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Wiener Morgenzeitung · 1927-02-08 · Heft 2855 (8.2.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2855 (8.2.1927)
Date
1927-02-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Men, Dienskry Anfrage« und Antworte«. —y, Wien, 8. Februar. Die altgerrvhnte Denunziation gegen den Zionismus, daß er gegen das Staatsbnrgerschastsl^eftihl verstoße, ist dieser Tage in Berlin nneder aufgetauchr. Der Versuch, die nichtjüdische Welt gegen den Zionismus aufzuputschen und oie zionistische Idee durch Terror an der Verbreitung zu verhindern, hat sich eh' und je als vergeblich erwiesen/ Aber dieses Gespenst geistert immer wieder durch die Kreise der entthronten Notabeln und es treibt sich mit besonderer Beharrlichkeit in den Gesi.den umher, in denen der Patriotismus sich immer auf der Wache hä st. Das ist in Deutschland der Fall und da sich die Einwirkungen deutscher Sitten, zumal schlechter, bei uns in Oesterreich fühlbar machen, so tauchen die Redensarten von der zionistischen Doppel- Nation auch bei uns auf und es gibt auch hier Kreise und Presseorgane, denen die Berufung auf ihr deutsches Gefühl den Borwand liefert, sich um die Pflicht, am Pa'ästinawerke mit Herz und Seele mitzutun, mit Erfolg zu drücken. Es sind Kreise, um die sehr viel geworben wird, deren Heranziehung sogar unter Opfern des Intellekts und der politischen Einsicht angeftrebt tvird. Einem Tanzlustigen ist schnell gepfiffen; wenn er aber nicht tanzen will, dann findet er die Musik immer schlecht. Die israelitischen Liberalen, deren Leader, der Justizrat Sonnenseld, kürz'ich eine so rasch enthü lte Probe des Vernaderns geliefert hat, finden in der Errichtung eines Pro- Palästina-Komitees in Deutschland allerhand auszufetzen. Vertreter, der verschiedensten politischen Parteien haben sich zu einer unbefangenen Würdigung der nationalen Forderung, des Judentums nach feiner Freiheit und nach der vollen gleichen Geltung zusammengefund.'n. Ci: tun das nicht aus einen! sonderlich starken phi'ostmitischen Ge'ühfe sondern aus dem politischen Empfinden heraus. Der Vö'kerbund hat die jüdische Forderung zu der seinen gemacht und ihre Durchführung durch die Mandatsmacht untrr s.'ine Gamnlie gestellt. Da nun Deutschland Mitglied des Völkerbundes ist, so muß es zu dieser Frage Stellung nehmen. Die Arbeit in Palästina ist schon so weit vorgeschritten, daß man sie nur im positiven Sinne betrachten kann, und iv.'nn in England Konservative, Liberale und Sozialisten die Mandatsverpflichtung als Reichsrerp'lichNrng respeltüren, so können auch in Deutschland Konserrati.e und Liberale und Sozialisten in dieser Frage einig gehen. Urkund dessen das in Berlin gegründete Komitee. Nun fragen die Israeliten, die nun einmal die Sorge um Deutschlands Glück und Ansehen auf sich genommen haben, 'bekümmert-an, och denn diese Komiteemitglieder auch ganz genau bedacht hätten,. mit wem . sie sich da an einen Tisch setzten. Mit. nationalen. Juden! . Die Anfrage wurde an den Glaa.tssekretar der P.eichskcrnzlei PüJcher und' an den Kultusminister Becker Aerichs tet, der eben in diesen. Tagen einen schweren Kampf'gegen den deutschen