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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-18 · Heft 2865 (18.2.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2865 (18.2.1927)
Date
1927-02-18
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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L r i oe 0 Men, Kesttvy 18. getarnt im ffet. 286o JÜDISCHE WEIT ftonflntfttoe Wdische Bumaudererhilse. Einer der wichtigsten Beschlüsse der letzten gemeinsamen Beratung der „Hias-Einigdirekt" ist der Beschluß, die Verbindung Mischen den jüdischen Emigranten in Europa und ihren in den transozeanischen Ländern lebenden Verwandten zu einer konstruktiven jüdischen AuSwandererhilfc auszugestalten. Cs handelt sich hauptsächlich darum, den Auswanderern in größerem Muße die Ansiedlungsmöglichkeiten in den in Betracht kommenden Ländern zu ermöglichen. Während die in Amerika ansäßig gewordenen jüdischen Einwanderer jetzt, da ihre Verwandten wegen der besteheirden Einwanderuugsgcfetze ihnen Nicht folgen können, die Verwandten Jahre hindurch mit schrvercn Geldopfern unterstützen, sollen diese Unterstützungen jetzt gewisserinaßen kapitalisiert und dazu verwendet werden, den auswanderungsbedürstigen Juden in Osteuropa und auch im anderen Teil Europas-die Auswanderung und Ansiedelung in einem der Einwanderungslander ermöglicht rverden. In Betracht kommen zunächst Kanada, Argentinien, Brasilien, Australien und Palästina. Mit allen in diesen Ländern bereits wirkenden jüdischen Eilmwnderungsorganisationen und in Palästina mit dem Einwanderungsdepartement der zionistischen Organisation steht Hias-Emigdirekt in Verbindung und vermittelt die Durchführung, der ganzen Auswanderungsaktivn jeder einzelnen sich meldenden Familie mit den genannten Organisationen sowie die Beschaffung der von den Verwandten der Auswanderer beizustellenden Hilfsmittel. Aber auch in solchen Fällen, wo eine sich meldende jüdische Familie keinerlei Möglichkeit zur Auswanderung hat, wird mit Unterstützung der Überseeischen Verwandten die konstruktive Hilfe im gegenwärtigen Wohnlaube in Verbindung mit den Hiezu berufenen jüdischen Organisationen durch Schaffung von Existenzmöglichkeiten durchgeführt werden. Ser erste 8«de an der UniverstlSt Kairo promoviert. In Kairo fand vor einigen Tagen die Promotion des jüdvschen Kandidaten der Philosophie, Israel B e n- S e w, zum Doktor der Philosophie und der semitischen Sprachen statt. Die Dissertation lautete: „Geschichte der Juden in Arabien vor dem Islam." Der Promotion ging die traditionelle Disputation zwischen den Mitgliedern der Prüfungskommission und dem Kandidaten voran. Dr. Israel Ben-Sew bestand die Prüfung mit der Zensur sehr gut" und ist der erste Jude, der an der ägyptischen Universität in Kairo das Doktorat erhielt. Die arabische und jüdische Presse begrüßt dieses Ereignis in ausführlichen Artikeln, in welcher der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß das gemeinsame Arbeiten der beiden Bruderstämme auf wissenschaftlichem Gebiete dazu führen werde, auch in den lebenswichtigen. Fragen der Juden und der Araber eine Verständigung herbeizuführen. Sar Lrczysche Haus i» Budapest. Das älteste Haus von Budapest, das bisher im Besitze der Familie Baron O r c z y war, ist, wie uns berichtet wird, dieser Tage an eine Bauunternehmung verkauft worden. Das Orczysche Haus an der Ecke der Königsgasse