Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2857 (10.2.1927)
- Date
- 1927-02-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 285. i&teit, DormeMas 10. mtmt Mt mk n Gebiet t>btt r»Sm Kaukarfus auswandern werden), die stets nur als sich e'.nb-rärFewdv ,KrHmde" an-sschsn werden und die nicht die^dortiig-en Sprachen sprechen, die dortigen Sitten nicht kennen und beobachten ich». Selbst die Juden, die feit Gerrevationen in der Ukraine vder tu der Krim leben, hatten vor der Revolution nicht n'ätiy, ukrainisch oder tartar'.sch zu sprechen, weil sie größtenteils in den Städten Uöten, wo das Russische als die einzige offizielle Sprache alle-r Regierrmgsinstitutionen, G:isellis'chaftskrei'se uifw. vorhernschte. So sprechen praktisch dir ukrainischen, kri-rrsschen, kaukasischen rnifo weitzrussWen Juden der jetzigen Generation in der Regel nutzer Jiddisch auch Russisch unid haben in ihrer Jugend eine russische Bildung genossen. Die eventuelle Uebertragunig einiger Teile disser ulkran ui'schen oder weitzrusfiischen Juden nach Grotzrußlanb, Sibirien oder sogar Tnrkostan würde sie daher nichi in solche Schwierigkeiten und Gefahren briirgen, wie gerade ihre Verpflanzung nach der Mraine, der Krim, dem Nciwrschen Gebiet oder dom'Kaukasus. Nutzer der Frage der Sprache, der lokalen Sitten «ßw. wirb es für die Juden in der' Mraine, der Krim, .dom Msowischen Gebiet, Weißrußlands und dom Kaukasus stets das schwierige Problem ihrer Ergebenheit g-egen-über den Russen oder Ukrainern oder Donzi- oder Weißrussen oder Tartaren utftv. geben. ^B:sondrrs akut und von gefährlichen Kons eg nenzen wird dieses Problem während den Perioden politischer oder sozialer Unruhen und Aufstände. Felix Marburg in Palästina. Seine Sotschaft vor der Mretfe. Vor seiner Mreise aus Palästina richtete Felix Marburg an Dr. I. lL. Magnes folgenden offenen Bri-sf: „Nach dre-i Jahren, seitbem ich Palästina, zmn erstenmal besuchte, hatte ich jetzt das große Vergnügen, dieses schöne und interessante Land abermals zu besuchen. Tiefen Eindruck machten ans mich all die Verbesserungen und Verschönerungen, die ich7Üb e rall fä n d. und ich bin voll des Vertrauens, daß der gewaltige Volksgei st trotz d-er gegenwärtig herrschenden wirtschaftlichen Krise -refsm Lande die Epoche des Wohlstandes bringen wird. Die landwirtschaftlichen Kolonien haben in gesunder Entwicklung große Fortschritte gewacht, und ich bin von der Hoffnung erfüllt, daß di« mit der Landwirtschaft direkt oder indirekt verbundene Industrie sich gleichfalls auf feste n Gr und la gen entwickeln wird. Das Interesse Amerikas an Palästina ist in stetigem Steigen begriffen. Die letzten Verhandlungen in Ang'slcgenhe'it der J e w i s H A g e n c y sichern die gewünschten Ergebnisse. Die zu blibende Kommission wird, durchdrungen vom Geist, und dom Willen d"s AriOaues und des Schaffens, ins Land fonumen. Sie wird nicht vor die Frage gestellt, ob Palästina aufzubauen ist, sondern: welche r Weg de r b e st e s e i, u m -d ie s e s Z i e l z u e r r e i che n. Es ist zu Haffen, datz die Kommission sich bei ihrer Arbeit der M'llihilife und Teilnahme des ganzen J'.schuw erfreuen rmd in die Lage kommen wird, enHp rechende Vorschläge jlitr eiren Arbeitsplan vorzulogen, der etwa aus zehn Jahre sich erstreckt und ans festen Grundlagen aufgebaut ist, die seine Verwirklichung ermöglichen." A. D. Gorvon. 