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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-24 · Heft 2871 (24.2.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2871 (24.2.1927)
Date
1927-02-24
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Men, Donnerstag Wiener Morgenzeituug 24. Februar 1927 Nr. 2871 -Sekte 6 >- JÜDISCHE WEIT Zum Ableben Senk« Arandes'. Wie aus Kopenhagen telegraphiert wird, findet die Einäscherung der Leiche GeorgBrandes' am F r e i* tag tm Kopenhagener Krematorium im Beisein der Höchsten Verwandten und Freunde des Verstorbenen statt. Aus ganz Europa strömen Beileidskundgebungen und Blumensperchen für die Bahre Georg Brandes' ein. König Christian von Dänemark, der sich itt Cannes aufhält, hat telegraphisch Ordre gegeben, Blumen für Brandes' Bahre zu schicken. Unter den Beileidskundgebnngen befinden sich Telegramme des Außenministers Stresemann und des preußischen Kultusministers Becker, der die Verdienste Brandes' um die Kultur- und Geistesfreiheit Europas hervorhebt. Der deutsche Gesalbte in Kopenhagen, v. Hafsell, sprach persönlich der Tochter Brandes' sein Beileid aus. Auch die Kopenhagener Universität, die BrMdes die schwere, nie vergessene Kränkung zufügte, ihm die Professur, für die er nach dem Tode Hauchs prädestiniert war, vorzueirthalten, ehrt Brandes, indem Professor Brix in der Einleitung zu einen Vorlesung die Bedeutung Georg Brandes' für Dänemark beleuchtete iych mit einer Anspielung auf das Verhalten der französischen Akademie Moliere gegenüber schloß. Wie diese dem toten Moliere Nachrufen mußte: „N i ch t s f e h l t e i nj deiner Ehre, aber du fehlst uns in der unser e n", so die Kopenhagener Universität Georg Brandes gegenüber. Sar Sefltio der üttnfalemet nnitierfität. Die Leitung der Hebräischen Universität zu Jerusalem I>ifc an die Familie von Georg Brandes ein Telegramm mit dem Ausdruck des tiefsten Beileids zum Ableben des großen Schriftstellers gesandt. Ile Aechtsuot der Anden in Deutschland. Am 16. Februar abends fand in Berlin eine demonstrative Veranstaltung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten statt, in der der Senatspräsident am Kammergericht, Großmann, über „Rechtsnot in Deutschland" und Rechtsanwalt Tr. Alfred Klee über „Die Rechtsnot der Juden in Deutschland" referierten. Saal und Galerien waren gedrängt voll, zahlreiche Besucher konnten nicht mehr eingelassen werden. Im Auditorium waren Rechtsanwaltschaft und Richterschaft stark vertreten. Dr. Klee sprach über Rechtsnot der Juden in Politik, Justiz und Verwaltung. Erkenno, so sagte er, hundert« und aber hmßderte Richter, dje sich die größte. Mühe, geben. Recht zu sprechen. Allein sie' sind doch Produkte von Milieu unÖ Erziehung. Sie rekrutieren sich aus Kreisen, in denen gesellschaftlich mit Juden nicht verkehrt wird. Der Jude ist ihm. eine fremde 'Sache, die er nur vor dem Richtertisch zu sehen bekommt. Das ganze deutsche Gesellschaftsleben - im alten Reich war. a n t i s e m i t i s ch. Da der Jude als Wähler meist links eingestellt ist, weil er doch - judenfeindlichc, Parteien nicht unterstützen könne, so sieht man in dem Juden den Träger der Linksanschauung. Hier ist die Äsung des tragischen Rätsels. Der Redner brachte zahlreiches zwingendes Material vor und verweilte insbesondere bei dem Fall Barm a t, der der typische Fall des ausländischen Juden ist, gegen den man, ohne ihn zu hören, spricht. Wäre das Fechenbach-Urteil denkbar, wenn es sich nicht um einen Juden handeln würde? Wäre anders der Fall Haas in Magdeburg denkbar? Der Redner schilderte die tragischen Schicksale vieler Ostjuden, die mit deutschen Gerichten zu tun hatten. Noch vor der Urteilsfällung wird der Ofljude vom Richter gedemütigt und in