Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2864 (17.2.1927)
- Date
- 1927-02-17
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 8 Wien, Donnerstag Wiener Morgenzettnag Sir. SM 17. Februar 1W7 Für Purim - Aufführungen empfahlen wir* HAMANS iniiiiitiiiiiiiiiiniiitninfniiiiutiiiiiiiiHliiiiiiNiiiiiiiMNiftMiutflltiiHlRluf FLUCHT ifoefiilirniiTtmfnfMinrnsniWiaMliiiHiniiifMnttrtMMiifitfMnitiitffii von SAM NI Y QRONEMANN Ein entzOckender, kleiner Purlmscherz ln 5 Szenen Ein Marchensplel, voll launiger Einfälle, lustiger Verse und wirbelnder Situationen PREIS 1 SCHILLING Buchhandlung R. LÖWIT WIEN, I., ROTENTURMSTR. 22 Serichtssaal. Aus der Aristokratie. Kr her gestrigen DerhanÄliung über den Ehren« belvDigung-sproAeß AÄaOert Sternbergs gegen Johannes LiechLenster n vor Äem Schwurgerichte ikeun es albevmals zu heftigen Svenen, die durch das pvovoGante Benehmen der beiden Prozeßgsgner und ihrer Zeugen heworgepu'fen wurden. Nach Derlesunig ßeS Drohbriefes an Frau Roland, der mit ,Ar lebte v. P." gezekchinet ist, wurde der Zeuge Karl (Graf) Lonyay einvernormnen, der der Dermu-tung Ausdruck gab, die Gattin Ldechtenlsteins habe b«r Brief geschrieben. Da-rmMn fpranigen Liechtenstein und sein Verteidiger Dr. Gürtler erregt auf und verwahrten sich gegen die Beleidklgunig einer Dame. Der Zeuge geriet mm in Erregung und schrie Liechtenstein äst: ,Menn ich rede, haben Sie zu schweigen!" Der Vorsttzende verurteilte ÄesihaD den Zeugen m ekrrer Lwdmmg-slstraifie von S. 30.— und verwandelte dieise, als Lonycch erklärte, nicht zahlen zu können, in eine 2 4stWnd iye Ar re stst rafe, die Lonyay sofort antreten sollte. Durch Intervention seines Anwaltes, der vin Kranklh eitszeugni S vorlegte, gelang es ihm jedoch, die Strafe abWwenden. Iw werteren Verlaufe der Verhandlung kam es abermals wiederholt zu ZuisammenlstLßen zwischen den be'rden Widersachern. 'Sternberg apoistvoiphierte sogar die Geschworenen und -erklärte, daß er, wenn auch diese gegen ihn seien, seinen 'Hut nehmen und Weggehen müsse. Die Derhandlnnig wurde schließlich zur Einvernahme weiterer Schriistsachve-rständiger auf unbestimmte Zeit vertagt. Pension Zentral. Dor wenigen Tagen wurde, wie berichtet, ün der in der Kärntnerstraße besiMjchen Pension Zentral eine Razzia vorgenormnen und die Peusionsinhaberin (Baronin) Leonie Renotier sowie die in der Pension wohnhafte Filmjschauspielerin Stephanie S ch e r h a g, mit dem Künstlernamen Lorant, und die Hausgehilfin Elise Waldrauch wegen Kuppelei angezeigt. Gütern fand vor dem Bezirksrichter Dr. Jellinek die Verhandlung gegen die drei Beschuldigten statt, von denen die Lorant aus der Haft vorgefüyrt wurde. Nach Inhalt des Polizeiberichtes soll die Lorant, welche seit mehr als Jahresfrist in der Pension wohnt, in ihrem Zimmer wiederholt Zusammenkünfte zwischen in der Pension wohnhaften Damen und Herren gegen Bezahlung ermöglicht haben. Die Pensionsinhaberin Renotier soll von diesen Zusammenkünften gewußt und dadurch, daß die Lorant einen übermäßigen Pensionspreis zahlen mußte, daraus Vorteil gezogen haben. Zu ihrer Verantwortung gab die Lorant an, daß in ihrem Zimmer wohl Zusammenkünfte von Herren und Damen stattgefunden haben, daß dieise jedoch ganz harmloser Natur waren. Es habe sich nur um Gefälligkeitsakte gehandelt, die sie den Pensionärinnen erwiesen habe. Sie selbst habe seit längerer Zeit einen Freund, der sie mit monatlich S. 300.