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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-18 · Heft 2865 (18.2.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2865 (18.2.1927)
Date
1927-02-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Gerde 4 Min, Freitag beben wurde heute morgens, zeitlich früh, im Observatorium von K e w verzeichnet. Der erste Stoß erfolgte um 1 Uhr 47 Minuten 31 Sekunden. Die Entfernung des Mittelpunktes des Erdbebens wird auf 8800 Kilometer geschätzt. Das Erdbeben dauerte vier Ständen. Tokio, 16. Februar. Hier wurde ein starkes Erdbeben, dessen Herd man in Kamtschatka vermute?, verzeichnet. Das Beben dauerte ungefähr viereinhalb Stunden. tzrvlofion in einer schweizerische« Sprengstoss- Fabrik. Lottikon, 17. Februar. Im Nitriergebäude der schweizerischen Sprengstoffabrik Dottikon ereignete sich heute nachmittags aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache eine Explosion. Hiebei wurde ein Arbeiter getötet, ein Chemiker und ein weiterer Arbeiter erlitten schwere Brandwunden. Der am Gebäude entstandene Sachschaden ist bedeutend. „>i Pinedos Weltflug. Rom!. 17. Februar. Der Start de Pinedos zum Fluge über den Atlantischen Ozean hat eine Verzögerung erfahren, weil von der südam'erikanischen Ostküste schwere Stürme gemeldet werden. In Buenos Aires wütet ein so heftiger Z y k l o lty Laß fast jeder Straßenverkehr unterbrochen ist. Die brasilianische Regierung hat eitlen Kreuzer nach der Insel Fernando da Noronha beordert, der sich zur Verfügung de Pinedos stellen soll, falls dieser zu einer Notlandung in den brasilianischeil Gewässern geztvungen Mit sollte. Der Todestag Peftalozzis. Ans Bern wird gemeldet: Der 100. Todestag des Pädagogen und Menschenfreundes Heinrich Pestalozzi wurde überall in der Schmerz iit einfachem Rahmen gefeiert. Die offiziellen Gedenkfeiern spielten sich in Brugg im Aargan ab, wo Pestalozzi am 17. Februar 1827 gestorben ist, und im benachbarten B i r r, wo auf dem Grabe ein Kranz niedergelegt wurde. Der Vorsteher des eidgenössischen Departements des Innern, Bundesrat Chuard, sprach im Namen der schweizerischen Regierung, worauf eine Reihe ausländischer Vertreter Gedenkreden hielten. -er Arierparaaraph in der deutsche« Studenten schait. Berlin, 17. Februar. (I. T. A.) Amtlich wird die nach Verhandlungen mit mehreren Rektoren preußischer Hochschulen von den preußischen Studentenschaften als Antwort auf das Schreiben des Minsters Becker vom 24; Dezember 1926 abgegebene Erllärung veröffentlicht. In der Koalitionssrage verpflichten sich die preußischen Studentenschaften in Verhandlungen mit den österreichischen Studentenschaften einzutreten, in dem Sinne, daß die Oest erreicher sich auf anderer als rassischer Grundlage organisieren, wodurch ihre Zugehörigkeit zur Deutschen Studentenschaft keinerlei Konfliktstoffe mehr schaffen wird. In der Frage der Zugehörig-' keit der Ausländsdeutschen sind die preußische: Studentenschaften bereit, einer Mitwirkung des Rektors trls Berufungsinstanz zuzustimmen. Irr polnisch-österreichische Schiedrvrrtrag. Warschau, 16. Februar. (Poln. Tel. Ag.) Der Senat hat den Vergleichs- und Schiedsvertrag mit Oesterreich genehmigt r "> ,.-Es-—' «i Landsleute ebenso künstlerisch, gezügelt, zigeunerhaft, wie ' Bachs Ciaeonna klar, lauter, edel, männlich. Er' hat nicht den Tonzauber seiner berühmten Brüder, den schmelzenden Timbre des Klangs, aber tiefe Musikalität und Versenktheit in das Gefüge der Schöpfung, die er nachschafft. Dazwischen singt Ada Sari, ganz große Primadonna, vor internationalem Parterre, die strahlenden Arien ewiger Melodienopern. Ihre Koloratur hat nicht die sphärische Leichtigkeit einer Jvogün, die ganze Stimme ist robuster, gefüllter, materieller. Dafür wirkt sie noch blendender, die Cantilene ist von durchdringender Kraft, die Verzierung, statt Rokoko, Barock. Aber manchem