Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2856 (9.2.1927)
- Date
- 1927-02-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Mittwoch Atter»« Morgeryettmrs S. Februar 1927 Äonisliseke Be^lrkssekHon Landstraße. Jüdische Tischgesellschaft Landstraße* Heute Miitwoch, den 9. Februar, halb 9 Uhr abds. im Vereinslokal Caf£ Lovrana, HL, Löwengasse 36» Vortrag über „Paläst'nafragen" vom Präsidenten des Zionist'sdhen Landeskomitees Dr. Leo Goldhammer. — Gäste willkommen) 3« Bethlerrs Lager. —y, Wien, 9, Februar. Die Budapester Demokratie ist in die Laube gegangen. Sie hat sich der Bethlenschen Regierungspartei angeschlossen. Das ist das unrühmliche. Ende einer nicht so ganz unrühmlichen Vergangenheit. Diese Demokratie leitete sich aus der Periode her, in der Ungarn um seine freiheitliche Enttvicklung gckänrpft hat. Diese Periode, die dem ungarischen Volk zur Ehre gereicht, ist ins Grab gegangen. Ihre Dokumente modern in Archiven und Museen, dicker Staub liegt auf den stolzen und freimütigen Protokolken, die für Gewissensfreiheit und für Demokratie verschrieben worben waren. Der Dürgersinn starb bald dahin und die Bürger wurden Gefangene des höfischen und militärischen Glanzes, hielten an einer mittelalterlichen Schraubstock-Verfassung fest und ließen sich durch den wirtschaftlichen. Aufschwung einer künstlich geförderten Protektionsiichuftrie blenden. Nur in Budapest, in der an die große Welt angeschlossenen Metropole, blieb noch so etwas wie ein im guten Sinn liberales Bürgertum bestehen, das sich um Vaszonyk sammelte. Es war in der Hauptsache ein jüdisches Zentrum, das sich gerade durch sein Judentum vor rettungsloser Abkapselung schützen konnte. ES war patriotisch, magyarisch, bürgerlich. Aber es wahrte, sich ' dennoch einen freieren Ausblick. Der Weltkrieg hat dem allen ein Ende gemacht. Er brachte für Ungarn trotz aller parlamentarischen Fassade die gleiche Rücksichtslosigkeit und Beschränktheit des Militarismus, der sich weit starker noch als in Oesterreich in diesem Land auf die engste Verbindung mit den herrschenden Familien stützen konnte. Er trat hemmungsloser aus und er vernichtete nebst ungeheuerlichen materiellen. Merten l auch die moralische Kultur, die kaum vierzig Jahre, vorher" sich , die, Hegemonie des magyarischen Elementes , .ertrotzt •; hatte. Im Krieg wurde bip; ungarische bürgerliche Demo- > .kratie aufs Haupt geschlagen. Sie wurde .zurrst tzurch.-eiye proletarische Revolution und dann durch die offene, unverhüllte militaristische Reaktion vertrieben. Sie lst nun ' endgültig erledigt und sucht bei Bethlen Unterschlupf.! Sie stirbt nicht in Schönheit. Sie kriecht in dje Partei, deren Schmuck und Zierde Hejjas bildet. Den Anfang dieses Endes machte Vaszonyis Flucht aus Budapest und dann sein Tod. Die Regierungspartei ist jetzt einheitlich und Bethlen kann sein treu-gehorsames, oppositjonsloses Parlament einem hohen Adel, in Freiheit dressiert, vorführen. Er hat jetzt auch das wohlsituierte Budapester Judentum vor den Wagen gespannt. Wenn nichts anderes, so hätte es die Ehre der Fahne verhindern müssen, daß das Frankfälschertum auch noch diesen Triumph. feiert. Bon - diesem Skandal war das Judentum - freigeblieben. Er war ausschließlich geistiges Patent der herrschenden Clique, die an Ungarn, an Arbeitern und Bauern, wie Juden ihre Verbrechen begeht. Der Skandal war zur Finanzierung des Revanchekrieges und zur Vollendung der Rache an der „bolschewikischm" Juden, heit in Szene gesetzt worden. Er