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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-24 · Heft 2871 (24.2.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2871 (24.2.1927)
Date
1927-02-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. SS71 Wien, Donnerstag WLr«ee M»»s*«zettrt«s 84. Keömar 1SS7 Seite 5 Siae Amajoae. Fernab vom lauten Getriebe der Well ist vor kurzem in aller Stille ein tragischer FreiheitSkampf zu Ende gegangen. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben die philippinischen Moros besiegt und ihren Häuptling Da tu Tahil zur Uebergabe seines letzten „Forts" gezwungen. Ein Krieg im völkerrechtlichen Sinne war das freilich nicht. Die UankeeS konnten sich leisten, daS ganze 'l»waffnete Vorgehen als Polizeiaktion zu frisieren. Und doch: Feuerwaffen und Gasbomben gegen die Dolche (Kris) der Eingeborenen. Jahrhundertelang haben die MoroS den Spaniern gegenüber Ihre Freiheit gewahrt. Jahrelang machten sie jetzt den Amerikanern zu schaffen. Immer wieder mißlang es dem Gouverneur, General Leonard Wood, sich ganz durchzusetzen. Die Eingeborenen hielten fest zusammen. Mehr als eimnal wurden auch Frauen Im Kampfe getötetz was im Kongreß in Washington gelegentlich sogar Übel vermerkt wurde. Auch diesmal sagt der ,Kriegsbericht", daß bet der Erstürmung des Fort Tahil 37 Moros fielen, Darunter sechs Frauen". Unter den Amazonen — wie manche wissen wollen, sogar alS Seele des Endkampfes — befand sich eine j u n c Dame mit Bubikopf und akademischer Bildung. Sie hat an bcc Columbia-Universität mit Auszeichnung studiert. Nebenbei war sie bei ihren Kommilitonen und Kommilitomtnnen als zigaretlenrauchende faszinierende Schönheit berühmt. Jetzt ist sie in die Hände der Amerikaner gefallen. Mit dem krummen Kris hat sie bis zuletzt mitgekämpft. Kurz vor dem Eindringen des Gegners gelang es ihr, in den Dschungel zu entkommen. Aber sie genoß die Freiheit nicht lange. Die Poli-ei faßte sie. Wer ist nun die bubiköpfige Amazone, die fast schon ihren „Doktor gemacht hatte- Prinzessin Ta har ata, die Nichte des Sultans von Sulu, der südlichsten Inselgruppe der Philippinen, die Frau des tapfer i * Häuptlings Da tu Tahil, dem sie sich vor drei Jahren vermählte, als die Sehnsucht nach den Philip.. 1 rischen Bergwildnissen stärker wurde in ihr als das Kulturlcdürfnis nach Universität und akademischen Würden; die Sehnsucht, die sie damals zurücktrieb in ihre Heimat, der sie seither auf verlorenem Posten, aber als tapfere Freiheits^mpferin, gedient hat. Nun folgt sie ihrem MaMe in die Verbannung auf eine Strasfarm. Wien, 24. Februar. DaS Wetter. Die vom Westen her emgevrochene Föhnströmung hat »ine Temperaturzunahme bewirkt. Auf den Bergen ist Tauwetter elnget.eten. Die Vorhe rsage lautet: Temperaturzunahme, starker Föhn, Lawinengefahr. TodeSsaU. Hier ist am 16. d. M., der pensionierte SchulLirektor Emil Sch u tz aus Sahbusch (Zhwiec), im 74. Lebensjahre gestorben, der als tüchtiger Pädagoge vier Iah'zehnte h.nduvch an der dortigen jüdischen Gemeindeschile gewUN hat. Be» der am 18. d. M. stattgefundenen Beerolsnng, an welcher ein Kreis ehemaliger in Wien wohir-Lsier Schüler lellnahm, wurden von Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz «und Prof. Dr. B r o n n e r die Verdienste des bedeutenden Lehrers gewürdigt. Das Leichenbegängnis des Taubstummenlehrers Weitzmanvr. Gestern fand unter großer Beteiligung das Leichenbegängnis des am 20. d. M. verstorbenen Hauptl«hrers des TauLftummemnstitutes i. R. Herrn Maximil.vn Weißmandl statt, der sich in seinem schweren Beruf, den er 34 Jahre an Anstalt ausübte, große Verdienste und Anerkennung erworben hat. Nach der Tra. erfunktion durch Herrn Oberkantor Arthur Lew in unter AMteniz eines Quartetts entwarf Herr Rabbiner Dr. Mehrer ein BiD der Charaktereigenschaften b«S Verstorbenen und seines verdienstvollen Wirkens.