Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2876 (1.3.1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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tSMqiWr «rffet Nr. 2878 »tat, SHotMog i----i.. 1 - ' '■ - — Splrwza, d« g«Se. In der jüngsten Nummer der Berliner /Literarischen Welt" schreibt Rudolf Kayser: Spinozas Wahrheitsdrang ist nicht faustisch-germanisch, ist kein Titanismus, fiebernd über der eigenen Neubegierde. Er ist ruhiger, weltlicher und ist ganz jüdisch. In einen: Brief an Simon de Vries spricht Spinoza einmal tadelnd über einen jungen Menschen, „der mehr nach Neuheit als nach Wahrheit strebend", Dieser Gegensatz und dieser Tadel sind bezeichnet. Fausts Titanismus sucht die Geheimnisse in der Welt. Der Jude Baruch aber weiß, daß.die wirkli« chen Geheimnisse nur in ihm selber sind und dort.schweigen müssen. Außer ihm aber lebt harte Wahrheit, das Sein, und wirkt die göttliche Substanz. Er sucht diese Wahrheit als das eigentlich Wirkliche, als das Geheimnislose. So studiert er von Knabenzeit an Latein, Talmud, Tescartes. Diese Studien sind ihm Feier und Si -n seines Lebens. Alltag und Broterwerb dürfen sich mit ihnen nicht vermengen. Er erlernt ein Handwerk, das ihm vor dein Aeußersten schützen soll: .das Schleifen von Brillengläsern. Tie Wahrheiten seiner Erkenntnis mußten dieselben sein wie die seines Leben. Er konnte nicht lügen. So brach er den Umgang mit den Rabbinen ab, blieb der Synagoge fern, >und doch war er nicht der Abtrünnige seines Volkes und hat das Christentum nie angenommen. Für seine Treue wagte er sein Leben: erst ein Dolchstoß vor dem Theater veranlaßte ihn, das Amsterdamer Judenviertel auf immer zu verlassen, verfolgt von den furchtbaren Worten der rabbinischen Inquisition. Glaubte Spinoza auch nicht an die Wahrheit der Dogmen, so blieb er doch voll Ehrfurcht vor der.Religion. Als einmal ihn seine Wirtin fragte, ob sie in ihrer.Religion wohl selig werden könnte, antwortete er: „Eure Religion ist gut; Ihr-braucht nach keiner anderen zu suchnt, um' selig zu werden, wenn Ihr nur ein stilles und Gott.ergebenes Leben führt." Wer er wendet sich gegen die Mystik.der Offenbarung und Kulte. Er sieht das Gefüge der Welt als die Verwirklichung der mathematischen Vernunft und findet selbst für Gott einen geometrischen Ort. So kenn er.zu seiner ketzerischen Ueberzeugung: „daß die Schrift die Vernunft vollkommen unangetastet läßt und nichts mit der Philosophie gemein hat, sondern, daß diese wie jene auf.eigenen Füßen steht". Das bedeutet den endgültigen Bruch mit der scholastischen Ueberlieferung. Wer er wurde ihm nicht zum Kampf (vielleicht auch deswegen, weil dem Schwindsüchtigen, ein halbes Leben lang Sterbenden, die Kraft dazu fehlte). Es war ihm gleichgültig, ob seine Wahrheiten den anderen lls Gift erschienen: sie brauchten ja das Gift nicht.zu essen, kr will nicht Werte zerstören, die er selbst eh-rftirchtig liebt. Palästina-Mazzoth in Wien. Zum erstenmal wird die jüdische Bevölkerung Wiens und der Umgebung in diesem. Jahre die Möglichkeit haben, sich für die kominenden Pessachtage mit Mazzoth aus Erez Israel zu versorgen. Daß dies möglich ist, ist ein Beweis der Entwicklung des neuen Palästina, das nunmehr in der Lage ist, auch einen Teil der Galut mit Mazzoth zu versorgen. Zweifellos wird dieses palästinensische Produkt in Oesterreich