— unterstütze und habe es daher nicht notwendig, auf solche Weise Geld zu verdienen. Die Pensionsinhaberin, Frau Renotier, gab an, daß sie von Unzukömmlichkeiten nichts gewußt habe, weil sie abends nie in der Pension weilte. Es sei unrichtig, daß die Lorant eigen höheren Zins als alle anderen bezabu habe. Es wurden hieraus einige Zeuginnen einvernommen, die in der Pension Zentral wohnen. Dw Finnländerin Jita W. sagte aus, daß die Lorant -sie überredet habe, sich durch Herrenbekanntschasten ein Einkommen zu verschaffen und ihr auch einige Herren zugesührt habe. Usber eindringliches Befragen deS Richters ließ sie sich herbei, die Namen dieser Herren zu nennen. Die Lorant habe von den Herren für die Vermittlung von Bekanntschaften 50 bis 100 Schilling erhalten. Durch Vermittlung der Scherhag habe sie auch einen Herrn kennen gelernt, der setzt ihr ständiger Freund sei. Die nächste Zeugin, ein auffallend hübsches Mädchen, erklärte, daß die Scherhag auch ihr Herren vorstellen wollte, daß sie sich jedoch abweisend verhalten und dadurch den Unwil-. len der Scherhag erregt habe. Äuch die Zeugin Grete M. sagte belastend aus. Der als Zeuge vernomryene Portier deponierte, daß ihm von unsittlichen Bergängen nichts bekannt sei. Zur Vernehmung einer Reihe weiterer Zeugen wurde die Verhandlung vertagt. jpwdj« seinen Klienten Karl tz i'rs ch und "Rudolf S t ei'ner zu betrügerischen Geschäften Vorschub geleistet zu haben. Doktor Körner wurde s r«i g e s p r o ch e n, weil er in gutem Glauben gehandelt Satter dagegen wurde Karl Hirsch -v einem Jahr und Rudolf Steiner zu 6 Monaten Kerker verurteUt. ll VOEKSWRTSCHAffT Re Weltwirtfchaftskonferem. Von Sir I. «. Gatter. Gestern hielt der hervorragende englische Wirtsthaftspolitiker Sir I. A. Salier, der, wie erinnerlich, aif der vom Völkerbund elngeleiteten Sanierungsaktion in Oesterreich hervorragenden Anteil hatte, in der Handelskammer einen Vortrag Über die für den 4. Mai festgesetzte Woltwirtschaftskonserenz in Genf, dem wir folgendes entnehmen. Währungen und Staatsfinanzen können von den Regierungen und einer verhältnismäßig geringen Zahl von Bankiers und Finanziers geregelt werden; sie hängen hauptsächlich von der Einheitlichkeit der Aktion ab. Der stufenweise Wiederaufbau des Wirtschaftslebens hingegen in all seinen tausend Einzelheiten ist aber Aufgabe der Individuen, der Fabrikanten, Kausleute und Arbeiter. Regierungen können hiebei helfend oder hindernd einßreifen, aber die Hauptaufgabe liegt nicht in ihrer Hand. Daher bestellte der DöÜerbundrat ein großes vorberatendes Komitee, bestehend aus 35 Personen 21 verschiedener Nationalitäten, in welchem Industrielle, Finanziers, Beamte mit Erfahrungen in der Wirtschaftspolitik, Nationalökonowen und Vertreter der Arbeiter und Konsumentenorganisationen zu Worte kamen. Unter der Leitung des Komitees ist eine große Anzahl wichtiger Arbeiten und Memoranden hergestellt worden, die alle Gegenstände. umfassen, die zur Diskussion gelangen werden. Diese Dokumente liefern ein einzigartiges Bild der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation der Welt und werden wahrscheinlich eine bessere sachliche Vorbereitung bieten als irgendeine frühere Konferenz je gehabt hat. Aber der Wert der Vorberatung besteht nicht allein und nicht hauptsächlich in den aus diesen Vorberatungen hervorgegangenen Dokumenten. Diese Art der Vorberatung hat nicht nur die Mitarbeit der hervorragenden MitAieder des vorberatenden Komitees, sondern auch diejenige der großen Organisationen gesichert, wie der Internationalen Handelskammer, des Internationalen landwirtschaftlichen Instituts und des Internationalen Arbeitsamtes des Völkerbundes, ferner auch die M i tarbeit der großen Privatorganisationen, mit denen die Mitglieder des Komitees in Verbindung stehen. Die Wirkung hievon war, daß die öffentliche Meinung in der bestmöglichen Weise vorbereitet wurde, indem durch diese Heranziehung von Mitarbeitern das Interesse von Taufönden erweckt wurde, die an den Wirkungen der Resultate dieser Konferenz beteiligt sind. Was für Resultate also können wir von der Konferenz erwarten? 