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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-18 · Heft 2865 (18.2.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2865 (18.2.1927)
Date
1927-02-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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I Nr. SSW Sie», Freilos Wissse MsegM-sitems 1«. Febwvr 1SS7 Seite L Sie Ieivifh Asenctz. Me es rv dem Patt kam. Nemyork, 15. Februar. In der Zeitung „Der Tag" erzählt Z. H. R u b i n st e i n die Vorgeschichte des Pattes. Danach hat Dr. W e i z m a n n mehrere Wochen zuvor eine Gruppe angesehener New Vorker Juden zu sich eingeladen und ihnen in einer fünfstündigen Unterredung die Tatsachen und die Situation dargestellt und ihre Mitwirkung bei dem Ageney-Plan gefordert. Das Resultat dieser Besprechung war der Beschluß dieser Gruppe, der sich später noch mehrere Persönlichkeiten anschlossen, Dr. Weizmann zu helfen. Zunächst wurden folgende drei Punkte ins Auge gefaßt: 1. Hilfe bei der Erweiterung der Agency; 2. Ernennung einer einflußreichen und angesehenen Persönlichkeit als Präsident der Palästina-Kampagne New York (inzwischen hat Judge Rosa l s k y, der selbst Mitglied des Komitees war, dieses Amt übernommen); 3. ein Komitee von Geschäftsleuten zu schaffen, zur Unterstützung der Zionistischen Organisation. Das Komitee der Mittelsleute besuchte dann Mr. Marsh all und hatte mit ihm eins lange Unterredung. Mavfhall versprach, einen Entwurf eines Uebereinkommens vorzubereiten, doch müsie vor allem der Friede mit den „beleidigten Personen" seiner Gruppe (gemeint ist Mr. David A. Brown) gemacht werden. Brown wurde nach New Pork bestellt, er zeigte sich aber sehr erregt und unversöhnlich und nun begann eine Reihe von überaus aufregenden Verhandlungen. Brown schrick selbst seine Bedingungen" nieder, doch lehnte das Komitee ab, seinen Vorschlag an Dr. Weizmann weiterzugeben. Das Komitee bereitete selbst einen Entwurf vor, und als es damit Dr. Weizmann besuchte, empfing sie Weizma n n, bevor er den Brief gelesen hatte, mit den Worten: „Meine Herren, ich will den Frieden. Zion steht für mich über allen Erklärungen und über aller kleinlichen Politik. Ich will den Frieden und muß ihn haben. Ich werde jedes Schriftstück unterzeichnen, das Sie, meine Herren, mir vorlegen." In dem Artikel wird weiter dargestellt, daß das eigentliche Ageney-Uebereknkommen von Marsh all selbst behandelt wurde, während der Briefwechsel von Brown bearbeitet wurde. Es folgte eine Reihe von Konferenzen und Verhandlungen, von Streik um Worte und Ausdrücke, bis schließlich am 17. Jänner, an dem Tage, an welchem die Versanrmlung angesetzt war, um 7 Uhr abends der Patt noch nicht unterschrieben war. Erst während der Versammlung, um 10 Uhr, traf Judge Lewis mit den Dokumenten ein. Darauchin verkündete Dr. Weizmann das Zustandekommen der Vereinbarung. Weder Mr. Brown noch ein großer Teil der Zionisten sind hundertprozentig mit dem Text des Pattes zufrieden. Aber jetzt, so schließt der Artikel, muß der Patt bleiben und gelten, so wie er ist. ßrMrmim WM. Newyork, 16. Februar. (I. T. A.) In einer vom zionistischen Distrittsrat des Dvwntown einberufene« Versammlung erwiderte Herr Louis Lipsky, Präsident der amerikanischen zionistischen Organisation, auf die Angriffe, die in der Versammlung des zionistischen Rates von Groß- Newyork auf Dr. Weizmann und die Leitung der amerikanischen zionistischen Organisation gerichtet wurden. Die Kritiker, führte Herr Lipsky aus, scheinen vergessen zu haben, daß die hier geführten Verhandlungen eine Verwirklichung von Beschlüssen bedeuten, die der letzte