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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-19 · Heft 2866 (19.2.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2866 (19.2.1927)
Date
1927-02-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seichs 4 «Jim, GamStag W^»«r M»rse»-Ottm>s 18. FÄruar 1887 Sir. 28Ni ^errNIeh empfohlen. — Wirkt «Jeher. >«t allen ApoJhltkan Renerliche Sludentenrauserelen in Wien. Polkzeikordon vor der Technik. Gestern gegen 10 Uhr vormittags versuchten , oz ia >ld em ok ra t is ch e Hörer, vor dein Gebäude der Technik F l n g z e t t e l zu verteilen. Als völkische Studenten sie daran hindern wollten, kam es zu einer hef-tigen Keiferei, in deren Verlauf die ZetteÜverteiler venprügÄt wurden. Das Haupttor der Technik wurde schleich grfchlossen und der Eintritt durch die an der Stirnseite der .Hocklschule bsfindliche N.bentür nur gegen Legitimation gestattet. Polizei stellte die Ruhe wieder her und na«hm zwei Studenten in Verwahrungshaft. Ein P o l i z e i ko r do n vor der Technik verhinderte weitere Ansammlung eru Nach Wiede che ristollumg der Ruhe wurde der LegitimationslMrlvg wieder aufg Hriben. Der Unterricht war in keiner Weise gestört worden. Ae Wiener WShlrrverreichnlffe. Aus öom Wiener Gemeinderat. Zn der gestrigen Sitzung des Wr?ner Gemeinderates wurde eine große Anzahl von Geschäftsstücken fast ohne Debatte angenommen. Es handelte sich meist um Sachkr^rite mit einer Gesamtsumme von 1,435.400 Schilling. Am Schlüsse der Sitzung gelangte ein christlichsozialer Dringlichkeitsantrag zur Behandlung, in dem auf den sonderbaren Umstand hingewiesen wird, daß bei den letzten Wahlen im 18. Bezirk 58.478 Wahlberechtigte in dem amtlichen Wählerverzeichnis enthalten waren, während flir die kommenden Wahlen nur 43.808 Wahlberechtigte verzeichnet sind. Die Differenz von 14.670 Wählern könne nur dadurch erklärt werden, daß entweder bei der vorigen Wahl nichtexistierende Wähler geführt wurden oder daß das jetzige Wählerverzeichnis mit Absicht oder mit sträflichem Leichtsinn unrichtig angelegt worden sei. Der Antragsteller, Gemeinderat Kerner, forderte vom amtsführenden Stadtrat Richter Aufklärung. Dem Antrag wurde die Dringlichkeit einstimmig zuerkannt. Stadtrat Richt-er erklärte, daß die in dem Antrag genannten Ziffern falsch seien. Im amtlichen Wählerverzeichnis seien nicht 43.808 sondern 55.345 Wähler verzeichnet. Es müsse sich also um einen Irrtum des Antragstellers handeln. Eine Aenderung dev Wählerlisten köime nach Ablauf der Reklamationsfrist nicht mehr vorgenommen werden. Der Antrag wurde schließlich ab gelehnt. Bei Verkündigung dieses Ergebnisses sagte der Bürgermeister, daß mit dem traditionellen Schwindeleien mit den Wählerlisten endgültig aufgeräumt wurde Sin Ansiiesernngrbegrhren gegen Bskessy. Das StrastaN'desVrricht Wien I hat über Antrag der Staatsanwaltschaft vorig.ftern das A u s l i e f e - rungsdegehren geigen Emmerich B ekeffy, zurzeit in Paris, wagen Verbrechens der Erpressung nach § 98, Strafgesetz, an die französische Ngierung gestellt. Bekanntlich war auch eine Unterfulliunig «to-ogm Verdachtes der f a l s chen Zeugenaussage anhängig, die jcbvch in das Ausbieiferungsb:igchren nicht einlbezogen erscheint. Freunden. Die bewegten Lc-benLschicksale der historischen Helden liefern verwenWares Dramen-Rochmaterial. Mehr braucht das japanische Theater nicht. Um aus das Volksgemüt einzuwirken, bedarf es keiner hohen dichterischen QuaHitätsforderungen, keiner fernweisenden, symbolisierenden Uebertragung oder besonderen Problemstellung. Der historW sesistohende Charakter muß vom Schauispieler gewahrt bleiben. Das Volk kennt die Vor- und Nachgeschichte seiner .Helden in- und auswendig. Die Neugierde — was