Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2853 (6.2.1927)
- Date
- 1927-02-06
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9h. 2858 Wien, Ssnmos nnpygcinHwPig S. 1927 GMee ße^io: Fritz Lang Manuskript: IM V. MM In den Hauptrollen: Brigitte Helm Alfred Abel Erwin Biswanger Heinrich George Gustav Froellch Rudolf Kleln-Roggo Theodor Loos rntz Ra so. Dar Monum«nUlfllm AftSlsstttg tos 0. retour sustefcteMliefc la ln Ufi-PremlorentMtero: Klmtner-Klno L, lAdaimMfiatM t Central'Klnp IÜ, Tiborttraaw 9 LQwen-KIno HL, LSwenQtste SS Marla-Theresten-Kfno , VIL, Marlahilferstraue 90. müssen sich das italienische Motto: „Italien durch sich selbst" zueigen machen, ein Motto, das sich in Jtalieir jetzt allerdings merkwürdig auswirkt. Der Fluch des englischen Volkes ist der Snobismus. Die Engländer sind sehr besorgt, tvas die anderen Leute von ihnen denken. Diese Eigenschaft haben auch die Juden. Sie ist bei ihnen allerdings als eine Folge grausamer Entwicklung begreiflich. Die Sucht der Juden, insbesondere der wohlhabenden, sich überall ,Einschmelzen" zu wollen, kann keinen Er'o'g haben, well die Judenhell ein altes, stolzes Volk ist. Das zionis.ische Werk schafft eine Union zwischen zwei großen Völkern, dem englischen und dem jüdischen. Wie in England jetzt eine Anleihe ausgenommen wurde, die jeden englischen Staatsbürger für Palästina besteuert, so müssen die Juden ihre Pflicht erfüllen und sich freiwillig zur Steuerleistung für das zionistische Palästinawerk bereit finden. Ich li.be das jüdische Volk und ich bin glücklich, daß nach 2000 Jahren, in welchen niemand gütig zu diesem Volke war, die Gelegenheit geboten ist, das an den Juden begangene Unrecht zu tilgen. Nach dieser in englischer Sprache gehaltenen Rede, welche von Frau Dr. Stein ins Deutsche übersetzt wurde, sprach Dr. N. M. Gelber über die technischen Vorbereitungen der Keren-Ha essod-Aktwn und über die Maßnahmen, welche zwecks klagloser Durchführung des großen imd wichtigen Werkes getroffen wurden. . ein kmvlaug beim englische« Gesandten. Zu Ehren des Co tonet Wedgwood und der österreichischen zionistischen Organisation gaben gestern abends der Wiener englische Gesandte Viscount Eh lston und seine Gemahlin einen Empfang, zu dem zahlreiche führende Mitglieder der Wiener jüdischen Gchellschast geladen waren. Unter den Anwesenden befanden, sich, der llalienische Gesandte Bordonaro und .Ministerialrat Glas in Vertretung deSösterreichischcnMinisteriums deS Aeußeren. Biscount Eh lston begrüßte die Erschienenen und ersuchte sodann Eolonel Wedgwood, die Bedeutung des jüdischen Siedlungswerkes in Palästina darzulegen. Colonel Wedgwood schilderte in einer großangelegten Rede die begeisternde Wirkung, die die jüdische Arbeit in Palästina auf jeden ausübt, der sie sieht. Palästina wird keine Zufluchtsstätte für irgendwelche jüdische Flüchtlinge, sondern eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk. Nichts sei ungerechter und falscher, als v"n eitrr Verdrängung der Araber zu sprechen: würtremoergi,cheu B.vökerunz nicht verziehen weroeu. Man kam plötzlich darauf, daß es einem Juden nicht gestattet sei, sich außerhalb der drei dafür bestimmten Dörfer aufzuhalten, man warf ihm ferner Unregelmäßigkeiten bei der Münzprägung und schließlich Uebeworteilung des Herzogs bei J'rw^enverkä'ft-'i