Zionistenkongreß, unter Zustimmung der amerikanischen Delegierten, gefaßt hat. Was den Bortvurf betrifft, daß Dr. Weizmann uns nicht zu Rate gczogen hat, so geht dieser von ganz falschen Voraussetzungen aus. Seit seiner Ankunft in Amerika hat Dr. Weizmann stets Hand in Hand mit uns Qeat* beitet. Jedem Schritt, den er unternahm, ging eine Beratung mit der Leitung der amerikanischen zionistischsen Organisation voraus. Das Ülbfommen betreffend die Internationale Kommission der Sachverständigen und die Jewish Agency, der Briefwechsel zwischen Dr. Weizmann und Louis Marshall — alle diese Schritte hat Dr. Weizmann mit meinem Wissen, meiner Zustimmung und unter meiner Mitarbeit unternommen. Unser Mministrativkomitee wurde pünktlich über die geplanten Aktionen informiert und gab vor deren Durchführung feine Zustimmung. Der Brief Dr. Weizmanns an Marshall hatte vor der Absendung dem Wministrativkomitee der amerikanischen zionistischen Organisation und dem Exekutivkomitee des United Palestine Appeal Vorgelegen. Der Briefwechsel und das Abkommen unterlagen unserer Krritik. Aber es war unser einmütiges Gefühl, daß wir um des Zieles willen und um LBwenfranzüranntweln Schutzmarke. mit Menthol ist immer sohmersstil* lend, äußerlich kühlend innerlioh stärkend. Ueberall erhältlich. » {XXXXX)OOOOOOCQOOSOOQCXXXXX)OQOOOOJOQOOO> den Frieden unter der amerikanischen Judenheit zu erhalten, das Vergangene vergessen und auch den Briefauslausch-gutheißen müßten, der ja eine Begleiterscheinung jenes herrlichen Dokumentes war, welches die Bildung der Internationalen Sachverstäidigcnkommission für Palästina Vorsicht. Auf diese Weise hoffen wir, in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen des Wiener Kongresses eine wirksame Jewish Agency zu schaffen. Man mag uns „Bescheidenheit" vorwerfen, wir glauben aber, daß die zionistische öffentliche Meinung diese Art von Zurückhaltung als die höchste Form moralischen Mutes preisen wir Riesige Unwetterkatastrophe in Südkalifornien. 8i« Schnellrag in einen Und gestürzt. — Lawinen. — 20 Städte überschwemmt. — zahlreiche Spser. 5000 obdachlose. Newyork, 17. Februar. Seit vier Tagen wird das ganze westliche Gebiet der Vereinigten Staaten von einem überaus heftigen Sturm, der von starken Schnee- und Regenfällen begleitet war, heimgesucht. Das Unwetter hat ganz besonders Südkalifornien, Oregon und Kolorado betroffen und zahlreiche Opfer gefordert. In Sierra Nevada wurden 11 Personen von einer Lawine getötet. In Big-Creek wurden 10 Personen durch einen Erdrutsch verschüttet. Der Zyklon hat in verschiedenen Orten Kaliforniens zahlreiche Gebäudie umgeworfen. Eine Gruppe von 50 Kino schauspielern ist in Sierra Nevada verschüttet worden. Mit Hilfe eines Flugzeuges mußten ihnen, da Befreiungsversuche derzeit unmöglich sind, Lebensmittel zugeworfen werden. Bei den an der Küste des Stillen Ozeans niedergegangenen Wolkonbrüchen sind tat ganzen 24 Menschen ums Leben gekommen. Hunderte von Farmern im Bezirke von Los Angeles fliehen, um den Fluten zu entgehen. Die Verbindung nach San Diego ist abgeschnitten. Ein Teil des Schnellzuges Los Angeles— Chicago ist infolge des Einsturzes der über den San A-ntonio-Fluß führenden Brücke in den Fluß gestürzt. Die Lokomotive, der Gepäcks- und der Speisewagen versanken in den hochgehenden Fluten. 