8« seinem Mten lofiestogt Bon Meier Herrisch. «An Ler Arbeit werde» wir genesen." A. D. G 0 r d 0 n. Es fällt schwer, über A. D. Gordon zu schrien, über den Mann, der Zeit seines Lebens jeglichem Personenknltus abhold war und dessen letzter Wunsch lautet, marr möge fein Andenken durch Schweigen ehren und zumindest ein Jahr über ihn weder reden noch schreiben. Aber gerade diese wunderbare Persönlichkeit ist es, die sich nicht verschweigen läßt, an die man sich stets erinnern muß, so oft man an die Regeneration eines physisch und geistig schaffender! Judenvolkes auf seiner alt-neuen heimatlichen Scholle denkt. Es ist bekannt, daß A. D. Gordon eine mächtige Wirkung auf den gesamten neuen Jischuw in Palästina ausgeübt hat. Besonders groß, in manchen Fällen sogar cinscheidend, rvar sein Einfluß in den Kreisen der palästinensischen Arbeiterschaft, die in ihm ihren geistigen Führer und den Verkünder der „Religion der Arbeit" verehrte. Allein nicht von der geistigen Seite her taut die Macht seiner Wirkung. Nicht der Geist Gordons nrrd rächt seine literarischen Schöpfungen, mögen sie noch so hoch angeschlagen werden, verliehen ihm die überragende Bedeutung. Vielmehr waren es seine phänomenale Persönlichkeit und seine beisziellose Hingabe an das als richtig erkannte Ideal, die itzur die Herzen aller eroberten. A. D. Gordon hat es zu «50 gebracht, fünfzigjährig, mit seiner Vergangenheit, die in der Diaspora und in ihren LLberrsgervohnheiten tief verwurzelt war, gründlich zu brechen, und trotz seiner schwächlichen Kon- Tagesbericht. N. 9. fttlia. z« leine« DO« Gevurmno. Thomas Area Edison, «wer der größten Ersinder der jetzigen Zeit, der „Zauberer vom Monttopark", feiert heute seinen a.htsigflnr Geburtstag. Wie bie.'c amerikanische Selfmademen sing auch er seine Karriere als Zeitrmgsjunge an. In feiner freien Zeit beschäftigte er sich mit chemischen Experimenten und dieser Drang zum Experimentieren brachte rhu immer wieder mit seiner Umgebung in Konflikt, sei es, weil er einen kleinen Brand hervorgerufen hatte, sei es, weil die Fensterschüben des Hauses daran glauben mußten. Aus der Schule als , gnftig minderwertig" entlassen, nahm er das Studium in eigene Hände und er versuchte, nicht durch Berechnung, sondern stets durch Experimente praktisch anS Ziel zu gelangen. Als Zeitungsjunge, welchen Beruf er zumeist an den Bahnzügen in Kanada ausübversuchte er einmal eine Phosphormischung, zündete dabei aber den Gepäckwagen an und mußte daher einen anderen Beruf ergreifen. Er wird Telegraphist und baut kurz darauf seine erste Telegraphenleitung, wobei er zunächst noch zwei Katzen als Energiequellen benützt. Nichtsdestoweniger gelingt ihm die Duplextelegraphie, d. i. die gleichzeitige Uebertvagrmg zwier Depeschen auf der g eichen Leitung. Er wendet sich nun ganz der Telegraphie zu und führt bei der Gesellschaft, die ihn beschäftigt, verschiedene verbesserte Apparate ehr. In seinem 1876 im Montlopark bei Newhork geschaffenen Laboratorium gibt er sich darrn ganz seinm Erfindungen hin und konstruiert dort ein vervollkommnetes Telephon, dann den Phonographen, den er etwas spater wieder zu einer Diktiermaschine ausgestaltet, ein Gesangtelephon, das wortlose Töne reproduziert, das Mikrophon, das Megaphon und das Phonometer, ferner für die Telegraphie einen Quadruplexapparat, der das, gleichzeitige Telegraphieren, von vier Depeschen in verschiedener Richtung auf demselben Draht erlaubt, verbessert die Dynamomaschine, konstruiert elektrische Glühlampen und macht auch sonst verschiedene Ersindungeu, die zur schnelleren Verbreitung des elektrischen Lichtes beigetrageu haben. Sein ganzer Sinn war stets darauf gerichtet, technische Verbesserungen anszuführen und er selbst definiert seine Tätigkeit damit, daß ein Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration stine Triebkräfte gervefen sind. Mit geradezu halsstarriger Zähigkeit geht er seinen Ideen nach, der Welt stets neue technisch' Errungenschaften zu bieten. Und