Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1927-02-06 · Heft 2853 (6.2.1927) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2853 (6.2.1927)
Date
1927-02-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2981905-2981941--29000-3017088
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 28öC üiiett, Sonntag Wiener Msrsen-ettnng 6. Febvuar 19L< SeS-S all« verlangten Vollmachten — d&er die Eüweiterung Äer der Agency Sam nicht zustande und -er erwartete GoAregen bllieb aus. Warum? Weil außer Dr. Wei-mann un«d seinem politischen Sekretär wiomand diese Erweiterung wollte — vor allem die ameManUchen u>nd emgliischen Gu!den nicht, um die man sich bemühte. Freilich, wir sind bchchsiden gawordeir. Jahr um Jcchr ficht die Zionistische Or-gamsation nunmehr Löe Nichtzz-ionisten um Teilnahme am Ayency-Geschast an, und schließlich hat Dr. Weizm-ann „erreicht", daß Marsihall u«n!d die Seinen -ichre prinzipielle Bereitwilligkeit erklärt haüen, dieser ,,Agency" beizutveten, die ja für die A'usifassunig amerikanischer N-ichtzionisien nur ein philanthropische Komitee mehr «bedeutet. Zuvor aber mußte der Präsident der Zionistischen Organisation schriftlich ALibitt« leisten wegen des Kampfes, den. der amerikansscho Zionismus gegen den Joint gefi'tbrt bat, und mutzte erklären, daß die Ziv« Wo find wir? Noch i>mmer bei der Jsw'.M Agency? Neuest« Phase: Die Kommission der Sachverständigem Im „Prinzip" ist man einig, ober erst muß Palästina neu entdeckt werden. Seit 60 Jahren Kolonisieren wir, seit 1008 hat der Zionismus seine eigene Wirtschaftsvertretuny im Land«, seit 1920 leitet ein großer und kostspvsliger Apparat unsere Arbeit. Aber das Resultat — dis Leitung weiß nicht ein und aus, sie hat keinen Plan und sieht sich von Kadastrophen bedrängt. Wer Hilst? Der neue Partner in der Ag-ney, der weise Philanthrop, vor dem Palästina nur ist wie ein Sandhaufen in Mexiko, er wird, in längstens sechs Monaten, den Plan entwerfen, der uns glücklich macht. Kaum landet das Schiff mit den Herren „Wirtfchaftsführern", so werden diese den Kolonisationsplan entwerfen, den die Zionistische Exekutive bisher nicht aufstellen konnte. Die Beamten des Joint werben uns erklären, was bisher falsch gemacht wlwde und nüe man es besser machen kann. irrsten mit >denjenvg-en Juden zuisaimnenarbült-en wünschen, welche die P r -i o r i t ä t Pa l äst r.na s. n i ch t anerkennen! JFn Zukunft wird also — wenn Äics erweitert« Agency zuftandekommt - — die Palästina-Politik des jüdischen Dolikes zu 50% von Leuten gemacht werden, die 'grundsätzlich über Palästina nicht anders denken, als über die Krim oder Mexiko als jüdisches Si«dl>ungsband. ' Das hat die ExeLMve der ZioniMchen Organ-isatron gewollt, dafitr kämpft sie seit fünf Jcchr-en, dazu hat sie die Ovganisabron in die grötztre Verwirrung gebrächt. Und di« Gegenleistung? Wo sind di« vor fünf Fahren verheißenen Millionen aus AimeÄka? Welche Zusagen hat Dr. Weizmanm in dieser Hinsicht erhalten? Offenbar gar keine! Denn ,in einer seiner letzten Neiden eriklävt er, es sei unwürdig, das Mr-nldnis mit Geldforderuttgen zu verquicken. Schvlde, daß er dies nicht schon vor fünf Jahren erklärt hat; viellaicht hätte dann der Korg-vetz eine cmdcve Stellung