liegt das saftigere Barock mehr. Ein großer, Ningender Abirnd. Nur für Berlin, Ueberraschung großen Stils, war Hermann Scherchen. Frankfurt kann stolz cutf ihn sein. Er hatte das fanwfeste Programm: Negers vernachlässigte Sinfonietta glühte unter ihm von der Leidenschaft und- Inbrunst, die nicht jeder Dirigent iu sich hat und also in ihr entdecken kann. Beethovens Große Fuge konnte sich in der Darstellung (auch Scherchen hatte die Philharmoniker um sich, die er zu faszinieren schien) mit der Furtwänglers durchaus messen. Dann kam ein Concertino (am Klavier die für solche Musik stark begabte Hella Mandelbrot) des genialen Honegger und Stramin s k y, Tanzsuiten, von musikalischem Geist, Witz, Humor überströmend, Keine, hinreißende Orchestergebilde, von Scherchen virtuos, mit letzter Bravour exekutiert. Ein junger blonder Mann, lehrerhaft anzuschauen, von Schüchternheit umflossen: und dann, die Arme hebend (ohne Stock), plötzlich ein besessener Musiker, d,er Orchester und Publikum mit dem ersten Takt in seinen Bann reißt. Ein Meister von morgen! Kurt Münzer. Wiener Morgert-ettrrrrg 247.000 Krieg,opi« in Leflmrich. Erhöhung der JnvalSdenbezÜge. Mit der gestern vom Nationalrat beschlossenen 9. N ovelle zum Jnvalidenentschädigungsgesetz ivurden einige Verbesserungen für die Opfer des „großen" Krieges geschaffen. So zum Beispiel wird in Hinkunst die Rente für Kriegsblinde monatlich 318 Schilling, für die Hilflosen 252 Schilling und für die Voll invaliden 120 Schilling bettagen. Ferner wird eine große Zahl von Tabaktrafiken an Invalide verliehen. Der Aufwand für die Mehrzuwendungen an die Kriegsopfer beläuft sich auf etwa 13 Millionen Schilling. In Oesterreich gibt es gegenwärtig 247.000 Kriegsopfer. Davon sind 285 Kriegsblinde, 873 Hilflose, 4577 Vollinvalide, 31.000 KriegerSwitwen und 765.000 Kriegswaisen. Die Gesamtzahl der Hinterbliebenen nach Kriegsteilnehmern bettägt 182.600. Von den in Oesterreich vorhandenen 10.000 Tabaktrafiken erhielten bisher die Jnvalidm 4000, von den 285 Kriegsblinden sind 260 im Besitze einer Trafik. In der Debatte über das Gesetz kam es zu lärmenden Auftritten, als der christlichsoziale Abgeordnete Doktor D r e x e l über die mißbräuchliche Praxis einzelner Jnvalidenentschädigungskommifsionen Beschwerde führte. So hätten in Graz alle Mitglieder ohne Ausnahme ihre Ansprüche auf 75 bis 100 Prozent hinauflizitiert und d<nm die Abfertigung als Vollrentner verlangt. Darunter habe sich auch der sozialdemokratische Vizebürgermeisterr von GrazRückel befunden. In Wien habe sich der Invalide W o l ft Müller eine 100prozentige Abfertigung verschafft, obwohl man nicht einmal wisse, wann, wo und wie er verwundet worden sei. Wolfmüller (ein Funktionär der sozialdemokratischen Jnvalidenorganisation) habe nicht nur eine Abfertigung von 72 Millionen, sondern auch eine Tabaktrafik erhalten, obivohl seine Frau schon früher eine bekommen hat. Dr. Bauer erklärte demgegenüber, Wolf müller habe eine Fußverkürzung, eine noch nicht geschlossene Wunde — das Geschoß ist noch im Körper — uttb eine beiderseitige Lungenaffektion. Nückel, der im Kriege ein Auge verloren und einen schweren Kopfschuß gehabt hat, sei nicht anders behandelt worden als andere Kriegsbeschädigte. Im Einlauf der Sitzung befand sich u. a. eine Anftage des Abgeordneten Leuthner betreffend die ungerechte Handhabung de.r Disziplinarordnung durch Organe der Wiener Universität. Die Kienböck-Schillinge werden wieder voll Ungelöst. Nach, zwei Millionen Stück im Umlauf. Die Regierung hat gestern Pen: Nationalrat einen: Ge- - setzentwurs! vorgelvgt, wonach die alten Silberschillinge vom Jahre 1924, falls das Parlament das Gesetz beschließt, wieder zu ihrem dollen NenMverte von den öffentlichen Kassen eingelöst werden müssen. Damit ist eine neue Phase in dem wechselvollen Schicksal der Kienböck-Schillinge zu verzeichnen. Als die ersten