1 Zu den Fragen der Zoll- und Handelspolitik kann die Konferenz selbst keine Konventionen abschließen, aber sie kann spätere Aktionen wirksam beeinflussen. Sie kann versuchen, weitgehendes Uebcrernkommen zu erzielen in bezug auf die Notwendigkeit, wenigstens die ärgsten Uebelstände.des heutigen S yste ms abz u än d e rn. Wenn nun eine Ucbereinstimmung erzielt werden kann, daß z. B. bestimmte Arten der Zölle oder andere Abschnürungen viel mehr Unheil verursachen als sie nützen und daß gewisse Merkmale, wie Instabilität, besonders verderblich sind, so wird voraussichtlich die Wirkung auf die weitere Politik eine beträchtliche sein. 1 '-Obwohl die Konferenz Leine Konventionen abizuschließen in der Laige ist, kann sie doch spätere und konkretere Konferenzen zu diesem Zwecke einleiten. Beispielsweise könnte man ann'-eihmen, daß -die Konferenz, nachdem sie die allgemeine Weltlage untersucht und entschieden hat, daß Verwirrung und Ungleichheit in Z ol lverze i ch niss e n ein ernster Uebefftand sind, welcher befeit'igt werden soll und kann, eine eingehende Behandlung dieser besonderen Probleme smpfehle. Ich möchte aber e-twas besonders betonen, was wichtiger ist als alles Vorangegangene, nämlich, daß die VöEewim'dverisammlrmg beablsichbigt, die Beziehungen zwischen Handels Politik und FriedenSfvage zu einem der Hauptzwecke der Konferenz zu machen. Ich hoffe, daß man diesen Punkt nicht vergessen wirb, während -man sich mit den aktuelleren Fragen über die Ursachen der Verarmung befaßt,» -denn es ist angunehmen, daß es wirtschaftliche Ursachen sind, die noch iimner den Weltfrieden ständig und ernstlich bedrohen. Wem: wir das, was der Konferenz voran'gicht, nur als eine Vorberatung f>ür eine dreiwöchige Diskussion betrachten und Mt dem Ergebnis der Konferenz nicht -mehr sehen würden,' als das, was ihre Beschlüsse enthalten, müßten wir notwendigerweise enttäuscht werden. Wenn wir aber die dauernde Notwendigkeit einer Regelung der Handelspolitik der Entwicklung der WM im Auge haben und an den Anteil denken, den eine große internationale DiSkMon daran hat, dann kann man sie wohl cvls eines der wichtigsten GveigMe der letzten acht Jahre bezeichnen. Denn das Weck, das sie zfivar nicht zu vollenden, aber zu fördern bestimmt ist, ist seiner Natur nach unbegrenzt. Der WöHkerb-tM'd hat noch nicht seine volle Stärke erweicht. Seine eigentlichen Aufgaben habe n erst bego n nen. Es ist erst ein Änfang gemacht, tum grundlegende Uis'ackM, aus denen Streitigkeiten entstehen konnten, aus der Welt zu schaffen. Dieses höchste Ziel des Dölkerbu-nb'es kann naturgemäß nur schrittweise e-vreicht werben, denn es bedeutet ja eine stufenweise UimwällMmg der traditionellen und historischen Haltung der Nationen gegeneinander. Der VMeribund kann Mar die öffentliche Meinung leiten, kann ihr aber nicht sehr weit vorauseilen. Oesterreich, das in einem so bedeutsamen Teile Europas liegt und den Mittelpunkt so vieler seiner Probleme bildet, kann an diesem unendlichen Werk einen entscheidenden trnid wirivsamen Anteil nehmen. In Oesterreich wird die Völtkerbundliga, unter deren Anßpizien ich hier spreche, die Rolle spielen, die der Zcvhl ihrer Miüglieder cnffpvicht und i>n der alle Faktoren des Landes vertreten sind, um an -der