Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2853 (6.2.1927)
- Date
- 1927-02-06
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2981941--29006-3017094- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 285;: Men, Sonntag 6. Februar 192V S Das Buch der Zeit LITERATURBEILAGE DER .'WIENER MORGENZEITUNG- Lar Haur als Schüplung de« JndlMnumr. Alexanoer Kochs „Haus e.n.s K»n,tft«und^ (BerlagSanstalt Alexander Koch, Darmstadt.) Als sich in Architektenkreisen die Nachricht verbreitete, daß Alexander Koch, der große Förderer der deutschen Baukultur, daran gel)'.'. sich ein Heim zu errichten, wußte man,, es müsse etwas Besonderes sein: ein in die Welt der Wirklichkeit gesetztes Ideal, die vorbildliche Siedlung höchsten Menschentums. Das Haus ist fertig, der Architekt Fritz August Breust aus hat es gebaut und der Bauherr hat dieses Ereignis in einem großzügigen Werk „Das Haus eines Kunstfreundes" für die ganze Welt festgchalten. Man betritt das Haus durch ein feingestimmtes Eingangsvestibü l. Kein anderer Schmuck ist vorhanden als ein Relief in rötlicher Terrakotta, eine Steinbank und die Türen mit lanzenförmig.n Gill er stöben, alles als Auftakt zur großen Diele, dem Mittelpunkt für den häuslichen Verkehr: für Festlichkeiten, Tänze, Konzerte und Vorträge. Die Wände zeigen licht grauen Putz, Biid.r moderner Maler, die Farbenakkorde im Dämmer des Raumes aufrauschen lassen. Ein b'aner, chinoi.fi.rendrr T:ppich gibt dem Raum Ruhe und Halt. Verschiedene Plastiken sind eingestreut/ Mittelalterliches mit Modernem gemischt, wodurch die lveitgespannteste Harmonie erzielt wird. Von der Empsangsdiele gelangt man in die eigentlichen Wohnzimmer. Zunächst fesselt das A r b e i t s z i m m e r des Herrn. Hier ist die Dominante des Erdgeschosses mit allen Leitmotiven des Hauses kristallisiert. Das Musikzimmer ist der Raum zum Genießen, mit velourbedecktem Boden, stosfarli^en Wänden, chinoisi.'rendem Mobiliar. Den Abschluß bildet das Teezimmer, das farbenlogisch deni Empfangszimmer zugereilt ist, heiter im Charakter als S.ötte der Unterhaltung. Das Speisezimmer ist nicht in repräsentativem, sondern in intimem Stil geschaffen. Die stille Garten feite gehört der Intimität zwei-Schlafzimmer, zwei/Badezinimer und das Heim der Hausfrau. Was in den Vordergemächern bedeutsamanregend, festlich lvar, wandelt sich hier in idyllische Ruhe. Ein eigenes Kapitel bilden die Kunstwerk e, die nicht nach einem historischen, sondern nach einem geistigen Prinzip gesammelt wurden, wonach ein Hans Thvma neben Pechstein, eine altchinesische Vase neben einer Keramik der Wiener Künstlerin Vally Wieselthier bestehen kann. Erlvähnenswert ist, daß eine unerhörte Arbeit des Architekten zu leisten War, bis der richtige Wohnrhythmüs erreicht ivurde, und daß eine lange Reihe von Künstlern an den Entwürfen und hundert Firmen am Ausbau und der Einrichtung beteiligt waren, darunter aus Wien Vally Wieselthier, ,der Architekt Hugo Gorge und die Wienerberger Ziegelfabriks- und Baugesellschaft. Wie konnte ein so harmonisches Werk zustandekommen? Phantasie und Temperament waren notwendig, uni einer Persönlichkeit mit komplizierten Bedürfnissen in kultureller und gesellschaftlicher Beziehung eine Heimstätte zu schaffen. Um die Ideen einer erhöhten Lebensform zu verwirklichen, ohne Dissonanzen zwischen Architekt und Bauherr, hiezu war die rein sachliche Einstellung der Zusammenwirkenden erforderlich und der gleiche Drang zu höchster Qualität, zu höchster Sachlichkeit und Menschlichkeit. So ist ein Bauwerk entstanden, das Kuno Hardenberg, formuliert als neu in der Art der Eingliederung in die Gesamtheit, neu in der Art der Ausbildung des Hausgedankens als Schöpfung des starken Individuums, zur Umfriedung und Umschließung einer kleinen Welt. Oskar Rosenf eld. Pantheon. Internationales Adreßbuch der Kunst- und Antiouitcl.ensammter uitb -Händler, Bebüoiheten, Archive, Museen, Kunst-, Altertums- und Geschichtsvereine, BücherUebhaber, Numisinatiker. Zweite Auflage. Paul-N eff- Vertag Max Schreiber), Eßlingen.