Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2867 (20.2.1927)
- Date
- 1927-02-20
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8867 Wien, Sonntag so. ysbrrmr 1M7 m*? II « I jüdische weit Pestalozzi mb fein Mlfcher Wotzttstter. AniIäWlch -er Jahrihun'dert'feier für Pestalozzi mag auch die folgende Geschichte aus seinem Lvben er« Mlt werden: In Endingen, Kan-ton Aargau. lebte damals ein reicher Jude, namens Marum Dreh» f u s. Pcisialoszi hatte d-nmals gerade die Wvere Sorge, das Schicksal von srckWg Beitlevlindern zu verbessern, als er, von seinen Gläubigern wagen älterer Schulden arg bed-rängt. völlig ohne Geldmittel dastand. Auch seine gewohnten Geldquellen waren versiegt, und da fiel ihm der Name des Marnm Dreyfus ein, von dessen Reichtum und Wo,hltätig>?eit.s>sinn er so viel erzählen hörte. Nach mchrtägiger Fußwandernny kam Pestalozzi in En« dingen an, suchte Dreyfus auf, schilderte i'hm die große Gefahr, rn welcher sich feine Schiützlinge befinden, da auch seine Lage jetzt eine schlechte sei. Dreyfus hörte PestalogFi ruhig an und übergab ihm, ohne lange zu reden, den giciwllilnlschten Betrag von 160 Gulden. Hochbeglückt, mit leuchtenden Augen emipfaiyl sich Pestalozzi von dem jüdischen Wohltäter. War er doch nunmehr in die Lage versetzt, sechzig Betdelikinder vor dem seelischen Nntergany zu retten. Nicht wenig erstaunt war jedoch Marnm Dreyfus, als wenige Stunden später Pestalozzi, uiedengeschlagen und verlegen, abermals vor ihm stand. Auf die Fragen deZ Hausherrn erzählte Pestalozzi, daß er auf dem Heimwag sin sonderbares Abenteuer hatte. Er begegnete einem Bauer, der ganz unglücklich war, weil ihm eine Kuh, die ihn und seine sechs «Kinder ernährt hatte, als Opfer einer plötzlich aufgetretenen Seuche umgestanden war. Dem großen Kinderfreunid Pestalozzi wurde das Herz schwach Wer dieses große UngMick und er gab das ganze Geld dem verzweifelten Vater, damit er eine neue Kuh kaufe. „Wie hieß dieser Bauer?" fragte Dreyfus. „Ich weiß es nicht", antwortete Pestalozzi. ,J$n welchem Dorf wohnt er?" ,Much das vermag ich nicht zu sagen." ,-Hat er Ihnen über das Geld einen Schuldschein Hetzeiben?" „Ich habe gar keinen verlangt." Der Mische Philantroip betrachtete die gütigen Augen und das besorgte Gesicht Pestalozzis. Einige Minuten standen die Beiden wortlos einander gegenüber, bis Pestalozzi in seiner natürlichen naiven Art sagte: „Sie haben ja auch keinen Schuldschein von mir verlangt, als ich honte morgens das Geld von Ihnen übernommen ha«be. . . ." Dreyfus war besiegt. Wortlos überrcicht-e er Pestalozzi neuerlich 160 Gulden und der große K Inders re und -machte sich,beglückt auif den Wog zu seinen Schützlingen. Gin Kronzeuge Des Mra-Waer Prozesses gestorben. In Arad starb vor einigen Dagen der Schmiedemeister Johann Majoros in hohem Alter. Majoros war einer der wichtWen Zeugen der Verteidigung des HauPtangeklagten in dem denllwürdigen Nitualmordprozeß von Disza-EMar, der im Jahre 1882 die öffentliche Meinung der ganzen Welt in Atem hielt. Majoros pflegte oft seine Erinnerungen an den Sensationspvozeß, an die ermordete Ester Solymorsy, die als Opfer eines d'nrch den Schächte S ch a r f veriibten Ritualmovdes hingestellt wurde, und an den Schächterssohn Moriz Scharf zum besten zu geben, der unter dem Zwange einer antisemitischen Maffia mit seinen eingedrillten phantastischen Lügen die Gerichte ein Jahr lang irroführen konnte. Mit besonderer Verehrung sprach Majoros von den z/wei Verteidigern, Abgeordneten Karl E ö t v ö s und Dr. F r i e d m a n n, denen es schließlich gelungen ist, das ganze Lügengewebe zu zerreißen und Vte Urheber der schweren Beschuldigung ölotzzustellen. Raturalisatton