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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-16 · Heft 2863 (16.2.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2863 (16.2.1927)
Date
1927-02-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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3inte *-» '•hsicn, VA'r-itAHidi Wiener Morgenzeuung 16. Fribnmr 1627 Nr. 8868 Mhne A«d Kunst. Georg Ballanost in ver Siaatsoprr. rer beriilnnte russische Bariton sang in italienischer ..rache den Rigoletto, sang ihn mit stärkster geistiger Aniraiuiung, mit nnisterhaster Beliandlung der Rezitatioe, alles in allein mit einem Zug ins Moste. An seiner großen Aric reckt er sich förmlich ins Dämonische empor und beherrscht ohne alke kleinlichen Mätzchen, die der groste Schauspieler gar nicht' notig hätte, die Bahne. Nicht ans gleicher Höhe ist sein Bclcanto, er war es eigeiitlich niemals: Manche Legato-Bindnng fällt ans, mitunter gibt es scharfe, schartige Töne, die gleichwohl der starken Persönlichkeit des Künstlers nicht viel an'haben können. Neben ihm brillierte Öevr G rosavc s c n. Sehr brav, mit aller Routine sang Frau Gerhardt die Gilda und Herr Z c c mar ein tüchtiger Sparckftkcile. Recht lustlos ging c>5 *uu Orchester zu, das Kapellmeister Alwin leitete. 'Der „Rigolctto^ des Operntheaters bedarf übrigens sängst einer gründlichen. Aufsrischnng nicht niir im Orchester, sondern auch in der Jnszenieril.ng.inch. im . Ensemble, trelches ans seinem Halbschlaf Vn einenr energischen Regincirr machgerüttelt werden nrüßte. flb/ Hetterichs Bettras verlöngett. Gestern äst der Termin aLge laufen, bis zu »vellchom -der Vertrag des Hofrates Franz H e r t e r i ch als BurgltzeaterdireLtor gegensellt'sg kündbar ist. K'ein Verkratz'sE'Hat von der .Mindsigunigs'Mogsichkeit Gsbrauch gemachte Der Di re knonsv-er trag dauert somit bis 1929 favt. DEr Vertrag. des Direktors Hertevich als Schau- 'vieler. Und ,ReMsseur des Bur.giiheaters reicht.bis 1932. Semiott gaschkiewitsch gestorben. An Paris ist, wie uns gemeldet wird, im Alter von 59 Jahren der populärste jüdisch-russische Schrift- -steller Senrjon Juschkiewitsch gestorben. Ein Herzschlag hat den Dichter plötzlich hinweggerafst. In Odessa im Jahre 1868 geboren, absolvierte er dort seine Gymnasialstudien und ging dann nach Paris, wo er die medizinische Fakultät absolvierte- Seine erste russische Erzählung „Portnoj" (der Schneider) erschien im Jahre 1897 in der von -Wladimir Korolenko redigierten bekannten Zeitschrift „Rußkoje Bogatstwo". Gleichzeitig erschienen von ihm auch mehrere Erzählungen in jüdisch-russischen Zeitschriften. Allmählich wurde Juschkiewitsch Mitarbeiter der angesehensten russischen Zeitschriften, so auch der von Maxim-.-Gorki herausgegebenen Sammelbücher „Znamie". Seinen- Ruhm auch außerhalb Nustlands -begründete Juschkiewitsch mit seinen Dramen „In der Stadt", „Hunger", „Miserere" usw., welche in den ersten russischen Theatern Serienaufführilngen erlebten.' „Miserere" wurde in Stanislawskis Moskauer Künstlcrtheater mit riesigem Erfolg aufgeführt. In seinen Dramen behandelt.Juschkiewitsch das jüdische Leben in der Großstadt, die Unmoralität der jüdischen, aufgezwungenen Erwerbsarten, die Not und das Elend der Juden, die die Tochter auf die Gasse treiben, mn sie zu verkaufen. Nebenher brachte Juschkiewitsch auch die anderen, durch die Abnormität des jüdischen Lebens in Rußland auf die Oberfläche geworfenen