Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1927-02-24 · Heft 2871 (24.2.1927) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2871 (24.2.1927)
Date
1927-02-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2981905-2981959--29193-3017299
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wiener Morgenzeitung 24. Februar 1927 Nr. 2871 Sefts 4 -o.cn, Donnerstag Sie Wischen Forderungen an die Palästina- Regierung. Na SesprSch mit Colonel Wedgwood. (Bon unserem Fvankfmter P. A.-Berichterst«ttrr.) Don Wien kommend, hielt sich der englische Arbeiterführer Colorr-cl Wedgwood auf der Durchreise nach London euren Tag in Frankfurt a. M. aus. Dieser Aufenthalt war unerwartet. Daher war ein Zusammensein mit den Frankfurter Zionisten nur in einem engen Kreise angesehener Persönlichkeiten möglich. Die maßgebenden Tageszeitungen waren durch ihre Chefredakteure bei dieser Zusammenkim ft vertreten. Colonel Wedgwood gab einen Bericht über seine Eindrücke in Palästina. Er sprach sehr hoffnungsvoll über die künftige zionistische Arbeit; dabei hob er die bisher erreichten Erfolge hervor, machte aber darauf aufmerksam, daß der j ü d i s ch e B o d c n b e s i tz n o ch v i e l z u g e r i n g s e i, da er nur ein Znangigstel des Gesamtbodens betrage, während die Juden mehr als ein Fünftel der Gesamtbevölkernng Palästinas bilden. Wedgwood ist der Ansicht, daß aus staatlichen Mitteln eine Land bank geschaffen werden müsse, die die Aufgabe des Landankaufes habe. Die hiefür mobilisierten Gelder seien durch den zu kaufenden Boden gesichert. Als stärksten Eindruck seiner Reise bezeichnet Wedgwood das Bild, daS ec vom jüdischenKindinPalästina erhalten hat. Dieses jüdische Bauernkind hätte auf ihn den gesündesten und urwüchsigsten Eindruck gemacht. Wegen der Deziehimgen zwischen Arabern und In den hegt Wedgwood keinerlei Befürchtungen, da die jüdische Kolonisation sehr zmn Vorteil der Araber wäre. Der Gegensatz iväre hauptsächlich von einer kleinen avabischen Oberschicht erzerigt. Redner wünscht ein dauerndes Bündnis zwischen Juden und Engländern und ist davon überzeugt, daß das englische Volk in allen seinen Schichten es ehrlich mit dm: Palästina- Aufbau meine. In seinen Schlußausführungen kam Wedgwood auf die vorhandene Isolierung des palästinensischen Iischuwzu sprechen. Die Juden müßten mehr als bisher als palästinensische Bürger empfinden. Dies gab in der anschließenden, sehr anregenden Ans'prache Ihrem Korrespondenten Gelegenheit, an Colonel Wedgwood einige Fragen zu stellen, denen Beantwortung allgemeines Interesse verdienen dürfte. Ihr Berichterstatter fragte Wedgwood, ob diese geistige Isolierung des Jischuw nicht eine Folge des palästinensischen Regierungssystems sei. Es würden sehr viele Aufgaben, die dem Staate zufallen, derzionistischenOrganisation überlassen. Dadurch würde die zionistische Organisation gewissermaßen zu einem Staate im Staate und die Juden bis zu einem gewissen Grade an der Arbeit der Regierung desinteressiert. Dies zeige sich im Schulwesen, im Scmitätswesen und auch in der Frage des B o d e n e r w e r b e s. Wedgwood antwortete, dies müsse zugegeben werden; alles dies seien Aufgaben, die der Regierung zufiölen. Auf die weitere Frage, warum dies bisher noch nicht geschehen sei, glaubt Colonel Wedgwood antworten zu müssen, daß dies wohl zum Teil in