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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-24 · Heft 2871 (24.2.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2871 (24.2.1927)
Date
1927-02-24
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2871 M M M «ft M« M MM «WWW w(9f0W^ltWtll9 24, Jebroar im Seite 7 JUDE ANS KREUZ! ROMAN VON KURT MÜNZER Oepyrigbt 19» by ft- UvH Vwiag, Wies - Mtslf. Warum? Die Frage stellte sich der junge Abel noch nicht. Hätt sie .ein einzigesmal gestellt und die Antuwrt nicht gefunii-m — vielleicht wäre er noch ivissender geworksrn, wissend genug, um sich des Menschen nicht mehr anzun^hmten. Dann, viel später, fragte er erst, als sein Leben ihn verließ. So spät, daß keine Zeit mehr znr Antwort war. Gott blieb stumm. Und ist hinter den: Leben nvch Raum, Zeit und Ton zur Frage? Und ein Wesen, das Rede steh^? Gott stirbt mit dem Menschen. Als Abel Adler Gott rwch im Schmutz und Schmerz fand, tat er nur Blick in sich. Ueberall begegnete er nur sich selbst. Und überall, wo man ihn nicht liebte, predigte er Gott vergeölich. Gott — Gott Wieviele Nachte sanu der junge Jude diesem Unendlichen nach.' Wie seltsam, daß er sich IM nahefühlte, wo der Merffch in Sünde versank! Wie widerspruchsvoll, daß Gott m<ehc in der Sünde war als in der Tugend... Seine Gedanken reichten nicht weiter. Unglücklich, beschämt warf er . sich in..die Kissen und' entschlief. Sehr alter Meister um. gestorben. Kaspar Zaremba, säit Jahr und Tag schon von Amerika heilig gesprochener Virtuose, hatte das Erbe des Lehrers angetreten. Er behielt die besten Schüler, auch Abel Adler, der nicht hielt, was er einmal versprochen. Nur in den nwchentlichen Stunden bet Zaremba, abends von neun bis zehn, in einenr großen kühlen Saal der Hochschule — nur am Notenpult brannte eine Lanipe, sonst war es dämmrig vom verglimmenden Llbendschein über dem Tiergarten — nur in diesen Stunden spielte aus Abel die Zigeunerseele seines Muts ihr inbrünstiges. Leben. Zaramba bohrte seine harten Finger in di eSchultern des Jünglings, riß den Kopf cm den Haaren hintüber und 'schüttelte ihn in Kraft, Feuer, Wut: „Spiele, Lümmel! Leichter, voller, satter. Wo bleibt der Ton! Schrei, schrei, aber drauf los." Und er zog ihm eins über. Abe spiete auf seiner Seele, sie entfloh dem gehetzten Leib in die Geige und schluchzte sich dort aus. Fetzt war er aufgewühlt genug für Brahms. Und er spielte , das D-Dur-Konzert wie nur ein Mann, der Zerrissenheit, Schmerz 'und Sehnsucht in geläutertem Klang entläßt/, tvie ein Schöpfer seinen bittern Zwiespalt im klaren Werk , auflöst. Dann, nach diesen Stunden gegenseitiger Pein und Verklärung, sagte Zaremha milde: ,7Niemals, Menfchenskind, niemals wirst du einer werden. Wozu plage ich 'uns bloß! Bor die Hunde wirst du gehen. Du bist nicht aktiv. Du läßt dich verschlingen. Wenn trtcnt dich nicht in die erste Reihe prügelt, bleibst du hinten hocken und verkommst. Aber wer liebt dich genug, um dich zu prügeln außer nrir? Ich liebe dich. Geh', Judenbengl, blöder, ich kann dich nicht ansehn. Du bist das ungenützte Leben. Pfui!'Troll dich!" Mel lachte. Aber wenn 'er daheim spielte, ja, klang es matt und seelenlos. „Muß mail wirklich leiden, um zu leisten? Solange es mir gut geht, tverde ich zu nichts nütze sein? Gott, laß es mir schlecht gehn!" Als Abel Mler so vermessen und gutgläubig betete, stand sein Schicksal still 