ebenso freudig ausgenommen weiten, wie es in Polen, England und Amerika der Fall ist. Die Palästina-Mazzoth sind tatsächlich sehr schmackhaft und bekömmlich und überdies bezüglich des Kaschruth über allen Zweifel erhaben. Das Beglaubigungsschreiben für die rituell einwandfreie Herstellung dieser Mazzoth ist sowohl vom Großrabbinat für Palästina als auch vom Haupt der aschkenasisch-orthodoxen Judenheit im Heiligen wifncF wtuiyiitgC'Wiuifj -—. . ...... ... —... ... , Lande, Oberrabbiner Sonnenfeld, ansgefertigt. Oberrabbiner Sonnenfeld hebt ln seinem Beglaubigungsschreiben besonders hervor, daß die große Mazzottzfabrik in Haifa die modernsten Verbesserungen sowohl in hygienischer als auch in ritueller Hinsicht eingeführt hat und daß die von den Rabbinaten eingesetzten Maschgichim das vollste Vertrauen verdienen, daß sie allen, auch dm strengsten Anordnungen des Rabbinats entsprechend In der Fabrik muß die Erzeugung jede Viertelstunde unterbrochen werden, damit eine gründliche Rein'-nng aller Einrichtungen und Maschinenteile, selbst derjenigen, mit denen eine menschliche Hand ntchk in Berührung konnitt, durchgeführt werden kann. So ist die Mazza aus Palästina von der Saat des Weizenkorns bis zur Verpackung und Versendung ein Ergebnis jüdischer Arbeit auf jüdischem Boden im jüdischen Geiste, und wenn der Jude am Pessachfest sich der Mazzoth von Erez Israel bedienen wird, so wird er die Genugtuung haben, sich nicht nur des Auszuges der Inden aus Aegypten, sondern auch der Aufbauarbeit des jungen Judentums in der künftigen Heimstätte des jüdischen Volkes zu erinnern. Die Palästina-Mazzoth sind durch den Generalrepväsentanten für Oesterreich, Herr Nathan Brodetzki, 2. Bezirk, Leopoldsgasse 43, zu beziehen. "Aen, 1. März 1W7. Das Wetter. Gestern herrscht« warmes FrühlingSwetler, das nach der Vorhersage auch weiter andauern dürft«. Hofrat Wagner-Jauregg 70 Jahre alt. Der Psychiater der Wiener Universität Hofrat Professor Dr. Julius Wagner^Jauregg feiert am 7. März seinen 70. Geburtstag und wird aus diesem AMatz Gegenstand groher Ehrungen sein. Die AerK.ekcrmmer plant ein« Festsitzunig un!> auch die Wiener Universität wird sich an den Festlichkeiten beteiligen. Nach Absolvierung seines EhrenjahreS wird sich Wagner-J-a-uregg von der Lehrtätigkeit zurückziehen». Die sterbende» Wiener Häuser. Vorgestern abends löste sich von eine«: dreistöckigen Hanse in der Erdbergstraße ein Gesimsstück in der Länge von einem Meter ab und fiel auf den Gehsteig. Verletzt wurde niemand Verhaftung einer österreichischen Betrügerin in Berlin. Aus Berlin wird gemeldet: Gestern ist hier di« 36jährig« Frau Marie Lustig ge'b. Leichler aus Graz verhaftet worden. Sie hat feit vier Jahren abwechselnd in Berlin, Wien und P rag rn den Bureaus großer,. Un««rnehmungen Beträgevon durchschnittlich 400 bis 500 'Mark erschwinde-lt, indem 'sie sich als Gattin eines Direktors o!:.er Auftichtsratsmie-gl'iedes von großen Firmen ansgab, der auf der Reise ihr Gepäck gestohlen worden sei. Großer Einbruch in Preßburg. Gestern nach.s wurde in den Räumen der Interkontinentalen Transportgesellschaft ein Kasscneinbruch verübt, wobei don Tätern ein Bar'vetr-ag von 43.000 tsch. Kr^ ein« goldene Herre-irremon toi rühr i-m Wert von 3600' i/fdj. Kr. und eine, goldene Tabatieve im. Werte ,von 4000 tsch. Kv. in triie Hände fielen. - , Y Eine Mutter sucht