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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-17 · Heft 2864 (17.2.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2864 (17.2.1927)
Date
1927-02-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wien, Donnerstag Wiener Morgenzeitnng 17. Februar 1937 Nr. 2864 Seide 4 Verband der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs _ 8«v1s Donnerstag, 17. Februar 1927, 8 Uhr abends, im großen Saale der „SCHOLLE", 11., Lilienbruflng. la Protest V ersammlung gegen Dr. Weizmanns Abmachung betreffs der Erweiterung der Jewish Agency. Redner: Michael Gourary, Dr. Paul J. Diamant, rer. pol. Moses Lutzky. — Zionistische Gäste willkommen I « direkte Anfrage des Bundeskanzlers Seipel der Abgeordnete Otto Bauer auf die Angelegenheit zu sprechen. Er erklärte, daß vor wenigen Tagen anläßlich der Mordtat in Schattendorf eine Kundgebung der Innsbrucker Sozialdemokraten durch die Einberufung eincr gleichzeitigen christlichsozialen Heimatwehr-Kundgebung auf einem benachbarten Platze unmöglich gemacht worden sei, und daß die Sichevheitsbehörde in Innsbruck auf Veranlassung der Tiroler Landesregierung beide Kundgebungen verboten habe. Aehnliches habe sich auch in M attersburg ereignet, wo eine Gewerkschaftskundgebung durch eine Sprengnngsdrohung der Frontkämpfer vereitelt worden sei. Der tiefere Sinn der vom sozialdemokratischen Parteivorstand getroffenen Maßnahmen war also wohl der, die gegen Kunschak sich zeigende Erregung in geregelten Bahnen zu halten. Es ist übrigens daran zu erinnern, daß es in Wien bereits eine ähnliche Kundgebung gegeben hat, als beim 60. Geburtstag Luegers die Sozialdemokraten vor das Rathaus zogen, um gegen den Bürgermeister, der sie als Lumpen bezeichnet hatte, zu demonstrieren. * ^-urch die Anordnungen des Bürgermeisters und der Polizeidirektion entfallen wohl nun auch alle Besorgnisse, die sich im Publikum gezeigt hatten. Es ist anzuerkennen, daß der Bürgermeister sich dem überhitzten Parteimilieu serngehalten hat, und man darf wohl hoffen, daß er auch in anderen Fällen, wenn Ruhestörungen und Exzesse drohen, von seiner Kompetenz als Landeshauptmann Gebrauch machen wird. Denecin kräftig! den Organismus — sch ü hl vor Erkrankungen. ' '»«■. M denken tonnte. Die Braut hatte er schon früher gefunden, Lina Weil aus Stuttgart, die nun nach Wien kam und durch elf Jahre chm eine treue Gattin war, deren Verlust er nach ihr.em frühen Tode nie verschmerzen konnte. Wohnung hatte das Ehepaar anfänglich im Coburgschen Palais auf der Seilerstätte gefunden, zog dann in die Weihburggasse, wo Lina Mosenthal starb, worauf der Witwer in die Nibelungengasse übersiedelte. Das Jahr 1854 sollte dem Dichter den zweiten großen Erfolg auf dem Theater bringen. Nach einer Reise im Salzkammergut entstand „Der Sonnwendhof", der am 18. Oktober des gleichen Jahres mit Christine Hebbel, Anschütz, Josef Wagner und Zerline Würzburg über die Bretter des Burgtheaters ging und siebzigmal wiederholt wurde. Es ist hier nicht der Raum, die Schicksale der späteren Bühnenwerke Mosenthals zu berichten, deren keines die Popularität der „Deborah" und des „Sonnlvendhof" .zu erreichen, vermochten. Nach dem Mißerfolg seiner „Parisina" im Jahre 1875 gelobte Mosenthal nichts mehr für die Bühne zu schreiben und hat dieses Versprechen auch gehalten. Er wandte sich nun der novellistischen Tätigkeit zu und schrieb eine Reihe von Erzählungen aus dem jüdischen Familienleben, die größtes Aufsehen erweckten. Im