Alle diesbezü^i'b-n U"'er^u"büngen, die von Personen geführt wurden \i Aase' Süß k i eZwegs wohl gesinnt waren, blieben erfolgt. Nichts Unreelles, keine Unregelmäßigkeit, keine Uebervorteilung irgendeiner seiner Kunden konnte ihm nachgewiesen werden. Da er aber durch diesen ersten gegen ihn unternommenen Borstoß vorsichtiger wurde, nahm er in Hinkunft an keinen amtlichen Sitzungen teil, er unterfertigte niemals irgendein in sein Ressort fallendes Schriftstück; er war bestrebt, auch nach außen hin kenntlich zu machen, daß er bloß ein Organ sei, das herzogliche Befehle ausführt; seine Privattnteressen ordnete er von nun ab stets der herzoglichen Schatulle unter. Wenn man auch vom rein menschlichen und sozialen Standpunkte die Steuerpolitik des Josef Süß Oppenheimer nicht anders als blutrünstig und für die Bevölkerung ruinös bezeichnen kann, so muß man vom finanzpolitischen Gesichtspunkte die Art, immer wieder neue Geldquellen für feinen Herrn ausfindig zu machen, üS genial bezeichnen. Obwohl er schon auf Grund feines märchenhaften Einkommens in der Lage gewesen wäre, sich für seine Arbeiten verschiedener Personen zu bedienen, so erledigte er dennoch selbst seine sämtlichen Privatgeschäfte, seine finanziellen Transaktionen, leitete selbst die Münze, ter er Vorstand, und führte die Korrespondenz mit fast der Iesamten europäischen Handelswelt, zu der er Beziehungen alle, in allen europäischen Sprachen, einsch'ießlich des Häräischen, selbst. Seine gesellschaftlichen Beziehungen, bei tencu er nicht selten über die Stränge haute und die ihn n den Ruf des größten Abenteurers des 18. Jahrhunderts 'rächten, ivaren die Sensationen der Residenzstadt. Dabei wrgaß er nicht an seine rein literarischen Jntertssen, die dahin führten, daß er wohl eine der erle- Pri v a t b ib l i a t h e k e n Deuts chlands im Gegenteil, durch die Leistungen der jüdischen Kolonisation wird die wirtschaftliche Lage des Fellachen von Tag zu Tag besser. An der zionistischen Bewegung, dieser Bewegung für wahre Kultur, nehmen alle Schichten des jüdischen Volkes teil; Redner müsse aber betonen, daß es bisher gerade die ärmeren Schichten gewesin sind, die ihvcn Cnthus'akmus bewiesen; er möchte deshalb in diesem gastfreien Haus des englischen Gesandten sagen, daß es bereits die höchste Zeit sei, daß auch die reichen Juden dieses zionistische Erlösungswerk unterstützen. Auf Ersuchen des e-ngllschen Gesandten ergriff hierauf Oberrabbiner D r. C h a j e s das Wort. Er feierte die großen Verdienste Englands um das jüdische Volk und übermittelte dem Gesandten den Dank der Wiener Judenschaft an das englische Volk für die Förderung der nationalen Freiheit des Jubrntums. Viscount CH elston sprach beiden Rednern den Dank für ihre aufschlußreichen Mitdilurigen aus und erklärte, er hege die stärksten Sympathien für die zionistisch? Bewegung, an deren Verwirklichung er felsen fest glaube. Später versammelten sich dann die Vertreter der Zionist Ischen Organisation Oesterreichs in denr M.-iten Salon und Präsident Dr. Leo G o l d >h a m m e r ii'berreichte dem Gesan dien mit einer herzlichen Ansprache bö§. Diplom über sei ne Eint r a g u n g in das goldene Buch des Mdischien Nationalfonds. Gesandter Che lston erwiderte in . bewegten Worten, er sei stolz darauf, - daß er mit den anderen großen Männern Ertzlianchs, Balfour und Cecil, in das goldene .Buch.i . jüdischen' HejWstätte eingetragen, werde. f: ’, . ■'•••’' v-- -i Der Gnvpjang/ der Dinen glänzenden Verlauf nahm, war uw ^12 Uhr zu Ende. Ov2rxxr2LXx»O«xzOOycxx>«xxrOOcxxxxxxxxx» Am besten sind doch die Ceschka-hute VH.