Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2870 (23.2.1927)
- Date
- 1927-02-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. C"70 W:en. Merrsr V?»sHkrrze11iMft 'A. Z Zrvfir iOH? Leite 7 JUDE ANS KREUZ! ,JgfSSfS&U&K >1?« tCHWXCHUeHtB.«8KOMVAUntWT8 t ROMAN VON KURT MÜNZER Copyright 1227 by R- Löftit Verlag, Wiw *• Lei pal*. (18 Fortsetzunß.) Ju beit hcisj-.il, fwubigen Nächten verließ er das Haus, nicht mehr in Gemeinschaft der Kameraden. Er war vereinsamt in seiner Lebensführung, so stark auch sein Mitmensch- Gefühl geworden war. Er war bereit, den letzten Bissen nicht nicht nur zu teilen, sondern ganz zu verschenken, den Rock auszuziehcn. Aber das, ivas ihn beglückte, was sein Herz anging, ivvran seine Seele sich labte, mußte Geheimnis bleiben. Er öffnete sein Herz so völlig, um sich dahinter zu verbergen. Je mehr er sich mitteUte und hingab, desto unzugänglicher verschoß sich seine Seele, ifctb schon, das Kind, konnte er im Bett sich aufsetzen und ftagett: „Bin ich ein Heuchler? Spiele ich nur? Ich diene ja nicht mit m i r. Ich behalte mich selbst doch immer zurück, ich bereichere mich ja nur am Leben mit andern. .Mein Opfer ist Raub an ihnen." Er vermochte noch nicht dieses dnrchzudmken. Er war nie gedankenlos. Momente, in denen er es war, beglückten ihn allein rein und tief. Aber schon im nächsten: „Was habe ich gelernt? Warum war dies? Zu welchem Ziel?" Er strich durch die Nächte. Er kannte die Mädchen am Mexanderplatz, die Burschen in der Schönhauserstraße, das ganze 'Gesindel dieser Gegend bis hinauf nach Webßensee, Pankow, Reinickendorf. Abel fieberte selig im Strudel dieses wirklichen' Lebens. Er sog es mit allen Poren ein. Wie sie litten! und also lebten! Und dann lief er hinaus in die Nacht, deren Süße er süßer empfand, gesteigerteres Lebensgefühls, tiefer verankert im Irdischen. ' Er sprach ihren Jargon, er ivarnte sie vor der Plempe und Polente, lachte einen als' Ganove aus, bewunderte, wie der andere eine Kesse Sohle drehte. ( Und hätte man ihn 'gefragt: Willst du noch einmal ans Kreuz geschlagen werden? er hätte nicht den Kopf geschüttelt. . Alle liebten ihn. „Unser kleines Jüdchen," sagten sie. Und. zum erstenmal n»ar Jude ein Liebeswort, ein Streicheln, ein Kosen. - „Na, mein oller Jude!" schrie der Louis int Bouillonkeller und schlug ihm auf die Schulter, und in seineml Blick tauchte das Lächeln Gottes auf, des unsterblichen Gottes^ der auch im Zuhälter sich nur verbirgt. ■ _ .. Vielleicht.ivar Er es; Gott, dem der kleine Judenjunge noch im Laster nachging. Vielleicht spürte er Sein Dasein noch in den Stuben der Unzucht, Sein Walten noch im Schicksal der Dirnen und im Raub der Vaganten. Ueberall, noch im Unrecht, in der Sünde, in der Feigheit und im Uebermut, streifte ihn der Atem Dessen, der alles immer wieder neu erschuf. Alles immer wieder. Also konnte es nicht schlecht, nicht böse, nicht häßlich sein. Die Kreatur kam aus Gott und ging zu Gott zurück. Auf diesem Wege müßte alles göttlich sein. Hätte sie sonst zurückgefunden in den Schöpfer? Hätte sie sonst nicht ewig leben müssen, unsterblich in Sünde, unfähig, in der Reinheit wieder aufzugehen, gefesselt an das außer Gott! Nein, der 'Mensch verließ niemals Gott. Vielleicht verließ Gott manchmal ihn — und dann wurde Schuld schuldlos; und darum erbarmte sich auch Gott, mit zärtlicher Liebe, der Gefallenen, tveil Er schuld war an ihrem Fall. Schlechtes Gewissen: das konnte es nur in der Schöpferseele geben. Der Mensch war rein und sündenlos. Was es an Sünde gab, kaut von Gott... So dachte der Knabe, wenn er die Dirnen und Zuhälter verließ. Er tauchte nur auf den Grund der Schöpfung, um 'sie inbrünstiger zu 'verstehen und zu lieben. mehr er vom Schlamm in der Tiefe wußte, desto wunderbarer erschien ihm das reine Licht und das Lächeln des Sichtbaren. Er lernte, daß Verzeihen Hochmut um-, Nachsicht Neberhebimg. Blutsnäher kann man nicht Brüderschaft schließen als er mit der Kreatur der Erde. Denn dies begriff er ahnungsvoll schon jetzt: Der Mensch, soweit es heut noch Miensch gab, Ivar allein hier, eher hier zu finden, in diesem Abgrund, als auf