Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2860 (13.2.1927)
- Date
- 1927-02-13
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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M. 2860 Wie«, Sonnig Wie«er Morgeuzettrrrrg 13. Februar 1W7 Sekie 8 liches Attentat glaube, er versprach jedoch angeblich, den jetzigen Re ich sj n st i z m i Ui st e r H er g t und den Rechtsanwalt -iJr. Sachs in KennMis zu setzen. Auf der Polizei machte Dr. G e y e r dann Mitteikmg von-et Sache. Ungarische Sittlichkeit. AuL B u d a.p e ft. wird gemeldet:. Der Mnister des Innern hat eine Verordnung im.Juteresse der öffentlicheir Sittlichkeit erlassen, in der mit Bedauern festgestellt wird, daß die Umwälzungen der letzten zehn Jahre, besonders unter dem Einfluß gewisser, vom Ausland eingesickerter schädlichen Einflüsse, die öffentliche Sittlichkeit angegriffen haben. Tie Polizeibehörden sverhen verpflichtet, öffentliche. .Vorstellungerr jeder Ixt, von, Ge sichtspun kte der Sittlichkeit in erhöhtem Maße zn ^ttt'toMerelt und die Aufsührung solcher StückeoderTänze, die. gegen die gute Sitte verstoßen, zu vcHindern: Än öffentlichen Plätzen sind das Fluchen, unflätige Redensarten mrd schamlose Gebärden verboten. Anständige Frauenspersonen dürferr auf der Straße in beläst'i.gend.er,Wei'se nicht angefproj chen ober verfolgt werden. Schließlich wird verbotm, in Schaufenstern oder an öffentlichen Plätzen das Schamgefühl verletzende Preßprodukte oder Kunstgegenftände cmszustcllen. -. - . . Bei Heften, Wind, Hülfe wird man leicht von Erkältung befallen Man muß daher rechtzeitig Sorge dafür tragen, daß im Hause nie fehle der in seiner schmerzlindernden Wirkung einzige echte DIANA Fr a nzbranntwein mit Menthol welcher für Massage, Einreibung, Umschläge und alsGurg,eiwasser gleich unentbehrlich ist. Veto wall erhttHlkii. ROMAN VON KURT MÜNZER Ab m Ab 14. Ffcber ft l4‘Febtt SPEZIAL- ■ JVIOEE-WÄSdHE ' OSKAR MAIER D., TABORSTRASSE 28 Einzigartige Kaufgelegenheit in feinster Qualitätsware, Damenwäsche, weiß nnd farbig (Seidenwäsche) gestickte Stores, Bett- und Tischwäsche, Leinen- und Weißwareij, engl. Herrenmode, Krawatten etc. tzakenkeuzbummel inner KSrnlnerktraße. 64 Berchafkirtsen. — Drei Burschen haben Waffen bei sich. Ans cin-e in hakenkreuzl-erischen Wochenblättern an die antisemitischen und völkischen Kreise Wiens gerichtete Aufforderung hin, Samstag abends in die Rotenturmstraße und Karntnerstraße zu kommen, fanden , sich gestern nm ' 6 Uhr abends in den obenerwähnten Straßen Griippen zumeist halbwüchsiger Hakenkreuzler zu.einem.,Hummel" ein, der behördlich nicht angezeigt worden war. Um Zwm schenfälle zu vermeiden, wies die Sicherheitswache.die Demonstranten weg und hielt 64 Personen, die der Aufforderung, sich zu.entfernen, nicht Folge geleistet hatten, an. Alle Angehaltenen, von den b r e.i B u r schon u u b e - su g t W a f f en b e i sich h a t te n, .wurden zum Bezirkspolizeikoimnissariat Innere Stadt gestellt, von wo sie nach. Feststellung ihrer Identität und des Sachverhaltes, beziehungsweise nach Einleitung der S t rasant t s h a n d l u n g im Laufe der Nacht entlassen wurden. Nene Heldentaten des „Stahlhelm". Ein eigentümlicher Selbstmord. . Alls Berlin wird uns gemeldet: Am 17. Jänner dieses Jahres erschien bei -einem..gewissen Dr. med. Franz Geyer der 21 Jahre a l t e Kaufniann Hellmut K l ab u n d e. Die-beiden hatten sich bei einer Zusammenkunft der Angehörigen des S