Jahre 1876 erwarb jMosenthal ein Grundstück in Pötzleinsdorf und ließ sogleich mit dem Bau eines Landhauses beginnen, obwohl er öfters zu Freunden davon sprach, daß er das Haus nicht mehr beziehen werde. Am 14. Februar 1877, lyährend einer Sitzung der Direktion der Gesellschaft der Muftksrepnde, befiel ihn eine Ohnmacht, von der er sich bald wieder erholte. Trotzdem war Mosenthal von Todesahnungen bedrängt und sagte: „Ich loerde mein liebes Häuschen in Pötzleinsdorf nicht bewohnen." Am 17. Februar gegen acht Uhr früh machte ein Herzschlag dem Leben des Dichters ein rasches Ende. Imposant war der Leichenzug, der am 19. Februar sich von der Nibelungengasse aus zur Währinger Linie bewegte. Was Wien an bedeutenden Persönlichkeiten besaß, war herbeigeeilt, um dem Dichter die letzte Ehre zu geben. Am Grabe sprach nach dem Prediger Doktor Jellinek der Präsident der „Concordia", Johannes Nordmann: „Er tvar ein treuer Diener seines Herrn, ein tüchtiger und rechtschaffener Mensch mrd war ein vornehmer und liebeuswürdiger Dichter." Dieses Urteil eines Zeitgenossen können wir Nachgeborenen nur unterschreiben. Ae Arbeitslosigkeit nimmtin. 101.529 Arbeitslos« in Wien. In der ersten Hälfte Februar ist der Stand der unterstützten Arbeitslosen in Wien um 2076 auf 101.529 gestiege n. Der Stand ist gegenüber dem Vorjahre um 3498 niedriger. Beim Vergleiche der Ziffern ist zu berücksichtigen, daß in den letzten sechs Wocheju> infolge der Auswirkungen der Ausnahmsbestimlnungen ua1 19. Novelle zum Arbeitslosenversicherungsgesetze, etwa 5000 Arbeitsloseindie Unterstützung ausgenommen worden sind, loelche sonst keinen Anspruch gehabt hätten. Bei den Angestellten ist bei unverändert ungünstiger Lage der Stand der Unterstützten um359 auf 11.775 zurückgegangen. In der Schneiderei, und zwar nicht nur in der Konfektion, s ondern in der letzten Zeit auch in der Maßschneiderei, zeigt sich eine Besserung. Auch in der Hutinduftrie mid in der Strickerei ist die Beschäftigung eine bessere geworden. In der chemischen Industrie ist bei unveränderter Lage des Arbeitsmarktes der Staub der Unterslützteu um 38 aus 1037 gesunken. Dagegen ist bei der: Bauarbeitern, in der Textil- und Bekleidungsindustrie, im paplerverarbeitenden u. grawhischen Gewerbe, in der Metallindustrie usw., die Zahl der unterstützten Arbeitslosen gestiegen. Ae Attersvrrfichernng Ser Selbständige». Ein Entwurf der Handelskamrwenr. Das Schwergewicht der innerpolitischen Beratungen liegt jetzt in den Parteienverhandlungen über die Arbeiterversicherung, die nun schon die zweite Woche ohne jedes sichtbare Ergebnis geftihrt werden. Bezüglich der sogenannten Uebergangsbestimmungcn, in denen ua. auch die Frage der Aufnahme de r alten Arbeiter in die Altersversicherung entschieden werden soll, liegen noch nicht einmal die vom Ministerium in Aussicht gestellten Richtlinien vor. In den gestrigen Parteienverhcmdlnngen spielte namentlich die Versicherung der Selbständigen eine große Rolle. Die Sozialdemokraten erklärten, sie hätten nichts dagegen einzuwenden, daß in das Arbeiterversicherungsgesetz selbst eine Bestimmung ausgenommen werde, die die Anrechnung von Beitragsleistungen in der ArbeiterversicherNng für die zu schaffende Selbständigenversicherung in Aussicht nimmt. Ebensowenig hätten sie etwas dagegen, daß sich der Nattonalrat für die Fertigstellung der Selbständigenversicherung eine Frist setze. In keinem Falle aber könnten die Sozialdemokraten einer Klausel zusümme.r, daß die Arbeiterversicherung