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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-18 · Heft 2865 (18.2.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2865 (18.2.1927)
Date
1927-02-18
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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)l\\ 886-'. 33tet% Heettckg 18. Fübrirar 192? Belte? aüiiiwt iviPijfii|iiiuii|| JUDE ANS KREUZ! ROMAN VON Coypfight 1927 by R- LowitVetlag, Wien — Leipslg. „Ich meine, daß du jetzt schon ein großer Künstlers ölst. Vielleicht so groß, daß im dich nie aus ,Kunst' ver^ 'teheu wirst." „Was heißt das?" Doch jetzt wnrtze er fortgeschickt. Es war die Sonnavenduacht. Nenn Uhr. Die ■ Straßen um den Alexanderplatz barsten von Menschen; alle Türen und Fenster von Eafös, Bars, Tanzsälen, Kinos flammten. Musik scholl durcheinander. Lichtreklamen wirbelten an unsichtbaren Dächern. Der Sommertag verdunstete in Schwüle. Don der Markthalle kamen dicke Gerüche von Fisch, Obst, Kraut, Fleisch. Der Schweiß der Menschen, der faule. Atem der .Häuser, der Moder aus offenen Kellerluken mischte sich zu berauschend widrigem Element. Die Jungenbande brach auf. Dircksenstraße. Züge rollten phantastisch oben auf den Backsteinbogen. Das Pflaster war bedeckt mit.' Mfall der Markthalle. In den Unteres. Fortsetzims.) schicen köttnm,' sich schieben Lassen, alle Sinne offen halten, das Leben parieren. Es war ganz gleichgültig, zn welchem Gott man betete. Wer hatte Zeit, Sehnsucht, Tiefe genug, zn beten, einen Gott zu haben, sich um den Gott! anderer zn kümmern1 Aber wenn Abel in diese Ghettostvaße einkehrte, fiel es ihm aufs Herz. Dieses junge Herz hatte sich gelobt, /en Unglücklichen, Erniedrigten, Verstoßenen zN dienen. Er liebte alle. Wer waren diese hier nicht die Getretensten? die am verblendetstew Gehaßten? die am tiefsten Beleidigten? Denn sie tvaren ohne Schuld —. „Scholem älechem," sagte er von Herzen zu den Fremden, die doch seine Nächsten waren. Er trat zu der Greisin, die im Dunst von Gänsebraten auf einem Bänkchen vor einenr Speiseha'us saß und blöde lächelte. „Der dlllrUächtige segne dich, Mamme Vögele," sagte er innig. Junge, schöne Mädchen umringten ihn. Er sollte kom Men und spielen. Die schöne Chase Genachow legte den Arm nm ihn, und der Mandeldnft ihrer Haut, der Opolglanz ihrer Augen, der Zitronenatem ihres roten Haars berückte den Knaben. Er spielte in dm niedrigen schmutzigen Stubm der Juden, wenn die Kerzen sanft brannten und 'Fischduft die Straße durchzog. Mle waren still. Die schöne Chaje hatte Tränen in den Augen. Sie führte ihn die steile schmale Treppe , hinab. Unten es war ganz fin-- ster — mußte sie ihn führen, umfassen. Und plötzlich, blieb sie stehen. Sie zog ihn an sich, bog seinen .A>pf hinab, küßte ihn auf den Mund. Es war der erste Kuß. Er ging tiefer und war süßer als alle Zärtlichkeiten zuvor, in seiner Einfalt und Keuschheit offenbarender. Er traf die Seele des Knaben und machte sie wissend. Alle, die sich an ihm vergriffen hatten, waren nicht eiuniäl bis in sein Blut gelangt. Chase küßte ihn. „Ich liebe dich," flüsterte sie. „Kleiner Mel,.ich Üebe dich/' f . Und da erinnerte er sich. Das hätte er schon einmal gehört. Wo, wo hatte er das gehört: ,Zch liebe dich —?'4 (Fortsetzung folgt.) führimgm der Bahn strichen junge