* KalsersfraBe 129 WIEN IX», AlserstraOe Nr. 6 obooooooocoQooosooooocxxsooooooooooocx» atticgtc. tü>r mar tu jement ganzen Tun u.io Lassen seiner Zell um Jahrhunderte voraus und stellte schon damals den Typus des erst heute modern geivordenen Kaufmannes. Auch in bezug auf seine Stellung zum Judentum ist er der danraligen Zeit voraus geeilt. Wenn auch Gerüchte überihn verbreitet waren, daß er im Geheimen zum Christentum übergetreten war, so sind sie doch wohl bloße Vermutungen, darauf gegründet, daß er sich über gewisse jüdisch-religiöse Vorschriften, insbesondere über die Speisevorschriften, hinwegsetzte. Er selbst pflegte von sich zu sagen, daß er ein „Volontär aller Religionen" sei, und daß er „zwar ein geborener Jude wäre, aber im übrigen die Religion eines anständigen Menschen habe." Zu Beginn des Jahres 1737 war die politische Atmosphäre im Herzogtum Württemberg aus das . äußerste geladen; Karl Alexander bereitete näinlich einen Staatsstreich vor, durch den an Stelle der evangelischen Konfession die katholische Religion eingeführt und tv Verfassung beseitigt werden sollte. Er strebte dem damals aufblühenden absolutistischen Regime zu. Bevor er jedoch seinen Plan durchführen konnte, starb er. Die znnr Gegenschlag gerüstete und aushvlende revolutionäre Bevölkerung begnügte sich aber jetzt mit einem Opfer — mit Josef Süß Oppenheimer, der die Dinge vorausahnend, aus Württemberg zu flüchten versuchte, von den Schergen der Revolutionären jedoch aufgegriffen und in den Kerker geworfen wurde. Ein eigenes Kapitel, das auch gleichzeitig typisch für die mittelalterliche Strafjustiz, besonders Juden gegenüber, ist, bildet die Zeit seiner Haft. Josef Süß Oppenheimer wurde nicht bloß, wie aus den vom Anstaltschef herrührenden, noch heute erhaltenen Briefen hervorgeht, als „Bestie" bezeichnet, sondern auch dementsprechrnd behandelt. Trotzdem von den zahlreichen ihm zur Last gelegten Delikten, mit Ausnahnre seines Verhältnisses zu tirr-nr nichtjüdischen Mädchen, nichts nachgewiesen werden konnte, wurde er zum Tode verurteilt. Charakteristisch für die ganze Denkart und das ganze Wesen Josef Süß Oppenheimers ist ein Ausspruch, den er tvährend seiner marterreichen Haft machte, als ihm die Be- -er tägliche llaiverMsskandal. Die für gestern vormittag angesagte Entrüstung der Hakenkreuzstudenten fand pünktlich statt. Da die Universität geschlossen war, mußte die Rampe als Versammlungsort dienen. Ein Massenaufgebot der Poliz.i sperrte die Ringstraße und hielt den Platz vor der Hochschnn abgeriegelt, damit die deutsche Studentenschaft ungeftkrt den Numerus clausus für die ausländischen Juden verlangen könne. Das Abendblatt der „Rcichspost", des Regierungsorgans, verzeichnet dies mit besonderer Beflissenheit. Dies bestätigt unsere Vermutung, daß hinter dem Geschrei der Körber-Leute eine sehr ernst auszufassende Aktion innerhalb der Hochschule steckt. Die Rektoren der Wiener. Hochschulen hielten eine Beratung ab, um über die Maßnahmen zur Sicherung der Ruhe schlüssig zu werden. Die Angelegenheit wächst