Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2853 (6.2.1927)
- Date
- 1927-02-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Lette 2 Wien, Sonntag Mt««« MorgerrzettiMK 6. Febrmrr 1S87 Nr. 3883 *89« 909999990909099909999909999000 Wer olle mSgllcheV 9999 ■ m ■ KllWWMkN » > i ■ ■ durchgemacht ha: und trotz großer oiälischer Entbehrungen keine Gelvichtsabnahme erzielen tonnte, versnche Dr. Hoffbaners Gmfe,t««'S- »adtetteu, die vor allem keine Aenderung der gewohnten Lebensweise verlangen und in kürzester Zeii Gewichtsverminderung bewirken. — Depot« i Dpoihele H. Bayer, Wollzetle Rr. IS I Cop^rised K7 Karop*an Ptcw, London. Nachdruck »erboton. Palästina und das zionistische Programm. Bon Commander I. M. Ken^ortljy. Mitglied des Unterhauses. Die Lage in Palästina ist einzig in ihrer Art. Das» Land wurde von britischen Waffen, unter dem aktiven Beistände jüdischer Legionen, die von jüdischen Bürgern verschiedener Staaten gestellt waren, nnd mit Hilfe arabischer Legimren unter dem Kommando der Söhne König Husseins erobert. Während des Krieges kam die französische Regierung, die gleichfalls Ansprüche aus eroberte Gebiete in der Levante hatte, mit der britischen Regierung zu einem Uebereinkommen, daß diejenigen Gebiete, die den Siegern in Syrien und im Lbanon zur Verteilung zur Verfügung standen, an Frankreich gehen sollten, Pa'ästina dagegen, einschließlich der User des Jordans, an England. Zur selben Zeit gab Groß-Britannien eine offizielle Regierungserklärung ab, die verkündete, daß es seine Absicht sei, in den Gebietsverteilungen nach dem Kriege, dem jüdischen Volke, das über die ganze Welt verteilt ist, die Möglichkeit zu geben, seine Nationalheimat wieder zu errichbcn. Das Mandat für Palästina wurde vom Völkerbunde Groß-Britannien übertragen, unter der ausdrücklichen Bedingung, daß die beabsichtigte Politik durchgeführt würde. Der Jahrhunderte -alte Traum des jüdischen Pulkes hat daher jetzt die Aussicht, in Erfüllung zu gehen. Gjoß-Britannien regiert das Land als Mandatsnmcht und ist verpflichtet, der jüdischen Einwanderung und der jüdischen Landbesiodlung und der faktischen Wiedererstehung der jüdischen Nationalheimat jede Unterstützung zu geben. Das Land ist klein und seine Grenzen sind künstlich. Im Osten ist es vom Jordan begrenzt, und obwohl Transjordanien nominell öott einem arabischen Herrscher, dem Emir. Abdullah, dem Sohn des vorgenannten Königs Hussein regiert wird, ist es tatsächlich unter wirksamer bri ifcher Kontrvlle. Die Verwaltung Palästinas selbst auf dieser Seite des Jordans ist von der Transjordaniens getrennt. In dem Trubel der Friedensverhandlungen fragte C lemenceau plötzlich Lloyd George, wie er sich die Grenzen Palästinas denke. Der britische Staatsmann war zwar mit sorgfältig ausgearbeiteten Belegen über die territorialen Ansprüche und Argumente versehen worden, aber er hatte sie verlegt. Er erinnerte sich jedoch seiner früheren biblischen Lehren und erklärte, daß sie sich „von Dan bis Beersheba" ausdehnen sollten. Der Verlauf dieser historischen Grenzen ist heute etwas ungewiß. Trotzdem ist man sich aber über die Grenzen einig geworden und eine große Umformung hat in nicht weniger als acht Jahren stattgefunden. Es gibt in Palästina drei verschiedene eingeborene Elemente: die arabischen Christen, die arabischen Moslemo und die eingeborenen Juden. Dazu kommen einige wenige verstreute Kolonien zionistischer Siedler, die sich bereits vor dem Kriege dort niedergelassen hatten, als das Land noch unter türkischer Herrschaft stand, unterstützt durch die Großmütigkeit der RothschildFamilie und anderer reicher jüdischer Philantrvpen. Bor dem Kri.'ge betrug die jüdische Gesamtbevölkerung 64.000 Einwohner, am Ende des Krieges aber sank sie bis auf weniger als 60.000 herab. Die Mohammedaner machten am Ende des Krieges 521.000 aus, und