Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2864 (17.2.1927)
- Date
- 1927-02-17
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2864 Wien, Don'n-erstcu, Memr M-rgerr-ettung 17. Fobruar 1627 me* JUDE ANS KREUZ! ROMAN von KURT MÜNZER Cojpright-1927 by-R* Löwit Verlag, Wien — Leipzig. Wunderbare Stadt Berlin! Wenn Abel in die Mufik- ,>ililde fuhr, kam er in den Westen. Die Linden durchwandelte er, am Tiergartenrand schritt er, der Potsdamerplatz ijcimcftc ihn wieder an, und er belebte sich. Er liebte nicht diese feierlicheren Gegenden, wo das Leben Frische und Tempo verlor, Geruch und Stimme. Heimisch war er — uralte Ghettocrinnerung— in Gewühl, Lärm, Gestank, unter den Armen, Verstoßenen, Gefallenen, Gehetzte«. Fremd, fast verhaßt war ihm der Mensch im Auto, die Frau in der Loge, das Kind mit . der Gouvernante. Wo ein Bettler stand, schlug sein Herz auf. Wo Dirnen an Straßenecken warteten, rührte ihn Liebe. Oben, in seinem Viertel, kannten alle den kleinen Juden, der so schnell wuchs, der wie ein Engel spielte. Ach, freundliche, gütige Stadt! Nür anfangs, in der Schule, hatten einige Kinder schüchtern versucht, ihn zu schimpfen. ■ „Jtzig! Manschen Dir hau ick vor die Linse! Du micriger Inden maden sack! — Zieht ihm ufsn Leisten!" Aber seine nuerschütterliche Gelassenheit machte den Spott' unschädlich und tot. Es verstummte bald um ihn. Manchmal, in Gesprächen, brach aus den Kindern verständnislos nnempfundene Phrase des Hasses, der Verachtung, von den Eltern gedankenlos übernommen. Das aber wollte nicht kränken und konnte nicht weh tun. Dann sagte Abel - Adler: „Hört zu! Ihr dürft nicht auf die Juden schimpfen. Seht, ich bin einer. Bin ich schlechter als Ihr? 'kennt Ihr denn welche?" „Sie haben Jesus gekreuzigt! Er: „Im Namen Jesu sind Millionen. Menschen getötet worden. Unschuldige und Kinder." .„Die Juden saugen uns aus." „Die Juden vergewaltigen die Christenmädchen." „Sie schlachten Kinder." „Sie betrügen alle." „Sie sind reich und machen uns arm." Abel lächelte sanft. Er wußte von der Leöensmacht der Lüge und der Ohnmacht der Wahrheit. Um so'mehr Anlaß, die Wahrheit zu nennen, zu predigen Stunde für Stunde. Und ein kleiner Prediger, stand er auf dem Katheder seiner Klasse und redete vorn Menschentum des Juden. Nicht von seiner Erwähliheit — so klug war er nnd einsichtsvoll —, aber von seiner Gleichgestelltheit, seinem Mitmeuschenrecht und der Pflicht, ihn zu sehen, wie er ist. „Ganz, ein Mensch wie Ihr, Jungeus und Mädels. Aber viel -unglücklicher,. weil Ihr ungerecht Ku ihmseid. Wenn Ihr. ihn aus Eurer Mitte verstoßt, muß er nicht neidisch und böse.werden — wenn er nicht sehr stark ün Guten ist? Nehmt ihn nur auf, und Ihr werdet , sehen, er ist. ein guter Kamerad: Sagt: habt Ihr mich nicht gern? Merkt Ihr, daß ich anders bin . als Ihr? Sind wir nicht! Freunde. zusammen?" - Morte verhallen^ echolos in Kindergemütern. Mer der leibhafte Mensch wirkt. Abel Adler überzeugte eine ganze Schule j. böswilliger, verhetzter, entarteter Kinder von seiner Persönlichkeit. .Ließen sie auch noch nicht den Juden gelten: Mel Adler, obschon Jude,.