Silberschillinge im Jahre 1924 ausgegeben wurden, sand.m sie allgemeinen Anrlang und die Beliebtheit dieser Münze steigerte sich derart, daß sie aus dem öffentlichen Verkehr verschwanden. Si-e wurden stark gehamstert und kamen eine Zeitla-ng gar nicht und dann nur in beschränkter Anzahl wieder zum Vorschein. Die Negierung behalf sich nun damit, daß sie die alten Silberschillinge, die einen weit höheren Silberivert haben als die neuen, inihremKurswert her ab setzte und die Nationalbank sie ab 1. Jänner l. I. nur mehr zu einem Kurs von 63 Gro schen einlöste. Infolge des Steigens des Silverpreises mußte dann freilich der Einlösungskurs dieser Silberschillinge auf 69 Groschen erhöht werden. Die ursprüngliche Absicht, die einlaufenden alten Silberschillinge umzuschmelzen und nach entsprechendem Zusatz von unedlem Metall neue Schillinge zu prägen, mußte fallen gelassen werden, da von den zur Ausgabe gelangten 3,790.000 bis Jahresende nur 1,716.000 Stück, also nicht einmal die Hälfte, zur Nationalbank zurückwanderten. Noch mehr als zwei Millionen außer Kurs gesetzter Altschillinge befinden sich in Strümpfen, Truhen und anderen Verstecken. Sie werden jetzt vielfach von spe-kulativenKöpfen zu 80 oder 90 Groschen pro Stück aufgekauft und beim Geldwechsel vertrauensseligen Personen angehängt, die nicht jeden Schilling genau an sehen. "Auch nach der neuen Vorlage 'haben die alten Schillings keinen Wert als Kurantmünze, dagegen müssen sie von allen öffentlichen Kassen zum vollen Nennwert in Zählung oder in Verwechslung genommen'werden. Die Regierung glaubt nun, daß sie mit denr gestern im Nationakrate angebrachten Gesetz die Hamsterer dazu bringen werde, mit ihren alten Si.'berschillmgen herauszurücken und sie an die Staatskassen abzuliefern. Die Pessimisten bezweifeln dies sehr, um so mehr als behauptet wird, daß man ln der Schweiz und in Bayern für diese Silberschillinge mehr zahlt als ihr Nennwert beträgt. Dir Beschuldigungen Kaflr gegen Renner. Der Abgeordnete Dr. Renner hatte aus dem Linzer Parteitag die bekannten Beschuldigungen des gewesenen Berbandssekretärs Siegmund Kaff wegen der Vorgänge in der Göe mit der Erklärung zurückgewiesen, daß er vor seinem Angreifer ausspucke. Da diese Aeußerung sich in dem Protokoll des Parteitages vorfinbet, hat Kaff den Redaktem dieses Protokolls Herrn Gustav P o llatschek und den Abgeordneten Dr. Nenner wegen 18. Februar 1997 Nt. 2868 Vergehens der Ehrenbeleidigung, begangen durch die Presse, geklagt. In der Klage, die vor das Schivurgericht kommen muß, ersucht Herr Kaff, „das hohe Gericht wolle dem Nationalrat eindringlichst die Notwendigkeit der Auslieferung des Abgeordneten Renner darlegen, und ich hoffe zuversichtlich, daß der Nationalrat diesem Anträge leisten wird, denn kein Mensch mit sittlichem Empfinden wird die Verweigerung der Auslieferung begreifen können." Ne Polizei im Kanal. eine SA»dltioi> seren siMech«. Bezeichnende Streiflichter auf das Verhä.tnis zwischen Dick mck> Hehler wirft eine Amtshandlung der Polizei, die einige Tage hindurch gegen eine Bande gefährlicher Eiirbrecher geführt wurde. Die Polizei hatte erfahren, daß der 40jährige Kaufmann Gustav Taus in der Lerchenfelderstraße ein von Kanaleinbrechern gerne aufgesuchter 'Hehler ist, der von Ihnen 'Diebsbeute zum Verkaufe übernähmt und sogar Autos zur FortUaffurrg gestohlener Sache« beistellte. Nach längeren Beobachtungen konnte nun vor einigen Tagen festgestellt werden, daß umfangreiche Warenpakete im Auto zu seinem Wohnhanse gebracht wurden. Tags vorher war in der Margaretenstratze ein sehr verwegener Einbruch vom Kanal aus in das Geschäft einer Miedermacherin verübt worden, bei der Waren Im Werte von etioa 3000 Schilling erbeutet worden waren. Die Polizei schritt zu einer Hausdurchsuchung bei Taus und konnte dabei nahezu die ganze Beute aus dem Miedergeschäfte beschlagnahmen. Aber auch eint