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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-25 · Heft 2872 (25.2.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2872 (25.2.1927)
Date
1927-02-25
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Sk. 2873 Wen, Freitag Wiener Morgerrzettmrs 86. Februar 1W7 Jette 8 Prinztpes „Krone ist Krone", buchstäblich verhungert? Haben denn jene Herren nicht gewußt, daß durch jenes Prinzip an den betroffenen Menschen ein langsamer, grausamer, bitterer und schändlicher Mord begangen wird? Das Kuratorium hat nun erst nach acht Hnngersjahven den Mut gefaßt, den Lehrern Abfertigungen zu geben, aber was für Abfertigungen? Solche, die nur hinreichen, für kurz^ Zeit dm Hungertod zu verschieben. Diese Gnade des Kuratoriums und das ganze Vorgehen erinnert uns au jme Geschichte, welche uns erzählt, daß ein Farmer von einem Banditen überfallen und seiner einzigen KUH beraubt wurde. Ms der Farmer vor dem Räuber weinte und erklärte, daß die Kuh sein einziges Hab und Gut sei, erbarmte sich der Räuber und gab dem Farmer aus Mitleid — das Milchfaß zurück. Auch das mitleidige Kuratorium will uns Ms lauter „Rachmones" Mstatt der 'uns gebührmdeu Mtersversorgungsquellen ein Mischfaß Mückgeben. Zum Schluffe erlaube ich mir noch einm Auszug aus dem „Jewish American" zu bringm, welcher anläßlich dies dreißigstm Todestages des Baron Hirsch in seiner Nnm. v. 30. April a. p. unter anderem folgendes schreibt: Die Volksschulen in Galizim und Bukowina haben bis zum KriegSMsbruche für die Emanzipation der Juden eine gar wichtige Rolle gespielt. Leider sind diese Schulen nach dem Kriege aus Verschulden der Verwalter des Stiftungsfonds in Wien zusamnrmgebrochen. Dasselbe ist auch mit den Vorschußkassm für jüdische Handwerker und mit dem Hilfsfonds ftir jüdische Kinder, welche einem Handwerke zugeführt werden sollten, geschehen. Die Schuld der Wiener Versorger, welche den ihnm anvertrauten Fonds von 12 Millionen Francs Ms geheimnisvolle Weise loszuwerdm trachteten, wirst bloß Ms diese Verwalter einm Schandfleck." In vorzüglicher Hochachtung Hermann Löwmthal, Newyork. Ne Lohnbewegung bei der Alpine. Donawitz, 24. Februar. Unter dom Vorsitz des Obmannes des Metallaribeiter-Verbandes, des Nationalrates Domes, hielten heute abends zirka 700 Arbeiter der Alpine Montan-Gesellischast eine Versammlun'g ab, um zu der durch den Abbruch derLohnver- Handlungen geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. In einer einstimmig angenommenen Entschließung wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Arbeiterschaft die Austragung dieser Angelegenheit ihren Flührern Übermasse. In einem gleichfalls angenommenen kommunistifchen Zusatzantrag wird angekündigt, daß für den Fall, als die Alpine Montan- Gesellschaft gemeinsame Verhandlungen mit den Freien Gewerkschaften und den Betriebsräten nicht führen sollte, eine D e m o n st r a t i 6 n veranstaltet werden wird. Men, 36. Februar. Da» Wetter. Die wärmere Temperatur hat auch geftem angehalten. Nach der Vorhersage dürfte die Temperaturzunahme weiter anhatten, zeitweise jedoch auch Niederschläge fallen. Die Lawinengefahr besteht auch, weiter. Postlintoverblndung. Am Dienstag, den 15. März 1927, wird die Posdautolinie Overhollavrunn—Eitzendorf—Ziersdorf—Ravelsbach eröffnet. Das Auto verkehrt täglich. Die Verhandlung«» mit den Revzten. Die Verhandlungen mit der Aerzteschast wurden gestern abends fortgesetzt und eS gelang, die Erörterung über die zu behandelnden Detatlfragen zum Abschluß zu bringen. Es wurde den Vertretern der Aerzte eine zusammenn schriftliche Darstellung des Ergibnisses hörigen Verhandlungen in Aussicht gestellt, Die dann den Gegenstand der Erörterungen in der nächsten, für Dienstag in Aussicht genommenen Sitzung bilden und sodann als Grundlage für die mit den Vertreter^ der Krankenkassen einzuleitenden Verhandlungen bilden soll. Ein Lawinenungwck. Das Hauskommissariat der Polizeidirektion als Zentral» stelle für Meldungen alpiner Unfälle wurde gestern nachts von einem Lawinenunglück verständigt, das sich bei Kaprun im Gebiete des Kitzsteinhorn es ereignet hat und von dem zwei