den westlichen Höhen, als draußen in den Straßen des Westens, in den Häusern, die Paläsile waren, in den Straßen, wv der Luxus aus Türen und Fenstern quoll. Die neue Kultur hat die Seele getötet, die Natur, die Gottähnlichkeit. Da, Ivo Armut war, Schmutz, Not, Verbrechen, war Gott sichtbarer als an schlvclgerischen Tafeln. Lieber den Mörder küssen als mit den Reiä-cu aus einem Glase trinken. In diesem Haus, Ivo die Armut stank, war das Gottnahe greifbarer als im Blumenduft der strahlenden Salons. Es gab unter den Millionen Mensch? heit , nicht mehr viel Menschentum. Llber das letzte Ivar bei den Ausgestvßenen, da verdammte, verdorrte es allein sichtbar. Unter trüben Sternen wandelich, ging das dem Juden auf. Slraßenbäume, ans Stein unb Asphalt blühend, rauschten über ihm vom verlorenen Waldglück, und ein Wasserbecken in schon vergilbenden Rasenflächen glänzte von geträumter Quellseliakeit. Aber Baum, S:eru und Wasser sprachen zu dem Inden nicht. Ec kannte die Natur nicht. Schon seine Väter satten sie verloren. Ins Ghetto verbannt, in baumlose Straßen, von Wiese und Flur anSge.- schlvsftn, hatten sie längst verlernt, mit Gras und Blume zu leben und Sprache der sprachlosen Dinge zu verstehen. Der arme Jude, hinter Mauern gefangen, war beschränkt auf den Menschen als Bruder und Fein'). Noch der Hund kvard auf ihn gehetzt, die Katze ifjnt weggelockt. Das Ungeziefer schickte man ihm. Aber die blühende Schöpfung war ihm entrissen. Der junge Abel sah nur die Schöpfung, er konnte mit ihr nicht sprechen, nie Trost von ihr empfangen. Er war ganz ins Geistige beschränkt. Das gemeine Lachen einer Dirne, das Schimpfwort des Feindes gaben ihm tiefer Aufschluß von Gott und Ml und Sein als dieser Bäume ahnungsvolles Rauschen und das durch ungeheuren Raum ihn erreichende Licht der Sterne. Das Leben, wenn eS Leben ivar, war wichtiger als alles, was svn strGlück, Zerstreuung. Erhebung bedeutete. In ihm aufzugehen, höheres Amt als Kunst und Forschung. (Fortsetzung folgt.) 8 0 E B E N ERSCHIENEN: D1EJ UDEN WIENS Eine statistische Studie von Dr. LEO GOLDHAMMER Die gegenwärtige Situation der Judengemeinde Wien und ihre Zukunft beschreibt diese wertvolle Broschüre, die für jüdischpolitische Kreise von größter Bedeutung ist PREIS Jtz'SO SCHILLING R. Löwit Verlag - Wien L* Fleischmarkt 1 Rotenturmstraße 22 I. Preis: Eine Bibliothek von 300 Bänden II. Preis: Eioo Gratisreise nach Palästina III. 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Bezeichnung eines Erdteiles, 37 Sauber, 4t Bibi. Name, 44 Artikel, 45 Hafenstadt in Palästina, 46 Latein. Bezeichnung für Kunst. Senkrecht: 1 Stadt in Italien, 2 Italien. Musiknote, 3 Himmelsrichtung, 4.Vorwort 5 Bibi. Person, 6 Fürwort. 7 Landln Asien,? Selten, 11 Etirop. Hauptstadt, 12 Artikel, 13 Artikel, 16 Getränk, 17 Farbe, 18 Gesetzgeber der Juden (letzter Buchstabe fehlt!;, 22 Kolonie in Palästina. 26 Form yon dürfen, 27 Göttin der Morgenröte, 29 Nordische Göttin, 30 Chem. Bezeichnung für Aluminium, 3t Engl. Bezeichnung für See, 32 Seelenqual, 34 Zeitabschnitt, 37 Italien. Musiknote, 38 Nahrungsmittel, 39 Ortsbezeichnung, 41 Englisches Vorwort, 42 wie 21 wagrecht, 43 Abkürzung für Nachschrift. — 19a Amerikanischer Präsident (k^c). Erklärung; Ab 13. Februar erscheint täglich in der „Wiener Morgenzeitung“ ein Kreuzworträtsel. in:in i i"'1 "rri". Oie Diagramme sind auszuschneiden und mit Tinte oder Tintenblei auszufüllen und zu sammeln. Am Schlüsse unserer Serie sind dann die gesammelten Lösungen samt den in jeder Nummer befindlichen Rät sei kupo ns an die „Rätselredaktion der Wiener Morgenzeitung einzusenden. Jeder Einsender kann an der öffentlich stattfindenden Verlosung, deren genauer Zeitpunkt noch bekanntgegeben wird, teilnehmen. Blätter, in weichen unsere Rätsel erschienen sind, können jederzeit gegen Einsendung des Betrages in Briefmarken von unserer Administration nachbezogen werden NB. Per Beischluß des auf Seite 2 befindlichen Kupons ist unbedingt erforderlich. Der Keren Hajessod-Drive dauert nur noch einige Tage, Wer seine Keren Hajessod Zeichnung noch nicht abgegeben hat, erfülle seine Pflicht I