Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2874 (27.2.1927)
- Date
- 1927-02-27
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2981962--29233-3017342- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 3874 27. Kebruar 1327 Men, Sonntag eine Leibesvisitation vorgenommen wird! Nur so kann ich mich selbst einem Verdachte entziehen, der mich mehr bcdrückr als die ungeheuerlichste öffentliche Anklage, weil er bei Menschen auftauchen muß, die mir in so kurzer Zeit lieb und teuer geworden sind!" Alle standen innerlich auf dem Kopf vor Bewunderung: das war ein Mann von Takt und Ehrgefühl, bei Gott! Man verwahrte sich gegm den Vorschlag der Leibesvisitation. Aber Carpenter bat darum, um in seiner Ehre nicht zu leiden. Daraufhin entschied der Schwiegersohn, man müsse die Prozedur auf alle Anwesenden ausdehnea, damit matt dem wackeren Mr. Carpenter gewissermaßen ein Vertrauensvotum erbringe. Was von allen — außer Mß. Pubsey, die sich nicht ausziehen zu wollen erklärte! — mit Begeisterung ausgenommen wurde. Als man der Mß. Pubsey verständlich machte, daß die Untersuchung nicht in Anwesenheit von Männerr vor sich gehen sollte, fügte sie sich, wenn auch widerwillig, dem allgemeinen Beschluß, und nur die Tatsache, daß sie die Gedanken der Übrigen nicht erraten konnte, bewahrte dieselben vor ihren Berleumdungsllagerv... Aber es war alles erfolglos. Die Schachtel mit der Broche war weg. Mt Mß. Pubsey wurde an diesem Abend nur mehr daS Mlernötigste gesprochen. Bloß Mr. Carpenter, der Ehrenmann reinsten Wassers, trat für die ihm fremde Dame, die von einem Eiswall des Mißtrauens umhaucht war, ein, denn er zog den etwas benommenen Mr. Gryee — kein Wunder, die Brosche hatte zwerundzwanzigtausenld Dollar gekostet! — zum lleinen Tisch, auf dem das Schachtelchen gelandet war, bat ihn, Platz zu nehmen, und redete in ihn hinein: man möge doch um Gotteswillen dieser ansonsten ungefährlichen Dame, die er zum ersten Male zn sehen das Vergnügen habe, nicht nahetreten. Wer weiß denn, ob sie wirklich... Der gute Carpenter war offenbar ein Fanatiker seines Rechtsbewußtseins. Denn er war direkt erregt, . fingerte mit seinen beiden Händen immer unter der Platte des lleinen Tischchens herum, steckte die Hände dann wie verlegen in die Säcke und empfahl sich endlich, ordentlich Statut verstört über die Attacke auf die Ehre der armen Mß. Pubsey... Mm wußte doch noch nichts Sicheres... Wie konnte man vermuten... Im Weggehen versprach er Men Besuch und das Resultat seiner Klebeversuche für den Übernächsten Tag. So lange brauchte er Nämlich, wie er sagt«. Dann ging er. Aufrecht wie nur ein Ehrenmann, der für fremden Leumund «tue Lanze bricht... Er hatte nicht die Unwahrheit gesprochen, denn er brauchte ja wirklich einen Tag, da er die Brillanten der kostöaren Brosche unmöglich in Newyork verkaufen Sonnte. Dazu mußte er Über Land fahren. Denn man konnte nicht wissen, ob ein Newyorker Juwelier sie nicht wieder erkennen würde... Als er am nächsten Abende im Zuge, der ihn nach Newyork zurückbrachte, die Abendblätter ins Abteil gereicht bekam, sah er zu seiner Genugtuung, daß man keinen deutlichen Verdacht gegen die so schwer belastete vorurteilsfreie Urchristin geäußert hatte, als die Reporter der Zeitungen, die er noch rasch auf Mr. Gryes gehetzt hatte — er hatte chm diesen Dienst beim Weggehen versprochen — über den Fall herfielen wie Wölfe. Am nächsten Morgen besuchte er Mr. Gryee im Bureau, teilte ihm mit, daß das Klebemittel sich bei seinem Versuche famos bewährt habe, und Überreichte ihm die Zweidrttteleinlage in der Höhe von sechzehntausend Dollar..». - So blieben Hm noch dreitausend aus dem Erlös der Steine. Und das Geld blick, wie Mr. Gryee es gewünscht hatte, m der Familie. Nur anders, als es sich der gute alte Herr vorgestellt hatte. D'e Sache mit der Broche wurde nie aufgellärt. Lediglich eine bemerkenswerte Tatsache gab den interessierten Kreisen viel zu denken. Als nämlich, Wochen später, der alte Nigger, der bei Mr. Gryee seit einem Jahrzehnt diente und sicher ein ehrlicher Bursche war. an den lleinen Tisch anftieß, auf