- Hierauf ergriff Schulin speltor Bros. Dr. N e d i s ch i.m Namen des Vorstandes der Kultusge-meind« das Wort und würdigte d:e Verdienste» die sich Weißmandl um riesen schere re n Beruf envarb. Lehrer D. Stein bach sprach im Namen der Lehrer ergreifend« Worte des M'ichie« des. Die zahlreiche Be eiltgr ng bewies, welcher Wertschätzung sich der Verblichene allseits erfreute. Der Hinterbliebenen gre'istn Mutter und der schwergeprüften Gattin Luise, mit der er in fast' Ajühriger glücklicher Ehe leb e sowie seinem Vruder Herrn Dertho-L) Weißmandl, erster Sekretär ver israelitischen Kultusgemeinde in Karlsbad, wendet. sich die allgemeine Teilnahme zu. Doppelfelbstmorb eines Ehepaares. G.siern mittags wurden der 4Sjähriae Bauindernehmer Leopold Czechert und seine 46jä'hrige Gatu'n Berta in der mit Leuchtgas erfüllten Wohnung tot aufgefunden. Gegen Czechert waren bei der Polizei mehrere BetrugSanselgen ersta.tet worden. Die Summen, um die es sich handelte, waren beträchtlich. Wahrscheinlich hängt der S-oMmovr» mit den gegen chn erstatteten Anzeigen zusammen. Czechert und seine Frau haken vor der Tat nicht weniger als 22 AbschstidSbriefe geschrieben. Den Bric'fen an die Verwandten lagen W Pfandscheine bei. die sie aber nicht übernommen haben. Reue Doppelpost'karten. Aus Anlaü der am 1. Dezember 1933 in Wirksamkeit getretenen Erhöhung ter Dostge^ühren für Bsstkartrn im inländif:l.en, sowie im Verkehre nach Deutschland und der Freien Sta^t Danzig werden neue Doppeipostkirten zu IQ und 10 Groschen ansgegeben. Sie zeige» die Postganz« sw-henmarke und den Vordruck ln orange-rot-brauner Farbe; in der linken oberen Ccke der Anschristseite tst der neue Vordruck „Absender:" angebracht. Die Ausmaße und die sonstige Aussiatt"ng sind unverändert geblieben. Die gegenwärtig im Berkeh e stehen' en Doppe^posikarten zu 8 und 8 Grossen behalten vis auf weiteres ihre Gültigkeit; sie können unter Aufhebung von Briefmarken zu 3 Groschen verwendet »erden. Nennweg (nördlich von Gmünd in Kärnten) noch gefühlt worden zu sein. ES ist daher zu vermuten, daß noch an anderen Orten Süd- und OstkärntenS utu der Südsteiermark dieses Beben, wenn auch nur sehr schwach, gefühlt worden sein dürfte. Zusammenstoß zweier Straßenbahnzüge. An der Ecke der Wallensteinstein« und Klosterneuburgerstrahe sind gestern nachmittags zwei Füg« der Straßenbahnlinien „3" und „16" zusammengeftotzen. Hiebei erlitt die 36jährige Arbeiterin Rasa Nowak «ine Nervenerschütterung. Diebische UniversitätSkaborante«. Vor einiger Zeit wurde dem Polizeikommlssariate angezeigt, daß tnt Institute für allgemeine und experimentelle Patologie ein Mikroskop Im Werte von 600 Schilling abhanden gekommen sek. Au-li schon früher waren an diesem Institut wiederholt Diebstähle vorgekommen. Jetzt konnten als Täter die zwei Laboranten, der 30jährige Franz Winkler und der 28f äh ige Friedrich Waan er festgenommen werden. Durch die Erhebungen wurde festgestel t, daß beide Laboranten im selben Institut eine Fernrohrlupe, vier Mikroskope, eine Mikroskoplamve. drei Schachteln mit Schnittpräparaten, verschiedene Bücher und ärztliche Instrumente gestohlen haben. Sie wurden dem Landesgerichte eingeliefert. Das erste TreMßch-Sachturnler. Im Wiener Scha hklub wird demnächl das elfte Leopokd- Trevitsch-Gedenkturnier veranstaltrt. Die Nennungliste lveist die folgenden Namen auf: Ernst Grünfeld, Professor