Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2872 (25.2.1927)
- Date
- 1927-02-25
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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0tf. 2872 Wien, Freitag MtzMk WkS-AMMM«- 23 Februar 1927 Serie 7 JUDE ANS KREUZ! ROMAN VON KURT MÜNZER Copyright 1927 by R* Loirit Verlag, Wion — Leipslg. „Und du? Wie war es gegen dich gehandelt?" „Danach ftrls man nicht fragen. Wer ist man?" ,La, du liebst den Menschen. Aber wer au sich selber hängt? Du bist glücklich. Wir — leiden an, uns." ,Leidet, leidet," sagte der Jüngling lachend. „Denn aus Qual wich Quelle." Sie sprang auf. ,List er nicht abscheulich?" rief sie. „Alexander Gottlos, sagen Sie!" Am andern Ende der Bank, abgewandt, wie hinströmend in die feuchte, wehende Rächt, saß der junge Gottlos. Er hatte von Moskau geträumt. „Was soll ich sagen? Ihr redet immer Unsinn. Ihr Mmnrert Euch um Mich. Aber, in dieser Stunde jetzt, ° vielleicht wälzt sich mein Bruder Jefim mit einem Granatsplitter im .Kopf..Oder die Bauern nageln meine Mutter an die Tür ihrch Häiischens. Wir sitzen hier auf der gesicherten Bank. Wenn es ganz schlimnr wird, hören wir das Echo der Bogesenkanonen. Wir essen und trinken und schlafen in fester Stadt. Ihr philosophiert und geht ins Theater. Und damit wir lachen können, müssen Millionen (20. FortsetzuM Chase Mrhnte bei der Universität, iN einer, kleinen Pension mit Russinnen. Alexander Gottlos war unten in der Altstadt geblieben. Er hatte eine Stube ani Münsterplatz. In seine Mansarde sahen die' beiden Türme der- Kirche, murmelte nachts laut der Brunnen herauf. Abel stieg den Berg weiter empor. Er wohnte in der Höhe, fast am Waldrand. . und hatte Stadt, See, Gebirge unter sich . wie ein int Aekher ruhender Vogel. Er spielte in einem Cafe der Bahnhofstraße jeden Tag nachmittags von vier bis sechs und abends von acht bis elf. Er war erster Geiger geworden und strich seine Violine mit Versunkenheit, Inbrunst und Hingabe, die alle Frauen um ihn berückte. Man ging seinetwegen in das Cafe und erregte sich au dem Siebzehnjährigen. Die Kellner Grachten ihm Briefe, die er einsteckte und vergaß. Blicke erreichten ihn nicht, ivenn er auf seinem Podium stand. Und spielte er die sentimentalsten Melodien, die schmalzigsten Arien: es war der Ton der Saite, der ihn verzückte. Das Wunder: aus den'Darm,aden Mu'sik zu ziehen,'bezauberte ihn selbst immer wieder, zu welcher Trivialität die Töne sich auch fügten. Er war glücklich — Gottes Zustand. Er ruhty im Leben, auf gebreiteten Schwingen, von freundlichen Winden gehoben, getragen. Etwas gab es nicht mehr: Jude. Eher gab es, selbst hier, auf der seligen Insel zwischen den Parteien, Franzosen und Deutsche, Oesterreicher und Engländer. Aber die Religion ivar nicht Merkmal mehr. Entrückte Menschen, sie alle hier, ständen sie über der Staatsbürgerwut der Länder. Sie waren Weltbürger, 'Bürger in Gott, darum alte verbrüdekt. Drüben, in Deutschland, hatte flügellahmer Geist die Menschen in Erdstaub wieder fallen'lassen. ^Siebzehn Jahre! Hier gab es keine 'Unm'üiidigkeit des Alters. Kenntnisse und Erkenntnis machten reis zu 'jeder Gemeinschaft. Alte sprachen mit ihm klug. Frauen nahmen ihn als fertigen Mann, nicht nur in der Liebe. „Kind," sagte Olga von Schestow, „geliebtes Kind, mein Seelchen du, was hilft es, daß ich dich liebe!" Sie erbebte, sah ihn vergehend an, kniete vor ihm. „Du liebst alle, nichts bleibt dem einzelnen. Wenn du gehst, bleibe ich so armselig zurück. Du nimmst dich ganz.wieder weg. Du läßt mir nichts. Für wen hebst dn deine Seele auf? .Sprich!" 'Er lächelte, er Mißte nichts. (Fortsetzung folgt.) stammt aus der Rotenturmstraße 23 Fabrik Haslinger Hollandstraße 11 bluten." „D u bist es, der philosophiert," sagte die schöne Chase, schüttelte, ihr kurzgeschnittenes Haar und bewegte tänzerisch die HüsteN. Hinten über die Straße zog ein Trupp Burschen mit Gesang und Mandolinen. Das Tessiner Soldatenlied breitete Hauch des Südens, Wärme Italiens plötzlich aus. Alle lauschten. „O, herrliche Welt! Geliebtes Leben!" rief das Mädchen, und Tränen kamen ihr in die Augen. „Seht Ihr denn, seht Ihr,, wie schön es ist?" Der See atmete lau,, das Spätboot rauschte mit hellen Sulett, von der, Stadt hinüber, nach