ä..N. Ein Adreßbuch von so weitem Umfang bei Begrenzung des Stoffgebietes ist ars Wunderwerk zu &e* zeichnen, an dessen Zustandekommen nicht Fleiß allein, sondern vor allem breiteste Sachkenntnis tcilhaben. Größter Werl wurde auf die Angabe über , das Cammtergebiet gelegt, ein Schlagwortregister leistet wertvolle' Dienste. Bon besonderem Interesse' ist das soziale Spiegelbild, das sich aus dem Besitzwechfel von Sammlungen ergibt. Ein ernstes Buch, an dessen Ausbau jeder zielbewußte Sammler Mitarbeiten sollte. Eine hebräische Kant-Monographie. In Jerusalem ist soeben, von dem Direktor der oortigen Universitätsbibliothek Dr. Hugo Bergmann verfaßt, eine Kant-Monographie in hebräischer Sprache erschienen. Das Buch gibt eine umfassende Darstellung des Kantschen Systems nach dem heutigen Stande der Kant-Forschung und mit Einfühlung in die geistigen Voraussetzungen des hebräischen Lesers. Es ist das erstemal, daß eine Gesamtdarstellung des Systems des Kritizismus in hebräischer Sprache in Buchform erscheint. Gin Henoiflancfflomun. Alfred Reumann: Ter Teufel. Deutsche VerlagSanstalt, Stuttgart Unter den vielen Renaissance-Romanen, die im Laufe auch nur eines Jahres immer wieder erscheinen, hebt * sich das jetzt erschienene Buch von Alfred Neumann, obwohl es mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet wurde, weit über das Dutzend. Neumanns „Teufel" ist der Barbier und böse Geist des Königs Ludwig XI. von Frankreich, der . selbst in gewissem Sinne der BÄse, seiner allerchristlichsten - Herrschaft den leibhaftigen Vertreter des bösen Prinzips hergesellte. DaS Schicksal des Barbiers Olliver aus Gent und seiner Gattin Anne, das dieses Buch erzählt, der Werdegang dieses Luzifer-Menschen, seine merkwürdige Bindung an König Ludwig und sein Sterben nach des Königs Tode, das gewissermaßen erst das Ende der Herrschaft Ludwigs besiegelt, das alles wird in breiter, epischer Form, aber mit einer merkivürdig anziehenden Konzentration auf das schicksalhaft Manische di:fer Menschen und ihrer Ideen geschildert. Es ist in weiterem Sinne eine psycho-analytische Methode, die Neumann in feinem Roman für die Lösung des menschlichen Problems der Nenaisfance-Naturen, ihrer Vor- und Nachläufer in Anwendung bringt. Man kann nicht behaupten, daß das Buch erquicklich zu lesen wäre, und es bedarf der Muße, um ihm auf den Grund zu kommen; aber das Buch, einmal richtig gepackt, hält selber fest und fesselt,. ftsselt selbst den Widerstrebenden. Es geht weit über die Sphäre des Untierhaltungsromans hinaus, ist in gewissem Maße, wenn auch nicht im objektivsten, Zeitgemälde, was für den dichterischen Wert dieses Werkes spricht; denn Dichtung ist nun einmal nicht objektiv. Der eigenartigen Konzeption des Werkes entspricht auch seine Sprache, die, nicht kompliziert, nicht blumig und nicht banal, dennoch auf besonderen Eindruck geht und konzentriertesten Ausdruck sucht (freilich nicht immer glücklich findet).