kommt nun — oder die Spannung — wird der Held gerettet, werden die Liebenden vereint — fällt fort und lenkt nicht ab von dem vollen, geruhsamen Genuß des Schaums. Der darstellerische Vorgang allein ist es, der den japanischen Zuschauer fesselt, den er bis ins Kleinste feiner bild'haf-t wirkenden Gruppendildung verfolgt, der, in Gesten und Bewegungen auseinandevfallend mi-d in die Handlung übergehend, sich doch immer wieder beim Szmenischluß zur Bil'dwivkunig zuffammenlschließt. Treu im historischen Sinne muß die Darstellung sei», glaubhaft und durch Prägnanz und TreMMvheit der Ausdrucksmittel lebendig, lebenswahr und Merzeugend. , Die japanische Literaturgeschichte hat nur wenige Na-men von Dramendichtern auszuweisen. Das kennzeichnet auch schon die geringe Werteinschätzung der Biühnenliteratur von seiten der Japaner. Oft haben die ScharHpieller irgendeinen Roman für die Bühne zurechtgestutzt und ihre Glanizvollen sich sevber sozusagen aus den Leib geschrieben. Die Bühnentexte der klassischen Dramen, in der Form, wie sie heute ausgeMrt werden, sind nicht als Buch erschienen, sondern existieren größtenteils nm im Manuskript als Eigentum der Dheatergesellschaft, so daß ein Studium der japanischen Dramen! auch nur aus dem Mge des Theaterbesuches vorgewommen werden kann. Sie Stttgüaie Sraavestn. PfychkatrißHe Untersuchung der Mörderin. Die Annahme daß es sich bei der Tat der Gattinj des Opernsängers Grosavescu um eine mindestens momentane Sinnesverwirrung gehaickelt hatscheint auch bei Gericht vvrzuherrschen. Ueber Intervention des Verteidigers Rechtsanwalts Doktor Paul T i e tz e. wird die psychiatrische Untersuchung der Frau ausnahmsweise gleich und nicht erst vor Abschluf, der Untersuchung vorgenommen. Die Frau hat sich im Jnquisitenspital ein wenig voll ihrer Apathie erholt und auch bereits etwas Nahrung genommen. Sie konnte auch einem kurzen Verhör unterzogen werden. ' Grosavescus verlassene Wohnung wurde ver siegelt. Sawrl, der Senilrmnneinbrecher. Der Einbruch in die Universität. Der dritte der Universitätseinbrecher, der vorgestern verhaftete Tischlergehilfe Vinzenz Sawel eriveist sich bei seiner Einvernahme als sehr halsstarrig. Daß er die Mitschuldigen K r a t o ch w i l und W ö g e" 11 gut keime, gibt er zu, ebenso den Einbruch in der Universität, bei dem 'sich 'die Diebe eigentlich nicht mit der Beute aus der Universitätsauästuc begnügen, sondern auch nach anderen kostbaren Beutestücken suchen wollten; nur die Kürze der Zeit hinderte sie daran, ihren Plan auszuführen. Nach den Schilderungen, die über den Lebenswandel: Sawels bekannt werden, ist Sawel Sc*: richtige Gentlemaneinbrecher. Er besitzt eine Garderobe iKit mehreren neuen Anzügen und war auch im Augenblickder Verhaftung vollkommen neu gekleidet. Das Geld, das er jeireils erbeutet, gibt er mit vollen Händen aus, so daß auch die einträglichste Beute bald durchgebracht ist. Selbst fast Abstinenzler, veranstaltet er gerne Zechgelage für seine Genossen. W » er zuletzt gewohnt hat, will er absolut nicht sagen. Man vermutet, daß Sawel noch eine Reihe anderer Einbrüche in der letzten Zeit begangen hat. , Las ungefttn&e Fensterglas. In der letzten Sitzung der Oesterreichifchen Gesellschaft für Gesundheitspflege hielt Hofrat Prof. Dr. Walter Hausmann einen Vortrag über seine ErfahrunM, daß die im Gebrauch befindlichen Fenstergläser, wie sie in den Wohnungen in Verwendung stehen, im höchsten Grad ungesund seien. Hosrat Hausmann, der znniichst von dem Einfluß des Lichtes auf Gesundheit und Krankheit des Menschen sprach, schilderte feine Versuche, die er gemeinsam mit Prof. Krumpa in der Graphischen Versuchsanstalt durchgeführt hat. Licht ist bei einer Reihe von lebenswich', ien chemischen Prozessen