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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-09 · Heft 2856 (9.2.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2856 (9.2.1927)
Date
1927-02-09
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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St. 2866 Wim, Mtwoch gtew» gtoryyttmfl Februar IM «ter Bühne und Kunst. „Kater Lampet Lustspielchoalvr. — Gastspiel der Freien DWaters. 8i» tttentrischer Abend, der größeren Zuspruch des Publikums verdient hätte. Emil Rosenows, des, deutschen Sozialisten Komödie,' spielt unter den armsellgen Holzspiel« warenschnitzern des Erzgebirges. Es geht um die Katze eines buckligen Drechflergeftllen, der nichts auf der Welt besitzt als diese- Tier und gottlob außerdem ein tüchtiges Stück tapferes Rebellentum. Reben den typischen Figuren, wie sie uns allerdings aus Hauptmanns Biberpelz" und anderen Stücken jener Epoche bekannt sind, ist dieser Geselle Reunrerrel Eigenbau des Dichters und Politikers, der allzufrüh gestorben ist. Die frische Satire , auf die Dummheit und Verbohrtheit der kleinen Machthaber und Krösusse im Krähwinkel, ist voll feiner Beobachtungen. Besonders geglückt ist eine Szene, die zeigt, wie die hungernden, ausgebeuteten Dörfler einander auf die wunden Füße treten. Die Gesamtaufführung unter Forests Leitung hat Geist und Leben, die Darsteller find mit löblichem Eifer, wenn auch nicht durchaus mit vollem Erfolg bei der Sache.. Ausgezeichnet gefiel uns Herr G r ü n,. der Dar-! steiler des Drechflergefellen. Auch Frau Wiener als pfiffiges Weib auS dem.Volle und Herr Löwe als Gemeindevorstand fanden wir trefflich. Schriftsteller Luitpold Stern leitete den Abend mit einer eindrucksvollen Ansprache ein. A. New Parker Lheaternotizbuch. (Bon unfevem Berichterstatter.) Newyork, Eiche Jänner. Lerwiks „©ole-nr" ist jetzt der Held des. ThraüerklatscheS. .Das. Moskauer hebräische Theater „Habimah", das inr Cosmopolitan-Theater auf Broadway mit viel künstlerischem und wenig materiellem Erfolg gastiert, hat. den Leiwikschen „Golem" in. seinem Repertoire. und kann ihn in dem Theater wo es jetzt spielt, nicht zur Aufführung bringen, weil Willner und Ben-Ami, die Besitzer des Jrving--Place-Kimsttheaters, seit längerer Zeit das Aufführungsrecht , für das Stück haben. (Ursprünglich . hatte es Morris Schwartz erworben,: traute sich ..aber sticht recht an die schlvierige Aufgabe heran und überließ das Stück der Konkurrenz.) Nun, da „Habimah den „Golem" bringen will, muß sie ins Jrving-Place-Kunsttheater übersiedeln. Die Premiere wird. anfangs Februar stattfinden. Inzwischen kündigt das Jrving--Place-Kunsttheater, das während des Gastspiels in verschiedenen amerikanischen SMtechHäsiieren-wird, ''für' dje ZUt nach seiner Rückkehr eine jPdifche Äüfführung des „Golem" mit Bett- ' Anri in der Titelrolle an. Für diese Aufführung hat Leiwik eine eigene. Bühnerrbearbeitung seines Werkes geliefert. Ueberdies kündigt das Jrving-Plac>e-Kunstthea.'str als Novität Gal Zwo rthy's „Justiz" an. Das Dymow-Jubiläum, für das Morris Schwartz die Aufführung des neuesten Werkes des berühmten Dramatikers versprach, wird nunmehr im Kunsttheater von Morris Schwartz am 1.. Februar mit einer Aufführung der.' altbekannten Komödie, Dymows „Der Sänger-seiner Trauer" gefeiert' werden. Das Stück wird vpu Josef Bulow, dem früheren. Mitglied der Mlnaer Truppe, inszeniert, der auch-die männliche Hauptrolle spielen wich. Die Wilnaer Truppe, die