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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-25 · Heft 2872 (25.2.1927) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2872 (25.2.1927)
Date
1927-02-25
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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'Seite 8 Wien, Freitag «»**»* W*8tllgCllMS S8. Fetznmr 192: €lt. 8872 VOLKSWIRTSCHAFT Ae Kapttalsvemehrmg der Karpathen-A. 8. -er Kmrverfall der ziotyANle. Gin 29. Wnner waren die Karpachenaktien gemäß dem seinevzeitigeu Beschlüsse der GerreralvensMnmlunz im Verhältnis von 4:1 in eine neue Aktie zu Nominale 36 Zloty -ltfamnvenyelegt mib dementsprechend werden seither im regulären BörseniveEw lediglich die Zloty-Aktien abgrunckelt. An dem ersten Tage ded ossfitziellen Handels ■mit «den zusa-m-.uentzelegten Mtien verzeichnete die Karpathen-Petroleum-Mtie einen Kurs von 43 Schilling. Der Kurs ist nun seit einigen Tagen ständig znN'ickgegangen, er ist vorgestern bis a u f 35.4 0 gewichen, hat sich allerdings gestern ans Deckungen um 1.60 erholt. Die KarPathewMtie Hai dninttach im Saufe von drei Wochen eine Einbuße vor 14 Prozent erlitten, eine Einbuße, die umso auffallender ist, als der Wert der Karpathen-Mtie aus Grund der Goldbilanz ermittelt wurde und der Aktionär .somit hierin eine gewisse Garantie gegen eine allfallige Entwertung seines Besitzes erblicken durfte und gegen Schädigungen, wie ste ihm gerade 'bei «der «Karpathen-Aktie — ihre enorme Kursü'berspannung und späterer Sturz gehörten zu jenen Ereignissen, die der Wiener Börse die größten Vermögensverluste verursachten — zu-gefägt wurden. Der neue nervöse Kursgang der Zloty-Mie zeigt nun, daß die Zusammenlegung der alten polnischen Mark-Aktien in neue Zloty-ALtien die erhoffte Beruhigung gar nicht gebracht hat. Die Erklärung dieses Rätsels ist scheinbar unschwer zu finden. Am 6. Februar wurde zum ersten-mal bekannt, daß die Gesellschaft «ne Kapitalsverurchrnng vornehmen und wahrscheinlich 300.000 bis 350.000 junge Aktien mindestens zum Tageskurso ausgeben werde, daß die Emission zwar den Aktionären angeboien, daß sie jedoch vom Dambrowa-Konzern, dem die' Mktienmchriheit der Karpathen A.-«G. gehört, garantiert werden würde. Von einer der Karpathen A.-G. ncchestchenden Seite wurde mitgeteilt, daß .der Erlös der Kcvpitalsvevmehrung zur Abstattung der Schuld von 21.8 Mllionen Zloty an die Domdrowaer verwendet werden soll, wodurch eine erhebliche Entlastung des Zinsenkontos herbeigestihrt werden wiitrde. Jnsoferne konnte die Kapitals' Vermehrung der Karpatheneingänge an sich nichts Beunruhigendes für die Aktionäre enthalten. Tatsächlich konnte auch nach dem 6. und bis zum 23. Februar die Karpachen-Mktie. sich ungefähr bei einem Kurse von 40 Schilling behaupten. Der vapi'de «Kursverfall erklärt sich mm daraus, daß die Kapitalsvermehrnng sich nicht in den Formen abwickeln wird, wie sie ursprünglich angeAindigt nxtr. Statt 300.000 bis 350.000 Mtien werden in WirMchkrit 871.200 Aktien emittiert werde«, es steht somit eine Verwässerung des Goldkapitals der Gesellschaft «bevor, wie man sie in den seligsten Zeiten der Jnflations- und späteren Samerungsihausse erlebt hat. Dabei läßt der von keiner Seite gehinderte Kursrückgang der Mtie darauf schließen, daß die Verwaltung nicht abgeneigt.wäre, die neuen Mtien zu einem Kurse zu emittieren, der den Mindovheitsaktionären gar keinen Anreiz bieten v-ürdc, nm die jimgen Aktien zu bezrchen. Mit anderen Worten, der «Kursverfall kommt den Großaktionären sehr gelegen, weil dadurch das Bezugsvecht entwertet werden oder gar bei einem weiteren KntSverfall auf Null sinken würde, in welchem Falle die ganze Emission zum D 0 m b r o