der 8«de« von Gypern. Wir berichteten vor kurzem über einen Besuch, den der neugewählte englische Oberkommissär für Cypern Sir Roland Storrs der einzigen jüdischen Kolonie Margra abgestattet hat. Nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt Cypern empfing der Oberkommissär eine Abordnung dieser jüdischen Kolonie, welche ihm eine Denkschrift überreichte, in der die jüdischen Kolonisten die Bitte stellen, ihnen die Aufnahme in den britischen Staatsverband möglich zn machen. In dem Memorandum wird ausgeführt, daß die jüdischeil Kolonisten vor etwa 20 Jahren von der jüdischen Kolonisationsgesettschast „Jca" in Cypern angesiedelt wurden und während dieser Zeit kulturpolitisch und wirtschaftlich viel zur Hebung des Landes beigetragen haben. Als sie nach Cypern kamen, stand dort die Landioirtschaft. auf diesem Gebiete auf sehr niederer Stufe. Die Bauern benützten noch HolzPflüge, die heute nur noch in beit Museen zu sehen sind. Die Juden brachten die modernsten Pflug- und sonstigen landwirtschaftlichen Maschinen, so dm ersten Traktor ins Land. Di.' griechische Bevölkerung anerkannte auch die Verdienst-? dieser jüdischm Siedler und lebte mit ihnen im besten Einvernehmen. Sämtliche jüdischen Kolonisten stammen aus Rußland und besaßen bis vor dem Krieg auch russisch«' Ausweispapiere. Diese sind nunmehr ungültig geworden, und die wiederholten Bemühungen einzelner Kolonisten, im Wege der Lokalbehörden die britische Staatsbürgerschaft zu erlangen, blieben ohne Angaben von Gründen ergebnislos. Die Kolonisten bitten daher den Oberkommissär, nunmehr ihre Naturalisation möglich zu. machen. Der Oberkommissär versprach, die Angelegenheit so rasch als möglich in positivem Sinne zu erledigen. A. I. Rom gestorben. Aus Zürich wird uns geschrieben: Am 13. Februar verschied plötzlich an einem Herzschlag auf einer kurzen Reise in Engelberg im Alter von 62 Jahren Herr A. I. R o m. Er war seit dem ersten Zionistenkongretz einer der treuesten Zionisten in der Schweiz, Mitbegründer der Mlsrachi-Weltovganifation, der mtsrachistischen Verejne in Zürich, Basel und Lnzern und Vorsitzender der misrachiftischen Landesorganisatton in der Schweiz seit ihrem Bestehen. Es gab keine jüdische Gemeinschaftsarbeit, an der er nicht tätigen Anteil nahm, ob sie der ostjüdischen Gemeinde Agadus Achim in Zürich, zu deren Vorstand er gehörte, galt, ob dem Turnverein, der jüdischen Bibliothek oder irgend welchen anderen Zwecken. Ein bleibendes Denkmal setzte sich A. I. Rom als Anreger und Urheber des Hilfs- Vereins für jüdische Lungenkranke in der Schweiz, der die im Ausland noch viel zu wenig gewürdigte, segensreich wirkende Jüdische Lungenheilstätte „Etarna" in Davos ins Leben rief. A. I, Rom gehört zn dem Typus gerader, aufrechter und zuverlässiger Zionisten, deren Hingang Lücken in der Organisatton zurückläßt. Organisierung der jüdischen Frauen in Kaschan. Man schreibt uns aus Kasch au: Es ist eine erfreuliche Tatsache, daß in unserer Stadt auch der wichtige Teil der Gesellschaft, die jüdische Frau und Mutter, somit die Erzieherin der nächsten Generation, zu einer straffen Organisation gelangt, um für ein jüdisches Palästina zu-arbeiten. Diese Organisation, die den Namen „Pro Palästina" trägt, wird von Frau Keßler geleitet. Allmonatlich werden im Lokal der hiesigen zionisttschen Ortsgruppe Tce-Mende I1.0YP roiESIINO TMEST. Winterreisen nach Aegypten! REKORDE: Fahrtdauer Triest-Alexandrien . 