eingerrcmrmen. jjo Dann der neue Partner auch, die großen Mittel hrrbcischasfen wird, davon wissen wir nichts, aber wir haben darüber unsere Vermutungen: Palästina wird kein« Sonderstellung in der amerikanischen Hilfsaktion einnehmen — das ist beiderseits schriftlich fostgelegt worben — und vom Joirü wissen wir, daß seine letzten Sammlungen weit hinter dem ausgestellten Budget zurückblieben... Wie lange noch? Wie lange noch will di« zionistische Organisation einer Leitung folgen, die nichts erreicht, dafür aber einen großen Fonds von Zeit, Kraft, Prestige und propagandistischen Möglichkeiten vertan hat? Wie lange noch will die Organisation die buntbemalten Pappekulissen dieser „Ägeney-Politik" bestaunen? Wird der XV. Kongreß endlich Klarheit, Entscheidung und Frieden bringen? Zwecklose Frage: Denn der Kongreß wird unter dem Vorwände, daß erst der Bericht der Sachverständigen vorliegen müsse, verschoben werden, weil die Leitung ihm nichts ' zu sagen hat. . * Ist jenes eingangs «währrte Interview der I. T. A. mit Herrn Sokolow vielleicht doch anders und weniger harmlos zu verstehen, als tvir meinten? Ist die irrige Behauptung, das Mandat verlange die Erweiterung der Jewish Agency, vielleicht ein RÜätzug in die letzte <nw-{s^n,jrt§f'fcTtutia der Erekutive? ... ... *' Heute abends halb 8 Uhr Dr. Präger: Jüdische Schwänke Mittlerer Konzerthaussaal „Wir haben nichts erreicht mit unserer Politck der Erweiterung der Agency, und was wir heute so nennen, verdient den Namen kaum — aber itrit mußten so handeln, »veil das Mandat es verlangte" — ist dieS der Weisheit letzter Schluß? , Dann soll die Leitung loiffat, daß wir sie so billig nicht entkommen lassen. Kein Wort, kein Buchstabe deS .Mandats hat von uns die Jnaugurierung der Wer)- mannschen Agency-Politik verlangt. Da sie gescheitert ist, sollte die Leitung zurücktreten, nicht aber neu« Kuliss-n angeblicher „Erfolge" errichten, hinter denen sich in Wahrheit schönste Niederlagen verbergen,, und nicht den Text deS Mandats entstellen — des einzigen pMffrheo Wertes' der uns rroch geblieben ist. « m jCaff£e‘ Trinke Kathreiners Kmi»» Naixkann Du bleibst gesund! Balkaneinfturz kn der Billa Barbusse. Frau Barbusse und m Unüyrpriifekt schwor verletzt, Paris, 6. Februar. Wie die .Hiiberte* aus N i m e s msl» det, sind bei dem Ei-nstürz eines BalkkonS der Billa HenrhBsrbufse FrauKarbusfe und ein gu Besuch anwesender chemaliger NntevprLfeLt schwer verletz? wordri Re Sicherung des Wahlrechte«. Wie bereits mitgeteilt, hat der Wiener Magistrat -re Wählerverzeichnisse für die Heuer stattfindende Nationalrats-- wähl fertiggestellt. Es wird ausdrücklich daraus aufmerlscun gemacht, daß diese Listen auch an Sonntagen von 9 bis 12 Uhr zur allgemeinen Einsichtnahme aufliegen. Aus der in jedem Haus angebrachten Kundmachung, die die Zahl der. Wahlberechtigten jeder Wohnung angibi, ist auch der AmtSraum vermerkt, wo das Wählerverzeichnis zur Einsichtnahmaufliegt. Die Reklamationsfrist endet ,am Morr« tag, den 14. Februar. Die Wählerlisten können auch an allen Werktagen von 15 bis 19 Uhr von jedermann oingesehen werden. Einsprüche sind mündlich oder schriftlich dort, wo hio Wählerlisten aufliegen, einzubringen. Sedenkseker Kr A. D. Gordou, Sonntag, den 