-Im ganzen: weit , mehr als ein Dutzendbuch. —tz. Josef Welnheber. Boot in der Bucht. Gedichte. Krystall- Verlag, Wien. Die Fahrt eines Dichters durch die Tiefen der Seele und jeder Landschaft, über der der Abglanz des Ewigen liegt, wie selten ist sic und mit wie kargen Früchten segelt der Fahrer heim.. Für. mich sind Weinhebers Gedichte — es heißt, sie sind preisgekrönt — ein erhebendes Fest, denn sie sind Schöpfungen eines freien Geistes und eines für Erlebnisse prädestinierten Herzens .Die Reise des Stils setzt , einen harten Kampf um die Form voraus und jenes Privatrssimum, das sich ein Dichter in seiner einsamen Kammer hält, die süßen Zuckungen und Gebete, das heiße Flüstern, das jeden Lyriker überkommt, ist stahlhart geworden unter dem Hammer des Formens. Mit gelassener Hand scheinen die auhvühlendsten Gcheimnisie niedergclegt, dort wo die Zeilen sich im Reim zur Ruh begeben, vibriert noch ein Letztes, Unausgesprochenes, das den lyrischen Menschen zum Dichter macht. o. r. , Aus der Werkstatt. Ein Tätigkeitsbericht des Verlages Hugo Schmidt in München. Als Hugo Schmidt vor 15 Jahren seinen -Verlag gründete, dachte er an die Pflege der Literatur und Kunst. Auf diesem Wege gelangte er zur Pflege des wissenschaftlichen Gebiets und, von der kulturellen Wichtigkeit des Verlegers überzeugt, zum „schönen Buch". Damit war. in der Idee höchste Qualitätsarbeit vorgeschrieben. Die Nachkriegszeit mit ihren politischen, sozialen und materiellen Problemen stellte mächtige Hindernisse auf. die in zähester Arbeit niedergerungen wurden. Der Rang der Autoren bezeichnet gleichzeitig das Niveau des Verlags, der heute zu den führenden Deutschlands zählt. o. r. Für Purim - Aufführungen empfehlen wir HAMANS llllllllllllIllllllltlllllllllllllllllllltlllllllllUIIIIUIIIliilllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII FLUCHT iuniuiniiiiuiimiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiuiuMtiiiii«iiiiiiii|uiuaiiitii»aiiiHiuiR von SAMMY GRONEMANN Ein entzuQ!<*Pdör, kleiner Purimscherz in 5 Szenen Ein Mftrchenapiel, voll tuantqer Einfälle, lustiger Verse und wirbelnder Situationen PREIS 1 SCHILLING Buchhandlung R. LÖWiT \ Wl*N. RC-ENTUPM^TR. 22 ' . i (Sitte nette Schrift von Artur Schnitzler. Soeben erscheint im Verlag S. Fischer, Berlin, eine essayistische Schrift von Artur Schnitzler „Der Geist im Wort und der Geist in der Tat", unter diesem Titel gibt der Dichter eine Darstellung des Gebietes des menschlichen Geistes und seiner Repräsentanten. ■ H. Sein)!!, der erfolgreiche jüdische Dramatiker (seine Dramen, „Der Golem" und „Schmales" sind starke Thealererfolge) hat einen Gedichtband „Unterm Schloß" herausgegeben, der soeben im Verlag B. Kletzkin, Wilna, erschienen rst. Jüdische Musik. Einen neuen Beitrag zu diesem für den Juden, den Musiler und den Ethnologen gleich wichtigen Kapitel der Gegemvartsmusik bringt D r. Lau ko.aus Preßburg in einer Broschüre „Die jüdische Musik", die kürzlich im Berlage von Gisela A r a n y i, Bratislava, erschienen ist. Das Merkchen, das aus Vorlesungen für Laien horvorgegangen ist, vermeidet. alles Problcmhafte uiio begnügt sich mit der Sammlung von Mate.ial und mit historischen Ausblicken. Man erfährt manches über die alte jüdische Musik, über die Instrumente der alten Zeit und über die Psalmen, da und dort fällt auch ein hübsches Mort über die Beziehung der jüdischen Musik zu den orientalischen Kulturen. Alles in allem ist die Einseitigkeit des Büchleins auch sein Vorzug: Es ist ein Laienbrevier, das nicht tiefer schürfen will als dem Laren Auch ungefähren Verständnis der Zusammenhänge zwischen Musik, und Judentum nottut. flb. T Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur, Band 27, Berlin. Das vom Verband der Vereine für jüdische Ge-., schichte und Literatur herausgegebene Jahrbuch, das jetzt zum 27. Male erscheint, bietet wiederum eine Fülle von lesenswerten und bekehrenden Artikeln. Von besonderem Interesse ist der Aufsatz von M. Golde über die berühmte illustrierte Btt ei desHerz-g? von A ba, die auf Veranlassung des Ordensgenerals von Ecttatrava durch Rabi Mose de Arragel übersetzt und erklärt wurde. A. S. Hvrodesly bringt eine Würdigung des Sohar, dieser vielbesprochenen Grundschrift der Kabbala. Das Kulturproblem in der jüdischen Geschichte behandelt Dr. F. Perles. Don