eine ängstliche Stellung gedrängt. Der Redner besprach ausführlich die Berwaltungspraxis gegen Juden, insbesorckere die sehr grausame Ausweisungspraxis. Das sehr kluge uttb gerechte Regime des früheren Ministers Severing und seines jetzigen Nachfolgers hat das Schlimmste verhindert. Aber täglich kommen aus der Provinz Nachrichten über rücksichtslose Ausweisungen jüdischer Ausländer. Auch bei der Einbürgerung müssen sich die Juden eine Ausnahmsbehandlung gefallen lassen. Dies empfinden aber auch die deutschen Juden als Kränkung. Mir können dies, schloß Dr. Klee, nicht ändern, nur mildern. Mer die Oeffentlichkeit kann hier viel tun. Schließlich wird die Freiheit siegen. Amtsgerichtsrat Dr. G o l d.sch m id t, ein jüdischer Richter, erklärte, die Rechtsnot der Juden sei' eine Not des deutschen Rechtes. Ausführlich besprach er das bekannte Urteil des Reichsgerichtes, welches >^Judeure publik"-Schimpfer straffrei ausgehen ließ und dies damit.begründete, daß die Republik mit Hilfe ausländischer Juden entstand^ sei. und daß in ihr die Juden eine vorherrschende Stellung innchaben. Medrrs wandert ins GeMgnls. Dem im Oktober wegen angeblichen Falscheides vom Weimarer Schwurgericht zu fünf Monaten Gefängnis verurteilten früheren Weimarer Oberstäatsamvalt Doktor Frieders, der sich nach der Ablehnung seines Revisionsantrages durch das Reichsgericht in ein Sanatorium im Auslande begeben hat, wo er sich noch aufhält, ist eine Aufforderung der Weimarer Anklagebehördo zugestellt worden, seine Strafe am 21. Fe b r u a r anzutreten. . Die Meldung, daß ein Haftbefehl gegen Frid>erS ergangen sei, hat sich als unwahr erwiesen. Die Wahl des Tages ist insofern auffallend, als am 21. Februar auch der n e u g e w ä h l t e Landtag seine Eröffnungssitzung abhalten wird. Aon der MdksÄen Rationalblblkothek in gemsalem. Förderung des arabischen Dildungswesens durch die Universität. — Reue Bücherspcnden. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Herr Bowm-an, der Leiter des Erziehungsdepartements der palästinensischen Regierung, hielt vor den jüdischen Lehrern Jerusalems einen Vortrag über das Erziehungswesen in den arabischen Regierungsschulen. Am Schlüsse seines Vortrages erwähnte er besonders anerkennend den großen Nutzen, w e l ch e n d i e j ü d i s ch e Nationalunb Universitätsbibliothek den arabischen Schülern d e r. st a'a t lichen Regierungsscminare ö p-MMi, Die' -Schüler, sagte Herr Bowman, werden in der BiMothek immer mit größtem Entgegenkommen ausgenommen und/erhalten die ihnen notwendige Auskunft und d'ier ihnen notwendigen Bücher. Die jüdische National-/und Universitätsbibliothek erhielt von dcm Komitee der Freunde der Universität in Warschau fünf-Kisten mit Büchern. Unter den eingesandten Werken befinden sich Bücher, welche der kürzlich' verstorbene Bibliograph Jakov ben Jakov der Bibliothek Hintersassen hat. Die von der Gesellschaft der Freunde, der Jerusalem-Bibliothek in Berlin übörsändten 50' Bücherkisten sind nunmehr in Jerusalem angelangt. Die Bibliothek erhielt das Archiv der Jewish Territorial Organization. Das Archiv enthält die gesamte Korrespondenz der Gesellschaft und wichtige Dokumente zur Geschichte der nationalen Bewegung. Herr Advokat Dr. M. Elia sch in Jerusalem, der seinerzeit Mitglied der Untersuchungskommission war, welche Sir Herbert Samuel zur' Untersuchung der Ausschreitungen im Mar-1921 eingesetzt hatte, übergab der Bibliothek das gesamte Material, welches er in dieser Eigenschaft , gesammelt Hafte. Denecln krWgk den Organismus — schütz! vor Erkrankungen. Bühne und Kunst. Karl Schönherr Ist 60 Jahre alt geworden. Unter den deutschen Dramatikern der kräftigste, unter /den zeitgenössischen Bühnendichtern ein Ueberragender/Hat er nicht durchaus Gleichwertiges gelu/äff-en, aber jedes Merk trägt sein Signum.