die eingeborenen Christen, meistens Araber, 77.800. Heute, als Resultat der jüdischen Einwanderung und des Ansteigens der Bevölkerung gibt es 153.000 Juden oder 18 Prozent der Bevölkerung, 641.000 Moslems, von denen 100.000 wandernde Beduinen sind, oder 72 Prozent der Bevölkerung, 78.000 Christen, oder 9 Prozent der Bevölkerung und 10.000 Drusen. Ernste Schwierigkeiten bestanden von Anfang an für die zionistischen Kolonisten. In erster Linie ivar, obwohl das Land, verglichen zu seiner Größe, dünn besichelt war, beinahe das beste Land überall schon von Arabern beseüt, und beinahe das gesamt« Land, das von den zionistischen Organisationen bisher erworben rvorden ist, mußte zu vollem Marktpreise dezahlt werden. Dieser Marktpreis war verhältnismäßig hoch Gegenwärtig sind 48.000 Acker Landes für landwirtschaftliche Avecke vom jüdischen Naliynalfonds ang'kau't worden, und 400 Aecker städtischen Ackers sind gleichfalls im Besitz dieses Fvllds. Zweitens hatten die Jahrhmwerte arabische und türkischer Herrschaft das Land jeglichen Waldbestandes entblößt, und das komplizierte Bewässerungssystem, das unter der alten jüdischen und römischen Herrschet errichtet worden war, war verntch et worden. Ei'enbabuen und Weglvrbindungm waren gleichfalls schlecht, das gesamte Gesundheit?-. Verwaltung-- nn* Gesetzesst, **m war östlitfr’n BerMMen «lgepaßt. Ei.rc weitere Sch.oierigleit i.t di.' Tatsache, daß in Palästina bisher Mineralien nicht entdeckt worden sind, obwohl Oellager von Wert existieren sollen. Abgesehen von der Errragsfähigkeit des Bodens, gibt es keine natürliche Hilfsmittel, mit Ausnahme chemi.a ischer Lager im Toten Meer. Andere Nachteile, die ntait nicht übersehen darf, waren die Feindseligkeiten und das Mißtrauen der Araber, beider, der Mohammedaner sowohl, wie der Christen, und, besonders in früheren Jahren, der unverblümte Antisemitismus vieler britischer Beamter. Es sei zunächst gesagt, daß diese letzten Schwierigkeiten zum größten Teil beseitigt sind. Das Verhalten der Araber den Juden gegenüber, ist nun weit freundlicher, als vordem. Die Zionisten haben viel Geld ins Land fließen lassen und haben große Arbeitsmöglichkeitcn geschaffen, haben sich taktvoll und hilfreich benommen uttb die Araber modernere Methoden der Lantvvirtschast gelehrt. Die Zionisten haben Schulen errichtet, technische Schulen und Hospitäler, in denen Araber und Juden ohne Unterschied der Nationalität gelehrt und behandelt werden. Die britische Regierung hat in ihrer Politik „das Spiel gestielt", und die antisemitischen Beamten haben entweder das Land verlassen oder ihre Ansichten geändert, obwohl es immer nockeinigen Widerstand in dieser Hinsicht in gewissen Teilen der Beamtenschaft gibt. Die Zeit jedoch ivird auch diese letzte Schwierigkeit beseitigen.. Die Straßen sind in einem bewunderungswürdigen Grade verbessert worden, desgleichen die Eisenbahnen. Das B^ällerilna^v^em ist .. i ■'«.. >«»' 11' imi ... Heute abends halb 8 Uhr Dr. Präger: Jüdische Schwänke Mittlerer Konzerthaussaa) Ih«: Brutstact^il .viu..... .. ..... ... trockengelegt und Forste gepflanzte Der australische EukalyptuS-Baum ist mit großem Erfolg eingesührt worden und entwickelt sich hervorragend. Aber die größte Schwierigkeit, die überwunden wurde, war, städtische und stadtgewohnte Juden ans den Städten Zentral- und.Ost-Europas nach Palästina zu schaffen, und sie zu erfolgreichen Pflegern des Bodens und des Viehes zu machen. Biele bezweifelten die Möglichkeit eines Erfolges, und doch ist es gelungen. Tatsächlich ist dies nicht nur erreicht worden, sondern diese städlischen Juden evreiseu sich als ausgezeichnele Farmer, Viehzüchter und Landwirte. Viele der Siedlungskolouien versorgen sich selbst, oblvohl ihre Bewohner erst seit drei Jahren im Lande ansäßig sind. Alles wird nach wi'senschast ich n P.i^zi i n a :sgesührt. Nack) Errichtung einer Kolonie ist es das erste Werk, jdcwerhafte Ställe und Gebäude für das Vieh zu errichten. Die Kolonisten selbst leben in den ersten Jahren in Zelten und MÄlblech Hütten. Alles vorhandene Geld wird zunächst einmal in das Land mw Ställe für das Bich gesteckt, und dann erst sorgen die Menschen für sich selbst. Jüdische Wissenschafter sind damit beschäftigt, in Versuchsstationen und Unterfuchnttgslolegieu, die eigens zu diesem Zweck von den zionistischen Organisationen in Palästina errichtet worden sind, bei ernstem Studium an den Pflanze und den Tieren die verschiedenen Krankheiten zu studieren, das beste Getreide zu erzeuget, kurz, die beste,« Mittel zu finden, um Vorteile m,s dem reichen Boden: nnd dem guten Klima des La,.des zu gewinnen, Kanonen!rmd> Baumwolle zum Beispiel werden sehr erfolgreich angebaut. Noch ist die industrielle Seite vernachlässigt worden. Fabriken sind errichtet ,norden und eine Anzahl jüdischer Kapitalisten sind ins Land gekommen, die Kapital und gute Arbeiter, ihre Kenntnisse und ihre Geschäftsverbindungen» mitgebracht haben; und es gcht ihnen gut. Das Land wird elektrifiziert. Große Kraststai innen sind nt Haifa uitb Jaffa errichtet worden und die Arbeit schreitet fort. In einer Ueberlandkraststation an den Ufern des Jordans wird das Wasser dieses historischen Flusses der Erzeugung von Elektrizität dienstbar gemacht. Billige Elektrizität wird für das gesamte Palästina, Transjordameie und Syrien vorhanden sein, wenn dieses Werk vollendet ist. Die Chemikalien deS Toten Meeres sollen ausgenutzt lverden, sobald gewisse türkische Konzessionen, di: nicht ausgenützt worden sind, ab gelaufen sind. Es gab eilte große Anzahl Schwierigkeiten, sie sind aber alle durch Energie und Glauben überwunden worden. Keine anderen Kolonisten hätten das vollbringen können,, was diese jüdischen Emigranten erreicht haben, angesichts so vieler Schwierigkeiten und einer anfangs so feindlichen Eingeborenenbevölkerung. Es ist ihnen nur deshalb geglückt, weil die Juden: Patrioten sind. Sir sehen ein, daß ihr größter Traun», die Wiedererrichtung der jüdischen Nationatheimat nun eine wirkliche Chance hat, verwirklicht zu »verden. Illoch vor vier Jahre,: dehnten sich in der Nähe von. Jaffa eintönige Sanddüne:: aus. Heute hat eine moderne Stadt deren Platz eingenommen. Ihre Bevölkerung beträgt 44.000 Einwohner, dir Straßen sind gepflastert, die Straßenbeleuchtung ist elektrisch, moderne Hotels sind vorhanden, desgleichen schöne kommerzielle Gebäude, Garten und Boulevards, moderne Wasseranlagen und all die Vorteile einer reichen westlick-en Großstadt. Die Gesamtheit der Bevölkerung ist jüdisch und beschäftigt sich mit Handel und Industrie. Tel Awiw schlägt alle Rekorde im Städtebau in Klondyke oder West-Amerika nnd wächst ,veiler. Die Geschichte Palästinas s it dem Krieg: ist ein großer Vioman. Sie ist ein Krcditposten für die britische Regierung die Emgeborenenbevöllerung und vor allem für die zioni stische Weltbeivegung. Ire Sdoifl Ägevth. ß?o» Alcharo Llchiheim. Ueber das in New g»otf abgeschlossene Abkommen zwischen dem Präsidenten Weizmann und der Joint-Gruppe hat sich eine immer reger ,verdenke Diskussion enisponnen, in deren Verlaus das gewesene Mitglied der zionistischen Exetuilve, Herr L i ch t h e i nt, bekanntlich einer der Leiter der Zionisten-Revistonisten. das Wort nimmt. In der ..Wiener Morgenzeitüna" vom 30. Jänner sticke ich ein Interview des Pariser Vertreters der „Jta mit Herrn Sokolow Über das neueste Abkommen zur „Erweiterung" der Jewish Agency. Danach behauptet Herr Sokolow, das Mandat besage, „daß die Zionistische Organisation die Jewish Agency repräsentiert, bis eine Institution, die das ganze jüdische Volk repräsentiert, eingesetzt ist. Sobald die neue Agcmcy konstituiert ist, wird nur noch übrigblei-ben, die Mandatsmacht davon in Kenntnis Au sehcrri." Der Vertreter der „Jta" muß Herrn Sokolow in diesem — recht wichtigen — Punkte mißverstanden haben, denn man darf nicht annehmen, daß Herr Sokolow, Vorsitzender der Zlonimistlscherr Exekutive, den Text des Artikels 4 des Mandats nicht kennt. Dieser Artikel 4 ist vollkommen klar und eindeutig. Er besagt dreierlei, nämlich: 1. Es soll eine Jewish Agency, d. h. ebne jüdische BertretungSkörperschast anerkannt werden (deren Funktionen im einzelnen erläutert werden). 