dem Verschulden der zionistisch e n P o l i t i k begründet liege. Diepalästinensische Negierung würde doch wohl nur so viel geben, als man intensiv von ihr fordern würde. Colonel Wedgwood hat den Eindruck» daß jede Regierung sich nur'zu den Zugeständnissen hergrbt. zu denen sie durch intensiven Druck veranlaßt wird. In diesem Zusammenhang verwies er auch aus die Passiihn wundervoll, beseelts ihn mit Plänen. Heim-gekehrt, ging er sofort an «die Arbeit. Am tiefsten, am inni-g>sten hinig er an der breiten, jüdischen ar«beit«n-den Masse, von der er für die Zukunft alles erhoffte. „Von da aus werden wir genesen", pflegte er zu sagen, „hier schlummern ungeahnte Kräfte und Möglichkeiten." Mit seltener Fein- Dhlvg'keit empfand er ihre Not, ihre Sehnsucht. In den letzten schweren Zeiten war er bestrebt, nur Fröhliches, Helles zu schaffen... * Es war inn Veth-Am. Ter „Engel-Vbend", eine Auswahl seiner Kompositionen, lockte Tausende herbei, um die so vertrauten Klänge zu genießen. Nach dem zweiten, heiteren Teil, als, der Jubel nicht enden wollte, sagte mir Engel: „Wie stark und unverdorben muß man sein, um trotz der Tücke des Schicksals so ganz in Freude und Klang cmfig'Shen. zu können. Ich möchte fetzt gerne eine komische Oper komponieren. Etwas Leichtes, Sonniges. Wollen Sie -mir vielleicht ein Textbuch dazu schreiben?" Das Textbuch für die erste, jüdische Buffo-Oper schuf der hebräische Dichter Awigdor Hame-iri. Einige Tage vor Engels Tode legte er die vollendete Arbeit in seine Hände. Glückselig vertiefte sich Engel sofort in das Werk. Und gerade jetzt, auf der Höhe der Schvffenskraft, als ihm das Leben s-o schön, so reich schien — gerade jetzt mußte das glühende, starke, liebevolle Herz verstummen. . Wir find ärmer geworden^ Es ist so trostlos, so schwer. vitat der Palästina-Regierung Bel der Vergebung der Deisan-Böden an die Araber. Diese Böden würden heute um teures Geld an die Juden iveiterverkauft. Ueberhaupt zovgt Wedgwood eine sehr stark kritische Ei nstellung gegenüber den Regierung-Methoden in Palästina. Nahum Sokolov beim Präsidenten Loumergue. Paris, 22. Februar. <J. T, A.) Der Präsident der Weltexekutive der Zionistischen Organisation, Nahum S o k' l o w, wurde vom Präsidenten dar französischen Republik, Herrn Doumergue, in längerer Audienz eiupfangen. Herr Sokolow erörterte mit dem Präsidenten Doumergue die aktuellen zionistischenProb l e m e. Wyndham Dredes über feine klnbrüüe ln Polen. London, 2J. Februar. Bei einem Empfang der Zionistischen Onganifation berichtete Sir WynLha.ni D e e d e s Wer seine Reise durch Polen. Er erklärte, im allgemeinen werde der Jude in diesem Lande in eine Stelln'Ug der Mißachtung gedrückt, dem Zionismus aber bringt man Ack «tunst entgegen. Die polnisch.' Regierung stand der zionistischen Bewegung bis vor kurzem sympathisch g-gewüber, weil sie immer mehr Juden ans Polen herausholte. Nun aber wurde sich die Negierung darüber klar, daß gerade die besten Juden Polen verlassen. Ferner wird befürchtet, daß der Zionismus ein« Stärkung des nationalen Minderheitspringips zur Folge haben könnte. „Diese B.