wa-K o.ttze r n abf l i e tz e n m ü ß t c. Dem Minderheitsaktionär, der schon ohnehin von seiner Kavpabhen-Aktie seit zwei Jahren keirre Dividende 'bezieht, wird also auch sein Substanzbesitz geschmälert. . , Die Vorgänge in der KarpaHenLEfse zeigen wieder -einmal, wie sehr die P-etrolcu'NMsellschaften nur zu sehr däranif bedacht sind, die Wiener Börse als Abladestation für ihre .Effekten zu beniü'tzen, o-hne daß sich daraus für «die österreichische. Volkswirtschaft irgendwelcher Nutzen ergäbe. Im Gegenteil, der Schaden, den der österreichische Platz durch solche Methoden erleidet, ist ungemein groß, wenn man erwägt, daß die KavpaiherEulisse zu den belebtesten der Wiener Börse gehört, und daß die Kapitalsvermehrung in der Menge von 871.200 Stück sa-st «die Hälfte des bisherigen Umlaufes an KarpaHen-SMien a u smacht. Polen und der Slseupalt. An informierten Kreisel: werden die A-ussichtarr eines Beitrittes Polens zur Jnternattonalen Rohstahlgemeinschaft als günstig beurteilt. Dieser Tage fand in Wien eine Bostwechuna österreichischer, tschechoslowakischer und ungarischer Montanindustriellen mtt Bettretern der polnischen Eisenirrdustrie statt, die so weit fortgeschritten sind, daß an das polnische Eisenhüttensyndikat eine offizielle Einladung zu der am 4. März in Düsseldorf stckttfindenden Vollsitzung des Rvhstahlkattells ergehen und die Einladung von den Polen auch angelwmmen weiden' konnte. Dagegen sind, wie aus Paris gemeldet wird, die Unterhandlungen über die Ausnahme Polens in das Internationale Röhrenkartell, die dort vor einigen Tagen begonnen wurden, fehlgeschlagen. Die Konferenz ist abgebrochen und auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Die Devisenkurse. Äuf rein Devisenmarkt ergaben sich gestern Abschwächungen in Leu, Lire, Pesetas und norw-eglschen Stremen. Bukarest siel gegen Zürich aus 3.17ZI, M a iland auf 33.60, Warschau -blieb dagegen stabil, 7.96 für einen Dollar. Fürsorgeabgabe. lieber den Zeitpunkt der Abrechnung der Fürsorgeäbgalbe von Zahlungen an Arbeitnehmer hat die Magistratsabteilung 6 auf eine Anfrage der Wiener Han^lskammer folgendes geantwortet: Die im Vormonade geleistete Lohnsumme ist spätestens bis zum 14. des Nachmonates abgurechnen und die darauf entfallende Abgabe zu bezahlen. Bei jeder Zahlung an Arbeitnehmer (Akontozahlungen, Ent« nahinen, Vorschüsse) ist in erster Linie zu überprüfen, ob diese Zahlung mindestens zum Telle den Charakter von abgabepflichtigen Bezügen insbefonders von Mondozahlungen auf zu gewärtigende Lohnbezüge hat. Ist mindestens zum Test der Lohncharakter der effektiven Zahlung all Angestellte feststehend, dann gelten folgende Grundsätze: Erfolgen vor her Gutschrift effektive Gehaltsauszahlungen, also Akontozahlungen auf das Gehalt, Provisionsvorschüsse usw., so sin>) diele Teilzahlungen im Augen bl ick der Auszahlungen an den Angestellten geleistet und daher für den Monat der effektiven Zahlung abzurechnen. Würben dtefe Akontobezüge vis zum Zeitpunkte der Gutbuchung den gutgeschriebenen Betrag nicht erreichen, so wäre der in «diesem Zeitpun'kte noch ausständige Diffever^betrag zwischen der Summe der Akontoeinnahmon und dem gutgeschriebenen Benag für den Monat der Gutbuchung at^uvechneu. Schreibt ein Dienstgeber einem Angestellten sein Gehalt, bevor er affektive Zahlungen aus dieses Gehalt empfängt, gut, so erklärt er damit rechrsverbin«dlich, er vem Angestellten diesen Betrag-zur Verfügung stellt, daß dieser also geleistet ist. Unter ,/ge.leister." im Sinne des Fürsorgea'bgabegefetzes ist eben nicht nur der effektiv bezahlte Lohn zu verstehen, sondern jeder unter dem weiteren Begriffe des „Leistens" im rechtlichen Sinne gewährte Bezrvg, der Lohncharakrer