der schönste Zug dieses langen arbeitsreichen Lebens ist: Edison hat sein Ersind-ers.e.ue. stets dem FmÄen und Fortschritt der Menschheit in Dienst gestellt und nicht dem Krieg und dem Mord. Ier Patents«,ialist. Es wäre verwunderlich g.wc-sen, hätte das AulsteOlitzsche Zentralorgan der österreichischen Sczialdotnokratie die Gelegenheit vor rü'be reichen lassen, dem englilschen Arideider-Deputierten Colone! Wedgwood, der di eher Teige zum Zwecke zionistischer Propaganda in Wien weilte, eins ausznwischen. Hat doch Colonel Wed^vood in einem Jnt-ewilaw mit einein rmsc-re^ Mitat’beiter die anti^ronistische Mimikry des Wiener SozialksterMattes höflich, aber deutlich stigmatisiert. Die RLye konnte nicht ausbleiben und so benützte die „Arbeider- Z-itung" einen Empfang beim Wiener englischen Gesandten, der zu propcgatoriischen Zwecken für den Palästina-Aufbau veraiLtaltet wurde, dazu, um Colonel Wed^vood den .^Krcis" von Finanz- und Banikleuten stituiion ein volrsturwig treues Leuen a.s Lanuaro.ücr auf palästinensischem Boden zu beginnen und mit aller Konsequenz fortzusetzen. Und deswegen wurde Gordon allen zum lebendigen Beispiel, rvurde esohne seine Absicht und gegen seinen Willen. Er lehrte im Leben und durch sein Leben die Lehre dev Arbeit, bevor er es in der Literatur durch seine geistreichen Aufsätze tat. Die spätere literarische Wirksamkeit Gordons. war gewissermaßen der Kommentar zu seinem lebendigen Merk, der gedankliche Ausbau seines ursprünglich rein gefühlsmäßigen neuen Lebens. Diese Wirksamkeit war ihm stets bloß ein 'Mittel; das Ziel roar ihm das natürliche Leben in enger Verbindung mit der schöpferischen Arbeit. Diesem Ziele ist er bis an sein Lebensende treu geblieben. In unserer Zeit, wo alles Augenmerk auf die breiten Massen gerichtet, der Herdengeist vorherrschend isterscheint es nicht überflüssig, auf die besonders ausgeprägte individualistische Note in der Persönlichkeit Gordons hinzuweisen. Wohl stellt auch Gordon die nationale Regeneration in den Mittelpunkt seines Denkens und Handelns, doch er betont immer rvieder, daß die' nationale Wiedergeburt ausschließlich von der Erneuerung des einzelnen jüdischen Menschen und seines Lebens bedingt ist. Nur wenn die Individuen vollkommen sind, ist die Gemeinschaft eine ideale und vollkommene. Und deswegen verlangt er von dem einzelnen Menschen die H ö ch st l e i stu n g auf jedem Gebiete, zurrächst für sich, selbst und , für seine eigene Befriedigung, indirekt aber zu Nutz und Frommen der Gemeinschaft. Individualist sein bedeutet jedoch für Gordon nicht die Höhrrstellung des Individuums Wer die Gemeinschaft und die Dirustbarmachung der letzteren für die Interessen des einzelnen, sondern umgekehrt. Wo das Wohl der Gemeinschaft es erfordert, müssen die einzelnen Glieder ihre Der Kluge baut vor. Diel gilt besonders w&hiend der gegenwärtig herrschenden Grippe «1. Influenza Sftnititsbehörden und Aersste empfehlen eis bestes Vorbeugung«* mittel strenge Hygiene. DIANA- FRANZBRANNTWEIN MIT MENTHOL ist das beste Hansmitte! sor rationellen Pflege der Atmangsorgsne sowie des Körpers Täglich mehrmalige Spülungen Ton Mnnd nnd Rachen, einige Tropfen dem Waschwasser betgegeben, erhöhen die Widerstandskraft nnd stärken den Organismus. ' Diana - ffraiuEbranntivelii ÜBERALL ERHÄLTLICH! vorzuwerchen, in dom ,-sich der englische Alibsiter-A»).geordnete wohl Whbe". Nun hat Colonel WedMood doch wohl recht, sich in einem wcihl zu fehlen, in welchem auch «sLiare pur!tauschen Kollegen aus Oesterreich sich durchaus nicht übel LYIen. Denn es ist bekannt, daß sich Herr Vüvg'Sim.eWr «S e i tz in der Gefcllischaft desiseWen Rot!l)Mkdi, dar W^tig/wood zum Dovwurf gemacht