nicht früher in Kraft treten kann, als bis die Selbständigeirversicherung fertig ist. Abg. Heinl teilte mit, daß sich gestern eine Konferenz der Amtsdirektoren der Handelskammern im Aufträge der Kammern mit einem Entwürfe der Selbständigen Versicherung befaßt habe. Der Entwurf wird heute der Regierung vorgelegt. Dr. Seipel teilte schließlich mit, daß die Entscheidung über das Junktim zwischen Arbeiter- und Selbständigenversicherung erst fallen werde, wenn die vom Ministerium für soziale Verwaltung angekündigten Eerechnungsgrundlagen vorliegen werden. Die Parteienbesprechungen werden Freitag fortgesetzt. Die Verhandlungen mit den «erzlen. Ein weiterer Fortschritt. Die Verhandlungen mit den Aerzten wurden gestern tut Bundesministerium für soziale Verwaltung bis in die späten Abendstunden fortgesetzt, wobei es gelungen ist, einen weiteren Fortschritt zu erzielen. Wegen Bereinigung einiger Fragen, an denen insbesondere die Aerzteschaft in den Bundesländern interessiert ist, werden der nächsten Sitzung, die Freitag abends stattfindet, Vertteter der Aerzte aus den Ländern beigezogen werden ein Nachtwächter sär dle Untversttät. 10.000 Schilling vom Unterrichtsministerium für Sicherheitsvorkehvnngen bewilligt. Wie uns aus HockMuMkreilsen mitgedsilt wird, ist gestern das Rektorat der Wiener Universiät vom U nie rr icht sm m iste r i um verlständigt worden, daß neben der sofortigen Anstellung eines Nachtwächters für das UmversitLt§.gcbäude auch 10.000 Schilling jährlich für SicherlhoitZvovkchrungen in den Lehrgebäuden b-willigit werden. Mr diesen Be':ra,g sollen zunächst moderne PanzerTassen für die Kanylei, ferner ein oder zwei scharfe Hunde für den Nachtwächter angcschasst werden. Schließlich sollen auch neue FeuerldM-APiparate angekauft werden. Me amerikanische Svenvc ffit Die MlverNtilt. Die amerikanilsche Philanllhropin Mrs. Carrie Guggen heim hat der medizinischen Fakultät der Wienor Universität neuerlich für ihre Studen.enfürsor.g>e den Betrag von 500 Dollar gespendet. Die Bndapester UniversttLiskrawalle. Minister Klsbelsderg will Den Sturm elnschreitew. Budapest. 16. Februar. In der bereits wiederholt besprochenen Affäre des Professors Adam brachten sowohl der oppositionelle Abgeordnete Pakiots und der christlich soziale Abgeordnete Esillery Interpellationen an den Kultusminister ein. Beide besprachen von ihrem politischen Gesichtspunkt aus die mit der Ernennung des Professors Adam, eines getauften Juden, zusammenhängeud.n jüngsten Uuiversitäls.'sandale. Wä^r-nd Pakcts die strengsten Maßnahmen gegen die unbotmäßigen rassenschützlerischen Professoren und die von diesen verhetzte Studentenschaft forderte, warf Esillery der Regierung vor, daß sie durch die Außerachtlassung des ablehnenden Standpunktes der Professoren gegenüber Adam die Autonomie der Universität verletzt habe. In Beantwortung beider Interpellationen erklärte Unterrichtsminister Graf K l e b e l s b e r g, die Autonomie der Universität bedeute nur so viel, daß der Minister vor der Ernennung die betreffnwe Fakultät anhöre, wodurch aber seine Sie tiabexi nicht melir viel Zelt wenn Sie aus der Prlmlen-Aktlon der »Wiener Morgenzeitung“ die herrlichen Oeschenkwerke erhalten wollen, die für Jahres- und Halbjahresabonnenten ausgesetzt sind. 7 Nur noch bis 31. März 1927 können wir, da die starke Nachfrage nach unseren Bücherprämien unsere großen Bestände stark gelichtet hat, die folgenden Gratisprämien zur Verteilung bringen. 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