einigen interessanten Persönlichkeiten des jüdischen Lebens handeln die Aufsätze von M. Grunwald über den hervorragenden, russischjüdischen Bildhauer Ankokolski, und Jessie Kutrein über ihren Vater Louis Loewe, den Begleiter des Sir. Moses Montefione auf seinen Reisen nach Danraskus und Palästina und dem langjährigen Berater dieses Philanthropen. I. Kastan setzt feine anregenden und anschaulichen Erinnerungen fort, die uns nach dem aufstrebenden Berlin von 1860 führen. Georg Hermann beschließt die Reihe mit einer Erinnerung an den ersten Jom Ktppur, den er als Vierjähriger bewußt erlebte. Das Buch zeichnet "sich durch Illustrationen und durch gutes Papier vorteilhaft aus. Der Preis für das Exemplar beträgt Mark 3.50. Bestel- > lungen sind an die Buchhandlung von M. Poppelauer, Berlin C. 3, Neue Fried rrcMraße 59, zu richten. Palästinajahrbuch des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes zu Jerusalem, herausgegoben von Dr. Gustav Dal man, 22. Jahrgang,' Verlag E. S. Mittler u.' Sohn, Berlin 1926. Das vorliegende Palästinajahrbuch des Deutschen Evangelischen IW stituts für Altertumsforschung enthält eine Anzahl von Ar-/ beiten, die für jeden an Palästina Interessierten von Wert sind: Uns scheinen die Beiträge von Hertzberg „Ueber die Tradition in Palästina" und A l t „Zur Geschichte von Beth-Sean 1500—1C00 v. Ehr." die besten zu sein. In dem ersten wird nämlich die neben den geschichtlichen Tatsachen und den historischen Persönlichkeiten existierende „lebendige Macht, die geschichtlich nicht so leicht faßbar ist", die Tradition, soweit sie in den Maßen des Volkes im gesprochenen oder'gesungenen Wort, in den Erzählungen der "Alten vor den Toren und in den Zelten lebt, zur Darstellung gebrächt. Mit anderen Worten, es ist der Versuch gemacht, in Kürze die. durch die Vollksphantasie geschaffenen Ergänzungen zu den ln den biblischen Schriften niedergclegten Erzählungen und Sagen ihrer Entstehung und Wanderung nach festziihalten und zu erklären. In dem Beitrag Alts werden die Ergebnisse der in den letzten Jahren in Beth-Seani vorgenommenen Ausgrabungen, die die Geschichte dieser Stadt während der Zeit der ägyptischen Herrschaft unter Sethos I. und Ramses II. vollkommen nufklären, zu einem historischen Bild zusammen-- gefaßt. Die Beiträge D a l m a n s „Zur Tradition von Nebi- Samwrl, Mizpa und Gr'üeorr" und über „Gibevn" sind' mit der bei diesem Gelehrten stets zu beobachtenden Gründlichkeit gearbeitet und bedeuten eine wertvolle Bereicherung der.Geschichte dieser Ortschaften Palästinas. Bemerkenswert und lesenswert ist auch seine Darstellung des Palüsturainstituls der Universität Greifswald, die mit geringen Mitteln Mustergültiges auf dem Gebiete der Paläst'masorschung geschaffen hat. , Dr. ö; G BÜCHEREINLAUF. Dr. Otto Conrad: Absatzmangel und Aroertsiosigkett als Dauerzustand. Verlag Holder-Picl-ler-Tempsky-A. G.. Wien—Leipzig. R. N. Coudeuhove-Kaiergi: Pan-Europa. 'Pan-Europa-Verlag, Wien. R. N. Cond^nhove-Kaler.qi: Kanrpf um Pan-Euroya. (Zwei Bände). Pan-Curopa-Verlag, Wien—Leipzig.' Richard A. Edon: Se. Hochwürden der Jude. (Roman zweier Raffen.) Verlag Maximilian Slozer, Men— Berlin—Leipzig. * Helmuch v. Glasenapp: Der Hinduismus. (Religion und Gesellschaft im heutigen Indien.) Verlag Kurt Wolfs. München. Hoftat Prof. Dr. Leopold Moll: Das Kind int vorschulpflichttgen Atter, seine Pflege, Ernährung und Erziehung. Schwarz-Verlag „Die Frau und Mutter", Wien, 6. Bez. Pestalozzi, der Mensch und Dichter. Im eigenen und zeitgenössischen Urteil. (Schweizerische Bibliothek 6),Bev^.. lag Nascher u. Cie., Zürüh. Egon Schiffer: Oesterreichs ivirtschastliche Senduyg. (Grundlagen einer gesamtdeutschen Volkswirtschaft.) Beo» lag Höider-Pichicr-Tempsky-A. G., Wien—Leidig. »