verkörpert ein Stück jüdische Geschichte von Budapest. Es wurde im Jahre 1810 erbaut, hat drei Eingänge, 48 Wohnungen, eine Unzahl von Geschäften und Magazinen. In diesem Hause befindet sich die große orthodoxe Synagoge und hier wurde auch im Jahre 1814 die erste jüdische Volksschule von Budapest eröffnet. Die Königsgasse gehört zu den ältesten jüdischen Handelsstraßen von Budapest.' und diesem Umstande Rechnung tragend, hat vor kielen Jahrzehnten Moritz Wassermann ein großes jüdisches Restaurant und Kaffeehaus gegründet, das sich allmählich zu einem Treffpunkt der Juden der ungarischen Provinz, aber auch der jüdischen Originale entwickelte. Nicht nur die inoffizielle Vorbörse wurde in diesen Lokalen abgewickett, hier hatte auch die Kantorenurü> Hauslehrerbörse von ganz Ungarn ihre Zentrale. Schon im Späffommer pflegten die jüdischen Landbewohner und die Vorsteher kleiner Judengemenrden nach Budapest zu fahren und im Cafe Wassermann die Prüfung vakanter Borbeter, Schächter und Privatlehrer und für die Feiertage und Wintersarson zu sichern. A«r dem Budget der Warschauer gudeugemeiude. Aus Warschau wird uns berichtet: In der Sitzung des Vorstandes der Warschauer jüdischen Gemeinde erstattete der Präsident der Gemeindeverwaltung Sejnckeputierter Farbstein das Budgetreferat, dem wir die folgenden wichtigeren Daten entnehmen: Das Budget der Warschauer Judengemeinde für das Fahr 1827 beträgt 4,502.370 Zloty, das ist um ein Drittel mehr als das Budget vom Jahre 1826. Der Referent nimmt eine jüdische Bewohnerschaft von 330.000 Seelen an. so daß etwa 18 Zloty Pro Kopf zur Deckung des Budgets, entfallen. Die Steuerbemesfung erfolgt vorläufig noch ohne jede feste Grundlage, so daß die Gemeinde nicht imstande ist, sämtliche Juden für die Kultussteuerleisiung zu erfassen. Die Gemeindeverwaltung ist bemüht, bei der Regierung die Erlaubnis zu erwirken, daß die Hausbesitzer der jüdischen Gemeinde eine genaue Liste der jüdischen Parteien übermitteln. Die Haupteinnahmsquelleu der Gemeinde bilden die Steuern, die Annahmen aus dem Fried- Hof und die Schächtgebühren. Der letztgenannte Punkt bildet übrigens noch Gegenstand eingehender Beratungen. Unter den Au s g a b e n der Gemeinde nimmt den ersten Platz die Budgetpost für sozialeHilfeim Gesamtbeträge von 876.580 Zlotynin. Hievon entfallen 240.000 Zloty für die in Aussicht genommene Leihkasse für den Mittelstand. Dann folgt eine Post von 60.000 Zloty für Arbeitslose und wirtschaftlich Zugrundegegangene. Für Emigrationszwecke werden nwnatlich 50.000 Zloty, für Mietzinszuschuß an alte Personen 35.000 Zloty, als Unterstützung von «^Palästina lebenden Emigranten ans Warschau 25.000 Zloty verwendet. Achtzehn Prozent des Gesamtbudgets entfallen auf Schul-, Kultur- und Talmud-Thorazwecke. Die Warschauer jüdische Gemeinde besitzt gegenwärttg ze hn Schule n mit 36 Klassen, fünf Wendkurse, drei Kinderheime, vier Kindergärten, ein Waisenhaus, vier Fortbildungskurse für Lehrer, eine Gewerbeschule für Knaben und eine Fachschule für Mädchen. Das Budget sieht eine Verbesserung und Erweiterung der Lehrgebiete dieser Schulen vor. Mhne und Kunst. , Salomo. Eines der an: tvenigstenbekannten Oratorien von ($>.' F..Händel „Salomo" gelangte im „Ge sellfchaftskonz ert" unter Leitung von Leopold Reich wein zur Ausführung. Salomo ist ein spätes Kind der Händelscheu Muse, es entstand im Jahre 1748 und war binnen.,40 