ursprünglich die ganze Saison im Lipzin-Theater gastieren sollte^ begibt sich nach Argentinien-; in Ncwyork waren ihre Er- . folge gering, hauptsächlich deshalb, weil sie kein neues intLrncüionales Repertoire hat. In Hartem lebt vergessen in großer Not der bekannte jüdische Theaterschriftstcller Lateiner, dem das jüdische Theater in Amerika und Europa sehr viel Singspiele und Operetten verdankt. Mit Lateiners Namen ist eine heute schon überlebte, aber durch fast vier Jahrzehnte zugkräftige Richtung des jüdischen Theaters verbunden; es ist daher ein Akt der Pietät, daß sich in Newyork ein Komitee aus' Theaterleuten gebildet hat, 1 welches den bevorstehenden 16. Geburtstag Lateiners dazu benützen will, um dem alten Schriftsteller die verdiente Ehre zu erweisen und durch Aufbringung eines Funds seinen Lebensabend materiell zu sichern. Anläßlich der Jubiläumsfeier soll ein Stück Lateiners in GlanMffüMttg, mit sämtlichen Stars der Newtzorker. jüdischen Bühnen besetzt, zur Darstellung gebracht werden. Ein Stück Mischer Theatergeschichte wird lebendig werden. S. I. JeffrieS. Aar Leu Lhealem. B u rg thea t e r. Heuw gelangt wegen Unpäßlichkeit des Herrn Hartmann stab: „Diktator" ,.W enn derjunye Wetn bl^üht* zrr Aufpuhrimw l . B u r g. t h e a t e r. Morgen, haUb 8 Uchr, »,Ä e o n i e". Ä.k a d e m i e >r h e a t c t. Morgen, M8 Uhr, „M ari! a" (Monnemenl 5. Gruppe). ' Op er nt he ater. Morgen, 7 Uhr, „Lärmen" (Lhea-ergemeinde Serie F). Deuts che s Volks thea te r. Sanrstvg Erlstaufpühvung von GalSworchys Schauspiel.in zehn Episoden l u che" (Eseäpe),.in der deutschen UeLersetzung-von Leon Schalit. Volks dp er. Morgen gelang) zum erstenmal in dieser Spielzeit Adams romantisch-komische Oper „Wenn ich König w ä re".'zur Aufführung.- Johann Strauß-Theater. Sonntag. 3 Uhr nach-, ntittags, bei ermäßigten Preisen, „Der Rastelbinder"; abends, halb 8 Uhr, täglich: '„E in Wä lze r tra u m". Reue Wiener Bühne. Sonmag, halb 4 Uhr nachmittags. .Gastspiel rer Tanzgruppe Dita Tenger. Modernes Theater. Heute, halb 8 Uhr. einmaliges Gastspiel des Prager Theaters unter der Regie Jarmila Kroschlova; morgen deutsche'Uraufführung von „Ho>r e l zur linken Hand" von Arsene Martigny. AumlM.Malr.Ein Walzertraum". Im Johann Strauß- Theater erreicht die Operette „Ein Walzertraum" von Oscar Straus. Dienstag, den 15. d. M., ihre IVM. Wiener Aufführung. Aus diesem Anlasse findet eine Festvorstellung statt, me oer Komponist dirigieren wird. . Jüdisches Künstlorlabarett, 2. Bez., Pralerstraße 60. Heute, 8 Uhv abends, gelangt im Rahmen einer Sondervorstellung üre Operette ^S e m k e Letz" von S. Meisel zur Ausführung. Die Titelrolle spielt Simon Fostel. Fxiedl Harrlin, die bekannte Schauspielerin der Wiener Kammerspiele ist an einer Lungenentzündung erkrankt und mußte kn ein Sanatorium gebracht werden. Ein Denkmal für Eleonora Düse. In Mailand wurde, wie der ,-Corriera" meldet, unter großen' Feierlichkeiten das Denkmalfür Eleonora Düse im Tcatro ManzoNi enthüllt. Die ausgezeichnet modellierte Büste ist ein Merk des Bildhauers M i c u r b i. Die Gedenkrede hielt der Dramatiker Doris Nicodemi, einer der ältesten'Freutide der Tragödie . SylmgogalkcnZert^ in Zagreb.. Aus Za g r e b wird uns geschrieben:' Am 2. Februar fand iw hiesigen Tempel zugunsten' der' israelitischen - Ferienkolonie ein Synägögalkonzert statt. Döt^ Oberkantor Postolow (Wien) trug, begleitet von den Kantoren^ .Weiß (Budapest), Händel und .Weißmann (Zagreb) und G u i l l ni a n n (Daruvar) liturgische Gesänge von Sulzer, Gerovitsch und anderen vor. Oberkanlor Weiß (Budapest) brachte Gottschalls Rzeh mit sehr angenehmer' Stimme zum Vortrag. Ein Violinsolo des Herrn Skatula mit Orgelbsgl^itung lenkte die Aufmerksamkeit auf die modernen, Kompositionen, und zwar aus den Nigun (Baal Schern) von Bloch ünd eiste, hebräische Rhapsodie von Saminski. Die Wahl dieser Kompositionen, wie auch' der . folgenden, so GnessinS Variationen 'über ein jüdisches Thema ausgefüh'rt vom ».Zagrebs^ Streichquartett" (Skätula-, Sulz, Novak..Fabbri), sowie der an echten jüdischen-Melodien reichen psalmodischcn Melodie von Zepter. für Violine. Cello, Harfe und Orgel bewies guten Geschmack und LiteraturkenntniL Das Zusammenspiel war. ein sehr gutes. Die 'Orgelbegleituüg -' besorgte . Pröfessor Franjo D.uq a n. Dem Kon-ert wohnte stsn zahlreiches Publikum her besten Gesell'chaft, ohne Unterschied der Konfesiion bet. Auch Vertreter der Militär-, und Ziv.ilbehörden waren zugegen. Aüs die Bühne otrr in den-Tod! In. der Wohnung des Leiters der Bexli'ner „Jungen' Bühne", Dr.' Max Se l e:r„ erschien ein' junger Mann namens En dl er, der aus der Tschechoslowakei stammte und wegen eines Dramenmanuskriptes vorsprach. Endler. hatte das Drama dem Dr.^ Seler zugesendct. um ihn für die .Ausführung des Werkes in der „Jungen BHue" zu lnteressiercn Dr. Seler fand in dem Drama einige Begabung, konnte sich jedoch nicht für die Annahme entschließen. Nun reiste Endler nach Berlin und sprach bei Dr. Seler vor: Nach längerer ruhiger Unterredung benützte , er den Augenblick, als Dr. Seler sick seiner BibliothÄk zuwandte und nach einem Buche griff, um mit einem Revolver auf sich zu schießen. Der Schuß drang in die Lun g c ein.. Die sofort' hcrbeigerufene Rettungswache brachte den.Schwerverletzten in das Krankenhaus. Sein Zustand Ist ernst, doch besteht keine Lebensgefahr. WIR HABEN VERH Jahf SS - Abonsisilten HaBblaltres - Abonnenten erhalten.bei sofortiger Vorausbezahlung der Jahres« bezugsgebQhr nach Wahl: 3taMMBiplhl<0 STIaviiia SÄMTLICHE WERKE. In drei elegauten Prachtlelnenbänden, Mehr als 2000 Seiten, schönster, klarer Druck, holzfreies Papier, oder JVcivsvicfk GESCHICHTE DER IUDEN. Drei vornehme Qeschenkbände. 2800 Selten stark, oder ckNpMIU JVcaliiv PALÄSTINA. Ein herrl.Lexikonbanü m 800 neuen Bildern aus Erez Israel in meisterhalter Reproduktion. Text v d. berühmten Forschungsreisenden. erhalten bei.sofortiger Vorausbezahlung der Bezugsgebühr folgende Gratisprämien nach Wahl: ÜAeadov Mearatl FEU’LLETONS. Zw. i geschmackvolle Geschenkbände. 700 Seiten stark (XMöfkwn. DIE ZIONISTISCHE BEWEGUNG. Zwei Bände - in einem hocheleganten Großoktavband. 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Dr. M i h a t s ch die Hanpiverhandlung Über die von Lazar Storch gegen Paul Stein, .Schrisisührer der zionistischen Sektion VI—VllI und ReddÜeur der Mitteilungen dieser Ortsgruppe, tstegen angMjchen Vorwurfes unehrenhafter und unsittlicher Handlungen erhobene Preßklage statt. . i Dem Verfahren lag im wesentlichen folgeicher Sachverhalt zugrunde: ' Nach einer Veranstaltung der zionistischen Bezirks- - sekiion machte Storch beleidigende Aenßerungen über ein Etglied. Das zur Austragung der Angelegenheit ringe- ' fetzte Schiedsgericht, dem sich der Anttäster bedingungslos unterrvvcsen hatte, fällte nach. eingehender Verhandlung nick» Beratung ein Urteil, weiches Stprch - zur Abgabe einer Ehrenerklärung und einer MÜchuße verpflichtete. Diesem Erkenntnis