenf hob b» die weltberühmten HDD bV Paläsilna-Mazzoth hergestellt unter streng ritueller Aufsicht des „Chief-Rabbi“ von Erez Israel, Sr. Ehrw. Herrn A. I.Kook, Jerusalem und Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbiner Josef Chaim Sonnenfeld, Jerusalem Oepackt in hygienischen Kartons zu V» kg netto. Generalrepräsentanz für ganz Oesterreich: Mniflacan ü®ro«S<ei*g*i, Wien, II. fteopolifis^asse 43, Air. Vlllalen: 11.. QriUea&eerageass«» »» — 11., Urort. 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Wiener Qemelnderat, 5 Doppelselbstlaut, 7 Ausruf, 8 Land ln Kleinasien, 9 Tag (franz.), 10 Elfe (dän.), kommt als Vorsilbe eines bekannten Gedichtes Goethes vor, 11 Eng (engl.), 15 Das erste Schiff, 18 Engl. Artikel, 19 Türk. Titel, 21 Wo zwei Wände zusammenstoßen, 23 Aegypt. Göttin, 24 Musikal. Zusammenspiel zweier Personen,25 Alt (engl.), 27 So wie 21 wagr., 28 Nord. Haustier, 30 Abk.f. Nachschrift, 31 Abk. für .König u. Kaiser“ (lat.). Adresse:. - Ausschneiden - Erklärung: Ab 13. Februar erscheint täglich in der „Wiener Morgenzeitung“ ein Kreuzworträtsel. „■jasssanewB Die Diagramme sind auszuschneiden und mit Tinte oder Tintenblei auszufüllen und zu sammeln. Am Schlüsse unserer Serie sind dann die gesammelten Lösungen samt den in jeder Nummer befindlichen Rät sei kupo ns an die „Rätselredaktion der Wiener MorgenzeitungK einzusenden. Jeder Einsender kann an der öffentlich stattfindenden Verlosung, deren genauer Zeitpunkt noch bekanntgegeben wird, teilnehmen. Blätter, in welchen unsere Rätsel erschienen sind, können jederzeit gegen Einsendung des Betrages in Briefmarken von unserer Administration nachbezogen werden. NB. Der Beischluß des auf Seite 2 befindlichen Kupons ist unbedingt erforderlich. Richtigstellungen» . „ " i r ii Durch ein technisches Versehen sind im Rätsel Nr. 15 vom 27. Februar die Bezeichnungen zweier Worte ausgefallen, die wir hier nachtragen: 4 wagreoht bedeutet gekocht, 10 senkreoht Sohn Noahs. — m Rätsel Nr. 0 vom 21. Februar soll es für 13 wagrecht nicht lat. Fürwort, sondern richtig lat. Vorwort heißen,— Im Rätsel Nr. 4 vom 17. Februar bedeutet 34 senkrecht nicht ein nordisches Haustier, sondern richtig WUd»

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