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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-19 · Heft 2866 (19.2.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2866 (19.2.1927)
Date
1927-02-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wim, GamStag Dle«er Msrsenzeirrms IS. Februar 1907 Gerte 5 Nk. 2868 Ser Erdrauch des -rdMchr» «ad Jiddischen ia Pole«. Warschau, 18. Februar. Innenminister Skl ad ko to* (tl hat durch einen soeben herausgegebenen Erlaß den (gebrauch der jiddischen und hebräischen Sprache in öffentlichen Bersaminlungen neu geregelt. Wie bekannt wurden bisher besonders in Galizien von den lokalen Behörden dem Gebrauch der beiden Sprachen in öffentlichen Versammlungen Schwierigkeiten bereitet, da es einer speziellen Erlaubnis bedurfte, um in Versammlungen diese Sprachen zu benützen. Der neue Ministerialerlaß beseitigt dieses Hindernis, indem er erklärt, daß das Recht des Gebrauches der jiddischen oder hebräischen Sprache in öffentlichen Versammlungen keiner Beschränkung mehr unterliegt. Wien, 19. Februar. LaS Wetter. Gestern ist die Temperatur abermals ein wenig gesunken. Men hatte — 1 Grad. Die Vorhersage lautet: Veränderlich, weiterer Temperaturrückgang, wahrscheinlich Niederschläge. Der 250. Todestag Spinozas. Aus Anlaß des 260. Todestages des großen Philosophen Baruch Spinoza wird im Gebäude der Hebräischen Universität zu Jerusalem am Montag, den 21. Februar, eine Spinoza-Gedächtnisfeier abgehalten werden. Dr. Josef Klausner und Dr. Hugo Bergmann werden Vorlesungen über Spinozas Leben und Werke halten. — In Wien wird Dr. Max Grün Wald in der Urania (Aspernplah) am 20. und 27. d. M.. abends 8 Uhr, über Spinozas Leben, Lehre und Einfluß sprechen. Stervefall. Am Donnerstag ist in Z a g r e b Herr Edmund Hofman im 63. Lebensjahr gestorben. In ihm verliert unser Freund Herr Dr. Lavoslav S i k seinen Vater und die junaiüdischr Bewegung einen treuen Mitarbeiter. Das Begräbnis findet morgen um 11 Uhr vormittags von der Leichenhalle des Zentralfriedhofes aus statt. Die Streikdrohungen der Kaffenärzto. Bei den gestern im Ministerium für soziale Vertvaltung fortgesetzten Verhandlungen mit der Aerzteschaft gelang es vor allem, eine Einigung in der Frage zu erzielen, welcher Vorgang bei einem durch die Reorganisation der Krankenversicherung etwa unvermeidlich werdenden Abbau von Kassenärzten einzuhalten wäre. Schwierig gestaltete sich die Erörterung über die Möglichkeit einer durch die Reorganisationsmaßnahmen etwa bewirkten Einkommensschmälerung der im Kassend'.enst verbleibenden Aerztr. Die Verhandlungen über diese Frage, namentlich über die Art der Schadkoshaltung in diesen Fällen, werden Dienstag abends fortgesetzt. BerkehrSunfälle. Gestern wurde nächst dem Deutschen Vollstheater der 82jährige Cafeticr Siegfried Beck beim Passieren der Fahrbahn von dem Auto A VI 999 niedergestoßen und überfahren. Er erlitt schwere innere Verletzungen und mußte durch die Rettungsgesellschaft in das Spital gebracht werden. — In der Erzherzog Karlstraße ist gestern der 30jährige Ingenieur Karl Pfleger, auf seinem Motorrad fahrend, mit einem die Fahrbahn übersetzenden Passanten zusammengestoßen, so daß er gegen ein-vorbeifahrendes Auto geschleudert wurde. Wahrend der Passant