Wiener betroffen wurden. Gestern ging vom Kitzsteinhorn eine Lawine nieder. Der TischlevgehNfe Karl Messing, 31 Jahre alt, und Karl Peindl, beide in Floridsdorf wohnhaft, wurden verschüttet. Peindl konnte gerettet werden. Dagegen gelang es nicht, den Messing aus den SchneSmassen zu befreien. Schwerer Unfall eines städtischen Oberärzte». Der 60jährige städtische Oberarzt Medizinalrar T«r. Leopold Arrur Pospischill in der.Brigittenau, der seit vier Jahren gelähmt ans Bett gefesselt ist, lieh gestern eine Zigarette in das Bett fallen, wvduvch dasselbe in Brand geriet. Bevor man ihm zu Hilfe kommen konnte, hatte er schon so furchtbare Brandwunden erlitten, daß er in hoffnungslosem Zustand in daS Spital gebracht werden mutzte. Die Tante entführt! Auf telegraphisches Ersuchen des Gendarmorieposteniom. mandoS Donawitz wurde gestern im Bureau der „White Star Line" der 84jährigs landwirtschaftliche Arbeiter Julius Kramer aus Donawitz wegen Entführung verhaftet. Tr ist beschuldigt, seine eigene Tante, die wjüihriae Private Josestne B. auS Donawitz entfahrt zu haben. Frau D. hatte ln Donawitz mit ihrem Gatten nach einer FaschtnaSuntevkaltung Streit, und der Mann hat die Frau mißhandelt. Sie flüchtete aus der Wohnung. weil sie sich vor dem Manne fürchtete.. Frau B. die wußte, daß Kramer nach Kanada auSwaudern wolle, gab sich mit ihm ein Rendezvous in Wien. Tatsächlich trafen sich Dante und Nesse in Wien und nahmen unter dem Namen „Michael und Karl« Almer in einem Hotel gemeinsame Wohnung. Kmmer wurde dem Landesaerichte eingellesert. Letzte Nachrichten.. Ae «Ke Seneraiversammlam per tfchecho» llovakifche« Ratioaalbank. Prag, 24. Februar. Die Tschechoslowakische Nationalbank hielt heute ihre erste Generalversammlung ab, in der sich ähnliche Zwischenfälle ereigneten, wie seinerzeit in den Generalversammlungen der Oesterreichisch-ungarischen Bank. Der Gouverneur stellte zu Beginn der Sitzung fest, daß als Verhandlungssprache die Staatssprache zu gelten habe, daß aber anderssprachige Aktionäre ihre Beschwerden in ihrer Muttersprache Vorbringen können. Die Debatte nahm während der Rede eines deutschen Akitonävs einen bewegteren Verlauf. Die Zwischenrufe: „Tschechisch reden!" wurden vom Gouverneur unter Hinweis auf die Redefreiheit zurückgewiesen. Di» Anträge auf Verteilung des Reingewinnes für 1926, der, wie bereits gemeldet, 31,519.247 Kronen beträgt, wovon eine SXprozentigeDividende und eine Superdividende im Betrage von 230 Kronen Per Aktie ab 25. ds. zur Auszahlung gelangen, wurden sodann a ngen om m en. Sin zionistischer Vertreter beim internationalen Arbeitsamt- Dr. Viktor Jacobson offiziell anerkannt. Genf, 24. Februar. ($. L. A.) .Herr Dr. Di>ktor Jacobson wurde zum offrziellenVertreter der Zionistischen Organisation beim Internationalen Arbeitsamt des Völkerbundes ernannt. Der Ernennung gingen Unterhandlungen zwischen dem Arbeitsdepartement der Zionistischen Exekutive und dem Internationalen Arbeitsamt voraus. Herr Albert Thomas, der frühere franizöstsche ArbeitsminDer und jetzige Präsident des Jntenationalen Arbeitsamtes, hat in Briefen, die er an Dr. Viktor Jacobson und an die Zionistische Weltexekutive in London gerichtet hat, diese Ernennung bestätigt und hierbei Gelegenheit genommen, der zionistischen Bewegung und der Idee des jüdischen Nationalheims in Palästina seine Ämpabhien auszudrücken. Sie Deportationen tu Stollen. Berlin, 24. Februar. Das Bureau zum Studium des FaseismuS hat bei der italienischen Botschaft in Berlin den Antrag gestellt, einer Kommission die Erlaubnis zum Besuch der Inseln der Deportierten und der Dörfer der Potenza und den ungehinderten Verkehr mit den dort Lebenden zu erteilen. Tie Kommission soll die Aufgabe haben, durch persönlichen Besuch die Verhältnisse an diesen Orten festzustellen. Als Mitglied der Kommission wurden vorgeschlagen: der bekannte französische Dichter Henri Barbusse, das Mitglied deS englischen Parlaments George Lansbury und der deutsche Dichter Ernst Toller. Aiislageireinbruch». Gestern nachts wurde die Auslage des Antiquitätenhändlers Mor Jan am Kohlmarkt erbrochen. Gestohlen wurden eine silberne Thorarolle mit Krone und