verächtlichen Typen des philosophischen Zynikers, tvelcher die Unmoral als Gegengift gegen die Bedrückungen predigt, auf die Äühne. Auch im jüdischen Theater - -wurden Stücke von Juschkiewitsch oft und gerne anfgesührt. So unter anderem bei Morris Schwartz „Des armen Mannes Traum", ferner „Im Hause des Reichen", und gerade in der gegenwärtigen Saison werden in Newyorr seine Stücke „Der Luftmensch" und „Mendel Spiwak" mit viel Erfolg gegeben. - ., , Juschkiewitsch', einer der produktivsten Dichter, schrieb auch eine Anzahl Romane, in denen er ^knchsallsc mit unerbittlicher Wahrheit und mit tiefem, psychologischen Blick Typen und Szenen der jüdischen Gesellschaft von den tiefsten Niederungen bis zu den sogenannten höchsten Stufen schilderte und analysierte. Bor etwa sechs Jahren verließ Juschkiewitsch Rußland, fuhr nach 'Amerika und kam vor einiger Zeit nach Paris, wo er sich dauernd niederließ und ihn jetzt der Tod ereilte- Aus den Theatern. -B u r g t h e a t e l\ Morgen, halb 8 Uhr, „Leoni e". A k a o e m i e t-hea : e r. Morgen, halb 8 Uhr. „Mädel t> o n heut e". O pernt hca r e r. Morgen, halb 8 Uhr, „E l e 11 r a". Vol! soper. Morgen „Carmon" mit Burgschaufpieler Franz Höbli-ng als Gast. > Johann Strauß-Theater. Freitag, 26. Februgr. Erstaufführung der Operette ,Mlück i n der Liebe" vön Julius Horst mit Peter Herz, Mußt von Michael Krausz, mn Gvsela Wevbezjrk als Gast . Mod e-r nes.Theater... Im Nahmen des WedMrM LyMs-gelangt'.„Sch l o ß We tt erst e in" demnächst. . Ausführung. - .? . Direktor Fronz Im Ausgleichsverfahren. Der Dirotwr Wiener Bjirgertheäters Herr Oskar F r o n z hat gestern mit das A u s.g leichs v e r fahren angesucht. Es. handelt sich, aber im Grunde nicht uni eäs' Ausgleichsverfahrendes Wiener Bürgercheaters, sondern um das der Verlassenschäft nach Herrn Oskar Fronz sen., zu welcher sich Herr Direktor Oskar... Frön'z aus Pretätsgründen nnbedingr erbserklärt hat. 'Her-. Thea! erdet rieb gehtu n b e h.i n d e r t fort, es bestehen kerH ---agen. uiid"Lohnrückstände und es ist mit >:er raschesten De» , nchrgung -des-'Ausgleichsverfahrens zu rechnen. Das Versah»' -cri wird Nur eingeleitet, um den Dheaterpetrieb nicht in diät.. Zutuns: durch-alte Verpflichtungeu zu gefährden. KLUB R A D l K A L E R Z 1 0 N t S T E N -..—.1 ..,> ...-... Mittwoch, 16. Februar 1927, um halb 9 Uhr abends, Itn Cafö Atlashof, Aspernplata. (Klublokal: Eingang WieslngerstraßO um d(e Ecke) Klubversammlung 6 eg i s v d- Oer Vertrag >Velrrnann-Mar8hal und seine Folgen Referent: Rodert Strieder Freie Ausspr aehe. Zionistische Bezirkssektion Landstraße. Heute Mittwoch, den 16; Februar, präzise halb 9 Uhr abends im Souterrainlokat des Cafd Lo-rrana, III., Löweng-asse 36 Torirag \ . 1 des Herrn Dr. Nah um Go ld mann (Berlin) über „Palästina und Welt Judentum“ Erscheinen der. Zionisten Pfljpht l Bortrag Adolf Loos. Archtibet Adolf Loos spricht Sams, tag, den 16. d., im FestsaaI ■ des^Niederösterreichischen Gewerbe- Vereines. Programms ^Dis Wiener Küche und die s r a n z ö s i s ch e K ü ch e." Karren Von 70 Groschen bis 8 S. in der Buchhandlung Richard Länhi, Wien, 1. Dez., Kärntnerstratze 44. . Spleßerheuchelei im Theater. Der „Berliner Lokalanzeiger" meldet aus Newyork: Das Mitglied des Kongreffes W i lson beabsichtige, eine bereits ausgcarbeitete Vorlage erngubringen, die ein Verbog von 67TH'eäterstücken vorsehe. Unter den als anstößig bezeichneten Werken befindet sich auch