>iiii>rchtu-ng konnte als Kons-egueng meines Besuches in Polen z-erstreut werden. Es läßt sich nielit Voraussagen, wie lange di« g-genwärtig« g-ünst'-ge Haltung der polnischen Regierung gegemilö'er dem Zionismus andauern werde. In einem gewissen Maße ihän-g-t dies von den Zionisten Polens selbst ab." Die wirtschaftliche Lage der Inden in Polen sei eine sehr traurige. In England habe er nie eine so tiefe Armut beobachten können. Aus vielen Tät'gkeitsgc«bie!en sind die Inden ausg« «schlagen. Auch aus dar Industrie werden sie allmählich gang hinausgadrängt. Ihre Hoffnung. i ft E st g l a n d. Das engil'sche Volk möge sich verg^gÄ'.wärt'gen. daß es durch di« Balfour-Deklaration dem britischen Rüche 15 Millionen Juden hinLugeft'igt habe. Das jüdische Volk g'bt das Beispiel einer staatstreuen Devölkeru-ng bei Wahrung der eigenen Individualität. Das Best.hen eines jüdischen Naiion-aHeimesin Palästina -werde für die ganze Welt vc«n un-endlichem Werte sein. Ser ametifanififc-iliblfdje Kongreß. Wa,hing ton. 22. Februar. (I. T. A.) Die neue Session des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses wurde, wie bereits berichtet, in Anwesenheit von über 409 Delegierten aus allen Teilen Amerikas, eröffnet. Ten Vorsitz führte der Präsident Tr. Stephen S. Wise, der im Eingang seiner Rede die antijüdischrn Exzesse in Rumänien und die Bedrückung der rumänischen Juden scharf verurteilte. Tr. Stephen S. Wise und Richter Julian W. Mack machten dem Kongreß den Voeschlag, sich an der im August 1927 in einer europäischen Stadt abzuhaltenden Konferenz für jüdische Rechte durch Entsendung einer Abordnung zu beteiligen. Diese Konferenz soll in London stattfindm. Ter Abgeordnete des polnischen Sejm Dr. Grünbaum hielt auf Einladung des Kongresses einen Vo.trag über die wirtschaftliche, kulturelle und politische Lage der Juden in den Ländern Osteuropas und bezeichnete es als notwendig, daß die amerikanischen Juden ihre Bemühungen, die Rechte der nationalen Minoritäten in Europa zu sichern, erneuern. Ter Kongreß spendete ihm reichen Beifall. Keine rvsfilche kiareUebewWmng Mr einen Beriecht« der Krlm-Koloniiation. Der Herausgeber der blewyo.ser „Jetvi'h Tribüne" Hermann Bernstein 'ist auf einer 'Studienreise du uh Palästina Ui.7, Europa 'begriffen u'.7d beabsichtigte auch, nach Rußla'd zu reifen. Sein Gesuch um 'Einreisebewilliguniz wurde "iöch, wie schon ftüh'er einmal, von der Sowjetregierung ab ge wiesen. Diese Haltung der Sowjetbehörden ist deshalb von besonderem Interesse, weil Bernstein von Anfang an zu den verläßlichsten Stützen des russisch-jüdischen Kolonisationsprojektes gehört, das er in allen ihm zur Verfügung stehenden Buttem propagierte. Neu eiutteten-e Atuurneuten erhalten die bisher erschienene» Fortsetzungen unseres Romans „Jude an- Kreuz" kostenlos uachgellefert. Sfr Kampf um Schanghai. rer Senenlstreir. - fttin neuer MAnlall. Schanghai, 23. Februar. Die Streikbewegung in den ausländischen Niederlassungen bauert unverändert fort. In der Nacht von gestern auf heute ereignete sich kein Zw schenfall. Suntschuanfang ist weiterhin Herr der Lage, doch zeigt er ziemlich wenig Energie. Tie französischen und die übrigen internationalen Behörden stehen in enger Verbindung miteinander und verständigen sich betreffs aller für den Schutz der europäischen Interessen zu ergreifenden zweckmäßigen «Maßnahmen. Sie meutecitSen stannnentote besetzt. London, 23. Februar. „Evenittg Standard" meldet aus Schanghai, daß die chinesischen Kanonenboote, die gestern gemeutert urrd die Stadt beschossen haben, von regulären chinesischen