- war ein feiner Junge,. . Sein alter Musiklehrer bestand, ihn von der Schule fortzunehmen und ans ein Gymnasium zu stecken. Er ließ den -Onkel David kommen , und redete lange. Wer Abel sträubte sich. Sollte - er etwa noch länger als durchaus nötig die Schulbank drücken? Schon engten ihn seine kurzen Hosen ein,, beschämten den dichteren Flaum seiner Lippe. Morgen-Würde er Mann sein, schweifender Zigeuner — niemals länger Schüler. Und er blieb in der Greifswalderstraße zwischen Verlausten und Verlogenen. Dieser unverstellte gemeine Mensch lvar ihm lieber, verständlicher, herzensnäher. als der geglättete, saubere, verstellt anständige der westlichen Stadt.' . t Onkel David, immer schwach, die verwöhnende Steb'ß selbst, sagte : \ ' .. . . . - „Wie' du willst, mein Junge. Ich. glaube,, du hast ganz recht. Was bu brauchst, ist das Leben an seiner Quelle. ' Hier hast du sie im Ursprung, hinter dem Potsdamerplatz, schon in Fassung, Sie ist nicht filtriert, sogar sehr schlmn rtofnTirlü-fv Wim. dkbel. dein $Set& -ik (12. Fortsetzung.) Abel liebte den sanften Onkel. Er hüllte ihn in:Zäw- -' lichkeiten, die der Sülle immer abwehrte. Aber der Junglüig floß über von Bedürfnis: anrühren, streicheln, küssen, schmeicheln. Er verivöhnte die Katzen nnd Hunde des - Hanfes und wurde schwach vor einer kosenden Haud, und tvenn sie schmutzig und schwielig lvar. Auch war ihm.Schmutz! - und Schwiele niemals Ekel. '; ' Was wahrhaft Schmutz war, floß an ihm ab. Nahmtt cs dem,och m.f, Ichlcd ec d-rs Gift ftuS, bÄM tat €3e» gen,' den noch Wst in sich birgt. :• . So trieb er. durch die Laster der Stadt, wurde inch lasterhaft. Es glitt vorüber,, .glitt ab. Zwei Jahre, stt Ber 1 tit -- itttb nichts war ihm verborgen, unbekannt Unbegreiflich. Meta Bumke lehrte ihn im Kellerdunkel, was sie gelernt hatte. Mit Kameraden strich er durch den.Friedrichs- Hain und 'stand Schmiere, wenn sie einem betrunkenen Schläfer auf der Bank die Taschen leerten. Erging ohne Kragen imc sie, in ausgewachsenen. Kleidern. Hier bat oder befahl Onkel David vergeblich Wenn er in die Musikstunde fuhr,, zog .er sich die schönen reine« Kleider an, band die seidene Krawatte um den spiegelnden, Kragen und zupfte die Manschette des seidenen Hemdes hervor.' Onkel David füllte ihm die Kommode, mit' den schönsten Sachen seines Geschäftes. Wenn'Äel ivoktte, konnte er wie ein Herzog, durch die Straßen 'schlendern.- Aher.,eb wollte' nicht. Er liebte das Proletariat,. er liebte die. Mgerisseüen, "selbst Schmutzigen? Daf.würde er Freund, M- I. kl-SvtzN 20 I. Magiers, i Tel. 69-4-22 Offizielle Niederlago von The ,Gramophone-Co Ltd.. London (Gramola). (— Gramophones, Platten, Tanz, Oper, Reimes nsw. — Größte Leistungsfähigkeit. . 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Ist es klug, .so mit dir zu reden?";4 „Sehr klug," Onkel David. Ich liebe, dich sehr. Ich Möchte alles wissen. Aber das-schadet mir nichts. Weißt du, das ist ja alles gar nichts. Es kommt/sa. gär . nicht daraus an...Wenn man Geige spielt —7/ - , . .. /’ :,Du müßt ein großer' Künstler werden ". l- .; .. „Meinst du? - Ich-- weiß gar nicht. Ich möch:: ^a.i, lMstett'einen grünen Wagen haben und vor Häusern spielm,.. sogar znm .Tanz in Wirtshäuseni. - Man nckiß mit Mstsik den Menschenhelfen-oder Freude machen oder sie attfivecken. So denk' -ich!mir -das. Aber so Konzerte - das ist doch nichts. Das kommt mir wie Theater 'vor, eine Komödie. Das ist nicht richtig Musik'. 