Rassenchauvinismus an den Universitäten führt. Beide haben nun geantwortet und ihre'. Erklärungen sind von Wert, da sie doch von Personen stammen, die immerhin tfür Fragen solche ilxt zuständig sind. Beide Funktionäre des deutschen politischen Lebens erwidern, daß sie in dein zionistischen Streben nach einer nationalen Heimstätte absolut kein Verbrechen erblicken könnten. Wenn die Deutschen in Amerika gute Bürger ihres Staates sind und dabei doch auch gute Deutsche bleiben, so ist nicht, einzusehen, weshalb denn die Juden das nicht treffen sollten. Auch die Schiffimg einer Heimstätte in Palästina sei keine gegen daS Deutschtum gerichtete Angelegenheit. Minister Becker antwortete, daß der Zionismus, der sich in dankbarer Erinnerung an die großen Traditionen für ein jüdisches Heim Mrs dem palästinensischen Boden einsetze, feine'vollste Sympathie besitze. Der Minister fügt hinzu, er habe die gleich« Antwort dem Verband der natiönaldeulschÄr Juden zugehen lassen,' der gleichfalls seine Aengsteum die Macht am - Rhein ausgedrückt hat./ Es ist uns nicht bekannt, ob diese vereinigte israelitische Staatsbürgerfront ihre Beschw'rden und Marnuneen nicht mrch an offen antisemitische Personen verschickt hat. Man wird wohl nicht fehsgehen, wenn man dies ohne weiteres annimmt. Die Nichtzionisten, deren Mitwirkung am Aushau Palästinas so viel erbeten wird, sind, das. muß ihnen zugebilligt werden, konsequent. Sir wollen nichts dom Judentum wissen und je eher es verschwindet, um so angenehmer für sie. Es ist unerfindlich, worin eigentlich ihr jüdisches Wesen bestehe Sie . sind nicht national und in der überwiegenden Mehrhüt mrch nicht religiös. Aber sie arrogftren sich trotzdem den Anspruch, als Repräsentanten, als Wortführer der Judenschaft zu gelten,, sie verlangen' für sich das Recht auf die Leitung der. jüdischen Gemeinschaft. Sie stehen dem Zionismus, der vor allem das Bekenntnis zum Judentum, zum Volk, seiner Geschichte und seiner Znkunstsjordermrg verlangt, in tötlicher Feindschaft gegenüber. Sie würden für Palästina sein, wenn eS als Ort für jüdische sttuelle Küchen in Frage käme. Aber da es nationales Heim werden soll, fragen sie empört die nichtjüdischen Freunde, wie sie denn für den deutschfeindlichen Zionismus Sympathie aufbringen können. Die Liberalen und vkatioaaldentschm bleiben fest. Di« Zionisten bitten sie, über Palästina mitzuentscheiden. Srmelndewahlru ht »lederSfterrelch. Sonntag farL«n in Me t k, P re tzba u m und Schlei ntzach die GemeinderatSwichlen. statt. In Melk.verloren die khr'.stllchsozialen gegenüber den Wahlen des Jahres 1624 einig« Stimmest und ein Mandat» die Sozial>dsmökra:en und Me Völkischen haben einen StimmeNgewin-n, die letzteren tzuch 'den Gewinn eines Ma n da t ü zu verge'.chnen. In. P retzbaum bsHa-upteten die Parteien ihr in Besthistank Wkemtr Morgsrrzeitmrg K I. U B RADIKALER ZIONISTEN Mittwoch, y. Februar 1927, um halb 9 Uhr abends, im CaJÖ Atlashof, I.. AspeiOpIatx (Klublokal: Eingang WiesingerstfaEe üffl die Ecke) Klubversam mlung Gegenstand: 1. Möglichkeiten der tandwfrtsdiaftlichen Entwicklung itt Palästina. Referent: Herr J. PRASCHKER aas Tel Awlw. 2. Uebersfcht ober die Lage im