Burschen, Dirnen wandelten langsam, riefen sich zu, lockten Männer, schimpften susi Abel, und seine Freunde, die sie umschsli Heu. Die ^Knaben belauschten bic Geheimnisse der Nacht. Nichts war ihnen fremd. . Trunken von Erlebnis taumelte Abel- Äldler, dreizehnjährig, ans dem Strudel auf, fand sich in David Adlers edlm Zimmern: Madonnen lächelten, jenseits von Erlebnis, Begier und Stillung. Von dm Linim der Schränke, dem. Glanz, der . Porzellane, dem Ornament der Teppiche ging seliger Friede aus, Gewißheit einer Schönheit über der Welt, eines Daseins, selbst dem Anhauch des Gemeinen entrückt. Es war Mitternacht. Der Jüngling spielte.. Es Mng eins, von der Alabästeruhr, die . auf schimmerndmr Tempelgebälk das silbern klingende Werk im Giebel trug: Eu' spielte. Nein, es war nicht Kunst, es war Leben, wart Stimme der Erde, des Urgrunds, des Menschenrätsels. Solange diese Stimme klang, war das Geheimnis gelöst. Der Kerzen. verloschen. ÄlLels Herz verschwang. Der "i-ftc Traum.. ~. ■ / „O, Mamuschka . : Da hielt, sie ^ihn an. der Brust. Ihr blondes Haar um-, - a-ogte ihn. Sie.war alterslos, ewig die.einzige Frau.Er-< iunerungen' streiftest den Jüngling, 'auftakchend'. Ms.'/ÄKr--- torenheit, Verstoßung, Unbewußtsein.- Ihr schlafendes.Haupt in Lockenflirt. auf goldübergläuztem Kissen. Fiebernächte —- und sie, ihn labend, ihn. hüllend in nasse Tücher. lind zehn Jahre später. Der Jüngling leidet in der Nacht. Mit dem Ruf der Kindheit:' „Mamma! O Mamma!" Erst jetzt, selbst erfahren, geht. ihm, Vergessenesauf, klärt - sich das Dunkelfrüher Einsichten. Unaussprechliches, Unvorstellbares bedrängt ihn heiß. Er setzt sich auf. Noch das Hemde beengt ihn. Das, Dunkel-belastet ihn. Und er muß still fein. Er darf deul Onkel nicht weckm. ' l Aber. David , hört noch das Lautlose. Er ahnt alle.Nöte des geliebten Kindes. Es lobt in seinem Herzen, nun an Stelle der vergötterten Mutter. Und David denkt: . „Ach, wie-Weh tut Liebe! Welche Verdammnis, nicht fühllos zu sein. Sind tvir nicht am Hilflosesten vor bem! Geliebten nud. aust schlvächsten in der Anbetung und anr kleinste u vor 'dem Heiligsten? Kein Herz — und wären leicht genug zum. Fliegern Aber das 'Herz das Herz, bannt uns au- .die Erde. Je voller es ist, desto irdischer sind tvir verstrickt. Keiu Gott ist den Süuderu der Liebe gnädig. Demi — Liebe ist Sünde an sich selbst." ... * Heimat> ganz verdichtete Heimat g'äb es nahebei. Bondein euwpäischen, intematiotialen, religionslosen Leben der Münzstraße gelangte man mit drei Schritten, um eine Ecke herum, «ritten ins Ghetto. Das war die Grenadierstraße, die. Hirtenstraße, - wo. jiddisch und. hebräisch .klang, schlechtes: Polnisch', ustd Russisch, wo koschere Restaurants und Fleischer, jüdische Buchhandlungen, Bäcker, wo hebräische Ladeuschitder schon''ganz Kulisse der. Judeugasse waren.. Und daun die Menschen. Juden im Kaftan; mit Peies, am Schabbes die Frauen in raschelnder Seide, mit Gold, den schwarzen Scheitel pomadeglänzend. Junge Mädchen trugen ihr schönes Haar hoch getürmt, kokettierten mit ihnr, ehe es fallen ruüßtc. Müder .ständen ° mauschelnd zusammen. Ueber die Straße hinüber,' von Haus zu Haus rief man, redete laut. Es roch nach Gänsefett und Grieben und Knoblauch. In der,, milden Wintersotme saßey uralte Juden mit wallendeu Bärten auf Stühlchen vor dein Hause. Franm bildeten Grrlppen. Wenn Wel-Adler dunkle Sehnsucht spürte, ging er da hinein. Brüderlicher als die Welt draußen, umfing es I. Preis: Eins Bibliothek von 300 Bänden II. Preis: Eine Gratisreise nach Palästina III. Preis: Fünf Dunam Land in Palästina und weitere 47 Preise Ausschneiden 1 i 2 41 I 42 44 .: 45 46! 