Aufre^- ^erhaltu-nig des Weltfriedens uüt^ub-auen. Reichsfinanzminister Köhler über Steuersenknngen nnS Aulwertung. Berlin, 16. Febvuar. AlNllählich der Beratung des Etats für 19£7 führte Reichst!ua.ngnr'mii>stsr Köhler ans, die Finanz- und Sterteupolitik müsse nach Volkswirbschnftlichen und sozialen Geisichtspnnlkten unter Ablehnung jeglichsr DheisartrterungAb-estr'clbungen Äurchge'fiülhrt werden. Neue Sie -u e r l a ft e tt müssen überhaupt ver m jede n unld darüber hinaus S t e u e r s e n k iu u g -e n, besonders «bei den Werbranchs¬ und Rea-Meuern, vorgenoenmen werden. Ganz besondere Berücksicht>igiun!g erfordere -die Anleihewirtschaft - des Reiches. Die Zahlungen für Kriegs- und Repärationslaften betragen 3.3 M i 1*1 i arden. Infolge dieser großen Lasten wäre in id-er A u f w e r t u n' g s f r a g e an den Grrmdgügien der jetzigen Regelinng festzuihalten, und daher wies der Minister den Gedanken der UimwaMung der aus der AnleiheaMsüug heworgegangenen sogenannten ArtsWfungsschei'Ne in eine verzins liche Anleihe als undurchführbar ziuriü'ck. Beratungen über einen Don«mrkontrakt für Weisen ttiA Mais. Gvstevn bcg-cmnen im Sitzungssaale der, Wiener Produktew-börse in Anw-esenIH-eit der Vertreter, der mitteleuropäischen Getreidebörsen die Bevainngen über den von der Wiener Produktenbörse ausgearbeiteten Entwurf eines Donmrkontvaktes für W-eige-n und Mais. . Anwesend waren die Vertreter der Getreidebörsen in Prag, Budapest, Belgrad, München, BuEarest, Agram, Nüv-isad, Bratislava, Somb-or, Brünn, Olmütz, Graz- Linz. Der Präsident der Produktenbörse, Hugo Hauser» begrüßte zunächst den erschienenen Bu-ndesmimster für LaN>> und Forstwirtschaft, Thaler, sowie den Bundesmin-ister a. D. Dr. Hsnne-t und führte aus, der Kaufmann wolle an Stelle -der geschriebenen und ungeschriebenen Handelsgebräuche und Vev» kehrssit-ten mit einheiMH-eu Normen arbeiten, weshalb die Bedingungen des Dona-uverkehreS im Gv» tr eidehandeT i-nter-nationalisiert werden sollen. Bun-des-m-inister für Land- und Fovsiwirtschicrst, Thai er. dankte namens der Bundesregierung der Wiener Produktenbörse für ihre Initiative und allen Getreidebörsen, welche dieser Einladung Folge leisteten, und gab der Zuversicht Ausdruck, daß auch andere gemeinschaftliche Interessen berührende wirtschaftliche Fragen . durch die gegenwärtige Aussprache eine befried.ig-ende Lösung finden werden. Hierauf wurde in die Beratung der einzelnen Bestimmungen des Ent Wurfes eingegangen. Aktienkäufe des Landes Nicderöstcrreich. Der niederösierreichische Landtag beschloß gestern den Ankauf von neuen Mtieu der Versicherungsa-nstalt der österreichiljschen Bundesländer, die anläßlich dev KapitailSvermehrung dieser Anstalt vom Laride Wien nicht übernommen wurden. Das Land Niederösterreich bezieht die auf seinem alten Besitz entfallenden jungen Aktien. Bo» sozialdemokratischer Seite wurde verlangt, daß der sozialdemokratischen Partei in der Verwaltung der VersicherungSaniftatt eine Vertretung eingeräunrt werde. Abgeordnetem D i t t e l b a ch beklagte es, daß durch die Kapitalsbermehrung der in privaten Händen befindliche Aktienbesitz zum Nachteil der Länder vermehrt und dadurch ihr EinfluK' auf diese Anstalt geschmälert werdie. Hevabsetzung des EinlagezinSfutzeS. Im Anschluß an die jüngste .Ermäßigung der Bankrate der Ossterreichischett Nationalbank, haben die Banken den Einlagezinsfuß mit Wirkung vom 16. Februar herabgesetzt, and zwar betrögt der Satz bei lOtägiger Kündigung 4 Prozent, bei öOtägiget 414, bei bvtägiger 4%, bei LOtägiger ■ Kündigung ö Prozent p. a. 3ns füdisäke Maus das Jüdisrfke Matt