13. d. M., haW 8 Uhr abends, findet im Saale des jüdischen Zentrums, 2. Bez., Untere Augarten« straße 85, ein von dem zionistischen Landeskomitee gemeinsam mit der Hitachdukh veranstalteter hebräischer Gederrkabend anläßlich der fünften Wiederkehr deS Todes A. L. GordonS statt. Die Eröffnungsrede wird Herr Tr. David Rochblum, die Tendenzrede Herr OberrabViner Dr. Z. P. ChajeS lmlten. Sud M SdpenheiMr. Ein histsrifches PorttSt. Jon Dr. Loo Goldhamttner. Ojr und mit Recht wird die Frage aufgeworfen, wie eS denn möglich sei, daß Christen, die niemals mit einem Juden auch nur das geringste zu tun, ja niemals einen Juden zu Gesicht bekommen hatten, dennoch vom Judenhaß nicht siei find. Denkt man aber an die Verbreitung der Märchen Hauffs und insbesondere an dessen Erzählung „Jud Süß", so wird man, wenigstens zunr Teil, eine Erklärung für diese eigenartige Erscheinung finden. Es wäre gewiß interessant, zu untersuchen, wie Jnd SÜß Oppenheimer zu dem von Hauff dargestellten Ausbund vor: Schlechtigkeit irr der Volks- Phantasie geworden ist. Jin nachfolgerrden begnügen wir uns, die Figur zur Darstellung zu bringen, die historisch wirklich war und deren Verzerrung das Hansische Märchen bildet. Die Wirtschaft de» Deutschen Reiches vor dem Dreißigjährigen Krieg ist dadurch gekennzeichnet, daß der Bauer und Grundherr keine Waren produziert, sondern grundsätzlich nur für den eigenen Bedarf und niemals für den Verkauf wirtschaftet. Nichtsdestoweniger gibt es einzelne Waren, vor allem ausländische, die er sich nur im Wege des Handels beschaffen kann. Solche Waren lvareu vor allem Gewürze, kunstvolle Waffen, feine Ge>- webe, welche die eigene Kunstfertigkeit nicht herzu stellen vermag und die sich der einzelne nur dann zu verschaffen in der Lage ist, wenn er die Ueberschüsse der eigenen Wirtschaft in Tausch gibt. Es lag nun in der Natur der Sach«, daß dieser Handel in den Händen der Jude» sich befand. Bor allem waren sie durch ihre zweifellos kulturelle Überlegenheit, die sie damals besaßen, dazu befähigt, aber auch durch ihre ausgezeichneten internationalen Bcziet-- Hungen und durch die Möglichkeit, sich mit Hilfe der hebräischen Sprache überall verständlich zu machen. Mit anderen Worten: der Bauer und Gutsherr war der Träger der Naturalwirtschaft, der Jude der Träger der Geldwirtschaft. Der Dreißigjährige Krieg hat in diesen mittelalterlichen Kultur- und Wirtschaftsverhältnisscn des Deutschen Reiches eine völlige Verändert» ng herbeigesührt. Durch diesen Krieg war das Großkapital und der Großhandel zerschlagen und die Wirtschaft zur Gänze vernichtet. Die Finanzen mußten nach diesem langdauernden Menschenmorden von neuem geordnet werden; dazu war Geld notwendig. Das Müuzwesen und die Geldsteuern traten in den Vordergrund. Zugleich mußte der Kleinhandel, insbesondere in der Form deS Hausiorwesens, um sich greisen. Die Landesfürsten förderten im ureigenstell Interesse diese Erttwicklung, indem sie die Monopole der Städte, Stände und Zünfte aufhoben und daS Kleingeroerbe und die HauSirrdustrie stärkten. Sie brachten Industrielle und Manufakturisten, Meister und Arbeiter in ihre Länder. Auch die in dieser Zeit erfolgte Umstellung des Militürrvesens, die Umbildung der Söldnerheere irr Landesarmeen