47 48! 49 Name Adresse: Ausschneiden BEZEICHNUNG BEB WORTE Wagrecht: 1. Juwelengewicht, 6. Balkanstaat, 11. Flächenmaß, 12. WeibF. Vorname, 13. Wegmaß,, chinesisch, 15. Landschaft in Palästina,, 18. Festes Oestein, 21. Franzos, lyr. Gedicht,?2. Teil des Vatikan, 25. Jüd. Hohepriester, 26. .Jüd. Stamm, 28. Stimmlage, 29. Arab. Staat, 30. Bibi. Berg, 31. Tuch, 32. Rind, 34. Holzleiste, 36. Längenmaß, 39, Fragewort, 40. Chem. Zeichen für Barium, 41. Genues. Adelsgeschlecht, 44. Aengstlich, 48. Vorbild, 51. Filmschäuspielerin, 52. Weibl. Vorname abgek., 53. Ungebundene Rede, 55. Flächenraum, 57. Kloster, 59. Ich (lateinisch), 60. Riemen, 62. Zeitmesser, 63. Bezeichnen, 65. Fehltreffer (Mehrzeh'), 67. Ochs, 68. Freund (französ.), 70. Initialen eines Indischen. Dichters, 71... Mörder Heinrich IV,, 72. Herbstblume* ' Senkrecht: 1. Abk, für ein Längenmaß.. 2. Fisch, 3. Dichtung V Schnitzler, 4. Griechische Vorsilbe, 5. Chem. Zeichen für Titan, 6. Segelstange, 7. Fluß in Rußland, 8. Hirschait, 9. Fluß in Afrika,. 10. Stadt in Ungarn, 14. Militär. Kopfbedeckung, 15. Schlucht. 16. Bekannte Wiener Schauspielerin, 17. Staat in Südafrika, 18. Posse, Fremdwort, 19. Das Unsterbliche irn Menschen, 20. Organ des Menschen, 23. Der letzte Gotenkönig, 24. Eisenüberzug, 27. Das . höchste Ziel bei den Buddhisten, 29. Antilleninsel, 32. Kaffeesatz, 33. Verrückt, 35.'Laut, 37. Getränk, 38. Abk. für Religion, 42. Sinnesorgan, Mehrzahl, 43. Held der Argonaütensage, 44. Farbe, 45. Fluß in der Schweiz, 46. Bergkamm, 47. Hasten., 49. Erstauftreten, Fremdwort, 50. Blutgefäße, 54. Märchenriese, 56. Einsiedler, 53. Weibl. Vorname, .60. Stadt in Reuß, 61. Europäische ueldsorte, 64. Bindewort, 66. Abkürzung für und so weiter, Fremdwort, 68. Tierleiche, 69. Zwirnknäuel. ihn hier. Draußen vergaß er, daß er Jude lvar. Nienrqnd> mehr rief es Ihm-schimpfend nach. Er brauchte nicht mehr stolz zu sein, zum 'aufgelösten -Volk zu gehören. Um andere Dingt' handelte es sich in der großen Stadt. Tüchtig sein, im* '■» ' ... li-i-WMi. i . Nm» dintreterrde- Ssbvttnenteu erhalten öde bisher erschienenen FvrtseUuugcn unseres Noucans „Jude ans Kreuz" kostenlos nachgellefert Erklärung: Ab 13. Februar erscheint täglich in der „Wiener Morgenzeitung« ein Kreuzworträtsel. =====—* Die Diagramme sind auszuschneiden und mit Tinte oder Tintenblei auszufällen und zu sammeln. Am Schlüsse unserer Serie sind dann die gesammelten Lösungen samt den in jeder Natnmer befindlichen R ä t sei k u p o n s an die „Rätselredaktion der Wiener Morgenzeitung“ ein*usenden, Jeder Einsender kann an der öffentlich stattfindenden Verlosung, deren genauer Zeitpunkt hodh bekanntgegeben wird, teilnehmen. Blätter, in welchen unsere Rätsel erschienen sind, können jeder« reit gegen Einsendung des Betrages in Briefmarken von unserer Administration nachbezogen werden. NB. Der Beischluß des auf Seite 2 befindlichen Kupons ist unbedingt erforderlich.

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