3 Tage Fahrtdauer Brindisi-Alexandrien 2 Tage Billige ftundfafirkarteit für Erholungsreisen xur See. Kajtitenbureau: I., Kärntnerring 6, Tel.56-0-53 für den Keren Hajeffod veranstaltet, bei diesem Anlaß referiert eine der Damen Über die aktuellen Fragen der jüdischen Frau und Mutter und über ihre Stellung zum Zionismus. Boi den letzten Veranstaltungen sprachen Frau Ing. Winkelsberg, Frau Deutschberger und bei dem am 10. d..M. veranstalteten Tee-Abend Frau Török- Geiger-Blanka. Eifrige Mitglieder dieser Organisation veranstalten auch in ihren Privatwohnurmen Tee- Wende, die zum Ausbau der Organisation und zur Vertiefung des Zusammengehörigkeitsgefühls wesentlich beitragen. Einen solchen Tee-Abend veranstaltete in den letzten Tagen Frau Kreisz, der sich eines überaus guten Besuches erfreute. Ein MiMonenvermächtnis für wohltätige Zwecke. Der vor kurzem verstorbene Newyorker jüdische Kaufmann Solomon Friedman hat von seinem zwei Millionen Dollar betragenden Vermögen 1,014.000 Dollar für wohltätige Zwecke hinterlassen. Der größte Bettag ist dem Heim für kranke und greise Juden zugedacht. Ein nenes jüdisches Waisenhaus In Budapest. Aus Budapest wird uns berichtet: Aus Anlaß der Genesung des als Rvchtsbeistand der Armen bekannten Rechtsarüvaltes Dr. Simon Stern aus schwerer Krankheit bildete sich ein aus den Stadttepräsentanten Desider Ko rem und Dr.Rosenock, ferner den Herren Primarius DuDach, Dr. Isidor Friedmann und Schuldirektor Dr. Deutsch bestehendes Komitee zur Gründung eines den Namen Dr. Sterns führenden orthodox-jüdischen Waisenhauses, den Vorarbeiten wurde bereits begonnen. I. Preis: Eine Bibliothek von 300 Binden II. Preis: Eine Gratisreise nach Palästina III. Preis: Fünf Ounam Land in Palästina and weitere 47 Preise Preisausschreiben Zftr.8 Ausschneiden!;■. Name: 1! 2 3 ■ 4 5 j 6 j 7 j 8 j j 9 j m 10 11 12 j 14 8 33 ■ 15 m 36 m 16 .f 17 m 34 35 W 18 8 37 38 m i m 84a «! 1 37a m H 33 W» 36 . 19 ■ 22 35 ■ . ....... 1 8 ,23 31 i 82! m 38 « _ W ■ 24 | 1 25 8 H 26 1 j 1. ■ m 27 B 28 mm 88 29 i ... 8 30 -- Adresse: ...-.Ausschneiden. BEZEICHNUNG DER WORTE Wag recht: 1 Jüd. Vorname, 4 Einteilung der Zeit, 10 Vorabend vor Feieitagen. 14 Fluß in Rußland, 15 Französ. Vorname, 16 Türkischer Titel, 17 Ausruf, 18 Schauspieler am Deutschen Volkstheater in Wien, 21 prtsbezeichnung. 23 Bezeichnung f. Autoreifen. 24 Flächenmaß, 25 Zahl, 26 und 27 Städte in Oesterreich, 28 Pelzart, 29 Pelztier, 30 Zwirn, 31 Abkürzung für eine Warenmenge. _ „Senkrecht: - 1 Biblischer Name, 2 Ungekocht. 3 Französ. Fürwort, 5 Flächenmaß, 6 Oewinnschein, 7 Herrschertitei, 8 Bezeichnung, 9 Französ. Vorsilbe, 11 Aegvpt. Gott, 12 Latein. Fürwort, 13 Vielheit von Bäumen 19 Paradies, 20 Hochland in Asien, 22 Engl. Bier, 23 Lat. Vorwort, 24 Poet. Bezeichnung für einen Vogel, 26 Französ. Artikel, 27 Ital. Musiknote, 3f Zwerg, 32 Pflanze. Magische Sterne.; 33 Jüd. Monat, 34 senkr. und 34a wagrecht: Singvogel, 34 wagrecht und 34a senkrecht: Musiknote, 35 Gradlinige Verbindung zweier Punkte eines Kreises, 36 Jüd. Gruß, 37 senkrecht und 37a wagrecht: Europ.Hauptstadt,37a senkrecht und 37 wagrecht: Ausruf, 38 Frauenname. Erklärung r Ab 13. Februar erscheint 15 g lieh in der „Wiener Morgenzeitung" ein Kreuzworträtsel 1 . > - -- Oie Diagramme sind auszuschneiden und mit Tinte oder Tintenblei auszufällen und zu sammeln. Am Schlüsse unserer Serie sind dann die gesammelten Lösungen samt den in jeder Nummer befindlichen Rätselkupons an die „Rätselredaktion der Wiener Morgenzeitung“ einzusenden. Jeder Einsender kann an der öffentlich stattfindenden Verlosung, deren genauer Zeitpunkt noch bekanntgegeben wird, teilnehmen. Blätter, in welchen unsere Rätsel erschienen sind, können Jeder« zeit gegen Einsendung des Betrages in Briefmarken von unserer Administration nachbezogen werden. NB. Der Beischlufi des auf Seite 2 befindlichen Kupons ist unbedingt erforderlich