wollte die letzten Reste der Demokratie in einem Meer von Blut ertränken und die jüdische Führung hätte gerade hier, gerade dem System des Numerus clausus gegenüber auf einer schlelerlosen Klarstellung der Verhältnisse bestehen müssen. Sie hat aber versagt, sie ist vor den Bethlenschen Einschüchterungen zurückgewichen, obzwar diese zu diesem Zeitpunkt unter den Augen der empörten Umw.'lt kaum zu fürchten gewesen wären. Die Demokratie hat ihre historische Stunde verpaßt. Aber sie hätte anders abtreten müssen. Sie hätte öffentlich den Wahlboykott erklären müssen, um sich für die Zukunft frei von jeder Verantwortung zu halten. Daß die Sozialdemokratie auch versagt hat, ist kein Freibrief. Sie ist kraftlos geworden, wett der' Sozialismus überall ut der Welt seine organisatorisch-politische Kraft eingeüüßt hat. Aber die bürgerliche Demokratie zeigt sich im westlichen Europa noch sehr rüstig; in Deutschland und in Oesterreich ist sie erlegen, aber in England und in Frankreich hat sie noch geistigen Inhalt genug. Hätte sie sich in Ungarn abseits gestellt, so wäre dies ein weithin sichtbares Signal gewesen, zugleich aber auch ein mutiges.Bekenntnis der Solidarität mit den Toten von Orgovany und den nach Italien getriebenen Studenten» Das ist aber zu viel verlangt. Die Servilität des jüdischen Asfimilanten* tums, seine Rückgratlosigkeit und sein feiger Egoismus schließen eine positive Stellungnahme aus. Wie sich zeigt, ist auch eine negative Haltung nicht genehm. Die Demv- Kcatie bleibt und sie kapituliert vor Hejjas. Die Abgeordneten sind verlassen, ihre Partei geht zum christlichnatioualen Kurs, der ihr auch gleich die Quittung ausstellt. Die Budapester Universität öiierfennt einen Professor nicht, weil er jüdischer Abstammung Ist, und die Studenten suchr.n ihn in seiner Wohnung auf. ES ist kein Zufall, daß dies gerade gestern geschah. ES ist die Antwort an die Urberg läuftr der jüdische». Asstmtlatipn, ., Sie SonjUtttierana »es »eutlche» Pro-PalW«a> Komitees. Vorsitzende Graf Berastsrfs. Berlin, 8. Februar. (Wölff.) Das Präsidium des deutschen Ko-nite-es ,,Pro Palästina" hat gestern seine konstituierende Sitzung abgrhalten. Zum Vorsitzenden wunde Graf Dernstorff gcivGlt, Dcm Präsidium gehören ferner u. a. an: RaLÄiner Dr. Leo Bäck, Prof. Dr. B r t b t, Dr. R. Brektsch e i % Kurt Blu menfeld, Prof. Dr. G r e tzmann» Professor Dr. H o e tzs ch. Mitglied des Reichstags, Domkapitular Prälat Prof. Dr. Haa s, Mitglied des Reichstages, Dr. von K cr r d o r f f, Mitglied des Reichstages, Freiherr von Nicht Hofen, Ministerialdirektor m Auswärtigen Amt, Frau Katharina O hei mb. In der vom Präskd-lum beischlossenen Erklärung wird ankg (faJijrt, das deutliche Komitee „Pro Palästina" habe die Ueberäeugnrg, daß der Ausbau der im Palästina-Mandat vorge's-ehenen und vom VMkcrbund garantierten Heimstätte für das jüdische Bolik aus deutschem wirtschaftlichen Erwägungen un-d als ein Werk menschlich.'r Wchlifahrt und Gesittung Anspruch auf da u ts che S ym P a t h i e und auf die tätige Anteilnahme Le r deutschen Jud?» habe. Lie SrierrltorlaNtN f« PafUlno. London, 7. Februar. (I. T. A.