*N«ben'Dramendenen Dauerwirkung beschieden ist, wie dw Emakter „Karnerleut", dem meisterhaften Juge dwerk „Erde", he x Bühnmdichtungen „Glaube und Heimat", „Weibst.u e." mid „Kindertrg^odie" (die noch nicht genug gewürdigt Ist), hat Schönherr manches minder geglückte Werk und in den letzten Jahren auch manches mißglückte geschaffen, ohne daß durch diese oder jene „Niete" der Bedeutung seines Gesamtschaffens Abbruch geschehen könnte. In bewundernswerter Selbstzucht ist Schönherr um die letzte Knappheit der Szene und des Dialoges bemüht. Im „Weibsteufel" und der „Kindertragödie" treten drei, in dem fünfaktigen Drama „Es" gar nur zwei handelnde Personen auf. Unerbittlich gegen sich selbst, in Kunstdingeu nur her Forderung in seiner Brust untertan, keiner „Kitströirimrg" oder gar literarische» Mode zugänglich, schwer um sein Schaffen ringend und echt bis in die FjugersplM, gehört dieser Sohn der Alpen zum stolzesten Besitz Oesterreichs. .Wir ati und Weib." Theater m der Josefstadt. Ein -wunderschöner vierter Akt wird in dieser schon gut bekannten Komödie Sacha Guitrys durch recht umständliche drei vorhergehende ' erkauft. Man kann die drei nicht kurzweilig genug spielen, um Zeit und'Stimmung für das dichterisch beschwingte Andante des Schlußaktes aüfzusparen. Die junge Gattin hat, empört Wer Vernachlässigung durch den geliebten, eifersüchtig inquirierten Gatten, einen Rache-Seitensprung gemacht. Schwarz war die Nacht, in der sie's tat, und der Widerpart war es auch — ein ungesehen ins Schlafzimmer beschiedener Tenor, von dem die arme Marguerite nicht ahnte, daß er aus dem Mohrenlande stamme. Nach neun Monaten beschert die rächende Nemesis ein schwarzes Baby. Mr entsetzte Gatte läßt es, noch.'bevor die Gattin, aus per Narkose eyvacht, gegen ein weißes Findelkind eintauschen'.' Teils, um schon vor der beabsichtigten Scheidung die RepMtipn zu wahren, teils - hier Ülngt schon die erquickende' und rührende Melodie des Schlußaktes an um Marguerite zu schonen. Und Jüdisches Künstler-Kabarett 2. Bezirk, Praterstraße 60 Leiter: M* Streng Telephon 43*5-59 Heute''/-; - f Die große jüdische Revue | in 15 Bildern von A. Melsels. Voranzeige I Mittwoch, den 2. März 1. J: Ehrenabend der Herren A. Meise ls (Autor der ersten „Jüd. Revue“) und M. Ros n e r. Zur Aufführung gelangt: „Kaflit&lt OreyfllS*' von A. Meisei. dann ist die Gattin so glücklich mit dem Buben, der „ganz der Papa" ist, ihr Geliebter,. aber-gehörnter Marcel so angenehm beschäftigt mit der Beobachtung des lieben, zappelnden, prächtig gedeihenden Findlings, so tief bewegt und schließlich so überglücklich, weil er die junge Mütter ahnungslos weiß, daß diesfalls sogar ein schwarzer Tenör- und seine Visitenkarte, das Mohrenkind, ein Ehepaar zu schönster, ungetrübtester Vereinigung brachte. Die Vorbereitung jener nächtlichen Affäre währt in der Josesstadt zu lange und jene Austauschprozedur sogar ' viel zu lange. Die Zartheit, die Wärme, die in dieser Aufführung die Schlußszenen erfüllt, entschädigt. Wundervoll/ wie H e r m a n n T h-i m i g den Ehegatten spielt, wie alle Konvention, alle Eitelkeit und Empörung des Mannes über'ehelichen Betrug hinschwindet, weil die Sonne der Liebe aufging. Lili Da r v as hat einen ganzen Akt lang ' sitzend Dialogen führen. Wenn ihr rassiges Temperament nicht kaschieren darf, merkt man's zu stark, daß sie-die. deutsche Sprache nicht beherrscht. Ein Meister absichtslos pointierten, federleichten Raisonements ifi: Herr Lovric geworden, und in Episoden sind die Herren Fried el5 und Moser sehr lustig. O. A. An« den Walern. Burgtheatcr. Morgen, halb 6 Uhr, „Wennder junge Wein blüht". < ■ Operntheate-r. Morgen, 7/ Uhr, „Der . Rosenka val rer. K a m in e r s p r e l e. Sonntag,' uni halb 12 Uhr vormittags, fiTpjbct in den Kammerspielen eine Tanzmatinee Ellinor Toro i s statt. . S t ad t thea t e r. Morgen, Freitag, findet im -Stadttheater die 2<X). Ausführung der Revue „Wien lacht wi eder" statt. Im Rahmen dieser Festvorstellung erfolgt ein einmaliges Auftreten von Josma Selim,und Ralph Benatzky. " W ie n.e r . B ü r g e r.i. h ea t & r.