dem das Schächtekchen gelegen hatte, von dem aus es verschwand und vor welchem Carpenter mit Mr. Gryee saß, als er ihn mit unter der Tischplatte gerungenen Härcken beschwor, n Mß. Pubsey nicht leichtfertig zu verdammen —da fiel der Tisch um. Dies wäre an und für sich noch nichts Bemerkenswertes gewesen. Aber als der kleine zierliche Tisch seinem Bestreben, die Belm parallel zum Fußboden zu placieren, nachgegeben hatte und damit den Mick auf die Unterseite seiner Platte eröffnet^ llebte da das SchäAelchen der verschwundenen Bwsche. Der Boden der Schachtel haftete, mit unerhört« Zähigkeit an tat Holzplatte. Und der Deckel der Schachtel war mtt Gewalt und anscheinend ohne lange Vorbereitung aufgerissen. Und die Brosche war natürlich nicht mehr drinnen. Und an den Rändern tat Schachtel glänzte in dicken erstarrten Trvpfen — das Klckemittel... Mr. Gryee hat nie erfahren, warum Mr. Carpent« so grinste, als er ihm versicherte, das Klebemtttel Hab« sich für seine Zwecke glänzend bewährt. Mr. Gryee hat ebensowenig verstanden, warum Mr. Carpenter dnart auf tat Leibesvisttatiott bestand, wie « nachher durchaus mit ihm an diesem Tische sitzend sprechen mußte, und warum er so erregt war üb« die Verdachtsmomente gegm Mß. Pubsey, daß et tote Hände unter dem Tisch, hielt, um ihr nervöses Zittern zn verbergen..'K jMr. Gryee hat aber auch nie richttg empfunden, was es betautet, wenn das Md in der Familie bleibt. Me. Gryee hat schließlich Unrecht gchabt, als er beiin Zugrundegehen der Klckemittelfirma Mr. Carpenter um Berzeihung bat, well er Hn zum Eintritt in dieses so lukrativ scheinende Geschäft veranlaßt hatte. DennlMr. Carpent« hatte mtt diesen sechzchntauseNd Dollar nicht so viel vertaren... Außerdem sah sich jetzt Mr. Gryee veranlaßt, schon aus Korrektheit gegm den braven Mir. Carpenter! — die Sache mit de» ambulantm Rettungsinseln zu Machen. Er machte sie auch und blick schließlich mit achtunddreißigtausend Dollar hängen. Und hat nie erfahren, wre fern Klebemittel war! - Mt dessen stummer Hilfe zuerst. die Brillantbroche und dann ex selbst Neben geblieben war... (Autorisierte Uebersetzung von Dr. Fritz Zoref.) Hegen des beispiellosen Erfolges bis Rfj 1 Ul H m Tw 'rüde? Samstag, den 5. Marz verlängert! xxxxxxxxxxx 'mann ILTABORJTR .46* ScBawediscta-Eedter-lflamflsctaiilie in allen Großen n. Farben $ 4*80 Au» unserer Weißwaren-Abteilung» I o. Heinden-Zephtr, per Meter.8 , WSsohß'Bfttlstj » i ...... « ■ v •SO 185 800 Atlas-Gradl, \ Damast-AJour-Tiflchtöoher ....... » 800 „ Frottier-Haodtuch, kompl. gr... 125 WlSohtttoher.... —'46 Au» wnairer Herreniwode»Abteilungi Knie-Unterhose ...8 1H8 Herren-Faltenhemd, weiß . ... . . . » 800 Ia. engl. Zephir- oder Frenchhemd, mit separat. Kragen, alle Halsweiten.* . » O’OO Moderne Seidenbinder, seltene Okkasion. 1- Aui unaerer Daw»inw8i<Hi»AbieHMWi Au» umurnr »Off- und Seidenabte Uunn Bein-Sohafwoll-Popeline fUr Kleider, doppelbreit, in allen erdenklichen Modefarben ..... 8 8*00 Hamen-Hemd oder -Hose, aus gutem Chiffon . 8 1*25 Seide, schwär?, weiß, seltene Okkasion, per Meter „ —W ,, . „ gestickt, mit Ajour . „ 1*08 «-Seiden-Kristalline. alle Modefarben. .... „ W Hemdhosen-Komblnation, .. „ . „ ajO Crepede Chine für Kleider und Wasche, 100 cm Damen-Naohthemd, Ajour und gest ..... „ 800 breit, alle Modefarben . . .nur Strapas-Knie-StrUmpfe ........... „ — 40 Japan-Fongis, 100 cm breit ....... nur Seldenflor-Strttmpfe, alle Farben ....... ,» l'LV la. Wasoh-Sarnt, alle Farben, 70 cm breit . . Wuchwaraw» Marocaine und Tolle, per Meter ....... 8 7-^8 la. Blaudrucke, per Meter ... —*88 YollEtauüne,.. ... . „ —*08 10.000 ftUctk J&unstfkom-'&aäeM, für moderne Damen-Handtaschen, Reklamepreis SP I'— VorbSnna und Petkaw i Madrasstoff für Vorhänge . . . „ 5 00 » S SO „ 8-00 i«u ein ColeßneAuwe „MIM“, großes' Kristall-FJakon ans unserer neu elnfl Itthrtcn ADteüunfl: Partnmeriewarcn una Toiietieartihei Bel federn Einkauf erkttl« fedier Kunde ein werivolles Beschenk f l Flakon feine» kölnerwas „M»yaml“-Bau d« Cotogne ..... 8 -08 t .... i, 890 0*50 SSO 1080 Gerüchen ... nur S -•40 -SO ..... w S —