ihren Sohn. Traurig ist die Geschichte des 16jährigen Frise u-rlehrlings Wibh.cl.in ® u t h, der seit dem 3. Februar aus!.er Wohnung der Mutter spurlos verschwunden ist. Guth, ein braver uno fleißiger Junge, mar bei einem Friseur in der Stadt im der Lehre; der Meister stellt i'h-nr 'das beste Zeugnis aus. Die Mutter kamt vor sechs Monaten ins Spital, einige Monate später auch ihre 17jährige Tochter. Als sie wiel er nach Hause kamen, erfuhren sie, daß WiHel-m Guth schon seit dem 3. Februar aus der Wohnung verschwunden war. Der Vermiß-.« ist 'ziem'.ich groß, hat rundes Gesicht, graue Augen, dunkelbraunes Haar, stumpfe Nase und trug bei seinem Verschwinden grünen neuen Mantel, dunkelgrünen Anzug und schwarze schuhe. Z«im Verzweifeln ist es» wenn einem, rheumatische Schmerzen oder Gliederreißen plagen. Benützen Sie sofort LÖWOII-Franzbranntwein mit Menthol zur tätlich mehrmaligen Einreibung und Sie werden LÖWOfl-Franzbranntwein mit Menthol niemals missen wollen. Es ist das best/* Hausmittel! Ueberall erhältlich Die Budapester Sittlichkeit. Die DUd-apester Oberstadthauptma-nnschaft hatein« Verordnung erlassen, die das Verhalten der Artist innen in den Nachtlokalen regelt. Die Vevordrmng enthält genaue >Borschrifixu, wie sich die Tänzerinnen und Altistinnen in den Bars den Gästen gegenüber zu benehmen haben, wie die modernen Tänze getanzt werden müssen und in welcher Entfernung ,.ch Tänzer und Tänzerinnen zu halten haben, um mit ihren Tanzaufführu-ngen die öffentliche Sittlichkeit rrich, zu gefährden. Die Verordnung muß m allen Budapester Nachtlokalen aff-tchiert werden. Direktes Telegraphenkabel zwischen Palästina und Europa. Wie der Palästinensischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt wird, hat die palästinensische Regierung beschlossen, eine direkte telegraphische Verbindung mit Europa durch Legung eines eigenen Kabels von Haifa oder von Jaffr aus zu schaffen. Weltorganisation zionistischer Frauen. Die Exekutive der Weltorganisation zionisttscher Frauen (Women's International Zionist Organisation) entsendet ihre Organisationssekretärin, Fräulein Margit .Rechner, neuerdings auf den Kontinent, u>m die wichtigsten Zentren zionistischer Frauenarbeit in Europa zu besuchen und die Beziehungen zwischen den Föderationen und der Zentrale zu festigen. Die Reise ist auf sechs Wochen berechnet und wird folgende Länder umfassen: Schweiz. Italien, Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien »Ungarn» Oesterreich, Tschechoslowakei, Deutschland, Belgien, Holland. „Wer hilft?" Praktischer Führer durch die Fürsorge in Oesterreich 1927. Verzeichnis sämtlicher Fürsorgeeinrichtungen in allen Bundeslänoern mit Angabe des Zweckes und des Erhalters. Verfaßt vom Bundesstaall. Fürsorgerat Raimund F ü r l i n g e r, Jahrbuchverlag, Wien, 7. Bez., Halbgasse 22. Preis S. 6.50. Dieses Nachschlagewerk ist für die Fürsorgeorgane ebenso wichtig wr? für oie Hilfsbedürftigen. E Der Fasching. Der Gesangverein ,MeinIbund* und bet „Klub der Filialleiter" der Firma Julius Meinl veranstaltet am Sam-s'-ag, den 6. März 1927, im Hotel „Münchn«r!hof", 6. Bez., Mariahilfevstraß« 81, ern FamVienkränzchen der Angestellten der Firma Julius Meinil A. G. Kon-zertorchester I. W. Ganglbevger -und eine Jazzkänk,. Tanzarvang-enr: Tanzmeister Leop. R-iecius. Ununterbrochen Tanz. Beginn 8 Uhr. Vorverr-aufskarte.n zu S. 2.