wird, rocht Wohl fühlt; obenrso ist. nichts davon beLaimt ^.Worden, daß die Herren Renner, Emm-erli-ng und El der sch in der Gesellschaft der Finansmcgnaten Guttmann und Kux je von UnwcihHein befallen wurden» oder daß Herr Stadtrat Professor Tandler die GoseUchW des Fabrikanten Mendl meiden würde. Dabei bleibe es noch sehr d^hmg-./ftellt, cö die ,,g.seUchaftlichen" Beziehungen dieser Herren zu den Bank- und Finangkreisen so ausschließlich einer sogiald^moEratlschen Propaganda dienen, wie die Teil-naLMe Colonel Wrdoi.voods an dem erwähnten Empfang der zkonlfti'schen Propaganda. Und diese zionistische Propaganda, die alle Schichten de>r Ju.derlh>ri-t zu erfassen ha-t, dient in ijhrem Effekt dom arbeitenden jüdischen Palälstina, willdie Mittel dafür arMr'rigen, Laß die jüdischen Arbeitet im neuen Palästina Brot und Arbeit haben. Wenn das ' Organ des Herrn Austerlitz düse Propaganda mit hämischen nnd vernaiderten Bomerkungen an die Adresse WotiMvoods und des Zionismus begleitet, so bestätigt es nur WodgwooLiI Aukjipruch, daß antizionirstilsche Eir^ stelln-ng unscg'ialistisch ist. m LaiMeregramm der östemWlsAv zlonlstea m koloael Wedgwood. Das Präsidium der zionistischen Landesorganisationfür Ocsierreich unid das Präsidiium des csterveichischen Keren Hajessod haben an Colonel Wedgwood fobgendes Telrgramm gerichtet: „Die cs!err-:ich!sch>en Zionisten entibieten Ihnen den herzlicksten Tank für die Förderung die Sie unserer A-r>drit für den A u f b a u P -a l ä st i n a 3 durch Ihren Aufenthalt in Wien zuteil werden ließen. Durch Ihre Amvcseriheit und Ihre inihaltsreichen An«fprachen in Wien Haben Sie nicht nur das Interesse der breitesten jüdischen Kreise Mr den Palästina-Auslbau geweckt, sondern auch die Zionisten in Hrom Arbeitseifer und in ihrer Ausdauer gestärkt. Ihr beisip'i'elg'benldes Eintreten für die Jdoe der Befreiung unseres Volkes in Palästina wird uns stets Mut und Kraft zu weiterer Arbeit geben. Hiefüigebührt Ihnen unser aller Dank." ctgrnen persönlichen Interessen der Gesamtheit unterordnen. Und was Gordon als Mensch von dem Individuum in seinem Verhältnis zur Gemeinschaft verlangt, das fordert auch Gordon der Arbeiter, das Mitglied einer palästinensischen Arbeiterpartei, von der Arbeiterklasse in ihrem Verhältnis zur Gesamtnatiorr. Nicht die Herrschaft einer Klasse, und sei es auch die Arbeiterklasse, sondern die Einfügung aller Stände in das Gefüge der Gesamtnation und die Unterordnung aller Sonderinteressen unter das nationale Interesse gilt ihm als Höchstes. „Achduth ha'am", die Einigkeit des Bottes, ist eines der Hauptpostulate A. D. Gordons, der den Arbeitenden bloß die Rolle von Pionieren, von Schrittmachern und Wegweisern dieses geeinigten Volkes zuweist. Gordon lehnt daher die Uebernahme der marxistischen Ideen für das jüdische Volk ab. Er tritt speziell gegen den Klassenkampf entschieden auf. Für ihn gibt es nur einen Kampf: den Kampf für die Arbeit, für die Nationalisierung des Bodens und der Produkttonsmittel, aber auch den Kampf gegen das Parasitentum in allen seinen Abarten und auf allen Gebieten und gegen die Parasiten in allen Parteien und Lagern. Bei der schärfsten Ablehnung der Lebensweise und der Arbeitsmethoden des ,^olonisterr" als antisozial und antinational, schmälert Gordon nicht die Verdienste der „Bilu"-Generation, und trotz seiner großen Anhänglichkeit und Liebe für die Arbciterschaft, der er so nahestcht, übersieht er dennoch nicht ihre. Mängel und tadelt offercherzig, was ihm bei ihr tadelnswert erscheint. Und darum ist A. D. Gordon, trotz seiner Parteizugehörigkeit, ein leuchtendes Beispiel für das ganze, auf fein eigenes Leben und Schaffen hinarbeitende Judentum.