'Was meinst' du?" -. '. (Fortsetzung folgt.) H I. Preis: Eine Bibliothek von 300 Binden II. Preis: Eins Gratisreise nach Palästina III. Preis: Ffinf Dunam Land in Palästina und weitere 47 Preise i 17; 15; .19 49 : 50 Name:. Adresse: "i-7.^y-vvAus^h»|eiiden;;”-;;;-"";- BfiZEICHITUNGDERWORTE „ Wa g recht: 1. Tapferkeit, 4. Papageienart, 5. Ethischer ffluß, der Maritza,. 10.;Europr Hauptstadt. .11; Wie 3 serik- Begriff, .9. Spiel, 14, Syn. ihr Staat,. 15. Bitter (weibl. Form), recht, 12. Volfastamniin Osteuropa, 13, Kirchliche Kleidung. 16. Europäische Meeresstraße, 20. Ebene in .Palästina, 17.1 Präsident von Amerika^ 18/ Jüd. Vorname, .19. Sittel 22. Gebräuchliche Datumshezeicnhurur hf>l' Worhcnln 0%. Rni_. > Oft Raunii/anmff - 'MaVAah or ra»'i -a u 16. Europäische Meeresstraße, 20. Ebene in .Palästina, 22. Gebräuchliche Datumsbezeichhung bei Wechseln, 23. Bolschewistische Rätsversammiung, 26. Jüdischer Vorname, 28. Stadt in Belgien, 29. Musikal. Bezeichnung, 31. Franz. jlehfe,‘,20. Bevölkerung im' Norden Europas, 21. Engl, Äbs; |kür?ung für, Frau, 24, ÄrtiKöl, 25. Fränzös. Hilfszeitwort, : r. -«- :26;..Schmuckstein, 27/Franzis. Artikel, 29. GoldVCfrarizös:); Artike!,.-;32. -Ital, Musiknote, 33. Sonne (lat.), 34. Französ. ZO/Meibl. Vorname, auch. Figur aus/Lohengrin, ,35,;Segen- Adelsprad|kat,36. Japan-.Gebirgspflanze, 41. Asiat, shaft^r, reichster . König, ,37;,.Platzvertreter,, 39. Geograph. ' Hauptstadt. 44. Griech. Vergnügungsstätte, 46. Asiat. Halb-,. (Abschnitt, 4O. Bedrängnis. 42. Äbk/ für Nummer,: 43. Eiland Insel,'47.'Chem. Formel. 48 Röm. Historiker, 52. Lat. Hilfszeit; |in. der .Wüste, 45. Nicht, weit. ‘46. Heilbehandlung,/ '49; Be'- wort,53.Griech.Djchter, 54. Griech Göttin, 55. wie 46 senkr. )ühmter engl.'Seefahrer, 50, Vorwort mit’ Art/, 51.‘.Produkt 1 Senkrech t: 1. Zeichen,2; Rinderart,3. Bodensenkung, Ibei .der.Leuchtgasgewinhuhg.; .. 5. Drama v. Grillparzer, 6/W)eissa<uin?,. 7. Selten, 8. Neben- T J V:; _ ,; / Erklärung ' s Ab 13. Februar erscheint 1 ä g 1 i c'h, in Äcr „Wiener Mbrgbnzeitu||g,ä,'ein: Kreuzworträts^t. „ bs Dfe Diagratnine sind aUszuschtteidenj uW.'mit 'Finte oder Tiutienbiei^ämzüftilien mii' zu sammeln, Am .Scjiluase unserer Serie sind dann die g e S a mmeltenLös u-n d e n samt den in jeder Nummer befindUchen R S t s e I k u p o n,i aöi sie/ »Rätsekedaktion dör Wiener i JVlorgen?eit«ngu f Einsender kann an de^ öffentlich stattfjndenden Yerlo$ungiJdeisen genauer Zelteunki nyK bekanntgegeben wird, teUnehinen. Öl^ÄrÄ^ welcbed unsere Rötsei erschienen sind,könnehjeder-> reit gegen Einsendung des Betrages in Bnefmatkech von unserer AdMinistratioh hachberogen werdet». NB. Der BelsehluV des auf Seite 2 hefindljchen Rupons ist unbedingt erforderlich. äü»»