hat. Gesetzliches verbot des Prämienwesens. Die Wiener Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie hat in ihrer Plenarversammlung am 14. d. M. den Bericht des gewerblichen Rechtsschutz-Ausschusses über den Gesetzentwurf betreffend das Verbot von Zugaben (Prämien) zu Waren oder Leistungen zustimmend zur Kenntnis genommen. Es ist demnach damit zu rechnen, baß das Bundesministettum für Handel und Verkehr in Kürze auf Grund der auf seine Rundfrage eingelangten Rückäußerungen der 'beteiligten wirtschaftliche,, Verbände die Regierungsvorlage eines Gesetzes gegen das Prämien wesen auSaribeiten und Einbringen wird. . Die österreichische. Automobil« und Motorradindustrie" aus der Wiener Frühjahrsmesse. An der großen Automobil- und der internationalen Motorrad-Ausstellung, die im Rahmen der Wiener Frühjahrsmesse 1927 in der Rotunde und auf dem freien Gelände veranstaltet wird, sind außer den meisten führenden Weltmarken sämtliche österreichische Firmen der Automobil« und Motorradfabttkation vertreten. Auf dem Gebiete Neu ein tretende Abonnenten erhalten die bisher erschienenen Fortsetzungen unseres Romans „Jude üns Kreuz".kostenlos nachgeliefert. 1 der Personenwagen werden vom leichten Gebrauchswagen bis zum hundertpfervigen Luxuswagen alle gangbaren Typen ausgestellt sein. Bemerkenswert ist, baß auch ein anSgesprochenev Massen« und Serienwagen gezeigt wird, der bereits in einigen taufend Exemplaren, nach zirka 30 Ländern (tnsbefondere nach England und Südamerika) abgesetzt würde. Der Preis für diesen sechszylindrigen Wagen, der ganz modern, mit Schwingachse und Vierradbremse ausgestattet ist, beträgt bloß 11.000 Schilling. In der Internationalen Motorrad-Ausstellung stellen die österreichischen Fabriken alle gangbaren Typen vom 180« Kubikmeter-Rad bis zu den schweren Gepäcksdreirädern von 800 Kubikmeter Fassungsraum aus. Offertausschreibung. Die „Wiener Zeitung" enthAt im Amtsblatte eine Offertausfchreibung des BundeSmmisteriums für Heerwesen betreffend die Vergebung der Lieferung von Fußbekleidungen für das österreichische DundesAer. Insolvenzen. Wie das „Salzburger VolkSblatt" meldet, haben sich im gerichtlichen ÄusgleickMerkhren des Gran- Hotel Schneller in Hofgastein Passiven in der Höhe von 2,3 Millionen Schilling ergeben. Eine kürzlich abgehaltene Gläubigerversammlung beschloß die Annahme eines 50 Prozen tigen Ausgleiches, wenn die Besitzerin, Frau Dr. Schneller der Ueberwachung der Führung des Hotels durch die M i t e l l a - A.«G. zustimmt. Tschechoslowakische Nationalbank. Aus Prag, 24. d. M., wird telearchihiert: Die Börsekammer hat beschlossen, das Gesuch der Tschechoslowakischen Nationalbank um Kotierung ihrer Aktien an der Prager Börse dem Ftnansministerium zur günstigen Erledigung zu empfehlen. Das Aktienkapital beträgt 12 Millionen Golddollar in 180.000 Mtien auf Namen zu je 100 Gold-Dollar. Hievon befindet sich ein Drittel im Besitze des Staates. Bisher wurden die Aktien im Exotenverkehr gehandelt. BetriebSrciduktton bei den Bigognespinnereien. Aus Teplitz wfftz telegraphiert Die Vereinigung der Vigogne« spinnerelen in der tschechoslowakischen Republik hat in der am- 19. ü. M. in. Teplitz stattgefundenen Versammlung den Deischluß gefaßt, in Anbetracht der ungünstigen Geschäftslage eine allgemeine BetriebSreduktion im Ausmaß von 60 Prozent durchzuführen, um «die Erzeugung mit den Msatzverhältnisien möglichst in Einklang zu bringen umd das Preisniveau zu festigen. Finanzielles aus Polen. Aus Warschau wird gemeldet: Infolge der jüngst von der Bank von Polen beschlossenen Herabsetzung des Bankzinsfußes, werden die den Zwecken der Volks- und Landwirtschaft dienenden Banken in der nächsten Zeit den Zinsfuß für die von