3 Passagiere wurde« grtittet, 23 schwer vrrvetzt. Der durch das Unwetter angerichtete Schaden wird auf mehrere Millionen Dollar geschätzt. Eilwa 30 Städte in Südkaliforniest sind ganz oder teilweise überschwemmt. Mehr als 5000 Personen sind obdachlos. Der Eisenbahnverkehr in den heimgesuchten Gegenden ist nahezu vollständig lahmgelegt, Schueeftlirme in Siidferbien. Graz, 17. Februar. Der „Tagespost" wird aus Belgrad von großen Schnee st ürme» und Schneeverwehungen in Südserbien berichtet. Der Eisenbahnverkehr ist auf mehreren Linien unterbrochen. Auch die telephonischen Verbindungen mit Südserbien sind gestört. Der Belgrader Ministerrat hat in seiner heutigen Sitzung als erste Hilfe für die vom Erdbeben betroffene Bevölkerung 200.000 Dinar bewilligt. 81» mehrstündige, katastrophale, Ferubebeu. Wahrscheinlich ln Kamtschatka. London, 16. Februar. Das meteorologische Buveau des Luftfahrt-Ministeriums teilt mit: Ein großes Erd¬ Mißmut und Freude in Bettln. Paul Kornfeld, nach genialischem Beginn, sucht den trauten Heimweg zu den Vätern des deutschen Lustspiels. Er baut sich, hungrig nach Ertrag, am „Fröhlichen Weiitberg" an und pflanzt da seinen ,Mlian oder die gelbe Rose". Er hat rocht, denn die Theater reißen sich darum, und das staatliche Schauspielhaus trägt ihm eilte neue golden« Hagebutte. Das Stück ist unwahr! Vom ersten Monolog an. So was, was Kornfeld da macht, ist daseinsberechtigt nur im Schwank. Es gibt eine große Szene, die Begegnung zwischen dem echten und dem falschen Meister. Und da, wo es nun blitzen und donnern und der ungeheure Blick in den Menschen aufgehen müßte: da hält er ein, der Einmal- Dichter, da lauscht er, lvas das Publikum erwartet, und er gibt ihm, was ihm zukommt. Der Bankrott eines! Dichters... Ist er so tragisch? Schließlich ist er doch nur ein Einzelner, auch er (der Dichter!) nur einer voll vielen. Aber diese Bankrotterklärung des Publikums ist schrecklich. Das Publikum war die Tragik dieser gelogenen Komödie. Kornfeld selbst hat dennoch einen positiven Wert seines Stückes auszuweisen: die Kritik Alfred KerrS! Drei herrliche Spalten Scharfsinn, Witz, Geist. Wie manchen Theaterwinters einziger Ertrag ist: ein Druckbogen Kerr... Eins ist gelviß: lnan tut den Bühnenleiterlt un recht! Sie sollen die neue Dramatik pflegen, junge Dichter Herausstellen, die reifende Generation ermuntern. Wer es gibt ja kein Drama, keinen Dichter, keine neue Generation! Diese neue kehrt ja nun wieder um, schwört ihre Ideale ab, siedelt sich im Blumenthal an und baut Kadelburgen. Nicker mit Shaw!... Und dann?... Wir ständen in der Wüste und verschmachteten. Wüste! Wie hauchte sie uns eben gespenstisch an. Im Film der Fremdenlegion „Blutsbrüderschaft", in Amerika hergestellt. Alles, was Wüste batiti ist, Fremdenlegion, Mensch, Ausbruch, Gemeinheit, Größe: das alles ist gar nicht wie „gemacht". Es ist von betäuveilder Echtheit, von aufwühlender Wahrheit. Nie aus Effekt hin gearbeitet, nie tendenziös unterstrichen — und eben darum alle- Wirkung, alles erschütternder Eindruck.. Der geringste Soldat Individuum, Charakter, Gesicht. Roman Kolman ist dabei, der Joses Kainz des Films, der das Bild vermenschlicht wie kein zweiter „Star". Wo sein Blick aufgeht, sind alle Schauer „Se&en, Seele, Herz" da. Die Rahmenhandlung des Films ist dem Ganzen unzuträglich, zu sehr auf „Europa" eingestellt, mit gut deutschen Längen und Sentimentalttäten. Aber sonst: wenn es denn ein Tendenzfilm sein soll: schöner, menschlicher, wahrer gibt es keinen zweiten. Man hat keine Zeit, sich zu freuen, einen Genuß nach klingen zu lassen. An sieben Abenden der Woche hat Berlin sechs Theaterpremieren, bei denerr man zähneknirschend anwesend sein sollte, hat Berlin zehn Konzerte, die man leidenschaftlich gern hören inöckste, fünf Filmuraufführungen, denen man sich nicht entziehen dürfte, drei Elf-Uhr-Nachtvorstellungen voll Ueberraschungen, Uebermut, Phantastik. Die Sonntagmittage fittb mü