sich zu einem immer größer werdenden Skandal aus. Zahlreiche ausländische Zeitungsvertrcter sind nach Wien' dirigiert worden, das also wieder interessant zu werden beginnt. Die sozialistischen Studenten hielten vor dem Liebenberg-Denkmal mit Genehmigung der Polizei eine Versammlung ab und marschierten mittags durch die Rat- Hausstraße ab. Die Deutschnationalen veranstalt'ten um diese Zeit innerhalb des Polizeischutzes ihren Bummc.il. Zur Erhöhung der Festfreude wurden zwei jüdische Studenten, die ihnen in die Hände sielen, durchgcprügelt. Einer von ihnen namens Werfel mußte von der Polizei in Schutzhaft genommen werden. Ae nmtwIUSt «M»et. tms mmtmWe znUtllt blelv sejatioiu«. Im Laufe des gestrigen Nachmittags haben im Rektorat Verhandlungen mit den Studentengruppen statt-, gesunden, die zur Wiederherstellung der Ruhs führten. Abends erschien infolged.ssen folgende Kundmachung des Rektors an die Studierenden: Die Vertreter der beiden großen Studentengruppe», haben heute im Rektorat die Erttärung abgegeben, daß seitens ihrer Gruppen alles vermieden werden wird, was die Aufrrchlerhaltung der akademischen Ordnung und Disziplin gefährden würde, und haben gleichzeitig um Wiederaufnahme des Studienbetriebes ersucht. £ gnadigung utti Enthaftung urinite, wenn er zum Christentum übertreten würde; er erklärte: „Seine Religion zu ändern, ist eine Sache für einen freien Menschen, aber einem Gefangenen steht das übel an." Als ihm das Todesurteil verkündet wurde, erklärte er: „Ich will als Inda sterben, mir geschieht Gewalt und Unrecht, ich habe bei allen meinen Taten nichts als die Wohlfahrt des Vaterlandes zu fördern versucht." Am 25. Jänner 1735 unterschrieb der Herzog Karl Rudolf bas Todesurteil, wobei er den kennzeichnenden Ausspruch tat: „Es ist ein seltsames Ereignis, daß ein Jude für Christenschelme die Zeche bezahlt." Am 4. Februar 1733 wurde an-Josef Süß Oppenheimer das Todesurteil vollzogen. Den Ruf „Schema Jisroel" auf den Lippen starb er am Schaffot. Josef Süß Oppenheimer blieb auch als Jnquisit der Kavalier, der er Zeit seines Lebens war; nie verlor; er seine männliche, aufrechte Haltung, auch vor den Richtern nicht, die alles eher als Recht suchten und sprachen. Wäh-! rend er in Ketten gefesselt und mit Eisenstangen geprügelt, in einem Hundekotter lag, dabei derart abmagerte, daß ihm oft die Handschellen vom Gelenk glitten, vor Schwach: in Ohnmacht fiel, aus der er mit Schiägnr geweckt wurde, fander noch die geistige Kraft und Frische, seinen Henkern selbsterfundene Gleichnisse über sein Schicksal zu erzählen und , ließ noch seinem Untersuchungsrichter ironisch seine Ueberlegenheit nach jeder Richtung hin fühlen. . Mit Recht kann daher sein erster Biograph Dr. Curt ElwenSpvck*) von ihm sagen: „Die Erinnerung an den seltsamen Mann wird rwch lange bleiben, nicht well er ein allzu williger Fürstendiener, ein genialer Hasardeur, ein. zynischer Sünder, ein gefährlicher Glücksritter war — svndem, weil ihm durch eine Ueberfülle von Glück und Leid, von Wollen und Dulden, von Schuld und Buße im höheren Sinne ein Schicksal zuteil wurde." •j Jud Süß Oppenheimer, der große Financier und galante Abenteurer des 18. Jahchundrrts; erste Darstellung auf Grund sämtlicher Akten. Dokumente, Ueberlieferun^en. SüddeutjU)es Verlaasba»« G. m. b. H. fit Stuttgart. 1836.