— in der Zentrale, 16. B.., N-an'se-agasse 59—63 sowie in allen Filialen der Julius Meinl A.' G. Gäste herzlichst willkommen! E Magen- und Darmleidende nehmen mit bestem ErfoLge „Dolucarbon", zusammengesetzte JE -i e r I o Jj I «-Tabletten. 'Die BvlucarbowÄibl-etten sind bestbewährt bei chronischen und akuten Magen- und Darmbeschwerlden und,,Berkanungsstörungen. Sie sind von ersten ärztlichen Autoritäten warm empfohlen. So schreibt Hofrat Prof. Dr. N. Ortner. Vorstand der zweite« medizinischen Klinik in Wien: ,Hch bestälige Ihnen auf Ihren Wunsch gern, daß ich mit den Bolucavbontabletten Brady, namentlich bei abnormen Gärnngs- und Zevsetzungspvozessen mn Verlkailungskainale, sehr zufriedenstellend« Erfolge erzielt habe." Hauptdepot Apotheke C. Brady, Wierr, 1. Bez., Raren» turmstraße 18, Ecke Fleischmarkt. TäKicher Postv erfand. E Löwen-Franzbranntwvin mit Mknchol. Di« großartige Wirkung bei Erläbrung, bei gichtischen oder pheumatischor Schmerzen ist weltbekannt. Ueberall erhältlich! Der Schwindel mit den „historischen Aussprüchen". Von Georg Brandes. Wir veröffentlichen im folgenden eine der .tzten Arbeiten des jüngst ver,korvenen großen Publizisten: Ich bin durchaus überzeugt, daß es den meisten M-cnschen so geht wie mir: dag sie, wenn man itjneu einen Satz nennt, den sie irgend einmal vor langer Zeit gesagt haben sollen, steif und fest behaupten iverden, das sei ihnen niemals im Traume eingefallen, wobei es natürlich völlig gleichgültig ist, um was es sich bei der betreffenden Aeußerung gerade handelt. Diese Tatsache, die ich sehr häufig habe beobachten können, hat mich mit der Zeit dazu angeregt, den Schwindel mit den „historischen Aussprüchen" einmal etwas näher zu untersuchen, und diese Untersuchungen, die sich über eine ganze Reihe von Jahren erstrecken, haben mich nunmehr zu der Ueberzeugung geführt, daß die „historischen Aussprüche" in neunundneunzig von hundert Fällen nichts als eitel Lüge und Schwindel und von den Persönlichkeiten, denen sie zugeschrieben werden, niemals ausgesprochen worden sind. Als seinerzeit ein Teil (gefälschter) Briefe veröffentlicht wurde,: die angeblich zwischen Maria Theresia und ihrer Tochter Marie-Antoinette gewechselt worden sein sollten, erweckte es das Mißtrauen von Keimern, daß diese Briefe allzusehr mit dem übereinstimmten, was das Volk sich gemeinhin vorftellt, was diese Damen gesagt oder geschrieben haben müßten, und Sainte-Beuve schrieb aus diesem Anlaß: „Wenn mir jemand einen Brief von Heinrich IV. zeigen würde, in welchen» dieser schrick: „Ich wM, daß ein jeder Bauer in Frankreich am Sonntag sein Huhn im Topfe hat", so würde ich überhaupt nicht erst weiterlesen, denn ich wüßte von vornherein,. daß dieser Brief gefälscht ist." Und damit hatte Sainte-Beuve völlig recht, mehr sogar, als er ahnte, denn m ver Tal taucht der Heinrich iV. zugejchriebene Ausdruck zum ersten Male einund siebzig Jahre nach dem Tode des Königs auf und wurde ursprünglich so wenig beachtet, daß seiner nicht einmal in der „Henriade" Erwähnung getan wird. , Nicht viel anders ist es mit einem Wort bestellt, das sofort auf aller Lippen ist, sobald der Name Ludlvig XIV. genannt wird: „L'etat, e'est moi". Nun ist es ja gynz bekannt, haß Ludwig XIV., er möge sonst gewesen sein, wie er wolle, ein durchaus gescheiter Kopf und überdies ein. Mann war, der sich durch