notwendig, es hindert und heilt Tuberkulose und Rachitis. Die Wirksamkeit des Lichtes besteht in den ultravioletten Strahlen. Run ist es seit ka rgem be'annt, dasi G as die ullraviol tien'S'.rählen nicht durchläßt, ohne daß dieses für die Hygiene notwendige Wissen irgendwie beachtet werde. Der Stadtmensch verbringt nun den größten Teil seines Lebens hinter Fenstergläfcrn, sein LebenSraum ist also im' biologis ch e n Sinne dunkel, weil seine Fenster die gesundheitlich so wichtigen ultravioletten Strahlen nicht hereinlassen. In E n g-- land wird für Spitäler, Kinderheime und Schulen eine bestimmte G'as'orte — das Vitag! as — verwendet, das die u'Itradiolettsn.Strahlen völlig durchläßt. Dieses Glas ist aber sehr t uer und kommt dahee für eine atigen.eiie Anwendung in Oesterreich nicht in Betracht. Die Versuch? Prof. Hausmanns ergaben aber, daß es auch bei uns billige Glassorten gibt, von denen ultraviolette Strahlen, soweit sie der Körper, besonders der Kinder, benötigt, durchgelassen werden. D-r Gelehrte stellte die dringend« Forderung auf, bei Neubauten unbedingt erst das GlaS auf seine Durchlässigkeit für ultraviolette Strahlen zu prüfen. Eine solche Prüfung des Glases auf seinen Gesundheitswert kann mit einnn einfachem Llpparat stattsinden. Das Verstauben der Gläser habe keinen Einfluß auf die Durchlässigkeit der unsichtbaren Strahlen. Ganz verfehlt sei es, Höhensanatorien mit ungeprüsi fm GlaS einznrichten. weil dadurch der wichtigste Heilfa'ktor ausgoschaltet wird. Ganz besonderen Eindruck machte die Erklärung des Vo"'-n-?nd."'. daß es b?i'"!''s'">:i'e in Japan so lange keine Rachitis gab, so lange man dort nicht nach europäischem Muster baute. Mit denr Fensterglas kam die Rachitis ins Land. Bombenervloston im Warschauer Friedens- «nicht. Aus Warschau wird unterm 17. d. M. berichtet: Gestern explodierte in den Räumen des sogenannten Frirden s g e r i ch t e 8 an der Ecke der Marszalkowskagasse und der Jerusalemsallee eine Höllenmaschine, welch: scheinbar kurz vorher gelegt worden war. Zum Glück hatten die Funktionäre des Friedensgerichtes bereits die Lokale verlassen, so daß kein Menschenopfer zu beklagen ist. Dagegen ist der Sachschaden sehr groß, denn die gesamten Inneneinrichtungen wurden ein Opfer der Explosion. Auch das Treppenhaus wurde vollständig zerstört. Kurz nach dem Vorfall erschien an Ort und Stelle Innenminister S kl ad k o ws U Von den Tätern fehlt jede Spur, Die Polizei nimmt an, daß es sich um jene Terroristen handelt, die vor einigen Jahren die Warschauer Zitadelle und die dort befindlichen Mnnitiousmagazine in die Lust sprengen wollten sowie das furchtbare Bombenattentat gegen das Gebäude der Warschauer Universität verübten. USIKHAUS ‘ ETROPHON m ii« Offiziell« Niederlage tön Th« Gramophooe-Co Ltd London (Gramolal. — Gramophone«, Platten, Tan«, Oper, Retnee nsw. — Gr30to Lctitungtfähist* Iceit. — T&gtictier Postvenand — Kataloge nn l Prospekte gratis nnd franko. — Einatge Niederlage ton SPfllilttfe •S’dfc V>«v»'2» Sine Plaziolsdeschn vigung gegen Meytlnk. Um.r dem Titel „Gustav cMeyriut grübt Gold" veröfsentlichtt di? sozia.demokratisch? „'Münchener Zeitung" einen Aufsatz, in dem sie Gustav Mcyrirrk, den Verfasser deS „Golem", deS „Grünen Gtsichles" ufiu., des Plagiats bezichtigt. Es hand.lt sich dabei um das neue Buch von Meyrink „Gold mach er ge schichten", das Lei August Sch?rl G. m. b. H., Berlin, erschiemrn ist. Die,Münchener Zeitung" weist die Quelle nach, ein Buch „Sagen- und Märchengestalten soirie Geister-, Wunver- und Aberglauben des deutschen Volkes", das in Berlin im Verlag Burmeister u. Stempelt vor etwa fünfzig Jahren crstlKnen ist. Durch Gegenüberstellung von Stellen aus dem MeyrinksckM Buch und der genannten QQuelle ergibt sich allerdings eine wörtliche Ucbereinstimmung mit ganz geringen und be.anglosen Aöiveichungen, dir darin bestehen, daß Meyrink hier u d da andere Worte eingesetzt hat. Man kann gespannt wie Meyrink sich zu diesen. Borwurf verhalten tuii Michael Karolhi als Luftspieidichter. „Politische Komödie." Budapest, 13. Februar. „Mc-gyar Ovsizag" berichtet au-s Paris, baß Graif Michael Karolyi g.