rvar von großer wirtschaftlicher BlLeutung. Dem heimischen Gewerbe wurden nämlich dadurch neue, ständige Absatzquellen erschlossen, andererseits rvurde die Herbeischassung von großeir Geldsummen zur Bezahlung dieser Armeen ,rotwendig. Die Juden, die längst vom Großhandel ausgeschaltet lvaren — man denke an die Fugger! — stellten schon seit langem die Faktoren, Zwischenhändler und Agenten, wirtschaftliche Funktionen, die gerade bei der verärrdrrten Handelslage unentbehrlich waren. Der Harrsierhandel gewarrn immer mehr an Umfang und Bä»eutung. Dadurch, baß die bisher durch Monopole, Privilegien und Zunftzwarrg bevorzugten Christen in das Hintertreffen des lvirtschaftlichen Kampfes gekommeir ioaren, trgteir die bisher wegen ihres Zwischenhandels geringschätzig beharrdeltm Juden in den Vordergrund. Die Juden bedeuteten aber auch für den LandrssÜrsten ein bedeutend besseres Element bei der Durchführung von volkStvirtschastlicheu und finanziellen Plänen. Ob es sich nun um Handel oder Industrie, um Heeresvettvaltung und damit auch um Steuern oder Münzwesen handelte, immer wieder war man auf di« Hilfe, die Beziehungen ...1.uaiJLflaiOüMP^ ..f| und das Geld der Juden angewiesen. Die Blütezeit der Hoffaktoren war gekommen und sornit auch die Zeit für alle jene Fähigkeiterr, die Joses Süß OpPanhePMer aufzuweisen hatte. * Der Name Oppenheimer wurde von ern-r großen mld weitverzlveigten jüdischen Familie geführt, die aus Oppenheim am Rhein stammte. Dieses Städtchen wurde bei einer in der damaligen Zeit nicht selten vorkommenden Feuersbrunst eingeäschert, und die Mitglick»er dieser Familie warm gezwungen, sich in alle Gegenden Mitteleuropas zu verstreuen. Zu größtem Ansehen ist der Zweig der Wiener Oppenheimer gelangt, dessen hervorragendster Repräsentant der kaiserliche Hoffaktor Samuel Oppenheimer war. Ci» anderer Zweig ließ sich in Heidelberg nieder, dem Josef Süß entsprang. Josef Süß Oppenheimer war der Sohn deS Jffachav Süßkind Oppenheimer und seiner Gattin Michal, einer Tochter des Chasan Salomon aus Frankfurt a. M. Sein Geburtsjahr steht nicht fest. Die häufigen Feuersbrünstc, und Verfolgungen der Juden brachten cs mit sich daß die damaligen Matriken und sonstigen Aufschreibungm verbrannt oder verloren gegangen sind. Josef Süß gibt das Jahr 1698 oder 1699 als sein GÄurtsjahr an. Richtig dürfte jedoch das Jahr 1693 fein. Die Vermutung, daß Josef Süß sich um acht bis zehn Jahre jünger machte, weil er einem Gerücht entgegettarbeiten ivollte, daß er ein unehelicher Sohn deS kaiserlichen General feldmürschalleutnants und Ritters des Deutschen Or dens Georg Eberhard v. Heydersdorf sei, dürste nicht stichhältig sein; begründet wird dieses Gerücht auch noch damit, daß der Vater Josef Süß' wegen seines angeb lichen Schauspielerberufes sich durch viele Monate außerhalb Heidelbergs aufgehalten habe und daß schließlich v. Heydersdorf ohne genügend aufgellärte Gründe tu Ungnade gefallen war und wegerr ,lNbegrÜndeten Verrates zum Tode verurteilt nmrde, daß aber in Wirklichkeit seine unerlaubten Beziehungen zur Mutter Joses Süß' die wahre Ursache gewesen seien. Tatsächlich aber dürste Joses SÜß sich mir ans persönlicher Eitelkeit Hbf

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.