unverletzt blieb, erlitt Pfleger einen Bruch des rechten Unterschenkels und musste in das Arbeiterunsallspital gebracht werden. — Die 25jährige Private Stephanie K r a i s wurde gestern in der Gußhausstraße beim Passieren der Fahrbahn von dem Auto A IV 681 niedergestoßen. Sie erlitt einen Bruch des Schädelgrundes nnd wurde in das Wiedener Krankenhaus gebracht. — Gestern nachmittags wurde am Schwedenplatz die 28jährige Beamtin Anna S ch e l l h a m m e r von dem Auto A VI 43 niedergestotzen und erlitt mehrfache Verletzungen. Zwei Kaffenelnvrüche. Gestern nachts sind in Wien zwei Kafleneinbrüche verübt worden. Der eine Einbruch wurde bei der Firma Karl Stölzls Söhne A. G. im Prater, Handelskai 128A, ausgef. hrt. Hier sprengten die Täter eine eiserne Kasse auf und erbeuteten einen größeren Geldbetrag. Sie haben sich hier nach der Tat nach altem Verbrecheraberglauben benommen und vöchst unwillkommene Andenken zurückg'elassen. — Der zweite Einbruch wurde bei der Weingroßhandlungsfirma I. Vogel ausgeführt. Von der Straße aus sind die Täter durch ein Fenster in die im Erdgeschoß gelegenen Räume der Firma gedrungen und haben eine eiserne Kasse aufgesprengt. Sie erbeuteten etwa 160 Schilling Silbevgeld und den Schmuck der Frau Vogel, der einen Wert von 4000 Schilling haben soll. Die Erhebungen sind eingeleitet. Stürmische Szenen im Naiuerspital. Gestern vormittags kam es im Naiuerspital zu stürmischen Auftritten der dort in Spitalspflege befindlichen Invaliden. Nach den Mitteilungen der Vertrauensmänner sind die Invaliden deshalb so erregt, weil ihnen die Erhöhung des Taggeldes von 70 Groschen ., j M Schilling infolge Einspruches des Finanzministerö ~r. Kienböck nicht bewilligt wurde. Die Invaliden zogen zur Direktiostskanzlei und demonstrierten gegen den Direktor Dr. Stoiber, von dem sie behaupteten, daß er die wenigen Mitglieder des „Reichs- Vereins christlicher Kriegsopfer", einer christtichsozialen Organisation, bevorzuge. Direktor Stoiber müsse das Spital verlassen. Die Vertrauensleute suchten beruhigend auf die Invaliden einzuwirken. Vom Landesverband Wien der Kriegsopfer erschienen Präsident Brandeisz und Sekretär F o s ch t, um mit Direktor Dr. S t o i b e r zu verhandeln. Nach längerem Bemühen gelang es vorläufig, eme Beruhigung der Invaliden zu erzielen. Uebsr da- Grammophon. Im Amerika hat jede zweite Familie ein Auto un-d jede hat ein Grammophon — erzählt der Inhaber des Wiener Mnsi'chanseS .Metrophon" (Gragen, Ecke Naglergasse) —. Bei uns wißen leider b'ie wenigsten, daß ein Grammophon von heute nicht mehr das quietschende. unnatürliche Töne her» vorkrächzende. nervenzermürbende Folterwerkzeug von früher ist. Das Nebengeräusch, das früher ren Genuß selbst der best» gesungenen Arie zu einem problematischen machte. ist heute auch für das musikalisch hochempfindliche Ohr nicht mehr denierwar. keinesfalls aber störend, es macht sich heu-te in der Platt« nicht mehr bemerkbar, als etwa das Nebengeräusch, daS wir im Opernhaus durch das Prblikum empfinden, seibist wenn eS ein wohlerzogenes ist. Man höre sich aus einer guten Sprechmaschine mit erg er guten Na'tel eine gute Platte an. taste dir Sprechmaschine nicht im selben Raum«, sondern im anstoßend«« Zimmer spielen und man hat den