diesen Banken gewährten Kredite auf 11 Prozent für das Jahr ermäßigen. Ebenso erwägt auch die Direktion der Postsparkasse die Frage der Herabsetzung des Zinsfußes auf 9% Prozent. — Der Ministerrat hat beschlossen, den Exporttarif für Kohle herab zu«, setzen. Freihafen in Rumänien. Das rumänische Verbehrsmini« sterium hat einen Gesetzentwurf auSgearbeitet, der die Errichtung von Freihäfen in Galatz, Braila, Giurgevo und Konstanza Vorsicht. Die Einfuhr von Waren in diese Zonen wäre unbegrenzt, nur der Import, von Explosivstoffen und Waffen wäre verboten. Die aus dem Auslände tot Me Freizonen gebrachten Waren würden weder Zoll noch andere Einfuhrabgaben zu zahlen haben, verzollt würden die 'Waren bloß beim Verkaufe ins Jnlemid. Ein Detaillhandel in den Freizonen wäre mit den zollfrei importierten Waren urtcv sagt. Wiener ASrse. LustloS. Nach anfänglicher Belebung des Verkehrs m ungarische» und tschechoslowakischen Montanwerten verfiel die Börse im weiteren Verlaufe in die gewohnte GeschäftSlofigkeit, die mi/ einer Abbröckelung der Kurse verbunden war. Freundlich Slie« ben die ungarischen Werte, und zwar sowohl in der Kulisse wie im Schranken. Nordbahnaktien wichen weiter um 10 Schilling. .Bezeichnend für die Abnahme des Verkehrs im Schranken war die Tatsache, daß z. B. für Berg und Hütten und Prager Eisen keine Notiz - festgestellt werden konnte. BersicherungS« w.e r t e blieben auch gestern fest. Im übrigen überwogen im Schranken die Kursabfchtvächungen. Schwach tendierten auch Petroleumwerte, nur Karpathen haben sich auf Deckungen erholt. Auf dem Anlagemarkt waren Renten gefchäftÄoS, mit Ausnahme von Silberrente, die im Kurse anzog. Die fest verzinslichen Werte des Bundes lagen freundlich, Eisenbahnobligatw« nen bröckelten dagegen wieder ab. Im Stellageverkehr fanden auch gostern keine Notierungen statt. Kassakurse: Bank für Oberösterreich u. Salzburg 1.08, Bankverein 11.75, Bodenkredit 21.10, Oesterr. Kredit 18L0, Böhm. Eskontpte'74.—, Ungar. Hypothekenbank, lit. A, 4.40, Länderbank 18.40, Merkur 6.80, Unionbank 6.20, Berkehrsbank 8.40, Brtt.-Ung. Bank 120.—, Ungar. Kredit 106.—, Niederöftere. ESkompte 20.80, Donau-Dampffchiff 121.80, Donau- Save-Adtia 19.60, Roichenberg«Gabl. Prior. 89.60, Wiener Lokalbahn 80.—, Unionbaumat. 21.—, Hauser u. Sobotta 11.—, Ver. Electr. 41.80, Stern u. Hafferl 20.—,. Elin 39.—, Mn Anteilscheine 7.80, Galiz. Montan 8.08, Trjfailer 60.60, Üng. allg. Kohlen 699.—, Salgo 67.—, Flesch 9.46, Grazer Wagg. 3.60, Heid Mafch. 1.73, Ringhoffer 149.—, Schoeller Stahl 1.70, Warchalowski 7.98, Felten 44.50, Ung. Hosherr 22.10, Kabel Draht 20.25, Krupp 29.30, Rtma 109.—, Waagner 11.68, Fando 11^0, Schodnlca 10.60, Karpathen 36.10, Semperit 20;30. Geld 61076 Devisen- und Valutenkurse vom 24. Februar 1927 Tevlsen Amsterdam Belgrad > . Berlin - - - Brüssel. - - Budapest - - Bukarest - . London - - Mailand. - New Aort*> Paris Prag - Geld Ware 288'70 38470 Sofia. 12 4450 13-4860 Stockholm . - .. 18920 167-39 168-49 Warschau. 7882 9864 98 94 Zürich. . 136-39 12894 134*24 4-3836 4*3625 VMUlkN 84-80 84"49 Amerikanische Noten 80*84 80 94 Belgische Noten - - . 708-76 711-36 Bulgarische Noten - . 37'73 27'88 Deutsche ' ni 20 9867 310687 EugMu! n - - . Ware 6-1475. 189-60 79-32 18679 /05 90 709-90 16780 168-40 r Noten - Holländische Noten. Italienische Noten . Jugoslawische Noten Polnt'che Noten« - . Numänisch« Noten , Russische Noten (Roman.) Schweizer Noten . - - - Tschecho-llow. Note» . . Türkische Psund.Noten - Ungarische Noten .... Geld 2802 30 02 12-4150 Ware 2818 81-ps 12-4750 30-96 123’82 AB8 134-33 *) Briefliche Zahlung oder Scheck New Kört Gelo 706-55 Ware 710-70.

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