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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-11 · Heft 2858 (11.2.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2858 (11.2.1927)
Date
1927-02-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Men, Freitag Wie«» «-rserrzetttms 11. Fekbruar 1937 Nr. A88 JÜDISCHE WEIT ftu hebrSIsche Sniehuagswesen inPalSvlna. Eine statistische Zusammenfassung der Schulen, unter der Leitung des Erziehungsdepartements der ZionistischenExckutive, die ihr Budget hauptsächlich vom Keren Hajessod erhalten, ergibt folgenden gegenwärtigen Stand: 86Kind erg arten mit 124 Ledrern und 3442 Schalem, 93 Elementarschulen mit 449 Lehrern und 12.679 Schülern, 4 T e ch n i s ch e S ch u l c n mit 84 Lehvem und 1261 Schülern, 4 L e h r e r s c m i n a r e mit 48 Lehrem und 466 Schülern, 3 Gewerbeschulen mit 28 Lehrern und 580 Schülern, 3 D i v c r s c S ch ulen mit 9 Lehrem und 16) Schülern. Insgesamt gibt cs also 194 Schulen mit 742 Lehrem imd 18.593 Schülern. Die Zahl der orthodox e it Erzkehungsinstitute ivuchs von 45 im Vorjahre 5686 ans 53, mit 215 Lehrem gegenüber 179 vor einem Jahre. Die Zahl der Schüler stieg von 4631 auf 5496. Die Institutionen unter Oberaufsicht der Waadath Hatarbuth vermehrten sich während der gleichen Periode von 27 auf 36, ivähvend die Zahl der Lehrer von 46 ans 58 rmrchs und die Schülerzahl von 699 aus 1180. Mische« Werksiuvententum in Lemberg. Aus einem Artikel in der Lemberger jüdiftheit Tageszeitung .„Der Morgen" erfährt mau von einer interessanten Erwerbsgenossenschaft jüdischer Hochschüler an der Lemberger Universität. Das „Geschäft" dieser Genossenschaft befindet sich in zwei kleinen Stuben, einem Bodenraum und einem Kellerraum in der Sapiehagasse. Die kleine Unternehmung der Selbsthilfe betreibt eine Buch? binderei, eine Lithographie, eine Werkstätte für Schreibmaschinenputzen und kleinere Reparaturen und eine» Vertrieb von Lehrbehelfen. Bei. Nacht, wenn der größte Teil der Studierenden der Ruhe pflegt oder Zerstreuungen nachgeht, beginnen die jüdischen Studenten in der Geiwssenschast Skripta zu vervielfältigen, die letzten Vorlesungen aus dem Stenogramm zu übertragen. Am Tage werden Zirkulare, Einladungen der v:rschicdenen jüdischen Vereine und Organisationen lithographiert. In der Buchbinderei. iverden sowohl Bucheinbandsals auch Galanteriearbeiten ausgeführt, während in der „Maschinenkonservkerungsabteilung" das Putzen und Reparieren der Schreibmaschinen der Monnenten b. sorgt wird. Im Berkanfslokal kann der Student alles, wessen er bedarf, kaufen. Der erzielte Reingewinn wird nach Abzug der eigenen Arbeitslöhne zur Erweiterung des Genossen sch-aftsbetriebes verwendet. Konferenz der amerikanischen Reformgemeinden. In diesen Tagen ivurde in Cleveland die 30. Jahresversammlung der Union vf H-ebrew Congrcgalions (Verband der Reformgemeinden Amerikas) abgehalten. Viele Redner erklärten, daß das R e f o r m i lt b c n t u m in Amerika gegenwärtig eine schwere Zeit durchznmach.'n habe, die Orthodoxie ist noch immer ein wichtiger Faktor im jüdischen Leben und eine Stütze der alten jüdischen Traditione'.:. Einstimmig wulde beschlossen, sich dem Wellverband des liberalen Judentums anzuschließen. Auf der Konferenz ivurde eine halbe Million Dollar für das Hebrew Union College gezeichnet. Der Vorsitzende der Konferenz, Herr Adolf Ochs, unterstrich in seiner Red« die Erfolge des Hebrew College, in welchem die Reformrabbiner