'und zögerte einen Augenblick. Dann tvar .es entschieden... Ern Agent kam zu 'Zaremba, sein eigner NnterneMer imb brauchte einen zlveiten 'Geiger für ein kleines Kafscel)ausorchester in Jnterlaken. Es 'sollte ein junger Bursche sein, zigeunerhaft, gewandt im 'Spiel, Blattspieler, zuverlässig, mit Mein Ton, der einem Terzett die Fülle gibt. Als Abel Mler znr nächsten Stunde kam, sagte Zavemba! „Ich habe für. dich abgeschlossen. Du )oirst am ersten August in Jnterlaken sein und im Cafe Schuh von vier bis sechs und acht bis elf spielen. Zweite Geige. Ich werfe. Für Purim - Aufführungen H A iiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiii FL empfehlen wir iii»iiimininifininiiiniiiiii«iii»iiiiiiniminininiiiiiiiiiHiininiiiiiiiiiii«iii ANS lUlllllllllllllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII CH T lUiHiKiiiiHiiiimiiwiiiininriiHiiiiiiiiniiiiiiuiiiiintiiuiiiiiaiiiiwumiiiii von . SAMMY GRONEMANN Ein entzückender, kleiner Purimscherz In 5 Szenen Ein Mörchpnsplel, voll launiger Einfälle, lustiger Verse und wirbelnder Situationen PREIS 1 SCHILLING Buchhandlung R. LÖWIT WIEN, I., ROTENTURMSTR. 22 (49. Foetfttzm^) dich in die Welt. Hier verfaulst du mir. Du wirst jeden Tag . vier Stunden für dich üben, unsre Methode. Abends spiele wie ein Schwein, sonst geht's nicht. Ein Dichter kann auch, das ewige Werk schreiben und nachts im Kabarett mit Zoten sich verdienen, tvas das Werk braucht« Geh mit unseren Göttern, Beethoven, Brahms, Mozart. Du wirst ihnen imnier weiterdienen. Heut spielen wir nicht mehr. In acht Tagen mußt du fort sein. Ostern stehst dir widxr hier. Und spielst. Werde lebendig. Adieu." Er schob ihn . hinaus. Llbcl Mler packte. Er war wie betäubt. Die Mutter weinte heimlich, Gerson Mler war stolz. Sein Sohn, vrerzehneinhalb, verdiente zweihundertsünfzig Franken im Monat. Damals schwelte ganz Europa. Der junge Abel,fuhr durch diese gärende, zum Ausbruch reife Welt. Er . kam in den bunten Trubel Jnterlakens, mietete sich eine Stube und setzte sich in das Cafe, heut noch zahlender, von den Serviermädchen höflich bedienter Gast, um sich das kleine Orchester anzühören, in dem er morgen den zweiten Geiger/ ablösen sollte. Sein Herz klopfte. Der Atem der Schneeberge erreichte dieses Tal .zwischen den Seen. In unbekanntem Glanz gingen Sterne über dem weißen Gipfel auf, der wie Illusion zwischen Waldbergen verdämmerte. Ungeheuer hatte sich hier die Erde geworfen, und das Menschlein war im Gebirge winziger als int Strudel der Stadt. Und diese Starre imb Lautlosigkeit war verschlingender, betäubender, betörender als Glanz, Lärm, Unendlichkeit des .Menschenviertes der Städte. „Gibt es das?" fragte der junge Abel, stand am Fenster seines Stübchens, hörte die Aare rauschen, Musik aus dem Kurhaus und die Glocke einer SM), die im Schlaf sich regte. Er atmete, die unbekannte Lust, gemischt aus Wiese, Wald, Wasser, Schnee. Es ängstigte ihn, wie 'nie Offenbarung des Menschen ihn geängftigt. Er schlief nicht in dieser Nacht zum ersten August. Als er, andern Tags, entschlossen, diese erschreckende Natur zu erobern, hinaustrat in Glanz, Duft, Schönheit ohne Ende, stand die schwelende Welt in Flammen. Der Krieg war da; UTHAGON Vorzügliches Präparat gegen alle durch Gallensteine Bestens bewährt auch gegen Magendruck, Aufstoßen u. Uebelkaiten infolge Magenüberladung. Aerztlich erprobt und begutachtet Erhältlich in allen