> Die Negierungen Frankreichs und Italiens besch.verten sich im Auswärtig:» Amt darüber, daß die Palästina-Negierung die traditionellen Rechte ihrer konsularischen Vertreter in Palästina einschränken will. Die auswärtigen Konsuln in Palästina genießen das, Vorrecht, keine Steuern zu zahlen, ferner nehmen sie gewisse religiöse Ehrenstelleu ein. Die griechische Regierung ließ eine Note überreichen, in welcher die Befriedigung der Ansprüche des Herrn Mawromatis auf Ersatz der ihm entgangenen Profite durch Nichtausnutzung gefordert lvird. Lar» Beaverbrool in PaWina. ^rusalem, 8. Februar. Wie berichtet, wurde, haben die nationalistischen arabischen Blätter Wochen hindurch die An« lunft des Herausgebers des antiziomstischen Londoner »,Daily Expreß", Lord Bcaverbrook, angelündigt, und ihre Leser aüsgefordert, diesem „ehrlichen Freund uNd Verfechter der gerechten argbjjchen Foxderung^a" bei seiner Ankunst einen würdigen, sestlichen Empfang zu ber^il^n.. Diese Propaganda ist. ftdvch; wie uns au? Haifa berichtet wird, so wirkungslos gebliebendaß. als Lord Deaverbrook kn Haifa landete, er von niemandem erwartet.wurde. Er erkannte den zum Empfang Felix Marburgs erschienenen Colonel Kisch, mit dem er ein kurzes Gespräch hatte, im Verkaufe dessen er seinen Besuch bei Kisch in Jerusalem ankündigte. Hin zwischeusaL beim Bankett Ißt Ar Thomas HighrraN. Jerusalem, 7. Februar. Wie berichtet wurde, ist der bekannte judenfeindliche Oberlichter in Jaffa, Sir Thomas Highcraft, seines Postens enthoben worden. Seine arabischen Freunde veranstalteten im zu Ehren ein Abschi-edsbankett, zu wcichem sämtliche Rechtsanwälte» auch die jüdischen geladen waren. In seiner Rede sprach Highcraft ganz unverhohlen seinen Mißmut über die Art seiner Entlassung aus. Besonders verletzt fühlte er sich, daß dir jüdischen Advokaten bis auf einen, Herrn Dr. Schi krön, dcm Bankett ferngeblieben waren. Der Redner konnte es wicht unterlassen, D r. S ch i k r o n zu befragen, warum die jüdischen Advokaten der Einladung nicht Folge geleistet hätten. Dr. Cchikron hielt auch mit der Antwort nicht zurück, indem er sagte, die jüdischen Rechtsanwälte wollten damit auch aus diesem Anlasse ihren Protest gcgen die tendenziöse und böswillige Amtsführung Higihcrafts gegenüber den Inden und seine offene Stellungnahme gegen eine jüdischnationale Heimstätte ln PMstina ausdrücken. Als nun Sir Highcraft Dr. Schikron weiter fragte, warum er. dann ja gekommen sei,, erwiderte der jüdische Rechtsanwalt, daß er nur zu dem Zwecke delegiert worden sei, um Sir Thomas diese Botschaft zu Überbringer Hierauf verließ Dr. Sch'ckron das Zimmer. 3 PRÄMIEN NACH WAHL FÜR UNSERE JAHRESABONNENTEN 4 PRÄMIEN NACH WAHL FÜR UNSERE HALBJAHRSABONNENTEN BEACHTEN SIE UNSER INSERAT AUF SETTE 7 Kr. S886 Inland. Land»hau-tma«m Hauser Morde«. DienStay früh ist der LanÄeShanpt'Ma«rm von Ober» Österreich, Prälat Hauser,!dcr, WM berichtet, sckMr leidend war, gestorben. LcmdrGaupbmann Hous.ir hat ein Mer von 6t Jahren erreicht. Ihn Jtzthre MB wurde er in den Reichsrat <Mchlt und g-chörtrs dcm clsterreich'ischen MiF.'ovdnei.en!hat:ise als Mitglieid der chr'stlichsozialen Partei bis zum .Zusammenbruch an. In der provis»' rischen Naticua lverxirmiluwar er mit S.'itz lvnid Dr. D'.n^hof'er Präsident; er teilt-., sich mit dicsen be-iden in die Bcifngn'isse des Staetsciberhau-pte-s der neuen Nspublik. Harifer galt hmnsr als Anhänger der f ch w a r z - r o t e n K o a l i t i o n, idie er in Ober- Österreich, dessen Le-n-d.Li':äurp!»man'N er war, auch nach deni Bruch Mviischen GhrMicks-ogialen u>n!d Sozi-ald r.no? traten bis jetzt anfceck-li-'elt. Prälat Hartser war einer der ersten unider den führ enden Ghristlickscsialen, der ein fr e i mö! t ig e s B-e ke n n t n i s zur Republik LHl"g>te uwd.schttr delthalb in einen Gegensatz zur Führung Her Wiener chr'i'stlich'oizialen