- Heute gelangt.die/ neu einstudierte Operetten-Revue s,J o u r na'l' de r L re tz'e" -rur Ausführung. Beginn halb 8 Uhr. .. Lustspieltheate r. Morgen, Freitag, findet die Erst- - aulführung des amerikanischen Sensatiousstüües „Fl ü- - sie r u d e D r-ä h te" von K. .L. Me. Laurin statt. . .. Modernes Theater. Heute Erstaufführung . von Wedekinds Schauspiel „S ch l o ß W eYt e r st e i n". . Effie — Frau Eddie PePPler als Gast.— Im Nähmen der Nachtvorstellungen finden. Freitag,' den 2ö.,. Samstag, den 26. - und Sonntag, .den 27. Februar. Aufführungen von ,tLord S P l e e n", „D i e Peitsche und'. „L a uf d o ch n ich t immer nackt heru m", statt. Beginn präzise '1ÖÜ ‘ Uhr nachts. ' . - Hakoich-Orchester. Wb. Sonntag stehen den Mitgliedern 3. Celli und 3 Kontrabässe (vorläufio ohne Bogen) .zur Äersügung. Bei der am Mittwoch den 2/ März d. I. im Cafe Esplanade, Wien, 9. Bez, Alserbachsiraße,- von der ' Sektion Brigittenau veranstalteten Akademie, beteiligt sich das Orchester mit einem Streichquartett, einem humoristischen Bläserquartett. Gesangs- Vorträgen (Frau Schladmich) und Dboe'-Solovortrügen (Herr Dr. Seidner). — Die Sektionsleitung hat Herrn Mrlo Offner in den Ausschuß kooptiert. Unter dem Patronat des Oberkömtnissärs Plumer. Wie die I. T. A. aus Jerusalem meldet, hat. der Oberkommissär Lord Plumer das Protektorat der Jerusalemer jüdischen Musikschule übernommen. Vereine. Borirgge nnd Bersammlurigen. Volkshochschule Brigittenau (Volksheim), 20. Bez., Strom» straße 78. Beginn des Sommerhalbjahres mit folgenden Kursen: 7 Uhr: Geschichte des Sozialismus, mit Besprechungen; Deutsche Dichtung der Neuzeit, mit Besprechungen; Stenographie für Ansänger und Vorgeschrittene; Gesangskurs; Elektrische Kraftwerke;' Bau und Leistungen des menschlichen Körpers. 8 Uhr: Allgemeine Gesundheitslehre. — Volkshochschule Leopoldstadt (Volksheim), 2. Bez, Zirkusgassc 48. Beginn des Sommer- HalbjahreS mit folgenden Kursen: 6 Uhr: Englisch; GesangslurS. 7 Uhr: Englisch 2; GesangskurS; Französisch; Soziologische Besprechungen; Französische Konversation; Deütsche.. Sprachlehre; Entwicklungsgeschichte des Menschen; Goethes Faust; Höhere Mathematik. 8 Uhr: Französisch 2; Ethische Fragen; Deutsche Dichtung; Kulturgeschichte. — Wiener Bet-Hamidrasch, 2. Bez.. Tempelgasse 3. 6 Uhr: Lektor Dr. S. Gelbhaus: Historische Psalmen. — Zionistische Mädchengruppe 6—8, 8. Bez., Bennoplatz 1a. Heute, 8 Uhr abends: Votlrag: Ernst H i Hinge r: Juden im Sport. — Zionistische Bezirksseltlon Leopoldstadt. Heute, 8 Uhr abends: Bortrag: Dr. K lab er: „Soziale Arbeit der Wiener Juden", r- Kulturamt des zionistischen Landeskomitees. F ü h r e r k u r s. (9. Bez., Mähringerstr. 15.) Heute, Mt—Mid Uyr Hebräisch; Ji9 Uhr Dr. Ge l ber: „Vorläufer des Zionismus. Moadon iwri. (6. Bez., Zlr-kusgasse 33.) Samstag, Uhr: Vortrag Dr. A. Pirnbaum: „Der Werkbegrisf in der Bolfswirtschastslehre." Zusammenkunft der Ksren-Kajemeth-KommissäriMe». Dienstag, den l. März, halb 6 Uhr nachmittags, findet eine Zusammenkunft der Mitarbeitcrintten des Keren Kajetpeth statt. Tagesordnung: 1. Bericht über die Situation fy Erez Israel. 2. Stand der Keren-Kasemeth-Arbelten in Oesterreich. 8/Vorführung der neuesten Palästinalichtbilder: „Die Frauenarbeit!m Lande".

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