für Amerika ausgebildet werden. Er spendete seinerseits 200.000 Dollar für das College. Die Herren Ludwig Vogelstein, M. Guggenheim, Samuel Unterm )er und William Fox steuerten je 50.000 Dollar bei. Mehrere andere Teilnehmer spendeten Summen von je 25.000 Dollar, 10.000 Dollar usiv. Die Konferenz empfahl In eurer Resolution der amerikanischen Regierung, die Friede nsv er Handlungen mit-Mexiko fortzusehen und jede Kriegsmöglichkeit aus der Welt zu schassen Au-sammenschluß dsr h'lwäischen Kril.l.tirvrganisaKonen. Die hebräischen Kult-ur- und Erziehungsorgani'sationen „TarvuLH" in Polen, Rumänien, Estland, Lcctland. Litauen, Deutschland, Tschechoslowakei rsiw. planen, eine Zusammenfassung ihrer Tätiglkeit. Demnächst wird in Danzig eine „Taributh"«Konferenz abgehalten werden, zu der-die Lärrder- Organisationen Verire-?er entsenden werden. Eine Expedition zur Erforschung des, Maunah. Eine Gruppe Sa:',verständiger von der landwirtschaftlichen Versuchsstation der Zionistischen Exekutive wird sich im form* wenden Sommer nach der Sinai-Halbinsel begeben, um dort das Phänomen des M a n n a h zu studieren.' von dem sich nach der Erzählung der Bibel die Juden während ihrer Wanderung durch die Wüste eine Zeitlang ernähren konnten. Böhne «nd Kunst. »Marika". Akademve-ThLlber. Alexander, ein reicher. und eefolAreicher Dramatiker, ist ansonsten — das fcmart vor — ein armer Mann. - Seine Frau betrügt ihn gar sehr. Dis verstiegene, gefoWichtilge Gans fadisiert sich bei di-chorn hervorragenden Manne und er erw'.lsch-t sie m fla-gran-ti mit einsm suihalernen Forsiüeamten seines Rittergut-es. Hoch oven auf den Bergen, in einer Hütte. Gott ist gerecht und faßt iihn dortsetfist ei*n vrer^echnjÄhri-ges MÄdchen entdecken, das gang entzückende Naturkiird Marika. Alexanders Mittel gestatten es chm, Marika samt «incm alten Mann (als Anftands^me) auf sein Schloß zu holen. Hier wird sie, fünf Jahre lan-g, in Fra'cheit dressiert. Ter -SchrisHisteller rmd Großgrundbesitzer erzieht sich seine zu'künsiige Frau, die unvevderbt sein wird, naturbelassen und treu, L-rbensgefährtin und Geliebte. An ihrem 16. Wirgenisiste kriegt Marika, das weltfremde, aber schon tiptop angeizcigisne, fiportgeiwandte Prachtmaldel aus den Bergen, von Alexander eine Schü'ben«pistole gcschenikt und wird von ihm zum Weibe promoviert: zart, m-tnw'glitf), -„«durch die Blume", und die keursche AuMärun^sisgene enthält die Fra-ge: Willst du die Meine werden? Cs stellt sich ein unerwlnchchter Erfolg ein. Marika wirst sich einem phrasenreichen Hclhlkopf von Schmierenkomödianten an den Ha/ls und der arme Alexander sckein-t mn das inveftievte Kapital an Barmitteln und herzlnmg-er Fürsorge zu kommen. Beinahe. Denn, weltgewaudt, wie er ist, greift er zir d>:m tauglichsten Lustspiebmittes und macht, natürlich mit Bomibenersvlg, Marika amen dritten M lang a'rferfächtig. * Der Ironische Ton, in weilche-m der Inhalt des rosenroten DutzendstückeZ hier erzÄhl't wurde, ist von löbl'ichen Bewrrgrüaden veranlaßt. Ich will zeigen, daß man ein solches Lusi/piel schreiben — und doch ein Dichter fein' kaim. Zwei Szenen nämlich, der erste Dialog Märikas mit dsm Schriftisteller und das „Errvaä.en" der Mädckiens, sind Dichters W^rk. Dort ist sie tatsächlich „das Mädchenchnn solbst", hier — tatsächlich — die Knchpe,.die sich der ersten Fvühlinrgssonne erschließt. Und nicht, wn Stephan Zago n, den mnen ungarischen Autor, abzurduu, sondern mn seiner dichterischen Sewdurlg willen