t a h l h e l m b u n d e s kennen ge- - lernt: Klabundc erzählte, daß er vom „Stahlhelm" beauf- - tragt worden, sei, zusammen mit drei Kameraden . den Reichstagsabge ordne t.en Sch e id em a n n z u erschieß e n> weil dieser durch seine bekannte Reichstagsrede vor der: Regierungskrise der nationalen Sache geschadet habe. EL sei bereits alles vorbereitet.: Er brauche nur noch G i f t für den Fäll, daß die. Flucht mißlinge und sie sich das Lehen-nehmen müßten. Dr. Geyer erklärte sich mit dem Plane einverstanden und besorgte 40 M o rph i n m t a b l e t t e n zu 0,03 Gramm, eine Menge, die rrvrmalerweise ausreicht, um. 5 bis 6 M e ti schon zutöten. Nachdem Dr. Geyer ihm Heil und Sieg gewünscht hatte, begab sich Klabunde in ein Hotel in dr>r Luckenauerstraße. Dort brachte er seine eigentliche Absicht, sich mit Morphium das Lebtzn zu nehmen, zur Ausfi'chrung. Er nahm jedoch zu viel Tablett e n, so daß er das Gift wieder ausbrach. Er wurde in die Charite gebracht, wo er acht Tage blieb. Dr. Geyer bekam .inzwischen Gewissensbisse und . suchte den Vorsitzenden des Berliner Stühlhelmbundes, Major a. D. Coypright 1027 by R* LöWit Verlag, Wion — Leipelg. Nirgends könnte er vorübergehen, ohne mitzunehmLN. Schl ve rer würde das Leben von Schritt zu Schritt. Mer durch Last ja erst spürbar. Zweitausend Jahre trug er auf kauni gebeugter Schulter, der 7Jude, und feine Freiheit .ist es, daß er trägt; sein-Glück, daß er. vom-Sinn, der Last weiß; seine Erwähltheit, daß er. tragen darf. ** Die Mutter trocknete dem Kinde die Tränen ab, und da sah sie, daß es lächelte, als hätte es nie geweint. - ... * - . - In der Münzftraße in'Berlin, unweit vom- Alexander-, platz, wo Bahnhof uiid Markthalle, .Kaufhäuser und Polizeipräsidllliu, Kaserne, Tanzsäle, .Kinos^ Bars, Kirchen und Betsälc das,:.Lehen der Stadt, in. zauberischem-Ringumfaßten, wo Bahnhögeil lind-Bii^aläste; alte Baracken und Riesemnietshäuser, imgrzählte -Läden, Kellergeschüfte, Etagenhandlllngen ein Volk.von Menschen früh aufnahm, abends ausspie — in - dieser Münzstraße hatte David Adler sein Geschäft. - ' .;.. . , - Er handeltelilii H'errenartikeln. In jedem dritten Hause gab es da einen solchen Laden nrit -Hemden, Hüten, Kra- . vatten, Socken,' Hosenträgern, Unterwäsche- Phantasiewesten, Schlafjackeil, Pantoffeln. Tllle machten ihr Geschäft, denn es wimmelt in dieser Gegend voll jungen Männern, Kommis, Agenten- Bureauschreibern, Arbeitern, damals noch Soldaten, von Arbeitslosen,-von Zuhältern, von Fremden, die ihr Glück suchen, von den Tausenden Angestellten dieser Läden. Denn in dieser. Straße gibt, es alles, dessen der Mensch bedarf: Möbel, Fahrräder, Wäsche, Stiefel, Gar- (8. Fortsetzung.) und Gemüsekeller. Und alle jungen Leute ziehen sich adrött an, putzen sich. Ihre Mädchen kaufen chnen flammende Kravatten und bunt gestreifte Hemden, grelle Seidenschals nnd / helle Westen. . - - - - David Adler hatte das schönste Schaufenster , dieser Straße. Er verstand sich auf solche fünfte. Er dekorierte es in erlesenen Farben, wunderbar zusammengestimmt. Alle acht Tage säst er am Sonntag vormittags hinter dem Atoll- ' laden im Fenster und arrangierte die Auslage: Einmal etwa rieselten nur Kravatten wie ein glitzender Katarakt über - die ganze -Fläche herunter, lveiß-grün-grau, vertieften sich ' hier zu - Blau, dort zu Purpur. Wie welkes- Laub triebda ' ein Gelb,-em Rot in der seidenen Flut. Oder er bauschte - --- - eine Wolke -.von Hemden auf,--aus farbigen' RändÄtr - schimmerndem^ Weiß getürmt. Große Schilder, schwarz mit - Gold, verkündeten den Namen dieser Stätte des Geschmacks: Club von England. Und damit sich die jungen Leute-von -' der scheinbar kostspieligen Eleganz des-'Unternehmens nicht ’ ab schrecken ließen, klebten diskret, doch auffällig, in Rot > und Grün' Plakate am Fenster und Tür mit der amerikani- ’ scheu Behauptung: Hier kaufen Sie immer noch besser und . billiger Äs in der billigsten Konkurrenz.