wollte sich Storch nachträglich nicht fügen, versuchte Anfechtung und brachtrj, obzroar er im Unrecht war und der Schiedsspruch vereinbarungsgemäß unanfechtbar sein sollte, gegen das von ihm beleidigte Mitglied und gegen Herrn Paul Stein , Klagen Beim Strafbczirksgerichje 1 ein. Dararrfhin for-- derte der Ausschuß der zionistischen Bezirkssektion den ' Lazar Storch auf, den Schiedsspruch zu erfüllen:}$b'"y. sich^ bmlren 14 Tagen über , die Rückziehung der Klagen - auszuweisen, widrigenfalls wegen grober Diszivlinar-». , lvidrigkeit sein. Ausschluß aus der Bezirkssektion auto--> rstäüsch -erfolgen werde. Storch' fügte sich auch jetzt nW> % weshalb in den Mitteilungen der Bezirkssektion / am ch. November 1926 die Verlautbarung erfolgte, daß das Mtglied Lazar Storch mit Beschluß der Prüsidialsitzüvg vom 4. Oktober wegen grober Disziplinästwidrigkeit aus der Sesiion VI—^VIII strafweise ausgeschlossen worden sei. Diese Berpsfentlichustg, verän-' laßte Lazar Storch, vertraten durch Dr.. Albert Milche ' zu einer Preßklage. Paul Stein,, verteidigt von Gr-- meinderat Dr. Plaschkes, erklärte,. für den intrjmistierten Artikel die volle Verantwortung zu übernehmen, und trat den Wahrhesishewris an.; Nach einem umfangreichen, mehr als sechSMMKrn' . Beweisversahren und Einvernahme der Zeugen Dr.iMäx Bernhardt, Dr. Max S ch n a b e.l um» Bezirksrat Moriz Kühn vemreinten die Geschworenen gemäß pen Ausführungen - des Verteidigers e i n st i m.m i g säiNÜstHe' qn sie gerichteten Fragen, worauf der Angeklagte Pstül ' Stein von der gegen ihn erhobenen Änkläo« freigesprochen wurde. Mn dreifacher RaubmSrder begaadiat. Der Galgen war bereits errichtet. Aus Lemberg wird. uns berichtet: Bor dem Fliegen-' den Standgericht, in Sanok wurde am 5. d. Äst. , nach -lveitägiger. Berhstudlung dev Hilssarüesier Jan KiwdeL, der vor kurzer Zeü in der Nähe von Sanok die Dheleuto Franz und Salomea Landau sowie deren achtjähriges Höchterchen Helene durch Axthiebe auf gräßliche Weise ermordet hatte, wegen Raubmordes zum Tode d u r ch d e n S t r a n g verurteilt. Die Vollstreckung sollte zwei Stunden nach Verkündigung des Urteils erfolgen. Es war auch bereits im Gefärrgnishvf der Galgen errichtet, und auch der Scharfrichter mü seinen Gehilfen hielt sich im Gerichtsgebäude zur Vornahme der Hinrichturrg bereit. Sofort nach Verkündigung des. Todesurteils setzre sich der Vorsitzende des Standgerichtes trle^ phonisch mit dem in Warschau weilenden Präsidien der Republik wegen Begnadigung des Klode.k, der bisher . mürescholten war und^ sich in der polnischen. Armee bewährt hatte, in Verbindung. Tatsächlich erfolgte auch auf telephonischem Wege die Begnadigung. Die Hinrichtung wurde abgesagt, der Scharfrichter mit Men Gehilfen entfernte sich und der Galgen wurde wiüwr ckbgetrageo Srreua« Bef0:asu«g wegen einer anttsemUischeu Betet» digung. Der Krastkenra',senarzt Dr. Leopold K. trat gestern beinr Strasbezirksaerichte l als PrivatMgsr gegtzn den Chauffeur Josef Tador auf. Itach Inhalt der KÄge, war ein Kind des Beschuldigten durch einige Zeit bei dem Kläger in Behandlung, mußte dann aber über Weisung des Arztes in Spitalpsiege überführt Iverde». Das Kind wurde auch im Spital nach kurzer Zeit wieder hergestK. An dem Tage, als das Kilch in ocid Spital übeWM wurde, erstiiien Josef Tabor in der Ordination des AnW und ma)te ihm im Warteraum eine pechltche Szorur. rieft nach Inhalt der Klage, dem Arzte unter dndenm A

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