Partei g>?rrt, der noch ve:(5ärst wurde, als er in Obrrcisterreich sich di.e DirM nach seinem G<chmack einrichtete und eitersüchtig. i'6>er düe Gereckstsa-nro des sevbstänid'gen Dundeslaüdes Oderosterr-eich wachte. Das trug ihm bei den Wiener Ghristsic^sGialen, die ihn nicht Aeinikri gen konnten, den Zupitzna-nren ,/§ t.e pcha-n Fad i,n g e r" ein. Bekanntlich war Stephan'Fad!ngrr der Führer der oberöft «rwichischen Dauern im Aufstand g-'^en dis Habrdnrgsr. Und in Hauser erblickte man auch hier einen Rebellen -gegen den Wiener Zentralismus. Persönlich war er «in recht u.migämglich<;r Mann, dan ansgeborene politisch? Klnss^eit. Me»ichen«7enn>'Mis und d-ie in hc'hcm Matze e'ign-ite, fiDer hie Sch.vächen feiner politischen Gc-gner himvegMsehen. Die AritUgrn Pnnlie der FoMverstchernng. Die bereits in der Vorwoche an-g-ebündi-gten' Parteiendesprcchung-en - Wer die A rb e i t e r v e r s i che - r u n g, deren erhWe Ds.dent-un,g ans dem Umstande zu c^vs^ien ist, datz, wenn es hier nicht gelingen so-lld?, die rm 'strittenen Pinkte der So^dlversichernrg zu bereimrgen. der Rat i pna l ra t b c.r A u f l 8s un g verf i e l e, haP'en' g. iswrn im --Par-ament begönnen.' .I» B 'igin-n der Verat-unigen eriklärte sich dsr Finan-minister bereit, in der Jn-validen-Entschädigu-n-gsnovelle ein'igsn VeidcsserunMN für die Invaliden zuzustimmen. Der Au Schutz für soziale Verwaltung .wird Dienstag die Ncvelle zu Ende beraten. Sodann wurde der erste strittige Punkt des A r b e i t e r - V -e r s i ch e r u n g 's g e i e tz e s. die Frage der Organisation der Rentenv-'rsicherunigsträger, durchbesprochen. Es erig-ob sich bei allen Teilnehmern dis überein'stiin'men'd'S Ansicht, datz die R-k'giierunVsvorlage unter dem GesickitWu^Ct-e der Sicherung einer möglichst ökonomischen Verwaltung unter, gleickgeitiger Bsdachtnahms aus die Zweckmatz'g'/eit der^ lokalen Derwaltung einer gewissen Umarbeitung unterzogen werden rr«üsse. Die Negierung stellte enlls'precheHe A h 8 n d e r u ti gsvorschläge in Aussicht. Die ParteierLxsprechun-gen werden häute fortgesetzt. Der N a t -i o n a l r a t wird für D o n n e r s t a g, d e n 1 7. d. M., 8 U h r N a ch m i t t a g s, sinlberufen werden. . - Proporz mit freier Liflenrelhung i« Salzburg. Im Ei.ilaus dur gestn^en Si,un.g drs Sa'zburger Landtages befand sich ein Antrag des Landeshauptm-a'.mes Dr. Rehrl betrete d Abänderung des Wahlgesetzes für den Landtage Dü Antrazstelec vertreten dir Anschauung. daß es jei'em Wähler ermö^icht werden soll, dem Manne seines Bertramns innerhalb der vor7.ei°ch'a.enen Parteiliste durch Hervorhebung seines Namens die Stimme zu geben. Findet sich für den einen oder den anderen Kandidaten eine quali'izierte Stimmei^.rzahl. so sott ihm hiedurch, auch wenn dies nach der ße&uubenete Leste nich' möglich wäre, der Weg ln dorr Vertretungskörpy gebahnt werden. 'Der Antrai wurde dem Verfassmd^ und Berwaltungdausschuß zuzeiviesen. Aus dem Menrr vemelnberat. * Der RrchnuttgSabschluß für 1925 erledigt. i*i,ü erstaunlicher Schnelli.st.it wurde gestern dis Debatte über den RechrnschaftsaSkchinß für das Jahr 1926 erledig und das Jahresergebnls vom Wiener Gemeinberat genehmigt. Ebenso wurde der Bericht des KontrollamteS zur Kenntnis genommen. In der Debatte kritisierte Gemeinderat Preyrr die parteimäßige Anlage der Wählerlisten. Btzebürgernreister Hoß hezeichnele den Streik im RathauSkelle» als Willkürakt, der Gewerkschaft. Die nächste Geschüstrsitzung des OemeinderateS, findet F^eitaz statt.