Oratorien, Konzerten, Theatermatineen dreifach besetzt. Man taucht Sonntag abend aus diesem Chaos der Schöpfungen nur auf, um Montag früh beretts bei Flechtheim oder Nierendorff die neu« Ausstellung sich einzuverleiben... Für Elisabeth Berg ne r wurde eine neue Rolle gesucht. Aber es muß ein Schmarren sein, in dem die „Zweite Düse" sich entfaltet: mtt dramatischem Kunstwerk ist kein Geschäft zu machen. Solche Reißer bezieht man gut aus England und Amerika. Und man holte sich der Kennedy „Treue Nymphe", nach ihrem bekannten Roman szenisch verarbettet, ein Bilderbuch für die infantile Menschheit, bezaubernder Kitsch. Wie schrecklich, wie tragisch daß unser Herz so wehrlos ist gegenüber dem süßen Schund, in Tränen ausgeliefert der dicken Sentimentalität, überwältigt von Kolportage, Familienblatt, Magazin! Diese „Treue Nymphe", vier herrliche Nachtstunden lang, indes milder Frost im All ewige Sterrte blühen läßt und stumme Straßen mit hoher Poesie verklärt — diese Nymphe, diese Bergner entzückt, betört, entwaffnet uns. Lächeln und Tränen, dumpfes und wildes Herz. Elisabeth vom vernaschten Schulmädel bis zum entfesselt liebenden Weib! Da blüht noch aus dem Haufen Kitsch Gottes unvergängliches Auge; es sieht uns erschütternd bis ins Herz; wir ahnen das Unendliche... Nach Amerika ging das „Theater in der Kommandalttenstraße" und hotte sich' «in Gespensterstück „Die letzte War »tun g", in dem ganze Jahrgänge von Magazinen sich verdichtet haben zu Grauen und Gruseln, Spannung und Witz. Das Parkett erbleicht, zittert und hält den Atem an. Im Schillertheater erscheint des vielaufgeführten Rehfisch' Berliner Komödie „Razzia", eines seiner glücklichsten Werke, darin Empfindung der Routine nichts nachgibt. Es ist wirklich Berlin, was nicht nur in famoser Szenerie revueartig sich abwandett, sondern auch in Gestalt, Ausdruck, Gefühl Schauspiel wird. Friedrich Kayßler betritt dain, nach langer Abwesenheit, Meder eine Berliner Bühne und ist wieder kraftvoller, noch menschlicher geworden, ttef aus sich heraus gestaltend und also tief wirkerck. Ein Mann, ein Mensch auf der Bühne. Ganz einzigartig: ein Denker, ein Dichter, ein Kutturbürger und gleichzeitig ein großer Schauspieler. Nie nach außen blickend oder spekulierend. Als gäbe es kein Publikum. Selbst in dem glänzenden Ensemble dieser Aufführung steht er ein wenig ftir sich da, in seiner Atmosphäre in einer geistig-seelischen Aura liebens- und Verehrung? würdigster Art. Weit stiller als diese groß ausgemachten Premieren mit den Ballkleidern in Logen und Parkett, Frackherren, unendlichen Autoparks vor den Portalen, den Koryphäen der Kritik auf den Eckplätzen, mit jeweils einigen Ministern, Gesandten, Salon haltenden Damen — weit stiller, in dunklen Nebenstraßen, finsteren Plätzen (Beethovensacch Singakademie) werden die restlosen Freuden, die ttefen Go nüsse, die Erhebungen und Entzückungen geboten. Franz Osborn, zwanzigjährig, beherrscht den Flügel mit der jugendlichen Kühnheit, Leidenschaft und Besessenheit, aus der einmal der Meister tvird. Schon ist die Beherrschung so groß wie die Hingabe; die Verschmelzung dieser beiden seltenen Eigenschaften ergibt schon heute ein großartiges Können. Die d'Alberts treten ab, aber bald wieder stehen sie da, in neuer Jugend. So einer ist dieser Franz Osborn. Man kann heute Schumanns Carnaval kaum schöner hören als von ihm, in herrlicher Plastik, von Gefühl und Geist quellend, von Furor un! Innigkeit zum Entzücken aufgeteilt. Gleiche musikalische Erfülltheit wittert man in Z lat ko B a l o k o v i c, der auf der Geige zaubert. Er fpiett fest«

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