durch nlchts heeiOrSchttgten Genuß einer lebenden Wedergabe. Ebenso ist «», wenn ya» ein« gut ausgenommen«, nach dem elektrischen Verfahren hergestellte Klavietplätte im Nevsngimmer spielen läßt. Ja, noch mehr — ein Musilverständiger, rer nicht weiß, wer im Nebenraum Klavier spielt, wird auf all« möglichen Künstler raten, ater daß ein Apparai: spielt, darauf wird er nicht kommen. Die Mängel, die der Laie dem Sprechavparat zuschreibt. existieren vielmehr in der Einbildung res Hörers «IS in Wirklichkeit. Die heutige Spröchmaschine leidet an dem schlechten Ruf ihrer Urahnen. In jedem reell geführten Spezialgeschäft erhält man heute eme gute Sprechmaschine. Lassen Sie sich nur ine Vorzüge des Werkes «Maren (Nachteile wissen wir leine), dann lasten Sie sich' eine Gesangsplatte, ein« Klavierplatte, eine Violirmlatte vorfplsle.ii, immer dieselbe Platte auf jedem rer in Berkacht kommenden Apparate, beur» teilen Sie Ton nnd Klang der Wiedergabe selbst, ohne sich beeinflußen zu lasstn (iCiat gewiegter Verläufer wirb das gar nicht versuchen). Wer auf diese Weise ein Grammophon nach seinem Geschmacke erworben hat. wird Freude damit halben. E AlterSbeschlverden werden durch Radiosklerin vorgebeugt und gelindert. DaS kadiumhaltige, frei verkäufliche Radiofllerin erhält die Arterien elastisch, es bewirkt eine Verdünnung deS BluteS. verhindert Ka>Nab!agerungen in den Blutgefäßen, befördert die Blutzirkulation und erhält tzaher die unverminderte Arbeitsfähigkeit bis ins k»he Alker. Der Radiumnelhalt wird amtlich geprüft. Hauptdcpot: Apotheke Bayer, Wien, 1. Bez.. Dollzeile 13. E Der zweite Ball des Warenhauses Brüder Schiffmann. Ms eine rer unterhaSengste,n Veranstaltungen des heurigen Winters kann der am 13. Februar vom populären Warenhaus Brüder Schiffmann veranstaltete Ball bezeichnet werden. Der Besuch Libertraf alle Erwartungen, ein überaus zahlreiches, distinguiertes P.blikum fühlte di« Olhmpiasale mi>: frohem Treiben, d'ie Stimmung war die denkbar teste und angeregteste Ausgezeichnete humoristische Vorträge und tet Clou des Abends. d>'e bekannt« jüdische Liedersängerin Du» Eisern, Stark, Mächtig wird jeder Säugling und jedes Kind, das mit echtem DIANA Franzbranntwein mit Menthol massiert wird. Bestes häusliches Schutzmittel des Ki ndes. Ständig als Mundwasser zu benützen Eeberall crhttHlidt. litzlaja, ernte:«» reichen, jube.nden Beifall. Die bePieötc MuiMapelle Max Geiger unter persönlicher Leitung des Kapellmeisters, Herrn Max Geiger, sowie eiaie Original-Jazz« band sorgten für die är Herst tanz-lustige Jugend. Tomlbola, SchönheitSkonkurrenz und andere Belustigungen erhöhten die allgemeine S?-uftv>V!.t und verstärkten den großen Erfolg dieses gelungenen Abends. , JUDE ANS KREUZ! ROMAN von KURT MÜNZER Copyrlg\ L 1927 by R- LCwit Verlag, Wies — Leipzig. Uud da stieg die Nacht auf, wo er, vier Jahre alt, erwachte, und t;t der Stube drüben, beim gellten Sch-eiu der ePtroleumiampe über dem Tisch, lag Onkel David, jung, blaß, Buchhalter bei Guretzki, auf den Knien vor Mirjam Adler, der Frau seines alten Bruders, und flüsterte jdieses Wunderbare, Geheimnisvolle: „Ich liebe dich-." Wr drehte sich um, umschlang die Schöne und flüsterte entzückt: „Du liebst mich —." Es war kalt. Wer Chaje setzte sich auf die