Sudermanns Heimat" Falstaff — Shakespeares Vater'? In der Zeitschrift .London Mercury" uniernimmi ein Literaturhistoriker namens Nowi^igate den Versuch, nachzuweisen. daß das Modell für die Figurdes Falstaff niemand anders als Shakespeares Vater, John Shakespeare, war Er entnimmt aus den Jahresabrechnungen der Gemeindeverwaltung von Srratforü aus een Jahre 1678 bis 1660, daß der ehemalige Mdermann der Gemeinde der Vater des Dichters, mit seinen Kollegen recht erhebliche Quantitäten alkoholischer Flässigkeiten auf Gemeintekosten vertilgt hat und daß er, als es eines Tages ernsthaft ans Steuerzahlen gehen sollte, die Vorsicht als der Tapferkeit besseren Teil betrachtete und für längere Zeit verschwand. Jüdisches Theater in, .Südafrika und Australien. Me uns aus Warschau berichtet wird, ist dieser Tage eine jiddische Theätergruppe auf Grund eines Engagements' des Londoner Shichikats „African Theater Limited" nach London obgereist. Die Schauspielertruppe wird zum.erstenmal am 14. Marz in Johannesburg (Südafrika) anftreten. Das Repertoire enthalt die letzten,Neuheiten der jüdischen Bühne. Die Truppe wird auch die-auderen engl'ischsn Kolorrien/so auch -Austral i e n besuchen und in. den ^Stödten mit größerer jüdischer Einwohnerschaft spielen. Der Truppe gehören u. a. an: Moses und Natalie LiPmaun, Vera Kuniewska, Sima und Cilia Rapel, Ruth-Rene, Mar Brin, Dirigent D<wE'Migelmann. Leib Friedmann u. a. vereine, Boriräge nnd BersammIungen. Wiener Bet-Hamidrasch, 2'. Dez„ Tempelgaffe 8. Heute, 6 Uhr, Lekror Dr. S. Gelbhaus: .Liturgie"; .7 Uhr, Lektor Dr. S. Rubin: „Die Philosophie des Mainron-ides. die Prophetie." — Zionistischy Fräuenorsanisation Oesterreichs — Zentralstelle für Kulturarbeit der „Wizo". Heute, 6 Uhr nachmittags. im Klnbheim der Hakoah, 1. Bez., Wipplingerftr. 24, fünfter Vorrrag 'des „Zpstus für die jüdische Frau." Vortragende: Dr. Martha Ho ff mann: Thema:--.jüdische S^lonS in Berlin.und Wien," Gäste willkommen! — Zionistische Bezirkssektion Landstraße. Heute im Souterrain des Cafe Lovrana, 8.' Bez., Löwengaffe 36, Vortrag des Herrn Doktor Nahum Gold mann: „Palästina und Weltjudentum." Beginn präzise halib 9 Uhr abends. Erscheinen Pflicht! — Mai, monides-Jnstitttt, 3. Bez., Hetzgasfe ^0. Heute, 6—7 Uhr, Doktor A. Kaminka, ,-Einleitung zn Jona"; 7—8 Uhr, More Nebuchim, „Die Hypothesen über die logische Konsequenz in den Weltvorgängen." — Zionistlsche Bezirkssektion Leopoldstadt. Heute, 8 Uhr äbeuds Sitzung des Gesamtvorstandes. — Zionistische Jugendgruppe Leopoldstadt. Heule, 8 Uhr abends, Plenarversammlung mit Vortrag Dr. Sanel Beer. Morgen, 8 Uhr abends, Sichah. — Jugendverein Erez-Jsrael. Heute, halb 8 Uhr. Vortrag Dr. David Rothblum über „Smolensky und seine Zeit". — Zionistische Sektion Innere Stadt. Heute in den Klubsälen des Cafe Habeburg. 1. Bez., Rotenturrnsträße 24 (Eingang Griechengaffe), Gesestschaftsabend mit Tanz. Gäste toMommcn! Klub radikaler Zionisten. Heute, haüb 9 Uhr abends, im Cafe Atlashof, 1. Bez., Afpernplatz (Klublokal: Eingang Wiesingerstratze), LAubversammlung. Referat: Der Vertrag Weizmamr-Marfhall und seine Folgen. Referent: Robert Stricker. De-r Verband der jüdischen Kriegsbeschädigten, -Invaliden, -Witwen und -Waisen in Wien, 2. Bez.. Ob Donaustr. d&fa teilt mit, daß Mittwoch, den 16., und Donnerstag, den 17. d., : von 10—42 und 3—4 Uhr eine unentgeltliche Abgabe von Teigjwa'ven an die Mitglieder in den Verbandsränmen stattfindet.'Mitgliedsbuch'mitbringen! : .. Predigten in den israelitischen GFmeindetempeln. Freitag finden bei dem ym. S'-Ptzr U..Min, btzgiynende^ Mendgättesoiem'ste Predigten "star-t',. - und' '. Kwai;:. SeltenfttzttKstgasse (Oberrabmner Dr. H.' P. Cha fes), Tempelgäffe' Mabbnier Doktor M. G'run'wastd)^ 'Hu^evgasse ''(Rabbiner Dr. I. Mt Bach). HolzMistergasse (-Näbbinec Dr, W. Rosen m a n n)'; ferner Samstag beim, Morgengottesdienste, (Beginn 8 Uhr 80 Min.) Schopenhauerstraßp Lregetisch7r P"s Herrn RgbbmersDr. 