-geniwärtig an einem Lusstpiel avbeitr, das aus drei Mstten bestrihen und den Tit>?l „P o l i t i «s ch e Komödie" Dhren soll. OO.vcG sich das Stück ha Up sächlich mit politischen Fragen befaßt, ist seine GrundtenLewz dennoch l y r i is ch; den Kern des Stückes •bittet die große Licbe eines radika-l g.sinuten Politikers, in dessen Person sich jedoch Karolyi nicht sE'st daistellen will. Sollte es dem Grw.'en nicht g?sin-gen, sein Stück in Paris zur Aufführung bringen zu lassen, «so nv'.vd er dies in L o n do n vcüsuchrn. Seine Gattin alOe-ltct bereits an d?r englischen Uebertsetzunig des Stückes. PrflalorrLFrirrn in den hebräischen Schulen Paiilftinas- Aus Jerusalem wird uns gemeldet: Am 17. Februar habeu in allen h?brüisch:n Schulen Palästinas Gedächtuissüern aus Anlaß des hunderljlihrigen Todestages des großm Pädagogen und Erzill)ungsresormers Johann Heinrich Pestalozzi staltgesimdrn. Sin Kind vor die Hunde geworfen.. Aus Lemberg wiro uns geschrievcn: Im Garten ^.nes Hauses in der Kloflergasfe wurde am Mittwoch früh vvr der Hundchliiitte die zevfl.ischte Leiche eines neugeborenen Knaben gesunden. Auf ocr Eroe lagen die zersetzten Neste von Windeln. Es besteht kein Zweifel, daß das Kind dem Kettenhund vorgeworfen und von diesem zerfleischt worden ist. - Die Ermordung des Studenten Fcllit. Czernowitz, 17. Februar. Ter Prozeß g:grn den rumänischen Studenten Totu aus Jassy, ein Mitglied der antisemitischen Vereinigung „Christliche Liga", welcher im Vestibül des Czernowltzer Straflandesgerichtes den.jüdischen Studenten Fallik niedergeschossen hat, beginnt um einen Tag später, als sie ursprünglich angesagt war, nämlich Samstag, den 19. Februar, vor dem Strafgericht in Kinpolung, das für diesen Prozeß vom Obersten Gerichtshof in Bukarest delegiert wurde. Die Anllage vertritt Generalprokurator C a p a t i n a. Den Vorsitz im Prozeß wird das Mitglied des Oberlandesgerichtes Czernowitz, Rat Radovici, führen. Das gerichtsärztliche Gutachten werden die Doktoren Zuflucht und Katz aus Czernowitz erstatten. Die jüdische Bevölkerung de" Bukowina sieht denr Prozeß mit höchster Spannung entgegen- Peffach in PnMinn. Erbeichtcrungeil für Touristen. , . Die palästinensische Regi'erung hat ebenso wie tu i den früheren Jahren Verfügungen erlassen, denen zufolge Erleichterungen bei Erlangung von Touristenvisa für Personen, die Erez Israel mir die Possachzeit besuchen wollen, gewährt werden. Personen, die durch das Palästinaamt als Touristen befunden werden, die nicht die Absicht haben, dauernden Aufenthalt in Palästina zu nehmen, werden ohne Schwierigkeiten das Touriftenvismn zum Besuche Palästinas erhalten. Die Ankunft in Palästina, woselbst diese Touristen bis 20. Mai l. I. verbleiben können, darf nicht nach dem 20. April l. I. erfolgen. Das Mitnehmen von Kindern ist nicht zulässig. Jeder Tourist muß im Besitze eines gültigen, für Palästina sowie für die Rückreise ausgestellten Reisepasses sein. Reisepässe (nebst zwei Paßbildern) zwecks Bidierung gemäß den erleichternden Bestimmungen können bis spätestens 31. Dtärz 1927 beim Palästinaamtk/ 1. Bez., Kärrttnerstrahe 26, während, des Parteienvrrkehrs (täglich, mit Ausnahme von Samstag und Sonntag, von 10 bis 1 Uhr vormittags) eingereicht wechm, woselbst nähere Auskünfte erteilt werden.

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