Treppe, wg ibn w sich urb m?u raunen,?u flüstern. ^a'wischen rief si' laut u d flvgte. Chaj? Genachow so'lie den MeurMeiz aus Czernowitz h^.a.e.l. Er handelte mit Tabak und war ein reicher Mann, er war ein schöner Mar.n, er hatte eine Wohnung in Baris und Autos und eine Villa am Gardasee. Aber Chaje Genachow liebte ihn nicht —. „Ich werde fliehen Abe!," sag'e sie, „ich werde nach;Bürici) gehen' E mmen mä^- »*•'♦% .Medisiu sin ieren. Ich habe viel Schin.ick von der Großmutter g'e bt ich werde ihn verlaujen — „Chajele!" rief eben Rebb Chaim, ihr Vater. Eine Tür ging auf, Licht siel hinaus. Chaje zog Abel ins Dunkel. „Du darfst mich nicht verraten. Eines Tages werde ich fort sein. Weihnachten will der Meier.Wciz kommen, und wir sollen uns verloben. Du sollst mich nicht vergessen." Und sie küßte ihn für ewige Zeit, gab ihm Seele, trank von ihm Seele. „Aber du liebst mich nicht," flüsterte die Schöne. Er wandte den Kopf weg, er dachte nach, er sagte in Einfalt: „Ich weiß nicht, Fräulein Chaje." Sie lachte. Klopfendes, schmerzendes Herz war in ihrem Lachen, das doch hell war und ausge'a'sen. „Ich weiß nicht, Fräulein Chaje!" rief sie .entzückt uud wirbelte sich herum. „Chaje!" rief der Vater wieder. „Wenn etz was zu lachen habts, kommt zu uns!" D« lief sie mit dem Knaben hinaus, gab ihm einen derben Schlag auf den Rücken, lief zurück. Sie stellte sich gegen die Tür, sah hinauf, wo eine offene in die Stube mit Sabbatlichtern, heiteren Menschen, in die enge verfinsterte Familie führte, sie schüttelte sich, und Tränen stürzten aus ihren Augen.- „Was ist mit dir?" fragte David den Knaben. Abel hatte seine Hand stürmisch ergriffen, inbrünstüg geküßt. Er begriff so viel. Er wußte nun, warum der Onkel ihn liebte, und daß er ihm nie besseres Glück irgendwie vergelten, ersetzen müßte. Ein Gedanke durchlohte ihn: „Ach, wenn Mamuschka ihn wiedergeliebt hätte Aber schon bat er seinen 'Vater um Vergebung. ,sIch liebe dich," flüsterte er und kniete vor'David hin, in Andacht und Ehrfurcht und hüliger Liebe. David bückte sich über ihn, wunschlos im Dasein ausgehend. Hier war sein Sinn, sein Leben, seine Freude. Liebe — Sie war nur noch ein Name, verhallt, fern verklungen, verloren, vielleicht vergessen. Aber dieses Kind war das neue Leben, schmerzlos erstand Totes, warm und lieblich duftete feine Verjüngung. Was ebm noch unfaßbar gewesen war, verflüchtigt, lag jetzt mit klopfendem Puls, göttliches Gefühl, ohne Rest Erde, in seinem Arm. » Eine Sorge gab es für Onkel und Neffen, ein grr,.^s Ueberlegen und Disputieren. Abel war dreizehn Jahre geworden und die Eltern fragten an, wie es denn mit der Bcn> mizwah stände... . Abel kannte kaum noch das Hebräisch seiner Kinderjahre. Segenssprüche waren ihm imv"rli?rbar i'^ ac^lichiniS begraben, aler schon du Sch.i.t konnte t: nicht mehr antzif- (14. Fortsetzung.) fern. Auf der Schule in der Greifswalberstraße erhielt er wohl Religionsunterricht bei einem alwn trockenen Fräulein, aber der war beschränkt auf Bibelgeschichte und Sittenlehre. Was tun? Beide Eltern wollten, wenn möglich, die Reise machen zur Barmizwah des Sohnes. Dann schrieb Mirjam, der Vater käme ohne sie, denn das Geschäft könnte nicht allein bleiben, und an diesem großen Tage sei der Vater wichtiger