Becker, Beutum, Professor Dr. Gruver, Baldur SSnlinger, Lewit, Lokvenz, Hans Müller, H. Weiß, Siegfried Reinald Wolf (sämtliche in Wien) und Ludwig Steiner (Budapest). Der Warschauer Goldschatz. Nack) einer Warschauer Dlättermeldung h't s'ch herauSaestellt, daß der im dortigen GenerakstabSgebände gefundene angebliche Schatz nicht aus Goldstangen, sondern aus Stangen einer Legierung von Kupfer und Silber best tjL Uebertritt einer russische» Generalstachter zum Jndentum. .Der „Bester Llohd" meldet: Die Tochter des ehemaligen ruMschen Generals Ruzski ( eZ Eroberers von Lemberg), die zurzeit mit ih.er Mltter in Warschau weilt, lat tn Warschau mit dem Zi on tst en Dr. David sohn die Ehe geschlossen. Die Generalstv.' t:r ist vor ih.er Trauung zum Judentum übergetreten. Bemerkenswert ist, daß die Großmutter der Ruzski Jüdin war und bei der Eheschließung mit einem russischen Beamten den griechischorthodoxen Glauben angenommen hatte. Der Mann der Caruso entdeckte. Giuseppe Cavallaro ist soeben in Catana gestorben. Er war Gesangslehrer und hatte Caruso, Galesft, Cardinali und Tita Rufio entdeckt. Ein Schrei, ein Ton, ja ein Wort genügten ihm, um die Schönheit einer Stimme zu führen oder zu ahnen. So fand er Galeffi, als er mit einein Kameraden im Chor sang, »'.ruso, da er seine Netze aus dem Meere zog und den Refrain eines BolkZliedes summte, und Cardinali, da er ihn einem PolizrilLmmlssär langsam antworten h'Z.te, ver ihn als Anarchisten de.h stet hatle. ES scheint, daß die Könige des Gesanges alle sehr nndaEar waren, denn ihr Entdecker statb im Eleno. Giuseppe Cavallaro ist 70 Jahre alt geworden. Die Königin und die Mumie. Eine absonderliche Begegnung hatte die Köni'in vrn England, als sie dieser Tage daS Universith College in London besuchte. Sie wußte nichts von dem unheimlichen letzten Willen eines der Gründer der Lch.anstalt, des Jeremh Be nt ha m, der seiner Schule eine große Summe Geldes vermacht hatte unter der Bedingung, sein Leichnam müsse einbalsamiert, ausgestopft und gekleidet werden, damit er auch noch «5.ch seinem Tode einer jeden Konferenz der Professoren beiwohnen könne. Dieser Wunsch des Toten wird velnsich 'iea fitet. Als sich die Lchrer um die Königin scharten, wurde also auch d'e Mumie tn einem Rollstuhl, in den Saal gefahren und die Herrscherin sah mit Cc-recken nnd Versounberung in die starre Maske des Toten, der gekommen war, sie zu begrüßen. Um besten sind doch die Ceschka-hote m, RtMriMH »I WISN «„ Abwitral* H OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOQOOOOOOOOOOOOOOCXX) ihn weiblicher Kaspar Hauste. In der Stadt Memphis im Staate Tennesih ist ein Mädchen gefunden worden, das sechzehn Jahre lang einsam und allein in gtnem dunklen KeNer zugebrachr hat. Arbeiter hoben einG Graben Inder Nähe eines Kellers aus und entdeckten bei dieser Gelegenheit in ihn ein menschliches Wesen. ES stellte sich heran-, daß dieses Wesen ein Mädchen war, daS verkrüppelt geboren, von seinen unmenWlichen Eltern ans Anst vor dem Spott der Nachbarn in diesem Keller versteckt Warden war. Abs man sie fand, war sie sochzelm Jahre alt, drei Fuß groß und nur 23 Pfund icl-wer. Die Eltern wurden in Strafe genommen und das Kind in das Hospital zu MempW gebracht. Die Aevzte sind der Meinung, es würde noch mindestens zwanzig Jahre leben können, aber bis an ihr Ende hilflos und blödsinnig bleiben. Die Grabsteine auf de« Diener jüdischen F-ricvhöfen. Auf dem alten israelitischen Friedhofe in Währing und auf der israelitistljen Abteilung ves Zentralsriedhofes sind zahlreiche Grabsteini im Lause der Jahre Versal len. An die Angehörigen der dortselbst Beerdigten ergeht