mußten wir recht drasti«).h zeigen, daß er es sich nicht leisten d-arf, den gm tm allen Benedix zu imitieren. Hilde Wagen er, in der Berge>lnsamckeit herb, kernig, in den nmudönen'O^Michkeiten der späteren Mte von berückender Grazie," ist die große Freude des Abends. Herr Treßler ist ihr Gigenspieler, der die Parole „Durch Kampf zum Sieg" hochhält. Mitunter vergißt sein k^exander die Rolle des Pädagogen und ist jungenhe.st ausgelassen. Dom Prevlniz-Mimen setzt Philipp Zeska lustige Parodist Me Lichter auf. Nach dem zweiten Mt w.urd'e der Autor sehr häufig-gerufen. ' Ö. A. Aus de« rheateru. Burgtheater. Heute wegen Erkrankung Paul Hartnrauns statt ,.Der Diktator", „Spiel im, Schloß". Morgen „Leonie" (Abonnement 3. Gtuppe). Akademietheater. Morgen, halb 8 Uhr, „Stiefmanu". Operntheater. Morgen, 7 Uhr, gelangt zum erstenmal das Ballett von Franz Salmhofer „B a 3 lockende Phantom" zur Aufführung. Hierauf „Der Barbier von Sevilla". Kamm er spiele. Als nächste Novikät gelangt „Amor in Nikolsdorf" von Friedmann und Kottotzv, mit Hans Moser in der Hauptrolle zur Aufführung. Anschließend daran findet die Uraufführung des Stückes ,,Äerlegenheit im Völkerbund"' von Rolf Lauckn-er statt. Wiener Bühne. Sonntag, nachmittags, halb 4 Uhr, Tanzaufführung Dita Tenger. Theater inder Josef stad t: Sonntag, vormittags, halb 12 Uhr, findet zugunsten der Rettungsgeselljüiast eine lue-, dermatinee. Julia Glnzrey-Culp statt.. Modernes Theater, Heute, morgen und Sonntag, 10'^ Uhr: „D ie scharz« Messe". L u st s Pf e l t h e a t e r. Samstag und Sonntag finden zwei Aufführungen von ,',Der große Bluff" mU Josef Jarno statt. Bürgertheater. Morgen.geht zum erstenrpa! neu emstudiert die Operette „Der Tanz ins Glück" von Robert Stolz in Szene. Samstag, nachmittags 3 Uhr, „Rotkäppchen". Die Opernwoch-e. Das Repertoire der Staatsoper in der kommenden Woche lauter: Sonntag, 13. Februar, „Götterdämmerung"; Montag „Rigoletto" (mit Batlanoff als Gast); Dienstag -Madame Butterfly"; Mirtwoch „Ma rg a r e t e" (mit B a 1Lo n o f f als Gast); Donnerstag „Elektra"; Freitag ,/Lavalleria rustieana", „Das Phantom"; Samstag „Intermezzo". Auszeichnung Heinrich Glücktvanns. Dem langjährigen Dramaturgen des Deutschen -Bolkscheaters» Heinrich Gliicksmann, wurde vom Bundespräsidenten der Titel eines Professors verliehen. Diese Auszeichnung wird einem Manne zuteil, der sich dank seiner menschlichen Ergenschaften und seiner künstlerischen Gaben, allge:nekner Achtung und Wertschätz'.tng erfreut. Professor Heinrich Glücksmann Jüdisches Künstler-Kabarett 2. Bezirk, Praterstraße 60 Letter: M. Lirena Telephon 43-5-50 Ijlfl TÄGLICH (flfl llüüü Die große jüdische Revue Li in 15 Bildern von A. Metsels. üeber 30 Mitwirkende! Tanztruppe Eliasarowl Sambatjon-Girls! Serichtssaal. Sie knquete über die Advokatenkammernovelle. Gestern vorrn^ttags fand im Par.amimt, diu vom Justiz ausschuß beschlossene Enquete, L:tvefstud die Rechtsanwaltsnovelle statt, zu der Vertreter der Advolatenkammer, der Richterv^reinig'.lng, des Vereines der Staatsawvälte und des Vereines der Rechtsanwaltsanwärter erschienen waren. Der Präsident dw' Wimer Rechtsaruvaltscammer Doktor Eckel betonle, daß die Nechtsawvälte insbesondere aus die Einführung eines Berufungssenates gegen die Mlehnung der Eintragung in die Liste der Rechtsanwälte und die Vermehrung der Zahl der Mitglieder l ei den Disziplinarsenaten der Kammer Wert legen. Dr. N o b l trat für die Schaffung einer ofsizi:l>.n