eine müßige Prahlerei gewiß nicht lächerlich gemacht hätte. Falls er den ihm zugeschriebenen Ausspruch also wirklich getan haben, sollte, so hätte dieser sehr gut einen ganz unschuldigen Sinn haben köimen,' ich will in diesem ZusammMhang nur daran erinnern, daß vor einigen Jahren im Kreise französischer Minister das Wort siel: . „Wir könnten das ja schließlich tun, im Falle die. Regierung es erlauben würde"-' worauf der/anwesende Ministerpräsident lächelnd erwiderte: „Die Regierung bin ich, und ich erlaube es Ihnen". Er hatte, damit durchaus recht, und er sagte auch keine Prahlerei, sondern eine Artigkeit; dem angeblichen Ausspruch König Ludwigs wird ja bekanntlich aber eine ganz andere Deutung zuteil. Es hieß lange, er solle im Alter von sechzehn Jahren am 13. April 1666 das Wort zum Parlament in Paris gesprochen haben, Tie Rede, die er damals hielt, war männlich und bestimmt, jedoch ohne jeglichen persönlichen Hochmut, und er sagte nie, daß er der Staat sei, wofür übrigens ein guter Zeuge auch das Werk Voltaires „Das Jahrhundert Ludwigs XIV." ist, welches bekanntlich nach frischer mündlicher Ueberlieferung geschrieben wurde und manche bezeichnende Anekdote von dem König zu erzählen weiß, nirgends jedoch den Ausspruch erlvähnt, der Ludwig XIV. nun durch die Jahrhunderte nachläuft. Ein anderes Beispiel. Ich habe in den letzten Jahren niemals den Namen Axel OxenstiernaS gesehen, ohne daß neben ihm der Satz gestanden hätte, den er angeblich an seinen Sohn geschrieben haben soll: „Du weißt nicht, mein Sohn, mit wie wenig Verstand die Welt regiert wird", und um die Sache noch glaubhafter zu machen, wtrrde der Satz zumeist auch noch auf Lateinisch angeführt: „An nescis, mi fili, quantilla prudentia nmndus regatur". Nachdem ich den Satz nun zu unendlichen Malen in Verbindung mit dem Namen Oxenstiernas gelesen hatte und völlig überzeugt war, daß er mit diesem nicht das geringste zu tun habe, ließ ich mir aus der KopeiNhagener Staatsbibliothek sämtliche Briefe Oxenstiernas kommen und las sie aufmerksam durch, die lateinischem sowohl wie auch die schwedischen und anderssprachlichem, den Satz aber fand ich selbstverständlich nicht. Eine ganze Weile später erst habe ich dann gesunden, daß der Ausspruchs nicht von Oxenstiernä, sondern vom Papst Julius; IH, stammt, der einem portugiesischen Mönch, der ihn bemitleLete, daß die Herrscherlasten über die gesamte katholische Welt auf seinen Schultern lägen, die Antwort gab: „Du würdest dich wundem, wenn du wüßtest, mit wie wenig Verstand die Welt regiert wird" j Auf ewig unzertrennbar mit Julius Cäsar sind der ^Rubikon und der Satz: „Die Würfel sind gefallen!" I Diese Worte sott Cäsar bekanntlich gesagt haben, indem er! zu Pferde über den Rubikon setzte, und zwar auf Griechisch, - iichem er eine Replik Menanders zitierte (Awerrhisthokybos!). Schlägt man nun in Cäsars „Bürgerkrieg" nach, sollst man sofern man noch zu den blind Gläubigen gehört hat — auf den ersten AvgeMick überrascht, ja go- : radezu verblüfft, daß Cäsar den Rubikon weder erwähnt noch überhaupt an ihn denkt, ja, daß er, der doch schließlich auch dabei gewesen sein Mßte, von einer Entscheidung am> Rubikon überhaupt nichts weiß. Di« zählebige Geschichte von Cäsar und dem' Rubikon geht auf Plutarch zurück, welcher sie jedoch nicht in seiner Lebensbeschreibung Cäsars, sondern in der des PompeM