daher von der Kultusgemeinde das dringende Ersuchen, in Erfüllung jüdM;er Pietü'tSpflicht für die Instandhaltung dieser Grabsteine Sorge zu tragen. Nähere Auskünfre erteilt das trie hosamt der israelitischen Kultusgemeinde Wien, 1. Bez., ieitenstettengasfe 4, 1. Stock. Semesterfchlußfeier im Jüdische« Zentrum, 2., Bez., Untere Augartenst-raße 35. Samstag, den 26. d. M., halb 8 Uhr abends, findet die Semester-Schlußfeier 1926/27 im Jüdischen Zentrum mit dem Bortrag Overrabbiner Prof. Dr. Z. P. Ohajes über: „Die älteste Judengemeinoe Europas" statt. Den Tätigkeitsbericht wird Dr. Isidor Klaber erstatten. Eintritt nur gegen Einladungen. E Der bekannte Restaurateur W. Spritzer vom Restaurant ..National", 2. Bez., Taborstraße 16, har am Dienstag, den 22. d. M., das vollstär.drg renovierte Koscher-Restaueant „Zitahof", 7. Bez., Mariahilfer-stratze 88a, eröffnet. Dieses auf Las M-odernste und mit allem Komforl auSgestatte.'e Etobasfement hatte schon am Eröffnungstage zahlreiche distinguierte Gäste aufzuweisen, die von der Erlesenhert der vorzüglichen Wiener und orientalischen Küche sowie von der pemklchen Sauterkeit. exakten Bedienung und von dem ungemein anheimelnden EirNruck des SpeifesaaleS entzückt waren. Herr W. Spritzer, dessen Betrieb im Restaurant „National" unverändert weitergeführt wird, wird sicherlich ba(d auch in Manahilf einen großen Gästekreis gewinnen. E Das Bärenglück wieder bei Beermann! Den ersten Haupttreffer der 3. Klasse S. 60.000 auf Nr. 85224 gewannen die glücklichen Kunden der Geschäftsstelle Brüder Beermann, Wien, 1. Bez., Rotenturmstr. 13. 8 Satioan. Es war von jeher der Wunsch der Menschen, keine Beschwerden im Alter zu haben, und die Veränderungen, welche das Alter hervorruft, möglichst ferne zu halten. ES bestand hinwieder von altersher der Glaube bei den Dölkem, daß im Knoblauch eine besondere, die Gesundheit erhaltende Kraft wirke. Und tatsächlich bestätigt die Wissemchaft diesen alten Volksglauben. Die Ergebnisse ver Versuche und der Studien mit dem neuen und setzt vollwirksamen Knoblauchpräparate, dem noch Geschmack verbessernde und in der Wirkung erg«nzende Mittel zugesetzl werden und das unter dem Namen „Sat i v a n" schon allgemein anerkannt und erfolgreich eingeführt ist, sind die vorzüglichsten. Sowohl gegen Beschwerden, beginnender als auch schon entwickelter Alterserscheinungen, gegen Störungen, die durch den Weck/el bei Frauen hervorgerufen werden, zeigt das Präparat günstige Wirkung. Das Mittel ist in Originalpackung in allen Apothken erhältlich! •,r i ■5t Sie haben nicht mehr viel Zelt wann Sie aus der Prämien-Aktion der «Wiener Morgenzeitung* die herrlichen Geschenkwerke erhalten wollen, die für Jahres« und Halbjahresabonnenten ausgesetzt sind. Nur noch bis 31. 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Gebd. ca. 400 Seiten 9£ewwnmun &t*u€lk DAS OSTIÜD1SCHE ANTLITZ. 52 Meisterzeichnungen Text von Arnold Zweig ffz>parim DAS SCHÖNSTE JÜDISCHE SAGENBUCH 400 Seiten in modernem Leinenband. Erdstöße in den Alpenländern. Am 19. Februar wurden,, wie die Zentralanstalt für __.......;r HerzeaMr am 1\ Februar Mrt auf öste.rei hischrm Bo^en, und zwar (L " "" in T a m S w e g (Land Salzburg, oberes Murtal) und in Da» Jahresabonnement der «Wiener Morgenzeitung* kostet für Oesterreich SW." und S 1.50 Portospesen m S 61.50, fOr «Ile Übrigen Länder das ZwO'ffache des am Kopfe des Blattes angegebenen Monatsbezugspreises, zuzüglich Partopesen von 8 2.50 im Gegenwerte der. betreffenden Landesvaluta. Die »Wiener Morgenzeitung* kann ln Wien In jeder T»afik bezogen werden

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