Zionismus. Freie Aussprache. Im österreichischen Landesverband organisierte Zionisten als GSste willkommen! dagegen verloren in SchieInbach die LHristli chsozialenein Mandat. Der . Stimmenzuwachs gegenüber dem Jahre 1664 ist in den Leiden letztgenannten Orten bei een BöA'schen und den Sogialdomokraten stärker als bei den Ehristachsoyialen. was wohl aus die Ausschrotung der ZcntralbankaMve in.der Agitation zurückznführen ist. Zionismus und Slaatsbürgertum. Sine ßrlWruiiB #u DenttSea etaititettttSn er. Pliuder. Die Beretnlgung für das liberale Judentum, der der Zionismus und jede Palästina- Arbeit ein Dorn im deutschen Auge i«'t, hat een Staatssekretär Dr. Pünder wegen seines Bei« . trit:es zu dem Pro-Palästina-Komitee „angefragt". Sie hat darauf eine Anlwort erhalten, die sie freilich nicht vollständig zu publizieren ge« wag: hat. Der Brief lautet: : Der igftaatffefreior Berlin, den 30. Dezsmber 192-6. in der ReickMtnzlei. Schr gccichrte Herren! iJch dawke Jlluen verb!>nd'lickst für Ihre gefällige Zuschrift vom 24. d. Mts. Ich hLibe von den AuZsüchrungen Jchrrs g-oschätzten Schreibens mit gar.H b:,sonderem Interesse Kenntnis gencinm-eni Es war der Neichsrc'gierurg rtvatlirlich'6ckannt, ' daß n ich t a l l cjüdischen K r eise hink-er den DStrebungen des „Pro-Palöst!n-a"-Kc>mit§.,- stützen., Wenn sie trotzdem durch einige Vertreter:ihve SymHatchie für die Bestrebungen des ,,Prö-Pa1öst:'N-a"^Komitefes ausgesprochen hak, so glaubte sie. hierzu durchaus berechtigt zu feilt* Ich pelsönlich weitz mich völlig frei von den ÄetzanLen- ^gäyg?n ÄntiiscmWm.t<S.Md^karm-. jla'her. füv Mich, fedäxen,..W.. ick^den mchines.GrächtenL sehr ivealen sind -poBtM'^tn!wM)frelaü'' ÄMchu'Ugen ans S H -a f f U n tz.s e i n « r - H e i m st ä t t e ' f'ü r d u 8 j ü d i -s ch e Dock f in Palästrna keineswegs diÄ^lb diene, .um dus/ Judentum aus dem deutschen VoßkMrper auszumerzen. J>m Gegenteil unterstütze ich mit ebenso fester Äeb-erzeugu-ng alle BestrSb'ungett, dir daraus hiryc'hen, dem Judentum in Deulschlän'd zu voller GlrichberechL'.gung zu verheff'en.. I ch' s e h e ck' u ch' n'i ch t, inwiefern die Schaffung von Heimstätten für das Wische Volik in Palästina eine geg-en das Tcuiscktum -gerichtete Angelegenheit sein soll. Mir will scheinen, daß z. B. die Deutsch A m e r i k'a n e r in den V-ereinigten. Staaten, wen,n,gleich sie über Gönevationen hinkvc-g die Liebe zur alten deutschen Heimat im Herzen tragen, durchaus geachtete nordakNerÜkaniische Sl-aatMirg-er sind und weih! nur 'ungern von ihren. IDrigen americkani-scken Landsleuten entbcihrt werden würden. Ich möchte gerade urngeckahrt der Meinung fein,, haß durch die Siedkrntg'sbestrebungen ' .& u fr dem a l t e n p a l ä st i n e n - fischen Kulturboden altes Unrecht am j ü bischen-Do lik wieder g-utg!:macht wird. Nickt zuletzt durch dje Drang!Meru-n.gen. des. Judentums im 8. Februar 1967 Dr. 28« M'rttclalter, feine M-angsweise A'bwen'dukdg vom Lande und die Zu.sanl'men'pferchttng in erbärmlichen Ll-adtvierteln ustvist meines Erachtens die grgemvärtitze falsche soziale Schichtung des JudMtmnS, die es ganst einseitig von der Scholle ,md dem .Handwerk weg dem HanM zugefichrt hat,, zurncklzufuchren. Sollten