Tagen vollendet. Musikalisch ist es mit Reizen reich geschnrückt, dramatisch recht stiefmütterlich bedacht, woran auch der Text von Marell schüldträgt. Er bietet selbst für ein Oratorium zu wenig Drama. Im ersten Teil, in welchen: Salomo seine Gemahlin begrüßt, geschieht gar nichts, im zweiten fallt er das bekannte salomonische Urteil zwischen den beiden um das Kind streitenden Müttern, im dritte:: Teile,empfängt er den Besuch.der Königin von Saba, welcher.hier weit harmloser als in Goldmarks Oper verläuft. Es geschieht also so ivenig, daß die modermn Dewewegu:Hschöre hier kaum Betätigung finden könnten. Die Hmrdelsche Vdusik ist übrigens stark genug, ihrer zu entratcn, zumal sie oft durch ihre Aufdringlichkeit nur die Illusion stören. Wundervoll ivie imip.er bei Händel sind die Chöre, groß, majestätisch in Doppelchörcn und Doppelfugen, :mb doch einfacher als sonst. In den Arien schwingt,viel Lyrik mit, viel Pastorales, auch der zu einem Pastorale.gehörige Nachtigallenschlag stellt sich ein. Der zweite Teil bringt ein Musterbeispiel feiner Charakteristik der wahren Mütter einerseits und anderseits "ber falschen, mit ihrer Frechheit und Verlogenheit in Gesang u:ck Orchester. Und wie schön ist das Festkonzert der S-'-^er und Jnstrumentalisten der berühmten Hofta/elü zu E!').e.i der fremden Königin. Händel ist eben ein Meister, oer — an: .Maßstabe seiner Zeit gemessen — alles kann; er braucht nicht erst entdeckt zu werden. In der Aufführung im Gesellschaftskonzert sang Fräulein Anday sehr schön die Altpartie, Frau Foerste! mit Wärme das Sopransolo, ungemein »vürdig, bühnenmäßig Herr Manowarda den König Salomo, bläßlicher Herr Nieder mann das Temarsolo. Der Chor des Singvereine? ließ an Präzision manches zn wünsche:: übrig. fflb. Ans den Mat««. Burgkheater. Morgen, halb 6 Uhr, „Der Dik» t a t o r". Akaöemieth roter. Morgen, halb 8 Uhr, „Marita" (Abonnement 3. Gruppe). Opern thea:« r. Morgen, halb 8 Uhr. „I n ter - m e z z o". Volksoper. Morgen (Samstag), halb 6 Uhr, „Siegfried" mit Kammersänger Hubert Leuer in der Titelrolle. D en t sche S Volk 3 th ea t er. Sonntag, 3 Uhr nachmittags, „Ein Bruderzwist in H a b s b u c g"; abends „Der Garren E de n". Raimund-Theater. Sonntag. 3 Uhr nacbmittags, „A lab in und die W u nd c r la mp e". Neue Wiener Bühne. Heute Urai,fführnug be* Luistspieles „D i e Schauspielerin und die N o l l e" von Wilhelm Lichten. Modernes Theater. Morgen und Sonnlag, 8 Uhr abends, „Die schwarze Messe" und „L o rd S o I c e n" von Richard Oswald. Als Nachtvorstellung gelang: die Revue J uitiflt nt i t" zur Aufführung. Die Bestattung Juschkewltschs. Aus Paris melden I. T. A.: Am 15. b. M., nachmittags, wurde der verstorbene ruffisch-jüdische Schriftsteller Semjon Inschke witsch zu Grabe getragen. Die russische Gesellschaft in Boris war sehr zahlreich vertreten. Am offenen Grabe sprachen R.'.bbiner Dr. Ei se n fta b t, Advokat Sliosöerg, Paul M tljukom uno Schakom Asch. Pflege jüdischer Kunst in Kaschau. Man schreibt uns aus Kasch au: Der hiesige jüdische Äulturverein setzt seine Tätigkeit erfolgreich fort. Am 22. Jänner l. I. wurde außer Gesangs- und Musikvorträgen der Einakter „G ol em" ausgefuhrt. Dieses gedankenreiche Stück stellte an alle Mitglieder des Dilettanten-Ensenwles große Anforderungen, die ausnahmslos gelöst wurden. An: 6. d. M. wurde im Rahmen eines Kulturabends das Lebensbild in drei Akten „Ze rseit in z e rsp reit" von Schalom Alejchem ausgeführt. Wenn sämtliche Mitglieder der Truppe ihr Bestes gaben, so muß doch das originelle Spiel de§ Fräulein Eichhorn Rozsi als Mutter und das des Fräulein Appel als Dienstmädchen besonders hervorgehoben werden. A. Fr. Jüdisches Künstlerkabarett, 2. Bez., Praterstraße 60. Heute, 8 Uhr abends, gelangt die Operette „lernte Letz" von I. Meise! zur Aufführung. Die Titelrolle spielt Herr Simon F o st c I. Vereine, SotltäBC und Versammlungen. Kulturamt des Zionistischen LandeSkomiteeS für Oester» reich. Morgen. Samsrag, spricht um 8 Uhr abends im Jüdischen Zentrum, 2. ^8ez>, Untere Augartenstratzc 85, der bekannte hebräische Schriftsteller, Autor des palästinensischen Roma ne s „Tag und Nacht", Herr Nathan Distrihkn, über „Die neue hebräische Lyrrk". (lieber David Schi man ow:tz und Jakoib Fichmann anläßlich ihrer „Dichterjübiläen.).. GWe/herz- /ich willkommen! Artistenprüfung im Johaun-Gtranh-Theaier. Dre Internationale Artisten-Organisation wird die nächste Artistenprüfung am Samstag, den 5. März 1927 um 3 Uhr nachmlitagZ, irn Johann-Strauß-Theater athalren. Der Kartenvorverkauf hat an ten Theaterkassen und am Schalter der Internationalen ArtHsten-Ocganisatwn, 2. Bez., Prärerstraße -18. d-re-tS begonnen. Kulturamt des zionistischen Landeskomitees. Der Vortrag des bekannten palästinensischen Schriftstellers Nathan Bistritzkh über die neue hebräische Lyrik (Jakob Fichmann und David Schimonowitz) findet am Samstag, dc>n 19. d„ 8 Uhr abends, im Moadon iwri, 2. Dez., Untere Angartcnstraße 35 (nicht. Wie irrtümlich gemeldet wurde, in der ZirkuSgasse B3\ statt. .fff Sie haben nicht mehr viel Zeit wenn Sie aus der Prämien-Aktlon der »Wiener Morgenzeltung“ die herrlichen Geschenkwerke erhalten wollen, die für Jahres- und Halbjahresabonnenten ausgesetzt sind. Nur noch bis 31. März 1927 können wir, da die starke Nachfrage nach unseren BQcherprämien unsere großen Bestände stark gelichtet hat, die folgenden Gratisprämien zur Verteilung bringen. Jahres-Abonnenten erhalten bei sofortiger Vorausbezahlung der Jahresbezugsgebfihr nach Wahl: JofcpAws STImpiiu SÄMTLICHE WERKE. In drei eleganten Prachtleinenbänden, Mehr als 2000 Seiten, schönster, klarer Druck, holzfreies Papier, oder ITeiniidk Shtcäetx GESCHICHTE DER JUDEN. Drei vornehme Geschenkbände. 2200 Seiten stark, oder tfwfcwu JVcdUn PALÄSTINA. Ein herrl.Le*lkonband m, SOOneuen Bildern aus Erez Israel in meisterhalter Reproduktion. Text v d. berühmten Forschungsreisenden. Halbjahres - Abonnenten erhalten bei sofortiger Vorausbezahlung der Bezugsgebühr folgende Gratisprämien nach Wahl: iTAeodot Kerxl FEUILLETONS. Zwei geschmackvolle Geschenkbände. 700 Seiten stark jfdoll 03öfhwn DIE ZIONISTISCHE BEWEGUNG. Zwei Bände in einem hocheleganten Großoktavband. Gebd. ca. 400 Seiten Kefmann DAS OSTIÜD1SCHE ANTLITZ. 52 Meisterzeichnungen Text von Arnold Zweig äFigsipauiiNlviB DAS SCHÖNSTE JÜDISCHE SAGENBUCH 400 Seiten in modernem Leiuenband. Das Jahresabonnement der ,Wienei Morgen?eitung* kostet für Oesterreich S 60.- und 5 1.50 Portospesen m S 61.50, für alle übrigen Länder das Zwölffache des am Kopfs des Blattes j angegebenen Monatsbezugspreises, zuzüglich Portopesen von § 2.50 im Gegenwerte der betreffenden Landesvn»-; Die »Wiener Morgenzeltung" kann in Wien in jeder T»afik bezogen werden

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