eingravierter Krönungsszene, ein Silberbscher mit getriebenen Rosen und hebräischer Inschrift und zwei silberne Barockleuchter von etwa 55 Zentimetern Höhe sowie eine silberne Schale, zusammen 1500 Schilling wert. Die Schwat$mldküche« zahlungsunfähig gewowe«. Die Schwarzwaldkitchen haben beim Zivillandesgericht die Eröffnung deS Ausgleichsverfahrens beantragt. In der letzten Zeit hat der Verein monatlich 6000 bis 7000 Schilling im Betrieb verloren. Dadurch wurde es ihm unmöglich gemacht, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Eine genaue Aufstellung des Vermögensstandes liegt noch nicht vor und so bietet der Verein vorläufig die Mindestquote von 35 Prozent, dvch hofft man, durch die Abstoßung einiger unrentabler Küchen, Verkäufe und Vermietungen so viel zu erhalten, daß nicht nur die restlichen Küchen erhalten bleiben .sondern auch eine höhere Ausgleichsquote erzielt ivird. Die Passiven dürften gegen 200.000 Schilling bettagen. Sechzehnte österreichische Klassenlotterir. Bei der gestern abgehaltenen Ziehung des 2. Tages der dritten Klasse gewannen in Schilling: 36.000 das SoS Nummer 23.569, 5000 das Los Nr. 66.304, 3000 das LoS Nr. 52.099; je 100» die Lose Nr. 16.467, 20.683, 27.604. 32.978. Außerdem wurden 903 Gewinne zwischen 600 und 188 Schilling ausgelost. Sin Dorttag des deutschen Gesandten. Der deutsche Gesandte in Men Graf Hugo Lerch enfeld-Köfering hält am 1. März um %7 Uhr abends als Gast des Staatswissenschaftlichen Vereines einen Vortrag über die Formprobleme der Demokratie. Der Vortrag findet im lleinen Festsaal der Universität statt. Eine Selbstmorbepidemie. Aus Buenos Aires wird gemeldet, daß in Argentinien seit einigen Monaten eine ausgesprochene Selbstmordepidemie ausgebrochen sei. Im ganzen Lame zählte man seit vier Monaten 300 Selbstmorde, davon 200 in Buenos Aires. Die meisten Selbstmorde find auf den Genuß von Zyan zurückAuführen. Die Regierung hat beschlossen, oen Dettauf dieses Giftes zu reglementieren. ' Dchlutzfeier im Jüdischen Zerrtxmm. DaS erste Semester des Jüdischen Zenttmns der sozialen Hilfsgemeinsichaft Anitta Müller (2. Bez., Untere Augartenstraße 35) wird morgen abends mit einer Schlutzfeier beendet. Herr Oberraboiner Dr. Ehaies wird einen Vorttag über die ältesten Judenaemeinven Europas hatten. Die Feier beginnt um halb 8 Uhr abends. Das Jubiläum des Misrachi. Als zweite Veranstaltttng anläßlich deS 36jährtgen Jübilämns findet am Mittwoch, den L März, um halb 8 Uhr abends, im Festsaal „Bayrischer Hof" Bez., Taborstraße 39) ein Massenmeeting statt. Herr Oberrgbbiner Dr. I. Hoffmann (Frankfurt a. M.) wird über „Thora, Volk und Land" sprechen. Hebräische und jiddische Volkslieder wird Herr Overkantor Gerson Margulies zum Vortrag bringen. Das Radioparmdies. Ein weit gereister amerikanischer Nadioiitgemeur berichtet in einer englischen Fachzeirschrft, daß von allen Plätzen der Erbe dir kleine Stadt Bude in Cornwall den besten Funkempfang bat. Man hört dort die amerikanischen sowie alle kontinentalen Stationen säst immer, selbst im Sommer, mir vollkommener Klarheit. Die Gründe dafür sind noch nicht aufgeklärt. Schon zehn Meilen weiter un Inland ist ton Gegensatz hierzu ein kleiner Ort. irr dem m<rn überhaupr fast keinen Empfang erzielen kann. E Magen- und Darmleidende nehmen mit bestem Erfolge „Dolucarbon", zusammengesetzte T i e r k o h l e-Dabletten. Die Bolucarbonrabletten sind bestbewährt bei chronischen und akuten Magen- und Darmbeschwerden und Verdauungsstörungen. Sie sind von ersten ärztlichen Autoritäten warm empfohlen. So schreibt Hofrat Pros. Dr. N. Ortner. Vorstand der zweiten medizinischen Klinik in Wien: ,Hch bestätige Ihnen auf ^hren Wunsch gern, daß ich mit den Boluoarbontabletten Bradh, namenmch b^i abnormen Gärungs- und Zersetzungsprozessen rm Verdauungskauale, sehr Mfriedenistellende Erfolge erzielt habe." Hauptdepot Apotheke C. Bradh. Wien, 1. B^., Rotenturmstratze 18, Ecke Flerschmarkt. Täglicher Postversand. E Löwvn-Franzbrannrwein mit Menthol ist der Wohltäter Ser Menschheit. Jeder Kranke und jeder Gesunde wird es bestätigen. Uebevall erhältlich! 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