durch, dfe SieÄlmgLbestrebtnMn in Palästina im Judentnm wled^r die Liebe zur'e-igenen Scholle und .Handaubeit eine Pflanzstätte finden, so wärr dies ein Ziel, dem man meines Erachtens rückhaltlos Erfüllung nÄnschen könnte. M feSe Mnen, schr geährte Herren, mit diesen meinen Uits'Mrungen' wahrscheinlich nicht- N e u e s. Nur lag mir daran, auch Ihnen gegenüber klarznstrllen, von welchen G- »danckenigän-gen aus fe-denfalls ich mich beim Eintritt in das .,,Pro-Palästina"- Komitee Hacke leiten lassen. ES kann natürlich nicht meine Aufgabe fein, mich über die Evfol'gZ-möglicksfeiten dieser idealen Brstrcbura.en in Prvph'czeiungen eingulassen. Jedenfalls g vH t mein Wunsch ,daHi n, daß sie i n Erfüi!u ng geHen möchten. Schließlich stelle ich JHnen gern anlheim» von meinen Ausfübruugen jeden JHnen erivünschten Gebrauch zu machen. Mit dem. Ausdruck meiwer^ vorBglickOen Hochachtung sehr erig.benst ' geg. Dr. Pünder. Seipel will das 8i»rei'eü:el>ot für Hitler au,heben. Der derzeit in Wien weilende bayrisch^ LandtagSabgeordn:te Dr. Buttmaun, FraMonsvorsitzendcr der Nationalsozialisten, wurde gestern, wie die österreichischen ' Hitlcrianer parteiamtlich miltei'.en, mit den Mitglickern. der österreichischen Landesleitung vom Bundeskanzler Dr,' Seipel empfangen. Im Mittelpunkt der Besprechung stand die Frage der E i tl r e i s e e r l a tr b n i s f ü r A d o l f - Hitler. Die Abordnung erklärte, da in den verschiedesien Ländern des Dnrtschen Reiches, besonders au-ch in Bayern, das über Hitler verhängte Redeverbot in der letzt'n Zeit entweder bereits aufgehoben worden sei oder in allernächster Zeit aufgehoben werde, so sei die Stellungnahme, der österreichischen Bundesregierung in der Einreisesrage nunmehr ebenfalls re v i s i ö n s b ed ü r f t ig. Der Bündeskaiiz'.er wies auf diese Zusammenhänge selbst hin und erösjnete damit, die Au.ssicht, ddaß A d o l f H i t l e r i ns e i n«; m al t6.it H e im a 11 a n d in ' naher Zukunft wird auftt.eten können, '. Dr. Seipel scheint wohl mit der angekündigten -iZttWung H i t l e r? nach, Oesterreich die Haken k r e u z- . i^A'.WI"ff"et'.Ä ü.EinJf^fe i 19,{r$t und Hi tle AMatiüsisredüer für die WaWl gewinnen zu wollen. Stic Saza-Uamhen Lim Protesttersammlung in Paris. Paris. 6. Februar. (I.T.A.) Die Liga für Menschenrechte veranstaltete im Saale des Societes Savantes eine zahlreich besuchte öffentliche Kundgebung gebuug gegen die Judenvrrsolgungrn in Rumänie.nt. Tausende von 'Personen zollten den Worten deS Präsb-. dcnfen der Liga, Prof. Victor Basch, Beifall, der Über die Geschichte der Judenverfolgungen in Rumänien bs- .; richtete. Als zweiter Redner sprach der Deputierte Leon. Blum, Führer der französischen Sozialisten. Es sprachen., noch Prof. L a n g ev i n und; Advokat C orcos. Enst-.. grauten aus Rumänien berichteten als Augenzeugen über'. wilde Jud'enexzesse. Die Versammlung nahm eine scharfe Protestresolution an und ging unter. Rufen. „Nieder mit dem Antisemitismus!" auseinander Tausende von Per> sonen, die in der Versammlung keinen Einlaß , mehr fiwden konnten, hielten auf der Straße eine Protestkundgebung ab. 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