große Reihe von aus anderen Diebstählen henühvenden Waren wurden hiebei festgestellt. Dieses Ergebnis hatte zur Folge, daß Taus wegen Dickstahlsteilnahme verhaftet wurde. Er verweigerte jede Aussage über die Herkunft dieser Waren. Dennoch konnte der 34jährige Möbelpacker Karl Richter als Ueberbringer eines Teiles der Einbruchsbeute festgestellt werden und bald darauf auch der wiederholt abgestrafte 34jährige Hilfsarbeiter Johann Fröhlich, der 28jährige Karl S a l l e r und der 29jährige Franz K l e m p a als Mitglieder der Dicksbande verhaftet iverden. Aus dem Verhör mit ihnen ergab sich, daß die Beute der Dicksbande zumeist in die Wohnung des Richter und von ihm wieder durch seine Geliebte, die 25jährige Hilfsiarbeiterin Aloisia Fabra und seinem Neffen, dem 26jäyrigen Kellner Franz Lischka in eine Schrebergartenhütte gebracht wurden, von wo sie von Richter und dem aus Oesterreich abgeschafften 36jährigen Juwelier Jakob Weiß,, der erst am 1. Jänner aus der Strafanstalt Stein entlassen worden war, dem Taus verkauft wurde.- Im Verhör mit ihnen wurde festgestellt, daß sie seit anfangs dieses Jahres mehrere Einbrüche vom Kanal aus begangen haben, wobei sie oft zur Grabung der erforderlichen Tunnels - ' mehrere Nächte gebraucht habön. Um die Beule aus diesen Einbrüchen sicherzustellen, unternahm nun die Polizei eine förmliche Expedition in den Wienfluß* k a n a l. Nach längerem Suchen konnte folgende Beute zustande gebracht werden: 265 Paar Damenseidenstrümpfe, 103 Paar Herrensocken, 183 Paar Handschuhe, 149 Selbstbinder, 31 Seidenschals, eine ganze Menge Seiden- und andere Unterwäsche, die alle von einem Einbruch in daS Konfektionsgeschäft Schubert in der Margareten straße herrühren. Insgesamt konnten gestohlene Waren um 12.000 Schilling sichern,estellt werden. Die ganze Bande wurde dem LandeZgericht eingeliefert. Der Anbruch in die Univerfität. Auch ver dritte Täter verhaftet. Der in der Nacht zum 12. d. M. in der Quästur der Wiener Universität verübte Einbruch ist nun vollständig aufgeklärt. Bekanntlich konnte der Jndustriemaler Her* ntanit Kratochwil auf frischer Tat ertappt und. verhaftet werden, während der zweite Täter Sonntag nachts in der Person des Hilfsarbeiters Hermann Wögerer festbenommen wurde. Bei diesem wurden auch die gestohlenen Ehrenketten wieder zustcmdegebracht. Nur der Gefährlichste der drei, der Tischler Vinzenz Sawel, der. schon dreimal wegen Kasseneinbruches abgeurteilt worden und erst am 8 .Dezember v. I. während der Eskorte nach der Strafanstalt Stein, wo er eine vierjährige schwere Kerkerstrafe verbüßen sollte, entsprungen ist, fehlte. Gestern abends konnte nun auch er verhaftet werden. Die Polizei hatte erfahren, daß sich Sawel in einem Kafseehause in der Burggasse aushalte. Da Sawel als ungemein gewalttätig bekannt ist, griff man zu einer List, um ihn auf die Straße zu locken. Ein Bote sagte ihm, daß eia Fräulein vor dem Cafe warte. Sawel trat auf die Straße und in diesem Augenblick faßte ihn ein Wachmann. Allein Sawel konnte sich losreißen und eilte davon. Unter großem Aufsehen wurde er verfolgt und nach kurzer Jagd festgenommen. Bei der Polizei verweigerte er jede Auskunft. Er war vollständig neu gekleidet. Das Sllenbatznunglück bei Leopoldau. Die Polizei hat gestern die beiden bei dem Eissen» bcchnunigMck ums Lehen gekommenen Personen agnosziert. Die Getöteten sind der 45jährige Johann Gargulak aus Kaiisevmlihlen, der andere der 30jährige Hilfsarbeiter Frans N o w o s z e l aus Tiefenbach. Der Kudscher Anton Stift, der den bischerigen Evhehungen zufolge an dem Unfälle schuldtragend sein dürste, da er durch den sich bereits senkenden Bchnss-chranken durchgefahren isst, isst km Spitass feinen schweren Verletzungen o r I e fi c it. Die Unterisuchung bezüglich -der Schuldssvage ist noch nicht ganz aLigesschlossen.

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