Truppen beschlagnahmt worden seien. Tie meuternden Matrosen hatten während der Nacht die Schisse verlassen. FrnnzSWe Trupsenlandunuen. Paris, 23. Februar. Dem „TernpI" zufolge haben die vor Schanghai liegenden französischen Knegsschiisse mehrere Kompagnien annamitischer Infanterie an Land gesetzt. Die französisch-rn Behörden in Schanghai haben Instruktionen erhalten, wonach es ihnen gestattet wird, von den Waffen Gebrauch zu machen, falls die Ordnung in der französischen Konzession gestört werden sollte. Vorher sollen jedoch die ch inefischen Behörden verständigt werden. Die engllsche Note an Rußland. London, 23. Februar. (Reuter.) Es wird berichtet, daß das Kabinett heute vormittags in einer längeren Sitzung über den Entwurf einer britischen Protestnote au Rußland beraten habe. Wie Reuter weiter erfährt, erklärt man in zuständigen Kreisen, es sei unmöglich, irgend etwas über irgendeinen Notenentnmrf milzuteilen, außer, daß die ganze Frage das Kabinett beschäftigt. ru Men Saionik's aeiea den Numerus tiOUlUS. Alls Saloni k i wird uns berichtet: Am 20. d. M. veranstalteten 20 jüdisch« Organisationen Salonikis, samt« der Verein griechischer Journalisten eine von vielen Tausenden besuchte Protestversammlung g.gen die Rumerus-clausus-Bcwcgung in verschiedenen Ländern. Die einstimmig gefaßte Protestresolution wurde an die griechische Negierung, die Gesandlschaften Ungarns, Rumäniens und Polens, sowie an den Völkerbund gesandt. Die gesamte griechische Presse widmet der Aktion lange Av tikel........ .... Feiern für Eordon und Truuipeldor. Sonntag, den 13. d. M., fand in dem überfüllten Saale des Jüdischen Zentrums anläßlich der Wiederkehr des Todestages der beiden berühmten Arbeiterführer A. T. GvrLon und I. Trumpeldor eine gvoße hebräische Feier statt, veranstaltet vom Oesterreichischen zionistischen Landeskomitce gemeinsam mit der Hitachduth. Die Feier wurde von dem Kulturreferenten des zionistischen Landeskomitees Herrn Tr. David Rothblum mit einer prachtvollen hebräischen Ansprache eröffnet, in welcher er Ach ad H a am dm Propheten der Wahrheit und A. D. Gordon den Prophetm der Arbeit naunle. Er sagte, Gordon sei der Schöpfer der „Religion" d.r Arbeit gewesen, deren Gesetze er mit Grabeisen und Pflug durch 20 Jahre in die Felder Ercz Israels schrieb. Tie Gedenkrede hielt Herr Oberrabbiner Dr. C H ajes. In eindrucksvollen Worlm führte er aus, daß A. D. Gord-on der eigentliche Schöpfer des opferwilligen Pioni-rtums gewesen, daß wir vor allem ihm den heutigm Typus des mutigen idealen Hechaluz verdanken, ohne dessen Ideal und Opfer wir uns den Aufbau überhaupt nicht vorstellen können. Gordon war sein geistiger Vater. Er kam als Mann von großem jüdischen Wissen, wofür seine hinterlassenm Schriften Zeugnis ablegen. Nach diesen ergreifenden Worten rezitierte Frau Mirjam H ö fl i ch - S ch n a b e l die Heroika von U. Z. Grünberg. Opeinsängcrin Frl. Mina Haber sang hebräische Lieder. Tie Gedenkrede über Trumpeldor hielt in ausgezeichneter Weise Herr M. Ungerfeld. Zuletzt spielte der junge Violinvirtuose Albert Lang, begleitet von Frau Strasser, eigene Kompositionen. TAU5ENDE un’eter Abonnenten haben bereits Pränuc TAUSENDE h-iben «hre Anwrüch« geltend eemacht und erhalten in den ntchiten Tagen >hre Prämien. W» ist Ihre Anmeldung?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.