2)/.FeüDtstiä'ngi — Sümstag) 8'Uhr',nachmittags. 'Jugendgöttesdienst in' den Gemeinde- 'ünid Bezirks. Synagogen. . Jüdisches Zentrum der Asozialen Hilfsgemripfchaft Anitra -'Äsiller, 2. Bez., Untere Augartenstraße 86. Heute, 7-.Mr. - atztzndS. .im Rahmen des Hebräischen Jngeird'klubs Vortrag-voit Prof. K ä st e n ba um „Achad Haaiu rmd die Jugend", an- ^Wießend DiskuMon; halb 0 uhv.Vertrag.Dr. .Mar.ha Hy st mann: .jüdische Literatur seit- Moses Menvelfohn" (Ge, -schlossener Kurs Z. M. V. Mirjam). — Morgen, Donnerstag, 2—8 Uhr, Aerztlickic BerainngAstelle; halb 7 Uhr, ErziehnngSberatungsstellc. . Ekste österreichische 5!riippelarbcitsgcmeinschaft. Morgen, 7 Uhr abends, im Saale des „Guttemplerordens", 1. Vezirt, Himmel.pfortn.Taffe 9, Mitgliederversammlung. Gerichtssaal. Aar ver Arikokratie- Anonymer Brief nttd Ehrenwort. Bor einem Schwurgericht unter Vorsitz des Hojrou's Dr. Wüstinger begann gestern ein Ehrcnbeleidiguntzsprozeß zwischen zwei hocharistokratischen Widersachern, dein (Grafen) Adalbert Sternberg und dem (Prinzen) Johannes Liechtenstein, der deshalb interessant ist, weil seine Ursache ein arwnymcr Drohbrief ist, den die Schauspielerin Jda Roland vor ihrem Auftreten in „LMiglon" erhielt. Der Gatte, der Schansttielerin, (lÄras) C o u d e n h o v e - C a l e r g i, zog einen SckMftsachversiän> digen zu Rate, und dieser erklärte, daß der Brief von Liechtenstein stamme, der gerade um jene Zeit eine ähnliche Affäre mit dem (Altgrafen) Salm hatte und außerdem in der „Reichspost" Artikel gegen die Aufführnng des „LMiglon" schirieb. Eoudenhove übergab den Drohbrief und die Sachverständigengutachten dem Sterriberg imd ersuchte ihn, die Angelegenheit anfzuklären. Sternberg ließ den. Brief abermals durch Sachverständige prüfen, die ebenfalls erklärten, daß er von Liechtenstein herrühre. Liechtenstein leugnete aber entschieden, der^ Verfasser' des Briefes zu sein und bezeichnete in verschiedenen Zuschriften, die in einigen Blättern veröffentlicht wurde«, das Vorgehen Sterrrbcrgs als eine „niederträchtige Verleumdung". Wegen dieses Ausdruckes klagte Sternberg durch seinen Anwalt Dr.. Max Bernhardt. Zu Beginn der Verhandlung konstatierte der Vorsitzende, daß Sternberg in einer an das Gericht gelangten Zuschrift Liechtenstein auf das gröblichste beschimpft habe und daß Stencherg bereits vom Untersuchungsrichter mit einer Ordnungsstrafe von 50 Schilling belegt worden rvar. Im Laufe der Verhandlung kam es zu wiederholten Zusammenstößen zwischen Stcrnberg und dem gegnerischen Anwalr Dr. Gürtler, weshalb über Sternberg eine Ordnungsstrafe von 30 Schilling verhängt wurde. Der Angeklagte Liechtenstein beteuerte bei seinem Offiziersehrenwort, daß er den Drohbrief nicht geschrieben habe. Während der Einvernahme des Zugen Salm kam es abermals zu heftigen Zusammenstößen zwischen Sternberg und Dr. Gürtler, was Sternberg eine neuerliche Disziplinarstrafe von 40 Schilling eintrug. Die