als, die Mutter; es handle sich ja im! Grunde um die Loslöftmg des Knaben von per Mutter und seinen Eintritt in die Männergemeinde. Und dann, die schüchterne Frage: Warum käme das geliebte Kind nickst einmal in den Ferien heim — Ach, sFerien, die waren es doch grade, die Abel trt der Stadt bleiben mußte. Da gab es ja die einzige unbeschränkte Zeit, die Erlaubnis zum Streifen in der Nacht, die vormittags au den Hafenbecken, an der großen Markthalle, auf dem Tempelhoferfeld. Die Wanderungen durch den Grunewald bis Potsdam, die Bäder in der Havel, Gänge ins Museum mit Onkel David, indes Fräulein Sadewasser allein das Geschäft versah. Und dann konnte Abel cm die Vaterstadt nicht denken, ohne daß es ihn schwindelte und er für Augenblicke tief zu stürzen meinte, die Besinnung verlor wie damals, als er, ein Gekreuzigter, durch die Luft flog und ins Wasser der Klodnitz fiel... Er wollte nicht mehr zurück. Hier, in der großen Stadt der Diebe und Mörder, Betrüger, Schieber, der Dirnen und Zuhälter war er ge-, sichert. Da gab es keine Sekunde der Abstammung. Jeden war das, was er leistete. Nun, schließlich setzte sich Onkel David mit ihm hin, und Abel lernte die Brache, die er am Einsegnungstage zu sprechen hatte. Er wurde nicht in der strengen alten, sondern in einer kleinen neuen Synagoge angemeldet, die Eltern wurden benachrichtigt. Das war im Dezember des Jahres dreizehn, und es fügte sich, daß weder Gerson, noch kommen so^itten. G^'-^ rr>- -it Reißen unbeweglich im Bett, und cie Mutter nrußte'das Weihnachtsgeschäft'ver- So ab.o.vier.e Abel de.i großen Tag ohne Andacht und Feierlichkeit. In den ersten langen Hosen, im ersten weichen Hütchen ging er neben Onkel David nach Haus. Das Sonnabendleben Berlins umbrauste sie. Schnee schmolz unter milder Sonne. Unter Rädem und Hufen spritzte silberblinkend der Schmutz die Fußgänger an. Die Berolina auf dem Alexanderplatz funkelte. Unter ihr hielten alte Weiber gelbe Rivieravosen feil. l Da stand auch die alte blinde Abeljanz, die nun verdienen mußte, seit ihr Sohn den Schlagcmfall gehabt hatte und allzu früh pensioniert werden mußte. Seine fünfund-- dreißig Mark im Monat reichten nicht. Die blinde Mut-' ter, achtundsiebzig, lehnte nun am Sockel der Berolina, auf Klappstühlchen sitzend, streckte gedrahtete Rosen ms Finstere und wartete, daß einer sich erbarmte und ihr zehn Pfennige in den Korb warf. Der Sohn mochte zu Haus und brachte ihr daS Essen, holte sie um sieben Uhr heim. Oft ging Abel vorüber und warf ihr vom Taschengeld in den Korb. Gab es Ferien, dann brachte er um zehn Uhv die Alte nach ihrem Stand, damit der schwer gehende Sohn länger ruhen könnte. Im Haus hatte es Unglück gegeben. Der Verwalter Bumke, war aufs Dach gestiegen, nach schadhaften Ziegeln sehend, und war da oben im Schnee ausgeglitten. Er war hinabgestürzt, zwanzig. Meter tief auft die Stenchlatten des Hofs und hatte noch einen Tag und eine Nacht geröchelt, ehe er starb. Da stand nun Karoline Bumke mit ihren paar Aufwartestellen und Waschhäusern und mußte doch noch ihre Eltem unterstützen, dis im Südvsten, am Kottbuser Tor, an einer Briesträgerpension herumhungerten, er gichtig, sie taub und halb blind. (Fortsetzung folgt.)

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