Apotheken! Preis pro Flasche 4.80. —' Erzeugung- Alte Feldapotheke, Wien, X. es stob au dem Erschrockenen vorilbcr, die aufgescheuchte Menschheit floh in die plötzliche Ungenüßheit: Heimat. — Kerne Musik mehr spielte. Der junge Mler stand auf der Straße, er hatte keinen Paß, kein Papier. Wo war er. daheim? Und ivenn er sich vor diesen Flüchtigen aus die Knie ivarf: keiner >var mehr für den andern d-a; es gab nur nvch den einzelnen. Kein Berg stand mehr, kein See glänzte, kein Wald sang. Nur. noch Frauen hielten, sich am Mann, Mütter rangen ums .Kind. Wer der Manu, der Jüngling war schon allein, den: Mitmensch, der Liebe, fern,. dem Tode gegenüber. Tahin geht keine Mütter mit. Abel Mler sah sich um. Jetzt gehörte ihm die Welt, aber sie war menschenleer. Ein Hund, im Stich gelassen, umkroch ihn. Da bückte er sich zur Kreatur und fand in ihrem Blick die Demut der Liebe, zu der ein Mensch nie sich hinaufringt. * ü Nach den: Regen blitzten die Sterne wie nur. geschaffen über, der dunklen, lau überwehten Bucht.. Es tropfte von. den schweren Wipfeln, und Boote rieben sich dumpf aneinander. Der See gluckste an die Kaimauern, die Bergnacht war erfüllt von Geheimnis, Glück, Zärtlichkeit.: „Hast du viel Häßliches und Böses in deinen: Leo«: getan?" flüsterte das Mädchen. Sie lehnte sich ay, den geliebten Menschen und sah in den Himmel auf. ,,£), da fiel ein Stern, und ich habe nichts gewünscht. Immer versäume ich den Augenblick. Sage, hast hu?" „Wenn inan Freude damit machte und Glück brachte, Ivar es dann häßlich? Ich habe nie mit Willen jemanden gekränkt' und möchte es nie tun. Vielleicht habe ich ©fmbett begangen, aber dann war's zur Lust für andere. Ist das böse?" ' _ (Fortsetzung folgt.) stammt aus. der Fabrik Haslinger II., Holiandstraße 11 'i.j Rotentürmstraße 2 I. Preis; Elm Bibliothek vor 300 Bänden II. Preis: Eint Bratlsrei» nach Palästina III. Preis: Fünf Dnnam Land in Palästina imd weiters 47 Preise Ausschneiden i 7 13 i |4 i‘5 mr. 12 11 Besoiolmimg der Worte: Wagrecht: 1 Militärischer Rang, 6 Häufige Chiffrebezeichnung aus der „Wiener Morgenzeitung“, 7 Zahn des Schwarzwildes, 8 Nebenfluß des Rheins, 10 Gewässer, 12 Handlung, 14 Wejbl. Vorname, 15 Nordisches Göttergeschlecht, 16 Temperaturzustand, 18 so wie 12 wagrecht, 20 Getränk, 21 Schweizer Kurort, 23 Stadt in Niederösterreich. Senkrecht: 1 Blume, 2 Zeitmesser, 3 Blasinstrument, 4 Kunst (lat.), 5 Süddeutsche Stadt, 9 Weibl. Vorname, 11 Schüler (fremdspr.), 12 Bodensenkung, 13 Niederschlag, 17 Jüd. Vorname, 19 Teil des Jahres, 20 so wie 13 senkrecht, 22 Ital. Musiknote. Name: .... Adresse:. Ausschneiden Erklär un*: Ab 13. Februar erscheint täglich in der „Wiener Morgenzeitung« ein Kreuzworträtsel Die Diagramme sind auszuschnelden und mit Tinte oder Tintenblei auszafullen und zu sammeln. Am Schlüsse unserer Serie sind dann die gcsamme 11en Lösu«gen samt den iti leder Nummer befindlichen Rätselkupons an nie „Rätselredaktion der Wiener Morgenzeitung* einzusenden. Jeder Einsender kann an der öffentlich stattfindendeni Verlosung, deren genauer Ze lpuukt noch bekähiitreneben wird, teilnehmen. Blätter« in welchen unsere Rätsel erschienen sind, können jeder? zeit gegefvElnSertduSg^des ^Sages in Briefmarken von unserer Administration nachbezogen werden NB, Der Belsebtuß des auf Seite 2 befindlichen Kupons Ist unbedingt erforderlich#

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