Verhandlung wurde nachmittags abgebrochen nnh wird heute -zu Ende geführt. Mn Rechtsanwalt unter Betrngjianitage. /Unter der AnUage, -zwei, KUetiten zu einem'" Geschäft verholfen zu haben, das sich nachher als Betrug herausstellte, hatte sich gesterri der Wiener Rechtsanwalt Dr. Max Körner vor einem Schöffensenat unter dem Vorsitz des Hosrates Goldstern zu verantworten. -Mit ihm waren seine Klienten Karl Hirsch utid Rudolf Steiner angeklagt. Die beiden befaßten sich mit dem Ankauf von Gütern, ohne über genügendes Kapital zu verfügen. Dreizehn Personen ließen sich durch verlockende Inserate zur Hingabe von Eiltlagen und Darlehen von 300 bis 10.000 Schilling verleiten. Im Juli 1926 verhandelte Hirsch mit der Verlassenschüft des Gutes Marbach bei Kilchberg über den Ankauf gegen Uebcrnahme der 240.000 Tschechenkronenbetragenden Lasten. Dann' inserierte er, daß ein Verwalter mit 8500 Schilling Einlage für das Gut ausgenommen werde. Als sich der abgebaute Filialleiter des Ersten Wiener Konsumvereins, Josef Nowotny, meldete, führte ihn Hirsch zu seinem . Anwalt Dr. Max Körner, und dieser redete ihm zu, obgleich vorher der Notar abgeraten hatte, sein Sparkassebnch über 8500 Schilling auszusolgen. Hirsch und Steiner verantworteten sich dahin, daß sie keinesfalls ihre Gläubiger schädigen wollten. Dr. Körner erklärte, in g u t e m Glauben gehandelt zu haben, er selber sei das Opfer der Täuschung seiner Mitangeklagter geworden. Die Verhandlung wird heute zu Ende, geführt. Raffe oder Konfession. Aus Budapest wird uns berichlietr Das Spiel mit den Worten und Begriffen Rasse und Konfession hat in Ungarn bereeits seine mcrühmNche Geschichte. Das ungarische Gesetz anerkennt nur sogenannte rezipierte Konsessioiven, aberkeine Rassen und Mlioneu. Dies haben sich die Antisemiten aller Schattierungen inden letzten Jahren wiederholt zunutze genmcht und in ihren Organen die wüstesten Paaromartikeil geMN die' Juden veröffentlicht. Als in Ungarn 3tassenschntz, weißer Terror und chrlwllch-nationaler Kurs noch die Msschließliche Macht in Händen hatten, tvurden die Verfasser solcher- Artikel, falls gegen sie die Klage erhoben wurde, mit der Begründung freigesprochen, daß die Angriffe .sich, nicht gegen die gesetzlich geschützte jüdische Konfession gerichtet hatten, sondern gegen die jüdische. Rasse, oder wie es einmal in einem Gerichtsurteil hieß, gegen die jüdische Gesellschaftsklasse, die jedoch gesetzlich nicht anerkannt sei, daher auch .nicht - geschützt werden könne. Als dann Bet hlen den wilden Antisemitismus aus taktischen Gründen zurückdrängte, änderten auch' die Gerichte' ihre Taktik Die Ausrede der noch immer rrngebärdigen annsemitischen Hetzer, daß sie'bloß die jüdische Nasse bekämpfen, die jüdische Konfession aber respektieren, jouibe nicht mehr zugelaffen. Die Verfasser solcher Bwndartikel wurden wohl, von den unteren Jttstanzen nach wie vor freigesprochen, die königliche Kurie als oberster Gerichtshof entschied ledoch vor et-rya zwei Jahren, daß das Strafgesetz das Verbrechen der Aufreizung gegen eine Rasse nicht kcnite und daß daher eine Aufreizung gegen die/Mitglieder der 'Judenschaft in ihrer Gesamthölt als eine Aufreizung gegen die jüdische KonsessioN Md nicht als gegen die Raffe gerichtet zu beurteilen und zu'verfolgen -sei. Diesen L.'andpunlt hat die königliche Kuriein einem konkreten Fall vor einigen Tagen aufrecht erhalten.

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