Kilchberg. Das Ufer drüben war eine flimmernde Girlande zitternder Sterne. Abel Adler stchrd auf. „Nur das Auge, ist schön, in dein die Welt sich spiegelt. Wir. sind es doch, die. der. Nacht die Seele geben. Ohne uns ist die Natur entMtert." „Kleiner Gott," sagte die lachende Chase, „ich werde dich kränzen." - ' - Sie riß von den tiefhängenden Aesten der Nußbäume einen nassen, duftenden Ztveig, fing mit ihm wie mit einem Bogen.Abess Kopf, M ihn Hexan.und küßte seine Stirn. Menschen strichen stne Schütten vorbei. Es war Mitternacht. Zürich schlief hinein in die Septembernächt des Jahres sechzehn. Währenddie Welt in'.Flammen .stand und Blut, trank, säumten Wiesen, Berge und Seen ein Eiland des Friedens märchenhaft, ein. Ein Schwarm junger Männer taümelte an ihnen vorbei, südamerikänische Millionärssöhnc, internierte Offiziere. Sie schienen den Visionen des Kokains zu folgen. Die Stadt - warstill und leer. Schon duftete Herbst. Katzen schlichen über den Kai, letzter- Liebe nach. Auf dem großen Platz stand eine Fran und wartete noch. Sic sah den drei jungen Leuten traurig.und resigniert - nach. . - i grosse füdischß Erzähler des Ghetto % (fährt uns mit mächtigen Schilderungen Jüdischen Lebens u. Leidens, glut- und leidvolien Bildern der Jüdischen Geschichte in (das osteuropäische Ghetto, in das riesige Juden viertei von New-York und in die vielen Stationen der Jüdischen Wanderung in seinen ergreifenden Romanen. Der elektrische Stuhl Die Zauberin von Kaitiiien Ein-Glaubemmartyrlum Mottke, der Dieb OnkelMoiet : Preis pro Band broschiert.. . § 5,— Ganzleinen . . . . . . § 8.~ Buchhandlung und Verlag R. LÖWIT, WIEN, I. Rotenturmstraße 22 Fleischmarkt I. Preis; Eine Bibliothek von 300 Binden II. Preis: Eine Gratisreise nach Palästina III. Preis: Fünf Dunam Land in Palästina und weitere 47 Preise Ausschneiden — I i! i SVr. 13 12 | 13 i 14 21 : 22 28 i 29 46 i / 49; 49a’ 54 i 55 Name:........'...... Adresse: . ....-1_.....-.. . . . . ..!.. Ausschneiden BEZEICHNUNG BEft WORTE Wa g re ch t:1 Judehfeindl.Gühstlingd. Königs Ahasver, Senkrecht: 1 Traumzustand, 2 Berühmter span, 4 Entschiedenes Auftreten, 8 Itat. Art, 9 Französ; Art,, 10 Maler, 3 Vorwort, 4 Form von ragen, 5 Deutung, 6 Be- WelthiUssprache, 11 Fremdwort für rein, 12 Völksausdruck rühmtet Fels am rechten Rheinüfer, 7 Weibl. Vorname, für bekommen, 16 Takelwerk, 17 zärtlich, vertraut, 19 9 Französ. Artikel, 13 Turnerreihe, 14 Vorwort mit Artikel, Flüssigkeit zum Schreiben, 21 Europa Hauptstadt. 23 Engl. 15 Zahlwort, 18 Verneinung (fremdsprachig), 20 Französ. Bezeichnung für Feder, 24 Wasserpflanze, 2b Musiknote, Fürwort, 22 Philosophieiehrer im alten Athen, 23 Vogel, 27 Firmenbezeichnung, 28 Fürwort, 30 Aggregatzustand des 25 Pflanze, deren Saft zum Gelbfärben dient, 27 Vorfahren. Wassers, 31 Zeitabschnitt, 33 Weibl. Vorname, 35 Vorwort, 29 Braune Malerfarbe, 32 Span. Nationalheld, 34 Leichtes 36 Fürwort, 37 Ludolphilsche Zahl, 38 Gesangsstücke, 41 Fahrzeug, 38 Deutscher Dichter, 39 Fächerschrank, 40 Ueberfromnv 43 Ist (lat.), 44 Ehemal. Königreich, heute Wiese, 41 Nahrungsmittel (Mehrzahl), 42 Phantasiegebilde Provinz von Spanien, 46 Fürwort, 47 Dünner Stock, 48 45 Versteigerungskaution, 49 Ausruf, 49a Griech. Buch- Fluß in Polen, 49 Zeitabschnitt, 50 Bestandteil. 51 Trumpf stabe, . 51 scharf, heftig (Fremdwort), 55 Europäische beim Kartenspiel, 52 Inselbewohner, 53 Metall, 54 Berg- Währung, 58a Ausruf des Schmerzes. Wirtschaft,-56 Selten, 57 Vogel, 58 Abkürzung für Summa, 59 Alter-Mann,'60 Jüd. Fest, Erklärung: Ab 13. Februar erscheint täglich in der„WienerMorgenzeitungMein Kreuzworträtsel. '.* Die Diagramme sind auszuschneiden und mit Tinte oder Tintenblei auszufüllen und: zu sammeln. Am Schlüsse unserer Serie sind dann die gesammelten Lösungen samt den in jeder Nummer befindlichen Rät s el k u po ns an die „Rätselredaktion der Wiener - Morgenzeitung“ einzusenden. Jeder Einsender kann an der öffentlich stattfindenden Verlosung, deren genauer Zeitpunkt noch bekanntgegeben wird, teilnehmen, Blätter, in welchen unsere Rätsel erschienen sind, können Jeder* zeit g- Einsendung des Betrages in Briefmarken von unserer Administration' nachbezogen werden NB, Der Beischlufi des auf Seite 2 befindlichen Kupons ist unbedingt erforderlich.