S andesvertretung der Konzip'.entm im Rahmen der Wvokatenkammer und für die Abkürzung der Vorbereitmcgsznt zum Rcchtsanwallsbernst ein. In der Debatte wurde auch die Frage der Zulassnnjg der Richter und Staatsanwatte zur Advokatur eingehend erörtert. ist' nick)t nur hervorragender Kunstkenner unv Theatersächmann, sondern entsaftet auch eine erfolgreiche schckBstellerische Tätigkeit. Auch in unserem Blatte srnd ernige Beiträge seiner geMtzten Feder erschienen. Der Geklebte der LeftamentM'chrrin. Fpaiu Lcinintzen-Schr.t.iLcl und ihr Kaamw^dirner. Im Vorjahre erregte in Berlin ein Skandalprozeß großes Aussehen, in dessen Mittelpunkt die ehenralige Gräfin Leiningen und spätere Frau des auf Mselhastc Weise verstorbenen berühmten Bakteriologen Professor Schnabel stand. Professor Schnabel hatte gegen den Willen seiner Familie die Gräfin Leiningen in Wie» geheiratet und trat ihr zuliebe auch aus dem Judentum aus. Seiner adeligen Frau ernröglichte er allen erdenklichen Luxus, um iu ihre Gesellschaftskreise Eingang zu finden. Als Professor Schnabel in verhältnismäßig jungen Jahren plötzlich starb, tauchte der Verdacht auf, daß sein Tod kein natürlicher gewesen sei. Auch die Echlhrit des Testaments des Verstorbenen, in dem er seine Frau zur Alleinerbin eingesetzt hatte, wurde bezweifelt. Frau Leiningen-Schnabel wurde in Untersuchung gezogen mrd wegen Testamentsfälschrmg angeklagt. In einem. Sensationsprozeß wurde sie sihuldig erkannt und verurteilt. Die Untersuchung wegen Mordes wurde eingestellt, iveil das Gericht einem Antrag auf Exhumierung der Leiche Schnabels nicht stattgebcu wollte. Nun steht die ehemalige Gräfin abermals im Mittelpunkt eines Sensationsprozesses, der darnach angetan ist, sie schwer zu kompromittieren. Es hat sich nämlich der 21jährige Diener der Frau Professor Schnabel, Max Schwintzer, wegen fortgesetzten Diebstahls in derSchnabelschen Villa auf' der Insel Planitz bei Potsdam zu verantworten. Kronzeugin ist Frau Professor Schnabel. Schüvintzer war sckpn zu Lebzeiten des Professors in der Villa angestellt und blieb als einziger Bedien.steter auch ' nach dem Ableben des Professors bei dessen Gattin in Diensten. Während des Prozesses soll er gemeinsam mit seiner Mitangeklagten -Braut Schmuck und Einrichtungsgegenstände von hohem Werte gestohlen, haben. Bei seiner Einvernahme rief der Angeklagte in erregtem Ton: „Ich war Frau Professor Schkrabels Geliebter, ich habe die Sachen nicht gestohlen, sondern sie hat sie mir geschenkt. Einige Bilder habe ich genommen, well ich Ansprüche hatte. Meinen Lohn habe ich nicht bekommen, sondern nur Taschengeld. Ich habe auch Einiges als Schweiggeld bekommen Ich war so vertraut mit Frau Professor Schnabel, daß von einem Diebstahl keine Rede sein kann. Ich war der Einzige mit ihr zusammen." Weiters sagt Schwintzer aus, daß Frau Professor Schnabel ihn zu einem Meineid für ihren Testa-' mentsProzeß verleiten wollte. Die jetzige Anzeige habe sie nnr aus Rache erstattet. Wir werden über den Ausgang des Prozesses berichten. Ein Antisemit leistet Mbktte. Bor dem Koivnoer Kreisaericht fand, wie die I. T. A. berichtet, dle'ser Tage die Revisionsverhandlung in der Klage des jüdischen Sejmabgeordneten Finkelstein gegen den artti/emlttschen Pfav- _ .... gegen die de jure-Anerkenrumg Litauens zu wirken und wurde dafür vom Erstci.hter zu fünf Tagen Gefän^s Hielt Setmfrattiou von der Anklage zu rücktrat,

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