3. Als diese Jewish Agency soll die Z i o n l st i s ch e Organisation anerkannt werden, solange die Mondo tSm acht diese Organisation hiezu für geeignet hält. (Diese Einschränkung bedeutet nichtandere-, als daß der MandatSmacht nicht zugemutet werden kann, die ^»nlstlsche Organisation allegitime Vertretung zu betrachten, wenn di« Organisation hinsichtlich ihrer Größe und Leistungsfähigkeit htefür nicht mehr so geeignet erscheint, wie «tont zur Zelt der Gonehmigumg de- Mandats. Dieser Fall liegt nicht vor, und daher hat die MandatSwacht ihrerseits nie daran gedacht, die Zionistische Organisation als Jewish Agency durch ein« ander« Organisation ersetzen zu wollen.) 3. Diese Jewish Agency (welche mit der Zionistischen Organisation identisch ist) soll sich bemühen, die Mithilfe der gesamtcn Judonhsit für den Ausbau Palästinas zu gewannen. Mit keinem Worte wich im 8 4 des Mandats gefordert oder auch nur angedrutet, daß die Heranziehung a»nderer jüdischer Kreise zur Mita»-ett am Ausbau Palästi- . nas eine Aenderung im Verhältnis der Zionistischen Or» ganisation zur Mandatsmacht, nämlich die Übertragung der Funktion der Jewish Agency von der Ziomstlschm Organisation auf eine andere Körperschaft zur Folge habon müsse. Eine solche Deutung wäre nicht nur willkürlich, sie würde mit dem sehr klarM Text des Mandats in offenem Widerspruch stehen. Eine ganz ander« Frage ist es, ob es zweckmäßig erscheint, daß die Zionistische Organisation, d. h. di>e Jewish Agency, freiwillig eine Abänderung deS MandntStexies erstreben, nämlich die UeHertragung der Agcney-Funktion an eine mit der Zionistischen Organisation nicht identische Körperschaft verlangen söll^ Die englische ReglorMg hat natürlich keinen Grund, ein solches Verlangen abzulehnen, wenn es von der Zionistischen OrgMtsntion selbst ausgeht. Sie hat daher schriftlich ihre Zustimmung erklärt, als die Exekutive auf Verlangen Dr. Weizmanns vor 4 Jahren an daS kolonial Ofsiee die Anfrage richtete, ob die englische Regierung einverstanden sei, wenn die Jewish Agency durch andere jüdische Kreise, insbesondere durch Vertreter der englischen Judenheit erweitert werde. Diese Anfrage an das kolonial office gehört mit zu den vielen Unüberlegtheiten der Weizmannschen Agency- Pokitik. Selbstverständlich durfte dies« Anfrage nur erfolgen, wenn man de- Beitritteder englischen Juden zur Agency sicher war. Aber die damals hastig und planlos begonnenen Vorhar.dlungon führten zu nichts und wurden dann jahrel^g völlig vernachlässigt, weil inzwischen der neue Marsholl-Stern am Agoney-Himmel ausgegangen »vav. Das L'esamtresultaj der nummchr fün'fjährigen A'gemy'Voliiik Dr. Wetzmmms ist glcich Rull. Daß gewisse Joint-Krei'ss in A'merisi» bereit sind, sich in dieser oder jener Form auch an d>ax Pailästina-'AlHclt -u betciligen, tverrn man von itznen keine großen LeistullMN verlangt umd ihnen ztr^stchk, daß Palästina ein WM-bhilantthrcP'itscheS B-iätigt-ngs'seLd n-ben anbersn daustellt — dqg wußten wir längst uutd hra»!cht«n doziu nicht den KutMvf tm» vis Agency. Aber man hat uns ja seit fiinf Nabren vorerzählt, daß hie sofortig« grotze H'.kße von Anrerika nur zu erwarten H wenn wir «der Elweitsvung 'der Av-sney zuftimmten. Parcu-'f haben unsere Krmgvrssö und M-onMmi-dee- Pihum-sn den Widerstand einer kla!non Ovpv' stdion Ja rtNd Amen gesagt. Dr- Weidmann «rhistt