-Oder: Guter Geschmack-kostet Sie nicht mehr. Oder: Grundsatz: Billigste:' ' Kalkulation. David Adler hätte großen Zuspruch. Es ginst bei ihyr '' vonr Morgen bis Abend aus und ein. Mel konnte viele - - Stunden in einem Winkel an der Tür nach den Wohnräu- - ^nen sitzen und zusehen.. ' v Wenn so ein kleiner Mann aus der-kleinen Stadt nach Berlin koinmt, schwindelt es ihm, zumal wenn er nicht! - in die stillen- Wohnviertel geraten ist, sondern mitten im Bauch der unendlichen StM sein Plätzchen hat. Es war so lvunderbar, diese Fülle des Daseins zu erleben, daß er alles vordem vergaß. Die Mutter kehrte in die Heimat zurück, ließ ihn allein. Mer kaum war er schweren Herzens an Onkel Davids Hand die Treppe vom Bahnhof Wcxanderplatz herabgestiegen und in das Zehn-Uhr-Abendleben des Platzes geraten, so war Äles verschmerzt. Als ob jede Pore ein Sinn wäre, mit dem er aufnahm. Als hätte er diese zehn Jahre seines Lebens darirach gehmrgert. Er wußte nichts und begriff alles. 'Rätselhaft, woher der MköMMling der Kleinstädter und Ghettojuden ein Kind der großen Stadt war, auflcbend unter ihrer verdorbenen Luft, begeistert von. dem Pnlsschlag ihres schlaflosen Fiebers. Er sollte erst Ostern wieder zur Schule gehen, und drei freie Monate lagen vor ihm. 'Onkel David ließ -ihn tun, lyas er wollte. Nur mittags um eins mußte er pünktlich da sein.' Dann gingen sie nebenan in die Kneipe zum Schwarzen Dschuitgel essen. Unergründlich, tvoher dieser Name. Vielleicht weil es immer finster in den zwei Stuben war und ein fauler Geruch alles durchdrang. Abel trieb sich durch die schmutzigen Straßen des Nordens.^ Es war ein milder Winter. Schnee, wenn er siel, schmolz schnell. Bisweilen regnete es sacht. Dann tvar Berlin letzten Zaubers voll. 'Das tauseildfältige Licht von Bogenlampen, Dachreklamen, Autolaternen, Schaufenstern spiegelte sich im Asphalt. Ueber den Dächern glühte der niedere Himmel rot, und die Regensträhnen glitzerten. Die Menschen schoben sich stumm, schnell aneinander vorbei. Es roch furchtbar süß, beklemmend bitter; die Scheußlichkeit war ein Prickel. Alle Gesichter blaß. Die Luft der Straße sät- . tigte kitzelnd. Diese hunderttausend Augen! Welche schrecklich bezaubernde Gemeinschaft mit den Fremden! Bon Arm zu Arm eilt Strom. Man war kein Kind hier wie zu HauS. ’ Hier war man einer vow den Ungezählten. Das Leben hatte es so eilig und tvar so reich: es schenkte allen alles, ichne -''yl. Man mußte nur zugreifen. (Fortsetzung folgt.) S t c f a n i, auf und machte ihm Mitteilung vonden Bordcrobe, Delikatessen, Metzgereien, Bäckereien, Eisemvaren, gangen. Stefani erklärte sofort, daß er nicht an ein wirk- | Flisenrgeschäste, Beleuchtungskörper, Bicrhandllmge.l, Obstwenn Sie aus der Prämien-Aktion der „Wiener Morgenzeitung“ die herrlichen Geschenkwerke erhalten wollen, die für Jahres- und Halbjahresabonnenten aiisgesetzt sind. Nur noch bis 31. 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